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Pizzicato, March 2009

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Sven Kerkhoff
www.musikansich.de, February 2009

HAMBURGER DAUERBRENNER

Reinhard Keiser (1674–1739) war zu Beginn des 18. Jahrhunderts als Komponist und Gesamtleiter maßgeblich am Aufstieg der Hamburger Oper am Gänsemarkt beteiligt. Sein musikalisches Schauspiel „Fredegunda“ ging dort erstmals 1715 über die Bühne und war ein solch durchschlagender Publikumserfolg, dass sie bis zum finanziellen Niedergang des Hauses im Jahre 1738 immer wieder zur Aufführung gelangte. Dabei erscheint das Libretto eher sperrig. Es geht zurück auf einen historischen Stoff aus der Zeit der Frankenkönige und beleuchtet im wesentlichen die Rolle der herrsch- und eifersüchtigen Fredegunda, die mit List und Zauberkunst den König Chilperich auf ihre Seite zu ziehen sucht und dabei nicht nur das Liebesleben aller Beteiligten, sondern auch die Stabilität des Hofes und des ganzen Landes auf Spiel setzt.

Gesungen wird, wie es in Hamburg üblich war, in deutscher Sprache, wobei einige italienischsprachige Arien eingestreut sind.

Nun, mag das Libretto auch eher abseitig anmuten, Keisers Musik ist auch heute noch unmittelbar zugänglich. Für sein Opernschaffen hat nicht zuletzt René Jacobs durch die Einspielung des „Croesus“ (Harmonia Mundi France, 2000) allerbeste Werbung gemacht. Und auch dieser Live-Mitschnitt aus dem Münchener Prinzregententheater ist durchaus dazu angetan, im Rahmen der Wiederbelebung der Barockoper auch Keiser den ihm gebührenden Platz zu erkämpfen. Die Musik ist abwechslungsreich, unterhaltsam und eingängig, dabei aber nicht eintönig und wirkt unverändert frisch. Die Arien fallen vergleichsweise kurz aus, die Koloraturen sind sehr bewusst eingesetzt. Dadurch wirken die Personen natürlicher, lebendiger und uns in ihrem Gefühlsleben näher als die andernorts üblichen barocken Kunstfiguren.

Der Dirigent Christoph Hammer hat die Oper in München mit einem durchweg sehr jungen Sängerensemble realisiert. Gemessen am Altersschnitt der Solisten, welcher bei etwa 25 Jahren gelegen haben dürfte, bewegt sich die Produktion auf beachtlichem Niveau.

Dabei gefällt Dora Pavliková in der Titelpartie mit einer klaren, metallisch-scharfen Tongebung und ihrem der Figur angemessen aggressiven Zugriff. Als Fredegundas Konkurrentin um die Liebesgunst des Königs, Galsuinde, wirkt Bianca Koch zu Beginn etwas überengagiert und will der Rolle zu viel abgewinnen, was sich in einem stark flackernden, nicht immer textverständlichen Vortrag niederschlägt. Koch steigert sich aber im Verlauf der Aufnahme deutlich und gewinnt etwa ab der zweiten Hälfte an stimmlicher Sicherheit. Die Bazina gibt Katja Stuber herrlich frech. Indes teilt sie mit dem Tenor Tomo Matsubara das Problem, dass der Stimme in den Koloraturen noch die Geläufigkeit fehlt und die Anstrengung hörbar wird.

Als Chilperich kämpft auch Tomi Wendt mit ein paar Schwierigkeiten, sein Bariton tönt—begünstigt durch die trockene Akustik der Aufnahme—bisweilen recht glanzlos. Kraftvoll und jugendlich agiert hingegen sein Stimmkollege Michael Kranebitter und auch Tobias Haaks macht durch einen klaren, heldenhaften und doch lyrischen Ansatz positiv auf sich aufmerksam.

Die Neue Hofkapelle München bereitet dem ganzen klanglich ein schlankes, bewegliches Fundament, das lediglich an mancher Stelle noch etwas mehr Spielwitz vertragen hätte.

Die lebendige Live-Atmosphäre der Aufnahme fordert ihren Tribut: Immer wieder geraten die Sänger infolge ihrer Position auf der Bühne klanglich zu sehr ins Hintertreffen und werden vom Orchester überdeckt. Ärgerlicherweise passiert dies besonders häufig bei den reizvollsten Arien, was dem Hörer einigen Frust beschert.






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7:41:01 PM, 3 July 2015
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