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Stefan Drees
www.klassik.com, December 2009

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
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Dank einiger herausragender Aufnahmen aus den vergangenen Jahren ist der Komponist und Geiger Eugène Ysaÿe (1858–1931) nicht mehr ganz so unbekannt, wie er dies lange Zeit über gewesen ist. Zu Recht: Denn als Interpret hat er aufgrund seiner Gestaltungsfähigkeiten wie kaum ein anderer die komponierenden Zeitgenossen des franko-flämischen Raumes inspiriert, und in seiner eigenen Musik fand er zu einem unvergleichlichen Stil, in dem sich eine ganze Reihe zeitgenössischer Tendenzen bündelten. Die vorliegende Naxos-Produktion widmet sich drei Werken für Streicher, die vorzugsweise dem Spätwerk entstammen und teils zeitgleich oder nach dem berühmten Opus 27—den ‘Six Sonates pour violon seul’—entstanden sind. Entstanden ist dabei eine ganz ausgezeichnete CD, die vielleicht ein weiteres Stück dazu beitragen mag, das Komponieren von Ysaÿe ins rechte Licht zu rücken.

Noch aus früheren Jahren stammt die erst posthum veröffentlichte ‘Sonate pour deux violons’ von 1915, die von den Geigern Henning Kraggerud und Bård Monsen interpretiert wird und beiden Musikern enormes Können abverlangt. Das dreisätzige Werk schwankt zwischen leidenschaftlichem Ausdruck und—im langsamen Satz—verhaltener, fast melancholischer Farbe. Das Zusammenspiel ist exzellent, denn Kraggerud und Monsen gehen mit einem Höchstmaß an Genauigkeit aufeinander ein. Von ihrem Können zeugen etwa die zarten, sphärischen Klänge am Ende des Mittelsatzes, die gleich darauf vom volltönenden Beginn des dritten Satzes abgelöst werden. Impressionistische Farbgebungen, aber auch immer wieder sehr emphatisch formulierte Passagen deuten an, wo Ysaÿe kompositorisch zu verorten ist, machen aber auch zugleich die besonderen Hürden seiner Musik deutlich. Besonders packend realisiert ist das ständige Schwanken zwischen intimster, filigran gearbeiteter Kammermusik und der fast schon orchestralen Klangqualität, die der Komponist mit nur zwei Violinen zu erreichen versteht. Es handelt sich um ein Stück der ständigen Übergänge, das immer weiter treibt und stellenweise verschwenderische Melodien- und Klangfülle verströmt.

Das einsätzige Streichtrio ‘Le Chimay’ op. posth. aus dem Jahr 1927 weist ähnliche Kennzeichen auf: Auch hier wechselt intimes Musizieren mit Ausbrüchen, die klanglich über die kleine Besetzung hinaus streben. Doch liegt über allem—trotz der immer wieder aufkeimenden, flirrenden Farbfelder—, eine herbe, spätherbstliche Strenge, verbunden mit subtiler Kontrapunktik und einem bisweilen in kurze Monologe mündenden Schweifen, das über mehrere Abschnitte unterschiedlichen musikalischen Charakters führt. Mit akribischem Beharren auf den detailreichen Ausdrucks- und Dynamikbezeichnungen—hat man doch im Zuge der Einspielung das originale Stimmenmaterial des Komponisten zu Rate gezogen—setzen Kraggerud, Lars Anders Tomter (Viola) und Ole-Eirik Ree (Violoncello) diese Tour de force an Stimmungswechseln um und liefern eine außerordentlich gelungene, mitunter gar ein wenig an Arnold Schönbergs ‘Verklärte Nacht’ gemahnende Lesart des Werk.

Vielleicht am meisten unterschätzt ist die ‘Sonate pour violoncelle’ op. 28, 1923 zeitgleich zu den Violin-Solosonaten entstanden und wie dieser Zyklus ein Reflex auf die großen Vorbilder von Johann Sebastian Bach. Auch diese Komposition zeugt von Ysaÿes untrüglicher Kenntnis der instrumentalen Möglichkeiten—selbst Fingersätze schreibt der Geiger dem Cellisten vor, um dadurch genau kalkulierten Klangfarbenwirkungen zu erzielen. Ree richtet bei der Umsetzung sein Augenmerk auf die deklamatorische Qualität der Musik: Er zeichnet ihre Nuancen genau nach, wirkt bisweilen wie ein Sänger, der sich selbst durch Akkorde begleitet, in weitem Spannungsbogen die Melodien weiterspinnt und die vom Komponisten sehr genau formulierten Ausdruckscharaktere der einzelnen Sätze sorgfältig realisiert. Wunderbar, was er hier aus diesem auch unter Cellisten noch weitgehend unbekannten Werk herausholt!



Kulturspiegel
Spiegel Online, December 2009

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