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Marion Beyer
www.klassik.com, March 2009

‚Weder von unwissenden noch von gelehrten Menschen will ich gelesen werden.‘ Dieses Zitat aus Ciceros Werk ‘De oratore’ erschien auf der Titelseite der Druckfassung der 12 Sonaten des schwedischen Barockkomponisten Johan Helmich Roman. Das Booklet der vorliegenden Aufnahme gibt dieses Zitat aus gutem Grund wieder, hebt diese Aussage doch das Ziel, welches der Komponist mit seiner Sonatensammlung für Traversflöte und Basso continuo anstrebt, deutlich hervor. So steigt in der Reihenfolge dieser vier- bis sechsätzigen Werke zunehmend der technische Anspruch an die Flöte, weil von Sonate zu Sonate sowohl die Unterteilungen des Grundimpulses immer kleiner werden, wie auch die Länge der vielen rein figurativen Passagen in kleinen Notenwerten immer größer erscheint.

Obwohl der Booklet-Text mit lobenden Tönen den Schweden Roman zu einer Komponistengröße seines Landes erhebt, bleibt fragwürdig, ob seine Flötensonaten von immerhin insgesamt zweieinhalbstündiger Dauer wirklich dem Anspruch einer Doppel-CD gewachsen sind. Das Trio Verena Fischer, Traversflöte, Klaus-Dieter Brandt, Barockcello, und der Cembalist Léon Berben hebt zwar nicht alle Zweifel hinsichtlich dieses zugegebenermaßen eintönig anmutenden CD-Programms auf; es legt jedoch bereits mit der ersten Sonateninterpretation einen überaus hörenswerten Start hin. Die Kompositionsweise der Sonate in g-Moll ist zwar weniger von spektakulärer Experimentierfreudigkeit; eine kleine Besonderheit liegt aber in der Art der Melodiegestaltung, welche durch die vielen Pausen und kleinen Motive einen nahezu außergewöhnlich fragmentarischen Charakter trägt. Diese Auffälligkeit lässt sich bis in die letzten Sonaten hinein beobachten und wird auch deshalb so gut wahrgenommen, weil dem Trio trotz des gehemmten Melodieflusses ein durchgehender Spannungsbogen gelingt. Während die letzte Sonate im zweiten Satz mit der Bezeichnung ‘Allegro’ den technisch höchsten Schwierigkeitsgrad für die barocke Querflöte erreicht, hinterlässt die vorletzte und fünfsätzige Sonate in e-Moll den nachhaltigsten Höreindruck. Dies liegt daran, dass Roman alle seine Sonaten aus Tanzsätzen aufbaut, welche auch autonom und unabhängig des jeweiligen Satzzyklus für sich stehen können, er aber einzig in der zehnten Sonate auf volkstümliche Musik in Form der sogenannten ‘Piva’ zurückgreift. Bemerkenswert auffällig sind in dem Tanzsatz ‘Piva’ die für die Barockzeit ungewöhnlichen Bordunstimmen im Basso continuo, welche mehr an schottische Nationalmusik als an den galanten und gelehrten Stil des Barock erinnern lassen.

Die drei renommierten Interpreten und international hoch geschätzten Musiker auf dem Gebiet der Historischen Aufführungspraxis geben bei dieser Aufnahme eine durchweg solide Leistung ab. Die Klangbalance zwischen Traversflöte und der Basso-continuo-Gruppe ist angenehm ausgewogen und stellt die Flöte als tragendes Melodieinstrument deutlich in den musikalischen Mittelpunkt. Dies mag auch daran liegen, dass die Flötistin Verena Fischer über einen erstaunlich klaren und voluminösen Ton verfügt, der auf der recht schwer ansprechenden Traversflöte für gewöhnlich nicht vorausgesetzt wird. Zudem präsentiert Fischer, welche zunächst die ‘moderne Querflöte’ studierte, eine sehr gute, saubere Intonation, welche die intonationstechnischen Schwachstellen der barocken Flöte nicht hörbar werden lässt. Die einzige Schwäche an Fischer Spielweise liegt in dem bisweilen zu harten Ansatz der Traversflöte; dadurch erklingen besonders die technisch anspruchsvolleren Passagen sehr übermütig und stellenweise ein wenig gekünstelt. Außerdem setzt die Flötistin ein schnelles Vibrato ein, welches zwar für die metallene Flöte durchaus wünschenswert ist, auf dem schwer schwingendem Holz der Traversflöte aber unnatürlich wirkt. Ein großes Lob gebührt der Gruppe des Basso continuo, denn das Cello hält sich im Gegensatz zum Cembalo dezent im Hintergrund und verleiht auf diese Weise dem präzisen, leichten Cembaloklang lediglich eine weitere Farbnuance. Die technische Perfektion aller Interpreten erweckt mit steigender Nummerierung der Sonaten einen zunehmenden Eindruck von zwar äußerst konzentriertem und kultiviertem, aber wenig inspiriertem Spiel.

Die Herausgabe einzelner Sonatenaufnahmen des schwedischen Komponisten in direktem und lohnenswertem Vergleich zu anderen Barockkomponisten wie Telemann oder Händel würde dem Sonatenwerk Romans noch mehr Würde verleihen. Letztendlich ist Romans Anspielung auf Händels Blockflötensonate F-Dur, op.1 in seiner eigenen letzten Sonate als ein direkter Wink seines Anspruchs auf Gleichstellung mit den Komponistengrößen seiner Zeit zu betrachten.






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6:15:38 PM, 30 January 2015
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