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Giselher Schubert
Fono Forum, January 2011

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Werner Theurich
Spiegel Online, December 2010

Manchmal geschehen wunderbare Dinge—nicht, weil göttliche Mächte ihre Hände Spiel haben, sondern weil höchst irdische Menschen die Dinge wunderbar ordnen. Einfühlsam, aber entschlossen. Solches kann der Dirigent Mariss Jansons, und natürlich sind seine musikalischen Fähigkeiten aller Welt bekannt. Aber manchmal muss auch ein Ausnahmemusiker an seine Grenzen gehen, um noch mehr zu strahlen. So geschehen bei Mariss Jansons’ Aufnahme der monumentalen „Gurrelieder“ von Arnold Schönberg (1874–1951). Auch der war ein Grenzgänger, der die orchestrale Form samt Chören und Solisten ins Extreme ausdehnte. Wem dazu Mahlers „Sinfonie der Tausend“ einfällt (1910 erschienen), liegt richtig: Schönberg vergötterte Mahler geradezu. Und mit dem 1913 in Wien uraufgeführtem Lieder-Zyklus donnerte er seine Wertschätzung klangmächtig heraus.

Schönberg feilte rund elf lange Jahre an dem Gurre-Oratorium und hat dabei noch einmal alles verarbeitet, was die deutsche Konzertmusik im 19. Jahrhundert zu bieten hatte. Von der Romantik über Wagner bis hin zu Brahms und Mahler fächert Schönberg ein Konglomerat an geschichteten Tönen und Melodiewelten auf, die in den dänischen Mythologie-Themen ihr ideales Sujet finden. Die Novelle des Dichters Jens Peter Jacobsen (1847–1885) lieferte das Textmaterial über Liebe, Eifersucht und Tod beim König Waldemar und seiner Geliebten Tove, aus dem die dänische Volkssage entstand. „Gurre“ hieß das Schloss, auf dessen Namen der Titel des Zyklus basiert.

Wellness im Hochleistungsmodus

Diese der Tradition verbundene, spätromantische Musik, die noch nichts von Schönbergs Anfang der zwanziger Jahre entwickelten Zwölftontechnik ahnen ließ, deutet auf den konservativen Kern seiner Werke, die immer wieder das Erbe der Klassik reflektieren—auch wenn Schönberg in der „Zweiten Wiener Schule“ das Tor zur atonalen Musik ganz weit aufstieß und er durch eben diese Verbindung von Tradition und Avantgarde zu einem der wichtigsten Komponisten des letzten Jahrhunderts wurde.

Mariss Jansons, 1941 in Riga geboren, gelingt es, all diese Verknüpfungen nicht nur im Hinterkopf zu behalten, sondern auch in Struktur und glasklaren Klang umzusetzen. Intime, kammermusikalische Stellen gelingen ihm ebenso wie wagnerisches Rollen der Blechbläser. Wenn er den Taktstock über drei Chöre, fünf Gesangssolisten und ein Orchester in Riesenbesetzung schwingt, wird aus der üppigen Stil-Melange Schönbergs der reinste Wellness-Brunnen. Gut zwei Stunden auf Hochleistungsmodus, das fordert. Doch der Chef des Unternehmens „Gurre“ macht das mit scheinbar leichter Hand.

Ungeliebte Halle

Dass Jansons Außergewöhnliches leisten kann, zeigt er auch in vermeintlich harmloser Umgebung, wie beim Wiener Neujahrkonzert 2006, als er das oft gemütlich-schläfrige Event mit strengem Zugriff aufs Orchester neu erweckte wie es zuvor nur Carlos Kleiber oder 2009 Daniel Barenboim gelang. Jansons ist ein Maestro mit vielen Talenten und wenig Sinn für Kompromisse. Da fordert der selbstbewusste Pultstar für sein Münchner Symphonieorchester einen eigenen Konzertsaal und wird dafür an der Isar keineswegs gekreuzigt. Zu schlecht sei die Akustik am ungeliebten Gasteig. Dennoch: Man hört auf ihn, nicht nur im Orchester. Dass das Orchester des Bayerischen Rundfunks—er leitet es seit 2003—ganz oben in der Champions League der Top-Klangkörper mitspielt, ist in erheblichem Maß sein Verdienst.

Daher muss man Jansons auch im Konzert erleben—oder eben wie hier, auf der soeben erschienenen DVD (BR Klassik), die neben ihm auch eine Reihe bester Gesangssolisten präsentiert. Herausragend der extrovertierte Tenor Stig Andersen und der als genialer Bayreuth-Beckmesser gefeierte Bariton Michael Volle, der selbst im Konzert noch seine komödiantischen Talente aufblitzen lässt. Aufgenommen im Oktober 2009 in der Philharmonie am Gasteig in München, wurden die „Gurrelieder“ zu einem knackigen Statement von Jansons’ aktuellem Münchner Wirkungsstand. Auch wenn die Akustik der Halle ja nicht seinen Vorstellungen entspricht. Aber manchmal geschehen eben Wunder, zumindest klingt es so.






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12:29:03 AM, 11 July 2014
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