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Silvia Bier
www.klassik.com, February 2010

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:

Der Lebensweg Jean-Marie Leclairs ist in groben Zügen recht gut dokumentiert. Die wenigen Berichte zu seiner Persönlichkeit zeichnen das Bild eines etwas verschrobenen, schwierigen Menschen, der unfähig ist, sich in die hierarchischen Strukturen als Musiker am Königshof einzufügen. Sein unstetes Leben endete in einem kleinen Häuschen in einer zwielichtigen Pariser Vorstadt, wo er schließlich ermordet wurde. Begonnen hatte er seine Laufbahn in Lyon als Tänzer und Maître à danser (Tanzlehrer), für den es praktisch obligatorisch ist, Violine zu spielen und ging schließlich nach Italien, um bei Giovanni Battista Somis seine Fähigkeiten als Geiger auszubauen.

Von seinem kompositorischen Schaffen sind vor allem seine vier Bücher mit Violinsonaten herausragend, begründeten sie doch einen modernen, virtuosen französischen Violinstil. Anhand seiner Violinsonaten lässt sich auch gut seine Entwicklung als Komponist ablesen. Die ersten beiden Bücher orientieren sich noch stark an italienischen Konventionen des Sonatenschaffens, die er geschickt mit dem französischen Instrumentalstil verband. Mit dem dritten und vierten Buch wird sein Ton nicht nur deutlich virtuoser, sondern auch experimenteller, die Harmonien sind kühner und die Melodien exzentrischer.

Insofern hat sich der englische Geiger Adrian Butterfield mit dem ersten Buch Leclairs der weniger effektvollen frühen Sonaten angenommen, deren Gestaltung dafür umso mehr musikalisches Geschick erfordert. Butterfield spielt auf einem barocken Instrument, und die Continuogruppe aus Cembalo und Gambe vervollständigt das einem historisch informierten Zugang verpflichteten Ensembles. Allerdings spielen Cembalo und Gambe so zurückhaltend (oder werden aufnahmetechnisch so in den Hintergrund gedrängt), dass man Mühe hat, sie deutlich wahrzunehmen. Aus der Anlage und dem Ambitus der Bassstimme hat man gefolgert, dass eine Gambe (und nicht ein Cello) das vorgesehene Continuo-Instrument ist. Angesichts der langen Tradition der Gambe in der französischen Musikpraxis war dies sicherlich eine gute Entscheidung. Butterfield selbst hat den Booklet-Text zu den Werken verfasst, was ihm recht gut gelungen ist. Neben einer kurzen Vorstellung des Komponisten versucht er, auf die Eigenheiten der Werke im Allgemeinen wie im Besonderen hinzuweisen, die er in seiner Interpretation dann mal mehr, mal weniger deutlich herausarbeitet. In jedem Fall lässt dies erkennen, dass er sich auch theoretisch mit den Werken auseinander gesetzt hat und weiß, was er tut und warum.

Zum Vergleich bietet sich eine Einspielung mit Luis Otavio Santos an, der Leclairs Sonaten aus dem vierten Buch interpretiert hat. Der Unterschied zwischen beiden Interpreten ist auffällig: Santos ‚spielt’ im wahrsten Sinne des Wortes und würzt die Stücke mit einer guten Portion Individualität und Lebendigkeit. Butterfield geht die Sache hörbar akademischer an: Seine Interpretation lässt viel Reflexion erkennen, wirkt wie aus dem Lehrbuch. Und hier zeigt sich ein Phänomen, welches ich schon bei zahlreichen Naxos-Einspielungen beobachten konnte: Meist sind es erfahrene Interpreten, die eine grundsolide Einspielung bieten; man kann ihnen lediglich den Vorwurf machen, zu blass und zu neutral zu bleiben. Auch Butterfields Interpretation ist technisch einwandfrei, musikalisch ansprechend und stilistisch treffend—aber wenig aufregend. Andererseits sind Naxos-Aufnahmen dieser Art hervorragende Studien-Aufnahmen für den kleinen Geldbeutel, die einen guten, angemessenen Eindruck des Werkes vermitteln, ohne ihnen einen allzu extravagant-persönlichen Stempel des Interpreten aufzudrücken.

In den schnellen Sätzen bemüht sich Butterfield den Tanz-Charakter zu betonen, der bei Leclair oft durchscheint (man denke an seine Ausbildung). Gut gelungen ist ihm das bei dem beschwingten 'Vivace’ der Sonate Nr. 11. Die langsamen Sätze der Sonaten Nr. 9 und 10 zeigen, was dem nachdenklichen Interpreten scheinbar mehr liegt: singende Melodielinien, in die kleine, elegante Verzierungen eingestreut sind. Es braucht schon den etwas rustikalen Rondeau-Charakter der Schlusssätze dieser Sonaten, um Butterfield zu kraftvollerem, temperamentvollem Spiel zu bringen.

Dafür, dass die Aufnahme in einer Kirche entstanden ist, wirkt die Akustik erstaunlich trocken. Insgesamt wird man den Verdacht nicht los, dass der etwas blasse und platte Eindruck der Instrumentalisten auch tontechnische Gründe hat und interpretatorische Feinheiten und das dynamische Spektrum von der Aufnahmetechnik „wegreguliert“ wurden.






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10:44:41 AM, 21 August 2014
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