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Pizzicato, October 2009

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Kai Schabram
www.klassik.com, September 2009

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:

Lyrische Weltanschauungsmusik

Im Genre der ‚großen‘, an die romantische Tradition anschließenden Symphonie des 20. Jahrhunderts nimmt zweifellos die 1923 vollendete ‚Lyrische Symphonie‘ op. 18 von Alexander Zemlinsky (1871–1942) eine besondere Stellung ein. Die Symphonie kann zu jenen Werken der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts gezählt werden, die zwar noch einer schützenden Gattungstradition verpflichtet sind, zugleich aber auch zu einer ganz eigenen ‚Identität‘ gefunden haben. Zemlinskys symphonisches opus summum versucht dabei an das Format des ‚Lieds von der Erde‘ von Gustav Mahler anzuschließen, ja dieses sogar noch zu überbieten. Die ‚Lyrische Symphonie‘ als Weltanschauungsmusik—so könnte das Programm der Komposition zusammengefasst werden.

Das Werk setzt sich aus Gesängen nach Gedichtsstrophen des indischen Dichters Rabindranath Tagore zusammen. In dem siebensätzigen Werkzyklus wird die Beschwörung der Liebe zum zentralen Thema gemacht. Das Wechselspiel der Gefühle zwischen Sehnsucht, Euphorie, Ekstase und schließlich Abschied werden in der vorliegenden CD mit der Houston Symphony unter dem Dirigat Hans Grafs eindrucksvoll umgesetzt. Die Aufnahme, die das Label Naxos in diesem Jahr herausgebracht hat, besticht zunächst durch eine hervorragende klangliche Qualität, was angesichts der hochkomplexen Struktur und Instrumentation der Symphonie ein nicht unwesentlicher Faktor ist. Dem spieltechnischen Anspruch des Werks ist der Klangkörper aus Houston vollends gewachsen—insbesondere den Holzbläsern gebührt hier aufgrund der virtuosen Prägnanz und betörenden Klangfarben großes Lob.

Hans Graf weist sich in seiner Auslegung des fast unüberschaubar dichten Notentextes als kompetenter Analytiker aus. Das symphonische Repertoire des späten 19. bis 20. Jahrhunderts scheint ihm besonders zu liegen. Dies stellt nicht nur die vorliegende Einspielung unter Beweis, sondern beispielsweise auch die Gesamtaufnahme der Symphonien Henri Dutilleuxs mit dem Orchestre National Bordeaux Aquitaine. Neben Grafs analytischer Kompetenz besticht sein großes Gespür für dynamische Differenzierungen und Klangfarbenreichtum, was dem Anspruch der ‚Lyrischen Symphonie‘ sehr entgegenkommt.

Nicht zuletzt darf man die Wahl der Sänger als einen wahren Glücksgriff bezeichnen. Besonders sticht der Bariton Roman Trekel heraus, der mit seiner sonoren Stimme keine technischen Hürden zu kennen scheint. Als Muttersprachler fällt ihm die Aussprache und Betonung zweifellos leichter als der Sopranistin Twyla Robinson, die sprachliche Unebenheiten jedoch mit einem eindrucksvollen stimmlichen Volumen kompensiert.

Mehr als nur ein Anhang an die Symphonie Zemlinskys bildet Alban Bergs Arrangement der ‚Lyrischen Suite‘ für Streichorchester aus dem Jahre 1929. Berg war mit Zemlinsky befreundet—die ‚Lyrische Suite‘ ist ihm gewidmet, wodurch sich auch der biographische Kreis zwischen den Werken schließt. Hans Graf und die Houstoner Symphoniker vermitteln auch bei Berg den Eindruck, dass sie sich hier vollkommen in ihrem Element bewegen. Das gleichsam transzendierende Flüstern und Flimmern in der Pianissimo-Sphäre des dreiteiligen ‚Allegro misterioso‘, wie sie die Streicher erzeugen, kann wohl nicht mitreißender gespielt werden. Der emotionale Höhepunkt des Werks im ‚Adagio appasionato‘ wird eindrucksvoll inszeniert.

Schließlich rundet das Textbooklet des Musikwissenschaftlers Constantin Floros mit seinen biographischen und analytischen Hinweisen zu Entstehungshintergrund und Machart der Werke den hervorragenden Gesamteindruck der CD ab.






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11:02:18 AM, 21 August 2014
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