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Rainer Aschemeier
The Listener, December 2011

Ich falle gleich mal mit der Tür ins Haus: Wenn es eine CD-Neuerscheinung im Dezember verdient hat, möglichst noch zum diesjährigen Weihnachtsfest wie verrückt gekauft und verschenkt zu werden, dann ist es die hier vorgestellte.

Die vorliegende Novität aus dem Hause Naxos vereint einfach sehr viele Tugenden in sich, die es mir praktisch unmöglich machen, diese CD nicht wärmstens zu empfehlen.

Beginnen wir beim Programm: Diese neue Naxos-CD mit dem etwas schmucklosen Titel „Französische Musik für Klarinette und Klavier“ beinhaltet einige Stücke großer französischer Meister der Spätromantik und der klassischen Moderne, die sonst fast nie zur Aufführung oder zur Aufnahme kommen. Dabei ist hier ein Stück reizvoller als das andere: Die CD beginnt mit einer ganz wunderbaren Sonate für Klarinette und Klavier in Es-Dur von Camille Saint-Saëns, für die ich gern sämtliche Orgelsinfonien und Tierkarnevaldarbietungen eintausche, die man sonst so im Zusammenhang mit diesem Komponisten gewissermaßen standardmäßig zu hören bekommt. Nicht nur diese ganz wunderbare, sanfte und zugleich verspielte Sonate ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie schlimm es eigentlich ist, dass wir unsere Aufmerksamkeit sehr eingleisig immer nur auf die „Publikumsrenner“ richten. Es gibt so viel schöne Musik auf dieser CD buchstäblich zu entdecken, dass man aus dem Schwärmen gar nicht mehr herauskommt. Gleichwohl sind das „Duo Concertant“, Op. 351 und die „Caprice“, Op. 335a von Darius Milhaud Werke, die durchaus zum erweiterten Standardrepertoire für Klarinette und Klavier gezählt werden können. Milhaud, der für die Klarinette erkennbar eine Vorliebe hatte, konnte in den beiden frischen, unverbraucht klingenden Stücken viel von der Unbekümmertheit eingefangen, wegen der man seine Musik allerorten wertschätzt. Beide Stücke stammen aus seiner mittleren Schaffensperiode, was auch für „Première rapsodie“ und „Petite pièce“ im Werkkatalog von Claude Debussy gilt. Sie stehen als nächtes auf der playlist und bieten mit ihren sphärisch-düsteren Klanglandschaften einen deutlichen Gegenpol zu den munteren Milhaud-Kompositionen.

Nun aber beginnen erst die wirklichen Highlights dieser CD. Das erste davon ist die Sonatine für Klarinette und Klavier des frankophonen schweizerischen Komponisten und bedeutenden Sinfonikers Arthur Honegger. Sie entpuppt sich als erstaunlich expressives Stück, das ganz im Gegensatz zum sonst viel deutlicher vom Nachhall der Spätromantik geprägten Stil Honeggers, immer mal wieder recht wagemutig an der Grenze zur freien Atonalität entlangbalanciert. Das überwiegend melancholisch und teilweise geradezu resigniert klingende Stück ist in meinen Augen der Höhepunkt dieser CD, die aber ein so ausgewogen gutes Programm aufweist, dass es einem wahrhaft schwerfällt, die Rosinen aus dem Kuchen picken zu wollen.

Mit der „Arabesque“ aus der Feder der Komponistin Germaine Tailleferre folgt ein am „Salon-Stil“ der Pariser Moderne orientiertes, gewissermaßen tragikomisches Programm-Intermezzo, das die Stimmung nach der dichten Honegger-Sonatine wieder etwas auflockert. Es ist auch eine wunderbare Vorbereitung auf die nachfolgende Sonate für Klarinette und Klavier von Francis Poulenc. Damit hätten wir auch die berühmte Gruppe „Les Six“ auf dieser CD (beinahe) vollzählig versammelt: Milhaud, Honegger, Tailleferre, Poulenc — es „fehlen“ nur noch Louis Durey und George Auric. Die Poulenc-Sonate darf man ruhigen Gewissens als ein sehr typisches Stück für diesen von der Nachwelt zu schnell und zu sehr vergessenen Meister bezeichnen, denn sie galoppiert mal fetzig broadway-mäßig nach vorne los, lässt dann wieder eine typisch französisch chansonartige Passage einfließen, beeindruckt durchwegs durch das untrügliche Melodiegespür ihres Schöpfers und atmet diesen leicht und „mozartisch“ wirkenden Charme aus, der Francis Poulencs Musik so erfreulich häufig auszeichnet.

Die CD ist ausgezeichnet eingespielt. Mit Ermanno Veglianti konnte ein sehr versierter Klarinettist gewonnen werden, der vielleicht nicht zur allerobersten Weltspitze zählt, aber eine starke künstlerische Persönlichkeit hat, die sich vordergründig in einem praktisch makellosen Vortrag abzeichnet, aber auch viel Emotion enthält, die dadurch eben auch die hintergründigen, teilweise auch abgründigen Stimmungen dieser durchwegs herrlichen Musik zu vermitteln vermag. In Enrico Maria Polimanti konnte ein kongenialer Duettpartner für Veglianti gefunden werden. Polimanti zeichnet sich auf dieser Aufnahme durch einen dezent zurückgenommenen Anschlag „mit Samtpfote“ aus, der nur zu gut zu der hier zu hörenden, betont emotionalen Musik passt. Zusammen haben sie nur einen Makel, nämlich den, dass an manchen, wenigen Stellen das rhythmische Zusammenspiel besser sein könnte. Doch beide Musiker sind eben keine Rhythmiker, sondern lassen die Musik der hier versammelten französischen Komponistenelite in ihrer ganzen schwelgerischen Großartigkeit erklingen. Die winzigen rhythmischen Unzulänglichkeiten, die es hier und da gibt, stören da nicht wirklich.

Um den positiven Gesamteindruck abzurunden, kann man auch von der „Klangfront“ nur Gutes vermelden: Es handelt sich hier um Live-Mitschnitte von Radio Vatikan. Sie beweisen, dass am heiligen Stuhl auch versierte Tonmeister ihren Platz haben, denn diese CD klingt wirklich gut. Sie ist vielleicht nicht oberste Hifi-Spitzenklasse, aber ich traue mich ohne mit der Wimper zu zucken, sie in die klangliche Oberliga einzustufen, die ganz sicher niemanden, der sich für die hier enthaltene Musik interessiert, enttäuschen wird.

Fazit: Ab damit auf den Wunschzettel! © 2011 The Listener






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10:30:13 PM, 28 December 2014
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