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Manuel Brug
Fono Forum, April 2010

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Georg Henkel
www.musikansich.de, March 2010

PRALLE BAROCKPASTETE

Es sollte 1660 ein prunkvolles Spektakel zur Hochzeit Ludwig XIV. und Maria-Theresias von Spanien werden. Es wurde, wegen technischer Probleme auf das Jahr 1662 verschoben, ein teurer Flop. Das Pariser Publikum zeigte Francesco Cavallis italienischer Oper Ercole Amante die kalte Schulter. Lediglich den kurzen, aber unverkennbar französischen Balleteinlagen Jean-Baptiste Lullys zollte es Beifall. Frappierend freilich, wie viel Lully im Prinzip von der venezianischen Oper übernommen hat, als er dann über zehn Jahre später das französische Musiktheater aus der Taufe hob. Auch die ständigen französischen Mäkeleien am angeblich exaltierten Ariengegurgel der Italienier möchte man jedenfalls für Cavalli nicht gelten lassen. Noch steht die Musik vornehmlich im Dienst des Wortes.

Bei der Wiederaufführung des groß besetzten Werkes 2009 in Amsterdam hat sich das Publikum mitreißen lassen und der Mitschnitt dieser Inszenierung liegt nun auf 2 DVDs vor. Zum Glück, möchte man sagen, denn auch auf dem Bildschirm teilt sich der barocke Theaterzauber, den David Alden auf der weiträumigen Bühne von Het Musiektheater entfesselt, mit. Es ist, allen Modernisierungen zum Trotz, eine durch und durch barocke Lesart, prall und saftig. Mit einem musicalmäßigen Aufwand werden Himmel, Erde und Unterwelt auf die Bretter projiziert.

In diesem Welttheater geht der testosterongesteuerte Titelheld Herkules bei seinem Liebesrasen über Leichen, verstößt gar Frau Deianira und Sohn Hyllus, um etwas mit der schönen Iole anzufangen. Deren Vater allerdings wurde vom antiken Superhelden erschlagen, so dass die Schöne sich lieber mit Hyllus tröstet. Juno und Venus manipulieren als olympische Gegenspielerinnen das Geschehen auf Kosten der Menschen und Halbgötter von oben. Die obligatorischen komischen Diener geben ihren irdischen Senf dazu, während der Geist von Ioles Vater, König Laodemonte, in der Unterwelt mobil macht, um gegen den Erzfeind noch einmal in den Kampf zu ziehen.

Alden inszeniert Herkules, getreu dem prächtigen doppelchörigen Prolog, als Alter Ego des jungen Ludwig. Dieser war diversen schönen Damen seines Hofes schon immer ganzheitlich zugetan und pflegte den ehelichen Beischlaf mit der etwas beschränkten Spanierin nur aus dynastischen Gründen.

Bei Alden schlüpft Ludwig XIV. (alias der viril auftrumpfende Bassist Luca Pisaroni) einfach in einen He-Man-Body aus Latex mit Kugelgelenken und prall gefülltem Höschen. Dazu kommen Monsterboots, Polyesterkeulchen und Allongeperücke im Vokuhila-Stil – fertig ist der Barockproll und die Demontage des potenten Heroen kann beginnen. Im Grunde bleibt am Ende wenig Heldenhaftes übrig. Herkules tritt im blutbeschmierten Nachthemd (in Wahrheit das vergiftete Hemd des Nessus) ab. Auch die restlichen Figuren bekleckern sich nicht gerade mit Ruhm, schwanken zwischen Selbstmitleid, Suizid und Wahnsinn, in den die wohlmeinenden Vertrauten zusätzliches Öl gießen. Vielleicht haben solche Zweideutigkeiten mehr als die Musik das französische Publikum auf Distanz gehalten. Lully eliminierte in seinen eigenen Opern recht schnell alle Komik und servierte hohe Tragödien (wenngleich angereichert mit märchenhaften und phantastischen Elementen).

Im Ercole gewinnt insbesondere Deianira in der intensiven farbigen Darstellung durch Anna Maria Panzarella Tragödien-Format. Mit großem charaktervollem und leidenschaftlich-glühendem Ton wartet auch Anna Bonitatibus als intrigante Juno auf. Rollenmäßig weniger dominant sind der tenoral sensible Hyllus von Jeremy Ovenden und die lyrische Iole von Veronica Cangemi angelegt. Auch das übrige Sänger/innen-Team ist bis in die letzte Neberrolle sehr gut besetzt, einzig der Counter von Tim Mead wirkt stimmlich etwas belegt.

Während die venezianische Barockoper zu dieser Zeit aus ökonomischen Gründen nur ein Miniorchester unterhielt, das vor allem aus Bassinstrumenten bestand, wurde für Paris ein großes Ensemble mit Streichorchester, Blechbläsern und Chören engagiert. Doch nicht nur der üppige Klang macht den Ercole Amante für heutige Ohren unmittelbarer zugänglich als manch kleiner besetztes Werk. Auch die reiche Palette an musikalischen Formen sorgt für ständige Abwechslung: Rezitative, Ariosi, liedhafte Arien, Lamenti, Duette und Ensembles folgen geschmeidig aufeinander. Dass ist Mozart in vielem näher als Händel. Von Wagner ganz zu schweigen…Cavalli beherrscht die vokalen und instrumentalen Ausdrucksmöglichkeiten in der Nachfolge Monteverdis perfekt. Dirigent Ivor Bolton und Concerto Köln sorgen dafür, dass der musikalische Faden nicht abreißt, so dass dramaturgische Durchhänger selten sind. Die opulente Ausstattung der DVDs mit zahlreichen Extras tut ein Übriges, um Appetit auf diese barocke Pastete zu machen.



Manuel Brug II
Tonart Magazin, March 2010

Die Opernwiederentdeckung 2009. Komponiert zur Hochzeit von Ludwig XIV mit Balletten angereichert von Lully. Ein formidabler Heldenspaß um den verliebten Herkules, als Superrambo-Parodie inszeniert von David Alden in Amsterdam.






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6:43:10 PM, 24 October 2014
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