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Rainer Aschemeier
The Listener, October 2011

Naxos hatte bereits vor ein, zwei Jahren damit begonnen, die komplette Klaviermusik des britischen Komponisten John Ireland in einer sehr löblichen Gesamtedition vorzulegen. Die „impressionistisch“ angehauchte Tonsprache Irelands, die der des Deutsch-Briten Frederick Delius nicht unähnlich ist, wurde von Pianist John Lenehan im Rahmen der besagten Reihe in äußerst erfreulichen und rundum zufriedenstellenden Aufnahmen verewigt.

Die hier zu besprechende CD bildet den furiosen „Schlussakkord“ der Ireland-Klaviermusikreihe bei Naxos und beinhaltet dessen beliebtes Klavierkonzert, die Sinfonische Dichtung „Legend“ sowie einige Soloklaviermusik, die hier zum ersten Mal auf Tonträger vorgelegt wird. Das Klavierkonzert aus dem Jahr 1930 ist ein prunkvolles Stück und gehört zu den berechtigtermaßen beliebtesten Klavierkonzerten britischer Provenienz. Die schillernde Klavierpartie, die von warmen Streichern, Holzbläsern und einem erst im dritten Satz überraschend einsetzenden Perkussionsensemble begleitet wird, ist nicht ohne Grund so beliebt. Das Stück ist einfach eine perfekte Symbiose aus Melodienreichtum, schwelgerischer, spätromantisch-impressionistischer Harmonik und spritzigem Solopart und entzieht sich somit jeglicher Kritik. Allein… es wurde bislang nicht immer optimal eingespielt. Selbst Besetzungen, die auf dem Papier die Augenbrauen in die Höhe schnellen ließen (ich nenne da als recht enttäuschendes Beispiel mal die Einspielung des Royal Philharmonic Orchestra unter dem Spezialisten für englische Musik, Vernon Handley, mit der äußerst renommierten Pianistin Kathryn Stott aus dem Jahr 1989 auf Conifer Classics) konnten den Erwartungen nicht immer genügen.

Die hier nun vorgelegte CD lässt etwaige Bedenken betreffs der Qualität der Darbietung jedoch bereits nach wenigen Takten vollständig verstummen. Dirigent John Wilson hat das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra straff am Zügel und beschert uns somit eine richtiggehend knackige Interpretation des Ireland’schen Klavierkonzerts. Das ist eindeutig die richtige Herangehensweise, denn wo andere Dirigenten das kontemplative, impressionistische Element dieser Musik zu sehr betonen, verliert das Konzert in hohem Maße seine Frische. Es ist daher gut, dass die muntere Orchesterbegleitung in John Lenehan den idealen Mitstreiter am Soloklavier hat. Er scheint Ireland nicht zu spielen, sondern mit jedem Ton förmlich „auszuatmen“. Selten hat man den Eindruck gehabt, dass Werk und Interpret eine ähnlich gelungene Symbiose eingehen, wie bei der Musik von John Ireland und der Interpretation von John Lenehan.

Auch bei der Darbietung des düsteren Stücks „Legend“, das programmatisch eine Geistererscheinung auf dem Gelände einer keltischen Ausgrabungsstätte in Wales zum Inhalt hat, hat das Interpreten-Team dieser Aufnahme den Tonfall absout ideal getroffen. Auch hier liegt der springende Punkt darin, die Musik nicht zu langsam werden zu lassen, den elegischen Ruhepuls, der John Irelands Musik so häufig zu eigen ist, immer wieder mit scharfem Antrieb zwischendurch mal in die Höhe schnellen zu lassen. Auch dieses Stück — ein Werk übrigens, das mir persönlich besser gefällt als das manchmal oberflächlich strahlende Klavierkonzert — erfährt in dieser Aufnahme somit seine Referenzeinspielung.

Die übrigen rund 35 Minuten Soloklaviermusik (die gesamte CD hat beachtliche 77 Minuten Spielzeit!) lassen im Vergleich zu den beiden Hauptwerken schon etwas nach. Kein Wunder: Handelt es sich hierbei doch häufig um Klavierminiaturen und Gelegenheitswerke, bei denen es im Prinzip ziemlich „unfair“ ist, dass man sie hier programmatisch mit den jubilierenden Klängen des Klavierkonzerts und der düster-atmosphärischen Tondichtung „Legend“ paarte.

Dennoch: Für diejenigen, die schon immer nach der idealen Einspielung dieses wunderschönen Klavierkonzerts gesucht haben… — hier ist Sie! Die Suche kann ein Ende haben.
Der Klang der Aufnahme ist ebenfalls sehr erfreulich ausgefallen. Durch seine schöne Luftigkeit und Höhenpräsenz trägt er mit zu dem Gefühl der Frische bei, das diese CD vermittelt.

Fazit: Der „alte Lodenmantel“ Ireland wurde hier mal tüchtig durchgepustet. Das Endergebnis ist mindestens so sensationell, wie manche Einspielungen Alter Musik, die durch einen „Originalklang“-Ansatz gelegentlich wie „abgestaubt“ wirken. Eine tolle CD, die jedem Liebhaber britischer Sinfonik sehr ans Herz gelegt sei.






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7:12:39 PM, 11 July 2014
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