Classical Music Home

The World's Leading Classical Music Group

Email Password  
Not a subscriber yet?
Keyword Search
in
 
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Kerstin Voigt
Der Neue Merker, March 2010

Am Tag der Generalprobe von „Tristan und Isolde“ (17.7.09) hatte ich die Gelegenheit, vor Ort durch Spezialisten von United Motion KG Einblicke und umfangreiche technische Erläuterung der Aufnahmetechnik zu erhalten. Auch deshalb war ich auf die nun vorliegende DVD mit blu ray Edition besonders gespannt und kann sagen: Meine Erwartungen wurden noch übertroffen.

Bildregisseur Michael Beyer , der Klavier und Opernregie studiert hat, ist es in ausgezeichneter Weise gelungen, sich in die kammerspielartige Marthaler-Inszenierung hinein zu fühlen und deren persönliche Farbe in Fernsehbilder zu übersetzen. Dazu standen ihm die Aufnahmen einer steady cam und 8 weiterer Kameras zur Verfügung, die Personen und Szene aus unterschiedlichsten Perspektiven aufgenommen haben.

Es sind zunächst die kleinen Nuancen, die faszinieren. Kamerabilder, die das Schwanken des Schiffes ebenso unterstreichen wie die Bewegungen der Himmelslichter auf der Fahrt (Beginn 1. Szene 1. Akt). Weil Marthaler die Handlung hauptsächlich im Innern der Personen stattfinden lässt, spiegelt sie sich intensiv in deren Gesichtern. Deshalb sind es vor allem die zahlreichen  Großaufnahmen der Sänger, mit denen der Bildregisseur schließlich den Eindruck vermittelt, als stünde man selbst mit auf der Bühne. Der Einsatz der steady-cam, auch Schwebestativ genannt, einem komplexen Halterungssystem für tragbare Film- und Fernsehkameras, das verwackelungsarme Bilder von einem frei beweglichen Kameramann, der mit den Sängern auf der Bühne mitgeht, ermöglicht, hat sich gelohnt. Gerade durch diese aus nächster Nähe aufgenommenen Bilder gewinnt die Produktion an Intensität und Spannung, der man sich kaum entziehen kann und die durch die Akte hindurch gehalten wird.

Vieles geschieht allein durch Blicke. Tristan und Isolde trinken den Liebestrank—und in dem Augenblick verändert sich Brangänes ängstlicher Blick in einen triumphierenden. Zu Beginn des 2. Aktes sind es allein die warnenden Blicke Brangänes, die Isolde am Löschen des Lichtes hindern. Alles sagen die Blicke, die zwischen Isolde und Tristan getauscht werden, während Marke vom Verrat singt. Wie leuchten Melots Augen, als Tristan von dessen heimlicher Liebe zu Isolde spricht. In Kurwenals Blicken wechseln Güte mit Unbeholfenheit, Ausweglosigkeit mit Hoffnung und schlichter Freude. In den Gesichtern, den Augen, spiegeln sich die Seelenzustände, die die Musik beschreibt.

Die im Dissens zur Musik inszenierten Szenen (z.B. 2. Akt, 2. Szene, wenn den Liebenden nur eine einzige kurze Umarmung im Dunkel gewährt wird) bleiben freilich unverändert. Der Keller-Konzeption des 3. Aktes zu folgen, in der manche Textinhalte gar nicht mehr umgesetzt werden, bleibt eine Anfechtung. Da ist es besser, sich auf die Expressivität der Musik zu konzentrieren. Der eigentliche Held sitzt bei „Tristan und Isolde“ im Graben—das Bayreuther Festspielorchester unter der Leitung von Prof. Peter Schneider . Der Blick in den Orchestergraben, der dem Publikum im Festspielhaus vollends verwehrt ist, die Dirigenten-Kamera kann (als Bild im Bild) zugeschaltet werden. Das ist der einzige, aber wesentliche Unterschied zwischen der Blu-ray—Ausgabe und der DVD.

Peter Schneider im Graben zuzusehen, intensiviert den Höreindruck deutlich. Seine Interpretation ist (aus gutem Grund!) ebenso fließend wie emotional. Mitreißend variierte Tempi und gewaltige Klangsteigerungen eines großen musikalischen Weltendramas lassen den „öden Tag“ vergessen. Hier wird mit Wärme und Leidenschaft musiziert, ohne die Architektur des ganzen Stückes aus dem Blick zu verlieren. Dieser „Tristan“ ist musikalisch erstklassig! Die Aufnahmequalität (Soundformat: 5.0 DTS Surround / PCM Stereo) ist es auch. Kleinere Hall-Effekte sind dem Bühnenbild (geschlossener, in die Höhe wachsender Raum) geschuldet.

Uneingeschränkt glaubhaft in seiner Darstellung und stimmlich überzeugend ist der Tristan von Robert Dean Smith . Es gibt wenige, die die Fieberphantasien des 3. Aktes so wie er wirklich singen. Iréne Theorin spielt eindringlich, gestaltet Isolde detailreich, sorgfältig. und berührend. Die Spitzentöne klingen freilich scharf, ein Tremolo ist unüberhörbar.

Michelle Breedt gestaltet die Brangäne mit einer Ausdrucksvielfalt, die überrascht.

Ihr heller Mezzo ist tragfähig, die „Habet acht-Rufe“, die sie aus dem Orchestergraben singt, von wunderbarer Klangschönheit. Robert Holl singt den König Marke innig-melodiös, und ergreifend. Prägnant, gelegentlich stimmwuchtig ist der Kurwenal von Jukka Rasilainen.

Auf gewohnt gutem Niveau singen Ralf Lukas (Melot), Clemens Bieber (Seemann), Arnold Bezuyen (Hirt), Martin Snell (Steuermann) und die Herren des Festspielchores (Einstudierung Eberhard Friedrich ).

Die „extra features“ auf DVD 1 zeigen neue und z.T. aus dem Festspiel-podcast bekannte Ausschnitte aus der Probenarbeit von Peter Schneider mit dem Orchester, Kurzinterviews mit den Protagonisten, Erläuterungen zum Regiekonzept (Viebrock, Mahler) und Aufnahmen von der live-Übertragung (public viewing) am 9. August.






Famous Composers Quick Link:
Bach | Beethoven | Chopin | Dowland | Handel | Haydn | Mozart | Glazunov | Schumann | R Strauss | Vivaldi
10:58:38 AM, 13 July 2014
All Naxos Historical, Naxos Classical Archives, Naxos Jazz, Folk and Rock Legends and Naxos Nostalgia titles are not available in the United States and some titles may not be available in Australia and Singapore because these countries have copyright laws that provide or may provide for terms of protection for sound recordings that differ from the rest of the world.
Copyright © 2014 Naxos Digital Services Ltd. All rights reserved.     Terms of Use     Privacy Policy
-208-
Classical Music Home
NOTICE: This site was unavailable for several hours on Saturday, June 25th 2011 due to some unexpected but essential maintenance work. We apologize for any inconvenience.