Classical Music Home

The World's Leading Classical Music Group

Email Password  
Not a subscriber yet?
Keyword Search
in
 
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Dirk Wieschollek
Fono Forum, February 2014

View PDF  



Remy Franck
Pizzicato, January 2013

View PDF  




The Listener, November 2012

Wolfgang Rihm zählt zu den bekanntesten und meist diskutierten Komponisten unserer Tage. Er ist einer von nur wenigen Deutschen unserer Tage, deren Name gegenwärtig auf internationaler Ebene zu der „Upper Class“ der Komponistenelite gezählt wird. Dabei ist er hierzulande nicht unumstritten.

Die Erdung seines absolut unverkennbaren, oft schon anhand der ersten paar Töne identifizierbaren Stils fand von Anfang seiner Karriere bis heute in der Spätromantik statt. Nicht wenige werfen Rihm daher vor, ein reaktionärer Komponist zu sein—und im engeren Sinne somit nicht „modern“.

Letzten Endes gibt aber nicht nur der Erfolg Rihm recht. Wohl jeder, der sich tiefergehend mit den Stücken Rihms beschäftigt, merkt, dass da ein Genie am Werk ist—mit einer beeindruckenden Souveränität und Sicherheit, einem gänzlich individuellen Musikidiom und einer schier unglaublichen Produktivität. Rihm schrieb seit Beginn der 1970er-Jahre sage und schreibe 400 Werke! Und im Alter von 60 Jahren ist der gebürtige Karlsruher hoffentlich noch lange nicht am Ende seiner kompositorischen Laufbahn angelangt.

Ich persönlich habe manchmal allerdings Probleme mit Rihms Orchesterwerken, die buchstäblich etwas „dick aufzutragen“ scheinen. In der Tat: Während andere im Orchestersatz malen, scheint Rihm zu spachteln. Auch dies ist dem Komponisten immer wieder negativ vorgehalten worden, während ich das eher als eine Frage des persönlichen Geschmacks betrachte.

Diese neue Naxos-CD—wohl als Nachlese zu Rihms 60. Geburtstag gedacht—rückt Rihms Werke für Violine und Klavier sowie ein Werk für Violine solo in den Mittelpunkt. Es ist damit nicht die erste CD, die sich auf diesen Werkabschnitt Rihms konzentriert, ganz sicher ist sie jedoch eine der besten dieser Art und im Übrigen vollständig.

Meine Güte, was ist diese Tianwa Yang für eine Geigerin! Die Chinesin ist ja eh schon so etwas wie der heimliche Star des Naxos-Labels, doch mit dieser CD hat sie sich selbst übertroffen: Welch eine Dynamik-Palette, welch überragende Beherrschung des Instruments, auch welche Fähigkeit zur emotionalen Differenzierung des Ausdrucks! Die 1987 geborene Virtuosin gehört schon jetzt zur globalen Elite der Violinvirtuosen. Auch ihr Duettpartner, der Deutsch-Brite Nicholas Rimmer—sonst bei Sony Classics und cpo zuhause—legt hier mit seinem präzisen, volltönenden Klavierspiel ein sensationelles Debüt auf dem Naxos-Label vor.

Das Wichtigste jedoch: Hier musizieren zwei, die sich blind zu verstehen scheinen. Die fragmentiert wirkende, immer wieder durch arhythmische Pausen zerklüftete Musik Rihms stellt höchste Anforderungen an eine Duo-Besetzung—vor allem, was die Einsätze betrifft, aber auch in Sachen Dynamik ist diese Musik für beide Partner eine Nuss, die es erstmal zu knacken gilt. Dabei hat Rihm in mehreren Stücken dieser CD, vor allem aber in „Hekton“ aus dem Jahr 1972, beide beteiligten Instrumentalisten mit annähernd gleichberechtigen Parts ausgestattet. Soll heißen: Das Klavier hat hier ebensoviel „zu tun“, wie die Violine, ist nicht auf die Begleitung reduziert.
Tianwa Yang und Nicholas Rimmer legen eine Bilderbucheinspielung sämtlicher hier zu hörender Werke vor—ohne Ausnahme und mit Bravour!

Die CD enthält neben den Duostücken „Phantom und Eskapade“ (1993/94—wunderschön! Eines der herrlichsten Stücke Neuer Musik, die ich kenne!), „Hekton“ (1972), „Antlitz“ (1992/93) und „Eine Violinsonate“ (1971/75) mit „Über die Linie VII“ (2006) auch eine Weltersteinspielung dieses Stücks für Solovioline.

Letzteres ist der Beweis, dass Wolfgang Rihm auch im neuen Jahrtausend auf dem Gipfel seiner Möglichkeiten komponiert—falls es diesen Beweis denn brauchte.

Spannend ist hierbei, wie sich der Karlsruher erneut tapfer der reichen Tradition dieser Werkgattung stellt. Selbstverständlich sind beim Thema Solovioline immer auch Namen wie Bach, Hindemith, Ysaÿe, usw. im Hinterkopf des Hörers. Rihm weiß das—und nichts weniger als einen weiteren Klassiker hinzuzufügen ist sein Anspruch. Mit „Über die Linie VII“ hat er das zweifelsohne geschafft. Auch deshalb, weil er die Nabelschnur zur musikalischen Vergangenheit nicht kappt.

Der Klang dieser in der Stadthalle Ettlingen (bei Karlsruhe) eingespielten CD ist außerdem sehr gut. Es gab in diesem Jahr Kammermusikproduktionen, die offener, brillanter und transparenter geklungen haben als diese. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau: Diese CD ist klanglich wirklich gelungen, wenn sie vielleicht auch nicht zur Speerspitze der HiFi-Bewegung zählen mag.

Fazit: Rundum wunderbar! Für mich ein weiterer heißer Kandidat für unseren Titel „CD des Jahres“. Wir werden sehen, wer den „Pokal“ abräumt. © 2012 The Listener



The Listener, October 2012

Das Vaterunser ist das Gebet der Gebete. Von Jesus Christus selbst soll es laut Bibeltext stammen, und daher ist es jedem Christen auf der Welt bekannt. Es dürfte damit eines der weltweit am meisten verbreiteten Gebete sein, wenn nicht das am meisten verbreitete überhaupt.

Es nimmt daher nicht Wunder, dass sich quer durch die kunstgeschichtlichen Epochen immer wieder Vertonungen des gesamten Gebets oder von einzelnen seiner Textbestandteile ergeben haben. Das reicht von der gregorianischen „Urfassung“, die nur in leichter melodischer Vereinfachung auch heute noch im Gottesdienst gesungen wird, bis hin zu im direkten Vergleich ziemlich aktuellen Fassungen aus dem 20. Jahrhundert.

Die King’s Singers, die wohl bekannteste und beliebteste a cappella-“Mengroup“ auf dem Klassikmarkt, haben diesen Gedanken aufgegriffen und ein wunderbares neues Album aufgelegt. Es trägt den schlichten Titel „pater noster“ und widmet sich zur Gänze allen nur möglichen Vertonungen und musikalischen Reflexionen des Vaterunser-Gebetstextes.

Mit dem gregorianischen „pater noster“ beginnt das Album und führt uns anschließend anhand einzelner Mottos aus dem Gebetstext durch die Jahrhunderte. Fast 70 Minuten Musik sind dabei zusammengekommen oder anders formuliert: 25 Vertonungen, deren Urheber von anonymen, im Dunkel der Kunstgeschichte vergessenen Gestalten bis hin zu Prominenten der klassischen Moderne, wie etwa Francis Poulenc, Igor Strawinsky, Leonard Bernstein oder William Harris reichen. Aus der Renaissance und dem Barock sind Namen wie Heinrich Schütz, Henry Purcell, William Byrd, Orlando di Lasso und Palestrina bekannt.

Etliche Entdeckungen gilt es hier zu machen, und es ist bemerkenswert, wie unterschiedlich die Vertonungen und Reflexionen über den Gebetstext ausgefallen sind. William Harris‘ Version überrascht zum Beispiel mit Anklängen an Jazzmusik mindestens eben so sehr, wie die äußerst zurückgenommene, kontemplative einstimmige Fassung aus der Feder des Juden Leonard Bernstein.

Das musikalische Highlight bildet in meinen Augen die von den Harmonien der russisch-orthodoxen Kirche durchsetzte Vertonung des Gebets durch Igor Strawinsky sowie die „quatre petites prières de François d’Assise“ aus der Feder von Francis Poulenc. Hierbei hat der französische Meister Gebetsmeditationen des Heiligen Franziskus über das Vaterunser mit seinem unnachahmlichen, zwischen Expressionismus, Kirchenmusik und französischem Chanson existierenden Melodienreichtum eingelullt.

Die King’s Singers bieten—wie sollte es anders sein—eine Ausnahmeperformance nach der anderen. Sie sind ohne jeden Zweifel das führende Vokalensemble auf ihrem Sektor und werden das wohl auch noch lange bleiben. Die Grammy Award-Gewinner des Jahres 2009 haben mit ihrem Naxos-Debüt eine CD vorgelegt, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Sie regt uns dazu an, sich mal wieder ausreichend Zeit zu nehmen: Zeit für das Gebet, das so viel Nachhall in aller Welt erzeugt hat und Zeit dafür, sich mit diesem Nachhall auf das Vaterunser zu beschäftigen.

25 Facetten des Vaterunser warten auf diesem herrlichen, auch klanglich vollauf gelungenen Album auf die Wiederentdeckung. © 2012 The Listener






Famous Composers Quick Link:
Bach | Beethoven | Chopin | Dowland | Handel | Haydn | Mozart | Glazunov | Schumann | R Strauss | Vivaldi
7:35:09 PM, 27 December 2014
All Naxos Historical, Naxos Classical Archives, Naxos Jazz, Folk and Rock Legends and Naxos Nostalgia titles are not available in the United States and some titles may not be available in Australia and Singapore because these countries have copyright laws that provide or may provide for terms of protection for sound recordings that differ from the rest of the world.
Copyright © 2014 Naxos Digital Services Ltd. All rights reserved.     Terms of Use     Privacy Policy
-212-
Classical Music Home
NOTICE: This site was unavailable for several hours on Saturday, June 25th 2011 due to some unexpected but essential maintenance work. We apologize for any inconvenience.