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Album Reviews



 
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Aron Sayed
www.klassik.com, April 2010

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:

Wer György Ligetis (1923–2006) Streichquartett Nr. 1 mit dem Beinamen ‚Nächtliche Metamorphosen‘ kennt, wird wahrscheinlich zustimmen, dass es bei diesem wilden, 1953 und 1954 komponierten Werk für das Publikum über weite Strecken angebrachter wäre, nicht still zu sitzen, sondern einen Pulk zu bilden, um sich tanzend gegenseitig durch die Gegend zu schubsen. Im Vokabular des Heavy Metals findet sich ein Wort dafür: Moshen. Der rhythmischen Radikalität und motorischen Ansteckungskraft von Ligetis beiden Streichquartetten wird die jüngst bei Naxos erschienene Einspielung mit dem Parker Quartet vollauf gerecht.

Lauscht man dem sich in höchste Lagen schraubenden Unisono-Rhythmus zu Beginn des ‚Presto‘-Abschnitts im ersten Satz von ‚Nächtliche Metamorphosen‘ oder dem ‚Presto furioso, brutale, tumultuoso‘ des zweiten Quartetts von 1968, bleiben hinsichtlich interpretatorischer Professionalität und Emphase des Tonfalls kaum Wünsche offen. Mit beinahe traumwandlerischer Sicherheit folgt das noch junge Parker Quartet im ‚Allegro nervoso‘ des Quartetts Nr. 2 den abrupten Wechseln zwischen statischen Klangflächen a la ‚Atmosphères‘ oder ‚Lontano‘ und Eindrücke von Chaos beschwörenden Ausbrüchen im Fortissimo. Ein ums andere Mal begeistert, wie ausgeprägt bei den vier Musizierenden der Sinn für Ligetis Gleiten von Prozess- in Geräuschhaftigkeit und umgekehrt ist.

Grazile Gebilde wie das alle vier Sätze von ‚Nächtliche Metamorphosen‘ durchziehende, immer neue Verwandlungen erlebende Viertonmotiv gelangen genauso zur Geltung wie der maschinelle Charakter des ‚Come un meccanismo di precisione‘ überschriebenen Pizzicato-Satzes im zweiten Quartett. Sicher, vergleicht man vorliegende Interpretationen mit denen des etablierten Arditti-Quartetts, so wirken einige Passagen vom Klang her etwas zu ‚metallisch‘, der ruppige Gestus in seiner Permanenz ein wenig einseitig. Gerade die aus Ligetis fantasievollen Dissonanzen hervorgehenden Klangfarben könnten manchmal mit noch mehr Gespür herausgearbeitet werden. Solche Winzigkeiten stören aber eigentlich gar nicht. Insgesamt kann man die Flexibiliät und nahezu vollendete Spieltechnik des Parker Quartet nur bewundern. Dies zumal gerade Flexibilität für eine gelungene Interpretation der Streichquartette des Ungarn von hoher Bedeutung ist. Denn wer den im dritten Satz von ‚Nächtliche Metamorphosen‘ leise anhebenden Walzer und seine gleich darauffolgende lustvolle Zerstörung prägnant zur Darstellung bringen will, wer gleichermaßen auf die explosiven klanglichen Reibungen und komplexen Strukturen dieser Werke abzielt, dem bleibt nichts anderes übrig.



Dirk Wieschollek
Fono Forum, March 2010

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Georg Henkel
www.musikansich.de, January 2010

FACETTENREICH

Bei dieser technisch untadeligen und künstlerisch rundum überzeugenden Produktion mit György Ligetis Kompositionen für Streichquartett ragt die Einspielung des 1. Quartetts Métamorphoses nocturnes noch einmal heraus. Dem Parker Quartett gelingt es, dieses 1954 noch in Ungarn für die Schublade komponierte Stück als völlig ebenbürtiges Werk neben dem avancierten zweiten Quartett von 1968 zu präsentieren. Die Kunst liegt in der höchst differenzierten Artikulation und einer immer wieder aufregenden Detailarbeit. Dadurch schaffen es die Parker-Leute, das frühe und lange Zeit zurückgehaltene Werk in jedem Moment zukunftsträchtig klingen zu lassen.

Obwohl das erste Quartett noch im Horizont der unter dem sozialistischen Kulturdiktat verfemten modernen Quartette Bartoks entstand, erscheint in dieser Einspielung die Physiognomie des reifen Ligeti doch schon voll ausgebildet. Die zeigt sich nicht nur in dem bizarren, gleichermaßen surrealen wie nekrophilen Humor, der diesen Variationenzyklus beseelt—ein famoser Danse macabre. Er lässt sich bis in die Klanggestalten und Strukturen hinein verfolgen, die sich ebenso noch im Spätwerk finden: Zum Beispiel die Kompression des Tonraumes oder harsch gegeneinander gesetzte Blöcke, pseudo-maschinelles Ticken, lontano- und moriendo-Momente. Also: Das Vokabular an Möglichkeiten und die musikalische Vision sind im Grunde schon vollständig entwickelt. Nur Syntax und Grammatik mussten sich durch die Auseinandersetzung mit der westeuropäischen Nachkriegsavantgarde noch verändern (ohne die Eigen- und Querständigkeit aufzugeben).

Das Ergebnis dieser Transformation kann man im zweiten Quartett hören, das nach über vierzig Jahren noch nichts von seiner musikalischen Kraft verloren hat. Zwar klingt das Ensemble hier (wohl auch aufnahmebedingt) nicht ganz so präsent und körperlich, wie das Artemis-Quartett (EMI). Doch Attacke und Verve sind vergleichbar elektrisierend, wobei auch hier wieder die Detailarbeit besticht.

Was aus Ligeti hätte werden können, wenn er weniger charakterstark und genialisch gewesen wäre und als angepasster Komponist in Ungarn geblieben wäre, davon vermitteln das 1950 komponierte Andante cantabile und Allegretto capricioso eine Ahnung: handwerklich saubere, eingängige, doch nicht schlichte Musik ist das. Freilich: Wäre der Komponist dabei geblieben, wären die Stücke wohl bald vergessen worden. So aber fügt diese empfehlenswerte Aufnahme dem bekannteren Oeuvre Ligetis mit diesem Appendix eine interessante Facette hinzu.






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12:05:18 PM, 17 September 2014
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