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Christian Vitalis
www.klassik.com, October 2009

Volksmusik als Inspirationsquelle

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:

Dimitri Borissowitsch Kabalewski (1904–1987) ist zumindest dem Namen nach recht bekannt, ohne jedoch im hiesigen Konzertleben eine feste Größe zu sein. Der westlichen Rezeption mag erschwerend gegenübergestanden haben bzw. immer noch stehen, dass sich Kabalewski mit dem sowjetrussischen Regime zu arrangieren verstand; so wurde er Mitglied in der KPdSU und nahm in seinem Schaffen Rücksicht auf die Anforderungen des ‚sowjetischen Realismus’. Aber es half nichts; selbst in seiner Heimat war die Aufnahme vieler Werke (nach beträchtlichen anfänglichen Erfolgen) kühl. Bleibenden Ruhm hat Kabalewski lediglich auf dem Gebiet der didaktischen Musik für Kinder und Jugendliche erlangt. Aber war die Tatsache, ob ein Komponist beim Publikum seiner Zeit landen konnte, jemals ein Indiz für kompositorische Qualität? Wer Kabalewski also eine Chance geben möchte, findet im Plattenmarkt ein erstaunlich dichtes Sortiment vor—daran hat sich auch das Label Naxos beteiligt, das nach Aufnahmen hauptsächlich diverser Konzerte nun auch die Klaviermusik vorlegt. Nach den drei Sonaten sind nun die Präludien fällig.

Alle Dur- und Molltonarten

Kabalewski hat am Moskauer Konservatorium bei Nikolai Miaskowski Klavier und Komposition studiert. In seinem Schaffen dominieren trotz diesem Hintergrund Klavierwerke jedoch keineswegs; vier Klavierkonzerte und Werke für Klavier solo stehen neben Werken anderer Gattungen wie vier Sinfonien, vier Opern, zwei Cellokonzerten sowie diverser Kammer- und Vokalmusik. Neben den erwähnten Sonaten sind die hier zu hörenden und dem Lehrer Miaskowski gewidmeten 24 Präludien op. 38 sicher das pianistische Hauptwerk Kabalewskis. Die Zahl ‚24’ hat in der Musik Signalwirkung—und richtig: auch Kabalewski dekliniert in seinen Stücken alle Dur- und Molltonarten durch. Beim Hören offenbart sich der Unterschied etwa zu den Präludien eines Dmitri Schostakowitsch: Kabalewski experimentiert nicht im Bereich der Harmonik, sondern bietet klangvolle und im Charakter abwechslungsreiche Stücke, die von russischer Volksmusik zehren. Das mag musikgeschichtlich weniger bedeutend sein, schön sind die Präludien aber allemal. Auch die sechs Präludien und Fugen op. 61 sind keine Bach-Imitate, sondern sehr stark volksmusikalisch inspiriert. Erstaunlich, wie frisch und wenig trocken-kontrapunktisch diese Form hier wirkt; schade nur, dass die Beigabe latent patriotischer Titel (die allerdings vage bleiben und auch in der Musik bestenfalls angedeutet werden) dem Ganzen einen faden Beigeschmack verleiht. Wertvolle Miniaturen stellen die vier kurzen Präludien op. 5 dar.

Bestens gewachsen

Alexandre Dossin, der schon die Einspielung der Sonaten besorgt hat, beim Label ansonsten aber nur mit einer Produktion im Rahmen der Liszt-Edition in Erscheinung getreten ist, zeigt sich den technischen wie musikalisch-gestalterischen Herausforderungen der Musik vollauf gewachsen. Und die sind nicht gering; Kabalewskis Präludien verlangen manuelle Virtuosität ebenso wie großes Einfühlungsvermögen und eine merkliche Bandbreite stilistischer Ausdrucksfähigkeit. Nur so ist zu gewährleisten, dass der Hörer der etwa 50 Minuten dauernden 24 Präludien bei der Stange bleibt. Dossin gelingt das; er gestaltet jedes der Stücke in sich geschlossen, überzeugend und detailgenau. Er versteht es, verhaltene, ja geradezu traumverlorene Passagen zu gestalten, hat aber auch den Mut zu brutal gehämmerten Akkordkaskaden, fast so, als wolle er das arme Instrument zerschlagen. Lobenswert, dass man in solchen Fällen dennoch nie den Eindruck hat, Dossin könnte den Rahmen des Geschmackvollen, des Wohldosierten verlassen und in Bereiche sinnloser Aggression abgleiten. Die Aufnahmequalität der 2007 in den USA entstandenen Einspielung ist gut, ohne brillant zu sein. Der grundsätzlich recht authentische Klang bietet eine gute Stereo-Auflösung, leidet aber etwas unter einem leichten Schleier dumpfer Muffigkeit. Das schmale ‚Booklet’ (eher ein Flyer) enthält einen lediglich in englischer Sprache vorliegenden Text; dieser versteht es zwar, auf engem Raum ein Maximum an Informationen herüberzubringen, unterm Strich betrachtet ist das Drumherum aber doch sehr dürftig geraten.






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8:17:12 AM, 25 October 2014
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