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Tobias W. Pfleger
www.klassik.com, November 2012

Interpretation
Klangqualität
Repertoirewert
Booklet

Giuseppe Verdis komplette Ballettmusik wird von José Serebrier und dem Bournemouth Symphony Orchester schlichtweg hinreißend musiziert. Die klangliche Umsetzung der Audio Blu-ray lässt an Farbigkeit, dynamischer Breite und Plastizität nichts vermissen.

Auch wenn die Oper das ‚Werk‘ im Namen führt, so ist doch kaum eine musikalische Gattung mit dem Werkbegriff des 19. Jahrhunderts schwerer zu fassen. Denn Opern entziehen sich einer fixierten Gestalt – als Bedingung eines emphatischen Werkbegriffs – dadurch, dass sie im Hinblick auf je unterschiedliche Aufführungsbedingungen aktualisiert wurden. Lokale Traditionen, spezifische Zuschnitte auf Sängerinnen und Sängern oder andere Kontexte, die jene den vermeintlichen Komponistenwillen fokussierenden Historiker zuweilen als Äußerlichkeiten abtun, sind Beispiele für derlei Modifikationen. Ein anderes Beispiel wäre die Usance in der französischen Oper, ohne Ballett nicht auskommen zu können. Und so mussten von Komponisten, die ihre Werke in Frankreich aufführen wollten, Ballette eingearbeitet oder, bei bereits fertiggestellten Opern, nachträglich eingepasst werden, so etwa von Verdi in ‘Otello’ oder ‘Macbeth’. In unseren Tagen werden Ballett-Szenen nicht selten gestrichten – umso erfreulicher, Verdis komplette Ballettmusiken aus seinen Opern zusammenzuführen. Denn hier öffnet sich in der Tat ein schillerndes Panorama an effektsicherer Musik, die man sich auch im Konzertsaal vorstellen könnte.

Für dieses höchst ansprechende Projekt, das Naxos auf einer Doppel-CD veröffentlicht hat und auch in seine audiophile Reihe mit Audio Blu-ray Discs (‚The Spectacular Naxos Blu-ray Audio Experience‘) aufgenommen hat, zeichnet José Serebrier verantwortlich. Zusammen mit dem britischen Bournemouth Symphony Orchestra hat er sich Verdis Ballettmusik angenommen – mit ungeheuer viel Charme, Esprit und melodischer Eleganz. Das Orchester hat alles, um Verdis abwechslungsreiche, elegante und charaktervolle Musik zum Funkeln zu bringen. Die Streicher spielen mit süffigem, fokussiertem Ton, die biegsame Phrasierung bringt melodische Grazie ebenso zur Geltung wie kantablen Schmelz, die Bewegungsmuster sind rhythmisch glasklar, vor allem aber ist die Farbgebung von ausgesuchtem Schattierungsreichtum bei gleichzeitiger höchster Plastizität. Man muss nur einmal hören, mit welch schlank geführtem, kernigem Ton die Posaunen ihre Farben beimischen, um einmal mehr bestätigen zu können, dass José Serebrier zu den Meistern seines Fachs gehört, insbesondere in der Treffsicherheit des orchestralen Kolorits. Das Bournemouth Symphony Orchestra spielt mit italienisch temperiertem Elan und federnder Leichtigkeit, dass es eine wahre Freude ist.

Dabei gelingen sowohl die ausgedehnteren Nummern als auch die auf engem Raum zusammengedrängten Stimmungen. Beispielhaft für letzteres darf die Ballettszene in ‘Otello’ stehen, die in knapp sechs Minuten sieben unterschiedliche Teile exotischen Kolorits gegeneinanderstellt. Sind das Mitte des 20. Jahrhunderts zuweilen als Konzertstück aufgeführte ‘Otello’-Ballett oder auch das ausgreifende ‚Jahreszeiten-Ballett‘ aus ‘I vespri siciliani’ als selbstständige Ballettnummer aus Choreographien bekannt, so hat Serebriers Panoptikum von Verdis Ballettmusik auch einige Überraschungen zu bieten, etwa die vierteilige Tanzeinlage aus ‘Jérusalem’, der französischen Überarbeitung von ‘I Lombardi alla prima crociata’. Vor allem der ‘Pas de solo’ mit seinem wunderschönen Oboensolo über perlender Harfenbegleitung, das nach und nach die anderen Holzbläser einlädt, ist herrlich musiziert.

Das Bournemouth Symphony Orchestra bleibt der Musik nichts schuldig. Vor allem hervortretende Soli in den Bläsern sind glänzend gespielt – natürlich, voller Schwung und Eleganz. Das Moment tänzerischer Bewegung ist in der musikalischen Ausformung aufgehoben. In gleicher Weise wie die interpretatorische Gestaltung weiß die klangliche Präsentation zu begeistern. Die etwas trockene Akustik nimmt der Musik zwar minimal an Wärme und Farbenspiel, doch wird man mit einem plastischen Klangbild belohnt, das nicht nur die melodische und rhythmische Bewegungsenergie dieser Musik in all ihrer Vielfalt optimal an den Hörer weitergibt, sondern auch hinsichtlich der dynamischen Bandbreite überzeugt. José Serebrier und dem Bournemouth Symphony Orchestra ist mit dieser exzellenten Produktion ein glänzender Überraschungscoup gelungen. © 2012 www.klassik.com






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9:57:15 PM, 10 July 2014
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