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Stefan Gawlick
Hifi&Records, April 2010

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Tobias Pfleger
www.klassik.com, March 2010

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:

Könnte der Einstieg ins Tonträgergeschäft für ein Label wuchtiger ausfallen als mit einer Einspielung von Richard Wagners ‚Ring des Nibelungen‘? Die englische Firma Opus Arte, bisher ausschließlich mit DVD-Produktionen hervorgetreten, betritt mit allem Pomp, der mit vorliegendem ‚Ring‘ verbunden ist, die Bühne. Künstlerisches Gewicht und medial aufgeheiztes Echo erfährt diese 14-CD-Box vornehmlich wegen der illustren Beteiligten, die manchen Anhängern als Sterne des Wagner-Himmels gelten: Bayreuth und Thielemann. In der Tat handelt es sich um eine Einspielung der ‚Ring‘-Produktionen aus Bayreuth, aufgenommen im Jahr 2008.

Diese Aufführungen wurden von Musikkritik und Publikum gespalten aufgenommen: Die seit 2006 zu sehende Inszenierung von Tankred Dorst fiel, darüber herrscht große Übereinstimmung, in beinahe allen Belangen durch. Musikalisch aber sei die Umsetzung durch Christian Thielemann eine Klasse der Wagner-Aufführung, die man schon seit langer Zeit so nicht mehr erlebt habe. Die von Wagner mit Emphase beschworene Verbindung von Szene und Musik aber—und vor allem, sollte es zu einer Unwucht zwischen beiden kommen, die deutliche Betonung des Szenisch-Dramatischen gegenüber der Musik, wird dadurch ad absurdum geführt. Nicht ohne Grund wurde in diesen Jahren (seit 2006) vom ‚Thielemann-Ring‘ gesprochen. Aber noch ein großes Ungleichgewicht geht damit einher, eines, das hinsichtlich der räumlichen Trennung bei der Aufführung ebenso als Diskrepanz zwischen Szene und Musik beschrieben werden kann: der qualitative Unterschied zwischen Sängern und Orchester. Nun ist hier nicht der Ort, um ins Klagelied jener einzustimmen, die einen Untergang des Wagner-Gesangs betrauern. (Dass es dazu einigen Grund gibt, zeigen die mitgeschnittenen Aufführungen.) Schuld daran haben aber keineswegs nur die Sänger. Wenn vom ‚Thielemann-Ring‘ die Rede ist, dann ganz gewiss auch deswegen, weil der Dirigent die Anteile des Orchestralen (auch dynamisch) zumeist so stark betont, dass damit kaum ein Sänger fertig werden kann.

Damit sind die wesentlichen Schwierigkeiten dieser ‚Ring‘-Einspielung bereits angesprochen. Zweifellos hat Christian Thielemann mit dem Orchester der Bayreuther Festspiele ein Orchester zur Hand, das in Bezug auf farbliche, artikulatorische, rhythmische und dynamische Feinabstimmung Außerordentliches zu leisten imstande ist. Das Orchester setzt die Direktiven seines Leiters mit einer Präzision um, die den Hörer an mancher Stelle atemlos ob der fließenden Klangfarben-Übergänge staunen lässt. Gleichzeitig aber wird überdeutlich, dass Thielemann einen mitunter bombastisch daherkommenden, homogen verschmelzenden Schönklang produziert, der zur musikalisch-dramatischen Aussage seltsam quersteht, ja, sich um die inhaltliche Darstellung des Musikdramas kaum zu kümmern scheint. Wenn Wagner im großen Finale von ‚Rheingold‘ die Götter mit einem etwas ruppigen Marsch in ihre Burg einziehen lässt, dann ist damit von Wagner—dem alles mechanisch Marschierende zuwider war—bereits musikalisch angedeutet (und von Loge mit spitzer Zunge kommentiert), dass es mit den Göttern kein gutes Ende nehmen wird; eine allzu klangopulente Inszenierung des ‚Rheingold‘-Schlusses, die das köstlich klangverschmelzende Blech des Orchesters so messinghaft funkeln lässt, bleibt der Doppelbödigkeit der Musik vieles schuldig. Ähnliches lässt sich nicht nur in der ‚Walküre‘ erleben, in der manches über Gebühr zerdehnt wird, um den luxurierenden Klang des Orchesters in Szene zu setzen, sondern auch in der „Götterdämmerung“, in der Thielemann seine Musiker in dunklen Klangteichen fischen lässt, oft ritardierend, um die momentane Stimmung möglichst lange zu halten. Nicht umsonst dauert dieser ‚Ring‘ beinahe 15 Stunden. Das dramatisch Zuspitzende, auf wenige Höhepunkte zielsicher Hinsteuernde von vielen älteren Deutungen eines Leinsdorf, Knappertsbusch, Keilberth ist Thielemann, der auf die Stimmung des Moments setzt, meilenweit entfernt. Verschwiegen sei aber nicht, dass auch ihm zuweilen ein musikalisch-dramatischer Zug gelingt, der die Handlung in einem Schwung weiterträgt.

Eine solches orchestrale Übergewicht auch in dem Sinn, dass der Dirigent sich in der musikalischen Feingestaltung primär aufs Orchester konzentriert und in der Folge die Sänger einiges an klanggestalterischer Nuancierung schuldig bleiben, ist einer solchen Unwucht in der musikalisch-dramatischen Konzeption geschuldet. Thielemann deckt die Sänger nicht selten mit Klangwogen zu, wo Wagner doch eigentlich die präzise Deklamation bei gleichzeitiger Kultivierung von weich geformter, kantabler Phrasierung (‚deutscher Bel Canto‘) das Ziel seiner visionären Gesangskonzeption war. Unter den Sängern dieser ‚Ring‘-Aufnahme fallen kaum Glanzpunkte auf. Eher müsste man quasi negativ beurteilen: Es gibt einige wirkliche Fehlbesetzungen, von denen sich die anderen noch positiv abheben. Zweifellos kann Endrik Wottrich als Siegmund nicht überzeugen. Nicht nur, dass ihn Sieglinde (Eva-Maria Westbroek) mit ihrem kraftvollen Duktus vokal an die Wand drückt; er findet kaum eine Ausdrucksdifferenzierung, die seine Rollengestaltung lebendig wirken ließe. Albert Dohmen wirkt als Wotan nicht sonderlich kraftvoll und dramatisch überzeugend, gestaltet seine Partie aber ohne Tadel. Neben Andrew Shore als wahrlich stimmdifferenzierendem, gestalterisch singendem und charaktervollem Mime sind Kwangchoul Youn (Fasolt) und Hans-Peter König (Fafner, in der „Götterdämmerung“ Hagen) eher statisch und grob geschnitzt wirkende Riesen. Stephen Gould als Siegfried wirkt manchmal etwas angestrengt, und lässt, zuweilen etwas eckig phrasierend, manche geschmeidige Linie vermissen, auch wenn seine Gestaltung im großen Ganzen zu den besseren der Sängerleistungen zu zählen ist. Sie Sängerinnen von Fricka, Erda und Freia können zuweilen für sich einnehmen, ohne vokale Glanzpunkte zu setzen. Ähnliches gilt für Linda Watsons Brünnhilde, die das Jugendlich-Stürmische der ‚Maid‘ ein wenig schuldig bleibt, dafür im Gegenzug das Dramatische mit vokalem Gewicht betonend. Ralf Lukas als Gunther kann durchaus für sich einnehmen, auch wenn ihm die schwarz grundierte Schlankheit dieser Partie etwas bräsig zerfließt.

Katharina Wagner betonte die Ausrichtung des Klanggewands dieser Einspielung auf die Wünsche Bayreuths. Die in Zusammenarbeit mit dem BR entstandene Aufzeichnung spiegle durch besondere Mikrofonierung die Klangkonzepte des Festspielhauses wider. Eigenartig nur, dass dieses Konzept—gegenüber den Radioübertragungen des BR—einen runderen, homogenen Sound zuungunsten einer transparent ausgehörten Farb- und Motivstaffelung präferiert. Vieles wirkt wie durch Klangopulenz nivelliert. Aber das scheint zur Gesamtanlage dieses ‚Thielemann-Rings‘ ja bestens zu passen. Erfreulich, dass die einzelnen vier Papp-Cases je ein ausführliches Booklet mit komplettem Text in mehreren Sprachen bereithalten.



Wolfgang Denker
Orpheus, March 2010

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Dieter David Scholz
Rondo, February 2010

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Ulrich Ruhnke
Das Orchester, January 2010

Sollte die Welt einst so untergehen, möchten wir gerne dabei sein. Selig versinken im Klangrausch, in den Orchesterfluten, die derzeit kein zweiter wie Christian Thielemann aufzupeitschen versteht. Gewaltig, die Erde verschlingen, und dabei doch immer am menschlichen Maß gemessen, niemals donnerhaft dröhnend wie bei manch einem seiner Kollegen, die es im selbstverlorenen Testosteronrausch gerne mal so richtig krachen lassen und die nun mit kantigem Gesicht und durchaus nicht unlächerlicher Kapellmeisterstrenge nach Altväter Sitte verächtlich aus dem Plattenregal blicken. Nicht nur am Ende von Wagners „Ring“ ist es nur ein kleiner Schritt von der musikalischen Monumentalskulptur hin zu ihrer im Dauerforte dröhnenden Karikatur. Thielemann und das Orchester der Bayreuther Festspiele gehen, eigentlich müsste man sagen: tanzen diese Gratwanderung auf atemberaubende, höchst musikalische Weise und ohne Fehltritt die gesamten knapp 15 „Ring“‐Stunden (für pedantische Stundenglaszähler: 14 Stunden und 56 Minuten sind es genau). Es ist eine der schönsten Eigenschaften dieses Dirigats, dass es sich der kleinen, versteckten musikalischen Figuren mit ebensolcher Hingabe annimmt wie den vordergründigen, den traumhaft souverän gelenkten und kanalisierten Gesamtfluss prominent dominierenden. Und dass all dies und damit das Ganze zugleich mit einer so individuellen Prägung und in ganz eigener Handschrift gestaltet ist, die nicht weniger überzeugend wie ganz anders daherkommt als alle anderen „Ring“‐Exegesen, die man derzeit noch hören kann, ist es, was diese Lesart so einzigartig macht. Fernab von Aktlängen und Stoppuhrzeiten, an denen die Diskussion um eine vermeintliche Werktreue so gerne festgemacht wird und die letzten Endes doch ebenso offen und unbeantwortet bleiben muss wie bei der Frage um die szenische Gestaltung: Ein gutes Kunstwerk ist halt immer schlauer als sein Schöpfer und sowieso grundsätzlich autonom von ihm. Was Christian Thielemann hier mit dem grandiosen Orchester der Bayreuther Festspiele zustande gebracht hat, ist nicht weniger als ein genialer künstlerischer Wurf.

Weit weniger gelungen ist dagegen der offenkundige Versuch, die besondere Akustik im Bayreuther Festspielhaus einzufangen, wo dieser „Ring“ als Live‐Mitschnitt im Sommer 2008 aufgenommen wurde. Mit einiger Imaginationskraft vermag man sich in die Mitte des hölzernen Hochparketts versetzen und sich erinnert fühlen an das echte Klangerlebnis. Für Sekunden gelingt es auch, ist das Festspielhaus um einen präsent, doch kaum, dass man dem Klang genauer nachhorchen will, ist es auch schon wieder weg, eine bloße Erinnerung. Was bleibt ist eine klingende Kostbarkeit, die nur aus der Ferne, wie durch einen Vorhang ans Ohr dringt, der aber eben nicht gleichzusetzen ist mit der Abdeckelung des Orchestergrabens in Bayreuth. Hier ist der Klang zwar auch nicht so unmittelbar wie in einem Haus mit offenem Graben, aber deswegen doch nicht ein My weniger präsent und prägnant. Auf der vorliegenden Aufnahme leider schon. Oder vielleicht auch Gott sei Dank. Furchtbar, könnte die Technik solche akustischen Rätsel lösen und in ein beliebig reproduzierbares Produkt ummünzen.

Die Sängerbesetzung, auch wenn man sich inzwischen einigermaßen an sie gewöhnt hat, ist und bleibt nichts für echte Stimmenliebhaber. Eva‐Maria Westbroek als Sieglinde, Kwangchul Youn als Hunding, Hans‐Peter König als Hagen sind noch die Besten im Bunde, auch Stephen Gould (Siegfried) hat wunderbare Momente und Töne, doch lässt die Hörfreude mit dem mehr grundsoliden als superben Albert Dohmen als Wotan und der mehrfach sich ordentlich mühen müssenden Linda Watson als Brünnhilde schon deutlich nach.



M. Wilks
Das Opernglas (Germany), January 2010

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Stephan Schwarz
Fono Forum, January 2010

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Georg Henkel
www.musikansich.de, January 2010

Auch wenn Christian Thielemanns sehr langsame Tempi nicht den von Richard Wagner gewünschten dramatischen Pulsschlag erreichen (was dem Bayreuther Meister freilich auch bei seinen Dirigenten zu Lebzeiten nicht vergönnt war), gelingt ihm doch ein eindringlicher Ring des Nibelungen. Zwar benötigt er von allen Wagnerdirigenten die meiste Zeit. Doch die Proportionen stimmen und damit die internen Spannungsverläufe. Thielemann schwelgt in der Partitur. Die Klangfarben sind rauschhaft disponiert, der große Apparat klingt organisch und entfaltet einen hypnotischen Sog. Nicht nur das kongenial aufgefasste, suggestiv strömende und wirbelnde Vorspiel zum Rheingold ist ein großer Wurf. Selbst die oft so vulgär dahingalloppierende Walküren-Musik glost in attraktiven Farben; man kann diesen Teil ja auch mit gutem Grund ziemlich schrecklich finden, doch gemacht ist es hier einfach toll.

Ins allgemeine Wagner-Gesangs-Verfall-Lamento kann man natürlich auch bei dieser Produktion einstimmen. Dabei gibt es einige ausgezeichnete größere und kleinere Nebendarsteller zu entdecken: Kwanchul Youn (Hunding), Hans-Peter König (Hagen), Gerhard Siegel (Mime), Christa Meyer (Erda) und Michelle Breedt (Fricka) machen ihre Sache gut und verlieren nicht den Kampf gegen die breiten Tempi. Wichtige Rollen haben dagegen nicht immer das Glück einer befriedigenden Besetzung: Albert Dohmen bringt als Wotan zumindest Solidität mit. Doch Endrik Wottrichs Siegmund artikuliert unsauber, Linda Watsons scharf timbrierter Brünhilde fehlt es an Frische und Stephen Goulds schmalem Siegfried geht das Heldische zu sehr ab. Klanglich ist das ganze ordentlich und weitgehend störungsfrei. Auf der Promopressung war jedoch der zweite Akt der Walküre total verknistert.



Kurier, November 2009

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5:12:12 PM, 18 April 2014
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