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Tobias Roth
www.klassik.com, November 2011

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:

Flötist Michael Faust hat Werke Mauricio Kagels für sein Instrument eingespielt, die unter dem Stern des Pan das theatralische Potential der Flöte zum Vorschein bringen.

Pan ist unermüdlich. Entsprechend reißt die Reihe der Werke, die dem griechischen Gott seit der Erfindung der Panflöte (vormals die Nymphe Syrinx) gewidmet werden, nicht ab. Das liegt gewiss auch an den vielfältigen Möglichkeiten, die Pan bei aller metaphorischen Bestimmtheit bieten kann. Tritt in Verbindung mit seiner Flöte das bukolische Potential in den Hintergrund, wo es nun seit langer, zu langer Zeit geschah, bleibt immer noch seine kapriziöse Spannkraft – denn eine Etymologie des ‚Capriccio‘ geht auf die Ziege, capra, zurück, deren Beine dem Gott eignen. Unvorhersehbare, launige Bockssprünge, durch den Kopf und durch die Ohren, mit einer guten Portion schelmischer Energie und Klugheit: Es verwundert nicht, dass der argentinische Komponist Mauricio Kagel (1931-2008) in seinen Werken für Flöte auf Pan direkt wie auch auf seine mittelbaren oder unmittelbaren Nachfahren zugreift. Die jüngst erschienene Einspielung mit dem Flötisten Michael Faust demonstriert das eindrucksvoll.

Auf dem Programm stehen das schon vom Titel an ironisch gefärbte Werk ‘Das Konzert’ (2002), bei dem Faust von der Sinfonia Finlandia Jyväskylä unter der Leitung von Patrick Gallois (selbst gelernter Flötist und Schüler des großen Rampal) begleitet wird, das kecke Stück ‘Pan’ (1985) für Soloflöte und Streichquartett sowie das Schumann zitierende ‘Phantasiestück’ (1988). Letzteres Werk wird, ein segensreicher Zug, der das Interesse der CD entscheidend erhöht, in zwei Fassungen präsentiert, einer für Flöte und Klavier sowie einer für Flöte, Klavier und Instrumentalensemble. In den kammermusikalischen Stücken musiziert Michel Faust mit dem brasilianischen Pianisten Paulo Álvares sowie dem ausgezeichneten Ensemble Contrasts unter der Leitung von Robert HP Platz.

Humor und Klangtheater

Michael Faust vermag sowohl den schnippischen Humor der Flöte als auch ihr pathetisches Rufen auszugestalten, einzusetzen, durchzuarbeiten. Klar und unaufgeregt gibt sich sein Ton, gleichsam ohne Allüre, wohlüberlegt. Das soll nicht heißen, dass Fausts Interpretation zu altbacken wäre oder zu wenig Risiko einginge – es fehlt beileibe nicht an artikulatorischen Finessen. Hier ist eine Souveränität am Werk, die nicht ihre Wachsamkeit verliert. Kagels theatralisches Gespür, Klangflächen zu Bühnenräumen zu machen, Klangfarben zu Handlungsträgern, Instrumente zu Personen und Personenkonstellationen, kommt hier voll zum Tragen. Die Konzentration der Flöte, die jeden Komponisten zur möglichst deutlichen Ansage zwingt, in Verbindung mit den neuen Spieltechniken, die das 20. Jahrhundert diesem Instrument eröffnet hat, erzeugt hier eine Festbeleuchtung Neuer Musik, die auch geeignet ist, so manchen in den Bann zu ziehen, der sonst vielleicht vor Avantgarden zurückschrecken würde. Denn Kagel, das wird in diesen Werken deutlich, besitzt den Humor, den man unter der militärischen Bezeichnung der künstlerischen Vorhut oft vermisst.

Kaum hat im ‘Konzert’ ein Hauch von spätromantischem Epochenzitat den Hörer in etwas Sicherheit gewiegt, raut eine juchzende Flatterzunge den Klangraum auf, taucht in neu zu entdeckende Tiefen. Der ‘Pan’ schließlich vereint die Ausgelassenheit des Halbgottes mit der Kontrolle und Genauigkeit der klassischen, zumal Neuen Musik – ein betörendes Werk. Aus den verschiedenen Varianten des Mythos wird man hier sogleich zu jener gezogen, die Pan als den Sohn der Amaltheia, der Nymphe mit dem Füllhorn, darstellt, und es bleibt kein Zweifel, dass er die Widmung 1985 mit kapriziöser Huld angenommen hat. © 2012 www.klassik.com






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11:09:19 AM, 30 August 2014
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