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Album Reviews



 
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Esther KraƟ
www.klassik.com, November 2009

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:

Ehrgeiz und Macht

Ende September 2007 ging die Rezensentin ganz unbedarft in das Bayreuther Markgräfliche Opernhaus zu einem Gastspiel der Bayerischen Theaterakademie August Everding. ‘Fredegunda’ von Reinhard Keiser wurde gegeben. Der Komponist war mir nur dem—für einen Komponisten dieser Zeit doch sehr ungewöhnlichen—Namen nach bekannt, seine Kompositionen hatte ich noch nie gehört, geschweige denn eine seiner musikdramatischen Werke. Aber kaum war der erste Ton erklungen, war ich schlichtweg begeistert—von der Musik Reinhard Keisers, der Interpretation durch die Neue Hofkapelle München, der Inszenierung (Tilman Knabe) und vor allem von dem konstant hohen sängerischen Niveau der jungen Darsteller (der Älteste ist gerade mal 1977 geboren). Umso größer war die Freude, nun die Aufnahme dieser Opernproduktion, die im Februar 2007 im Prinzregententheater München in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk angefertigt und nun bei dem Label Naxos veröffentlicht wurde, besprechen zu dürfen. Die Interpretation durch die Theaterakademie stellt im Übrigen die erste Wiederaufführung dieses Werkes seit seiner Uraufführung im Jahre 1715 dar.

Schon die erste Arie, von der titelgebenden Figur Fredegunda gesungen, überzeugt durch anspruchsvolle und kunstvolle Koloraturen, welche ein großes sängerisches Können erfordern. Diesen Ansprüchen wird die junge tschechische Sängerin Dora Pavlíková (geboren 1981) mit jugendlich-frischer Leichtigkeit gerecht. Vollkommen zurecht wurde Pavlíková für ihre Darstellung der Fredegunda von der Zeitschrift Opernwelt zur ‚Nachwuchskünstlerin des Jahres 2007‘ gekürt. Und auch ihre Kollegen müssen sich nicht hinter ihr verstecken. Was schon bei dem Opernbesuch begeistert hatte, wird nun—glücklicherweise!—auch über die Stereoanlage transportiert. Die wunderbar abwechslungsreiche und kompositorisch interessante Musik Reinhard Keisers scheint auf dieses junge Ensemble der Theaterakademie und die Neue Hofkapelle München gewartet zu haben. Ein von der Instrumentierung—sehr tiefer Bläserklang—und der Harmonik höchst interessantes Stück Musik ist die in der ersten Szene des zweiten Aktes von Sigibert zu singende Arie ‘Ich muss schweigend von dir gehen’. Der 1982 geborene Sänger Michael Kranebitter interpretiert diese mit schöner, sicher noch ausbaufähiger, aber vielversprechender Stimme.

Auffallend und durchaus erwähnenswert ist auch die durchgängig bemerkenswert saubere Artikulation der jungen Sängerinnen und Sänger, stellt diese in der heutigen Zeit doch leider eine wahre Seltenheit dar. So kann den Rezitativen, die im Übrigen von einer phantasievoll ausgestaltenden Basso continuo-Gruppe begleitet werden, inhaltlich durch reines Zuhören gefolgt werden, ohne dass man parallel in einem Libretto mitlesen müsste.

Das Libretto zu Keisers Oper ist eine deutschsprachige Bearbeitung eines Textes des Italieners Francesco Silvani. Der Stoff der Oper greift auf die fränkische Geschichte der Zeit der frühmittelalterlichen Merowinger zurück. Fredegunda wird hier zur Zauberin, die ihrem Verlangen nach Macht mit großem Ehrgeiz und der ein oder anderen Intrige nachkommt. Die Bemerkung im Vorwort der deutschsprachigen Bearbeitung des Librettos von Johann Ulrich von König über den Zweck eines Schauspiels, ‚welcher allezeit dahin gehen soll, dass das Laster bestraft, die Tugend aber belohnt werde’, weist schon auf das Ende dieser Oper hin. Ganz klassisch im Barocken das lieto fine aus der Hochzeit der ‚Tugendhaften‘ und dem triumphalen Abgang der ‚bösen‘ Fredegunda.

Insgesamt kann diese Aufnahme guten Gewissens jedem Barockopern-Liebhaber, der Lust auf eine unverstaubte Interpretation eines interessanten Werks hat, als eine durchaus lohnenswerte Bereicherung seines CD-Bestands empfohlen werden.




Pizzicato, March 2009

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Sven Kerkhoff
www.musikansich.de, February 2009

HAMBURGER DAUERBRENNER

Reinhard Keiser (1674–1739) war zu Beginn des 18. Jahrhunderts als Komponist und Gesamtleiter maßgeblich am Aufstieg der Hamburger Oper am Gänsemarkt beteiligt. Sein musikalisches Schauspiel „Fredegunda“ ging dort erstmals 1715 über die Bühne und war ein solch durchschlagender Publikumserfolg, dass sie bis zum finanziellen Niedergang des Hauses im Jahre 1738 immer wieder zur Aufführung gelangte. Dabei erscheint das Libretto eher sperrig. Es geht zurück auf einen historischen Stoff aus der Zeit der Frankenkönige und beleuchtet im wesentlichen die Rolle der herrsch- und eifersüchtigen Fredegunda, die mit List und Zauberkunst den König Chilperich auf ihre Seite zu ziehen sucht und dabei nicht nur das Liebesleben aller Beteiligten, sondern auch die Stabilität des Hofes und des ganzen Landes auf Spiel setzt.

Gesungen wird, wie es in Hamburg üblich war, in deutscher Sprache, wobei einige italienischsprachige Arien eingestreut sind.

Nun, mag das Libretto auch eher abseitig anmuten, Keisers Musik ist auch heute noch unmittelbar zugänglich. Für sein Opernschaffen hat nicht zuletzt René Jacobs durch die Einspielung des „Croesus“ (Harmonia Mundi France, 2000) allerbeste Werbung gemacht. Und auch dieser Live-Mitschnitt aus dem Münchener Prinzregententheater ist durchaus dazu angetan, im Rahmen der Wiederbelebung der Barockoper auch Keiser den ihm gebührenden Platz zu erkämpfen. Die Musik ist abwechslungsreich, unterhaltsam und eingängig, dabei aber nicht eintönig und wirkt unverändert frisch. Die Arien fallen vergleichsweise kurz aus, die Koloraturen sind sehr bewusst eingesetzt. Dadurch wirken die Personen natürlicher, lebendiger und uns in ihrem Gefühlsleben näher als die andernorts üblichen barocken Kunstfiguren.

Der Dirigent Christoph Hammer hat die Oper in München mit einem durchweg sehr jungen Sängerensemble realisiert. Gemessen am Altersschnitt der Solisten, welcher bei etwa 25 Jahren gelegen haben dürfte, bewegt sich die Produktion auf beachtlichem Niveau.

Dabei gefällt Dora Pavliková in der Titelpartie mit einer klaren, metallisch-scharfen Tongebung und ihrem der Figur angemessen aggressiven Zugriff. Als Fredegundas Konkurrentin um die Liebesgunst des Königs, Galsuinde, wirkt Bianca Koch zu Beginn etwas überengagiert und will der Rolle zu viel abgewinnen, was sich in einem stark flackernden, nicht immer textverständlichen Vortrag niederschlägt. Koch steigert sich aber im Verlauf der Aufnahme deutlich und gewinnt etwa ab der zweiten Hälfte an stimmlicher Sicherheit. Die Bazina gibt Katja Stuber herrlich frech. Indes teilt sie mit dem Tenor Tomo Matsubara das Problem, dass der Stimme in den Koloraturen noch die Geläufigkeit fehlt und die Anstrengung hörbar wird.

Als Chilperich kämpft auch Tomi Wendt mit ein paar Schwierigkeiten, sein Bariton tönt—begünstigt durch die trockene Akustik der Aufnahme—bisweilen recht glanzlos. Kraftvoll und jugendlich agiert hingegen sein Stimmkollege Michael Kranebitter und auch Tobias Haaks macht durch einen klaren, heldenhaften und doch lyrischen Ansatz positiv auf sich aufmerksam.

Die Neue Hofkapelle München bereitet dem ganzen klanglich ein schlankes, bewegliches Fundament, das lediglich an mancher Stelle noch etwas mehr Spielwitz vertragen hätte.

Die lebendige Live-Atmosphäre der Aufnahme fordert ihren Tribut: Immer wieder geraten die Sänger infolge ihrer Position auf der Bühne klanglich zu sehr ins Hintertreffen und werden vom Orchester überdeckt. Ärgerlicherweise passiert dies besonders häufig bei den reizvollsten Arien, was dem Hörer einigen Frust beschert.






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1:23:46 AM, 28 February 2015
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