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Benjamin Künzel
www.klassik.com, March 2009

Es ist und bleibt ein Erlebnis, vergessene Opern und Operetten wieder zu beleben. Und gerade im Falle eines so populären Komponisten wie Johann Strauß wird es Zeit, zu bemerken, dass neben der ‘Fledermaus’, dem ‘Zigeunerbaron’, dem ‘Wiener Blut’ und der ‘Nacht in Venedig’ noch elf weitere Operetten des Wiener Walzerkönigs ein Schattendasein führen oder sogar vollkommen ignoriert werden. Immerhin hat die Oper Zürich seinerzeit mutig den ‘Simplicius’ ausgegraben und auch die Staatsoperette Dresden hat den ‘Karneval in Rom’ auf den Spielplan gesetzt, aber die dreiaktige Operette ‘Fürstin Ninetta’ erlebte im Oktober 2007 in Stockholm ihre erste Aufführung seit 1905! Nun sind Strauß’ Operetten mit Ausnahme der ‘Fledermaus’ oftmals dafür bekannt, ein schlechtes Libretto als Grundlage zu haben, doch so haarsträubend ist die ‘Fürstin Ninetta’ gar nicht. Ohne sich in endlosem Lokalkolorit und nebensächlichen Handlungssträngen zu zerfasern, hat diese Operette alles, was man sich für eine Operette der damaligen Zeit wünscht: Ein junges Liebespaar mitten im zeitgenössischen Wirbel um Eifersucht, Intrigen und Mordverdacht unterfüttert von typischen Verkleidungsmechanismen im dekadenten Walzertaumel eines Nobelhotels in Italien. Also wenn das nicht Stoff für Operettenwirren birgt.

Einhundertundzwei Jahre Dornröschenschlaf sind für eine Operette eine lange Zeit und manch verschlafener Gestus in der wiederbelebenden Umsetzung ist von daher entschuldbar. In diesem Falle zählt die Pionierarbeit, die nun in preiswerter Form—nämlich auf einer Doppel-CD beim Label Naxos—eine Anregung sein könnte, sich der ‘Fürstin Ninetta’ auch wieder szenisch anzunehmen. Der Mitschnitt der konzertanten Aufführung in Stockholm beschränkt sich auf die Musiknummern, die Dialoge fehlen gänzlich, was im Booklet mit einem Hinweis auf die Kompositionsweise von Strauß’, der bis zur Premiere die Dialoge nicht kannte, verteidigt wird. Das ist zwar gut recherchiert und interessant, hilf der Operette aber nicht merklich weiter, denn auch in den Musiknummern ist der Text nur mäßig bis gar nicht zu verstehen. Das durchgängig skandinavische Ensemble ist redlich um den passenden Tonfall bemüht und ist auch mit der Artikulation nicht wirklich nachlässig, das Ergebnis ist dennoch unbefriedigend. Allerdings hat dieser Umstand vor einem schwedischen Publikum keine ernsthafte Sympathieeinbuße zur Folge, das Spiel mit dem Text ist zweitrangig, der musikalische Anteil bei Weitem wichtiger.

Und hier kann sich die Produktion durchaus hören lassen. Durchweg sind dem Ensemble lustvolles Musizieren und die notwendige Leichtigkeit des Tonfalls anzuhören. Strauß’ Melodien können sich faszinierend entfalten und man begegnet kontinuierlich kleinen musikalischen Glanzlichtern, wie den beiden kunstvollen Quintetten, dem stark opernhaften zweiten Finale und dem herrlichen Hypnose-Duett zwischen Cassim und Ninetta. Diese beiden Hauptpersonen sind mit Jesper Taube und Tua Aberg bestens besetzt, sieht man einmal von den sprachlichen Fähigkeiten ab. Im Walzer-Lied des Cassim über die Vielweiberei ‘Einst träumte mir‘ vermisst man allerdings schmerzhaft den schelmischen Tonfall eines Hermann Prey, denn diese Nummer wurde von Prey und anderen Baritonkollegen bereits in den späten sechziger Jahren für die Schallplatte eingespielt. Hier hält die Neueinspielung dem Vergleich leider nicht stand.

Aus dem übrigen Ensemble stechen die beiden weiteren Sopranistinnen Henriikka Gröndahl als Adelheid und Elin Rombo als so gar nicht alte Mutter Anastasia mit frischen, leuchtenden Tönen hervor. Fredrik Strid muss sich als junger Verlobter Ferdinand erst einsingen, kann dann aber im zweiten Akt mit seinem leichten Rossini-Tenor in dem vokalen Glaubensbekenntnis der Künstler-Seele Ferdinand vollauf überzeugen. Ebenso solide agieren Göran Eliasson als Möbius und Ola Eliasson als Baron Mörsburg. Für diese Aufführung hat sich sogar ein eigener Chor zusammengefunden: Der Ninetta Chorus. Am Pult des Stockholm Strauss Orchestra steht mit Valéria Csányi eine routinierte Dirigentin, die die Feinheiten der Partitur zu betonen weiß, sich aber dezent zurücknehmen kann, um das Ensemble zu stützen und zu begleiten. Erst in der zart gezupften ‘Pizzicato-Polka‘ stiehlt sie den Sängern die Show.








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1:46:18 PM, 28 December 2014
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