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Burkhard Schäfer
Musik & Theater, March 2012

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Die Zeit, December 2011

“Wahre Musik hat die Struktur der göttlichen Schöpfung”, sagte die wohl bedeutendste lebende Komponistin Sofia Gubaidulina dem Ensemble-Magazin für Kammermusik anlässlich ihres 80. Geburtstages am 24. Oktober. Hört man diese phänomenale CD, dann spürt man, was damit gemeint ist. Gubaidulina adelt das russische Volksinstrument Bayan (eine Art Akkordeon) zum klassischen Klangkörper und entlockt ihm Harmonien von transzendenter Schönheit. © 2011 Die Zeit



Tilman Urbach
Fono Forum, December 2011

Musik
Klang

Auf- und niederstürzende Glissandi, die die Oktaven hinter sich lassen wie Langstreckenläufer ihre Wegmarken—das ist das hervorstechende Merkmal von Sofia Gubaidulinas Musik. Und: Immer schon hatte die Komponistin ein Faible für außergewöhnliche Besetzungen. So gründete die Russin mit tatarischen Wur-zeln schon Mitte der siebziger Jahre das Astreya Ensemble, das mit kaukasischen, russischen und zentralasiatischen Volks-musikinstrumenten improvisierte. Die fremden, ausgefallenen Klänge hatten—so die Komponistin—einen immensen Ein-fluss auf ihre zeitgenössischen Arbei-ten. Ihr neuestes, soeben fertiggestelltes Ins-trumentalstück „Fachwerk“ für Bayan (das russischen Knopfakkordeon mit fünf Oktaven), Perkussion und Orchester ist eine solche Klangstudie. In Analogie zur alten Fachwerkbauweise, bei der die Struktur des Gebäudes offen liegt, wollte die Komponistin die instrumentalen Mög—lichkeiten des Bayans strukturbildend für die Komposition einsetzen. In der Fein-arbeit des Orchesters setzt Gu-baidulina auf etliche Perkussions-instru-mente. Das Akkordeon kommt orgelähnlich daher. Leider führt sie Orchester und Soloins-tru-ment allzu eng; so wirken die Unisono-passagen in der Substanz aber eher flach.

Lohnender ist da das fünfsätzige Trio-Werk „Silenzio“ für Bayan, Violine und Cello. Hier schwingt die musikalische Fak—tur weit aus, eine melancholische Grund-stimmung scheint auf. Es geht um wenige einfache Melodiefragmente, die an Volksweisen erinnern. Geir Inge Lots-berg an der Geige, Oyvind Gimse am Cel-lo und Geir Draugsvoll am Akkordeon schöpfen den emotionalen Gehalt der Komposition voll aus. © 2011 Fono Forum



Werner Theurich
Spiegel Online, November 2011

Was macht man mit einem Cello? Streichen oder zupfen, ganz klar. Man kann es aber auch forsch über die Knie legen und mit allen zehn Fingern die Saiten betupfen und es wie eine Gitarre oder Zither klingen lassen. Man kann auch den Hals, den Korpus und die letzten Saiten-Millimeter mit dem Bogen bearbeiten, für ganz neue Töne aus einem vermeintlich wohlbekannten Instrument. Komponisten verlangen oft eine Menge. Alles das und noch viel mehr erlebte man am vergangenen Sonntag im ausverkauften Konzert im Rolf-Liebermann-Studio des NDR in Hamburg, als dort zu Ehren von Sofia Gubaidulinas 80. Geburtstag ihre Komposition „Sonnengesang“ ertönte, in Streichtrio-Besetzung, unterstützt von russischem Akkordeon, Schlagzeug und Celesta.

Gubaidulinas Klangphantasie und Arrangementkunst kennen in ihrer Interpretation von Franz von Assisis lobpreisendem Gebet „Sonnengesang“ keine Grenzen, so dass auch der Solopart für das Violoncello einen wahren Virtuosen fordert. In Hamburg übernahm diese Rolle Ivan Monighetti, der letzte Meisterschüler des Cello-Granden Mstislaw Rostropowitsch, dem seinerzeit dieses Konzert von Sofia Gubaidulina gewidmet war. Monighetti war der Aufgabe gewachsen und behandelte sein Instrument mit sinnlicher Freude, entlockte jubilierende und sonore Cantilenen im Duett mit dem famos eingestellten NDR-Chor, duellierte sich mit den Kollegen am Schlagzeug. Jeder im Saal verstand, weshalb die abenteuerliche und eigenwillige Musik Sofia Gubaidulinas schon seit so vielen Jahren erfolgreich ist und zuletzt noch einmal durch prominente Interpreten erheblichen Schub bekam. So nahmen Anne-Sophie Mutter und Dirigent Waleri Gergijew 2008 Gubaidulinas „In tempus praesens“ auf (Deutsche Grammophon), ein brillantes Violinkonzert.

Tönendes „Fachwerk“

Wesentlich spröder klingt Gubaidulinas Kammermusik. Gemeinsam mit dem Cello und einer Violine schlängelte sich die Bajan-Virtuosin Elsbeth Moser beim Hamburger Konzert durch „Silenzio“—fünf Sätze reine Klangerforschung nahe der Stille und voller penibler Anforderungen an die Instrumentalisten. Das Bajan ist eine russische Knopf-Version des Akkordeons, die trockener und strenger klingt als die gebräuchliche deutsche Variante. Moser entlockte dem vermeintlich sperrigen Instrument während der rund 20 Minuten „Stille“ rhythmische Strukturen und ruhende Soundflächen, hingeatmete Melodielinien und zarte Akkorde. Über so viel Kompetenz musste sich niemand wundern, denn Sofia Gubaidulina hatte Moser einst das Stück zur Uraufführung gewidmet.

Auf einer gerade erschienenen CD findet sich „Silenzio“ in der Version des norwegischen Bajan-Spielers Geir Draugsvoll, der in ähnlicher Weise mit dem Werk Sofia Gubaidulinas verbunden ist. Ihm widmete sie die Komposition „Fachwerk“, die im Rahmen dieser CD erstmals auf Tonträger zu hören ist, nachdem sie Draugsvoll 2009 im Konzert erstmals der Welt präsentierte.

Sofia Gubaidulina liebt die Architektur der klassischen Fachwerkhäuser, wie man sie bis ins 19. Jahrhundert in Europa viel benutzte. Die sichtbare, klare Struktur des Aufbaus und Zusammenhalts animierte sie zu dem großangelegten, rund 40-minütigen Stück für Streichorchester, Bajan und Percussion, das sie 2011 noch einmal überarbeitete.

Anne-Sophie Mutter half mit

Gubaidulina, die 1931 in Tschistopol in der damaligen Tatarischen Sowjetrepublik geboren wurde, erprobte selbst gern und oft unbekannte Instrumente durch Improvisation und hörte nie auf, ihre eigene Spiritualität und Religiosität in der Musik zu erkunden—was in hartem Gegensatz zur sowjetischen Kulturpolitik stand und ihre Form des Protestes manifestierte. In der 1975 gegründeten Gruppe Astrea verfolgte sie gemeinsam mit anderen avantgardistischen Musikern ihre künstlerischen Ideale. 1979 geriet sie dafür (und für eine Reihe nicht genehmigter Konzerte im Westen) auf eine schwarze Liste, was ihren Entschluss zur Auswanderung beschleunigte.

1992 übersiedelte sie schließlich nach Deutschland. Kollegen wie Gidon Kremer, Wolfgang Rihm, Tan Dun und Anne-Sophie Mutter unterstützen sie und ihr Werk, das speziell in Deutschland sein Publikum fand. Heute lebt Sofia Gubaidulina nahe Hamburg und pflegt weiterhin rege Kontakte zu vielen Künstlern. Und ihr Werk bietet immer noch unendlich viele Entdeckungen, wie die gelungene Ersteinspielung der „Fachwerk“-Komposition belegt.



Rainer Aschemeier
The Listener, October 2011

Eine weitere Neuerscheinung rückt das Bajan in den Mittelpunkt des Geschehens. Es ist eine osteuropäische Variante eines chromatischen Knopfakkordeons. Es hat keine Tasten, sondern „nur“ eine gefühlte Million Knöpfe, mit denen sich ein besonderes Kunststück bewerkstelligen lässt: Sie können einzelne Töne wiedergeben, aber auch „per Knopfdruck“ komplette Akkorde. Auf diese Weise sind chromatische Spielereien möglich, die wahrscheinlich mit kaum einem anderen Instrument so darstellbar wären.

Die in Hamburg lebende Komponistin Sofia Gubaidulina, die aufgrund ihrer tatarischen Herkunft das Bajan in ihrer Kinderzeit womöglich oft gehört hat, ist mit dem Stück „Fachwerk“ ein Wagnis eingegangen: Sie wollte die mechanische Konstruktion des Instruments Bajan in Musik fassen. Ob ihr genau das gelungen ist, lassen wir mal dahingestellt, doch das gut 35-minütige Werk, das dabei herausgekommen ist, fasziniert in höchstem Maße. Es „knarzt“ und „ächzt“ an allen Ecken und Enden und erinnert so tatsächlich etwas an eine Holzkonstruktion, die sich in der Sommersonne reckt, streckt und räkelt. Das Trondheim Symphony Orchestra unter der Leitung von Øyvind Gimse ist der ideale Begleiter für den Bajan-Virtuosen Geir Draugsvoll, der auch die Uraufführung von „Fachwerk“ im Jahr 2009 bestritt. Ein Kammermusikwerk der Komponistin, geschrieben für Bajan, Violine und Cello und mit dem Titel „Silenzio“ versehen rundet das Programm auf dieser ebenfalls wunderbaren CD ab. Auch klanglich ist sie ein großer Wurf, wenngleich sie eher in der „normalen“ Oberliga unterwegs ist und nicht unbedingt im „Hifi-Ausnahmesektor“.

Es gibt so viel zu entdecken…

Wie schön!!!






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4:03:29 PM, 18 September 2014
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