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Album Reviews



 
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Stefan Gawlick
Hifi&Records, April 2010

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Wolfgang Denker
Orpheus, March 2010

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Dieter David Scholz
Rondo, February 2010

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Ulrich Ruhnke
Das Orchester, January 2010

Sollte die Welt einst so untergehen, möchten wir gerne dabei sein. Selig versinken im Klangrausch, in den Orchesterfluten, die derzeit kein zweiter wie Christian Thielemann aufzupeitschen versteht. Gewaltig, die Erde verschlingen, und dabei doch immer am menschlichen Maß gemessen, niemals donnerhaft dröhnend wie bei manch einem seiner Kollegen, die es im selbstverlorenen Testosteronrausch gerne mal so richtig krachen lassen und die nun mit kantigem Gesicht und durchaus nicht unlächerlicher Kapellmeisterstrenge nach Altväter Sitte verächtlich aus dem Plattenregal blicken. Nicht nur am Ende von Wagners „Ring“ ist es nur ein kleiner Schritt von der musikalischen Monumentalskulptur hin zu ihrer im Dauerforte dröhnenden Karikatur. Thielemann und das Orchester der Bayreuther Festspiele gehen, eigentlich müsste man sagen: tanzen diese Gratwanderung auf atemberaubende, höchst musikalische Weise und ohne Fehltritt die gesamten knapp 15 „Ring“‐Stunden (für pedantische Stundenglaszähler: 14 Stunden und 56 Minuten sind es genau). Es ist eine der schönsten Eigenschaften dieses Dirigats, dass es sich der kleinen, versteckten musikalischen Figuren mit ebensolcher Hingabe annimmt wie den vordergründigen, den traumhaft souverän gelenkten und kanalisierten Gesamtfluss prominent dominierenden. Und dass all dies und damit das Ganze zugleich mit einer so individuellen Prägung und in ganz eigener Handschrift gestaltet ist, die nicht weniger überzeugend wie ganz anders daherkommt als alle anderen „Ring“‐Exegesen, die man derzeit noch hören kann, ist es, was diese Lesart so einzigartig macht. Fernab von Aktlängen und Stoppuhrzeiten, an denen die Diskussion um eine vermeintliche Werktreue so gerne festgemacht wird und die letzten Endes doch ebenso offen und unbeantwortet bleiben muss wie bei der Frage um die szenische Gestaltung: Ein gutes Kunstwerk ist halt immer schlauer als sein Schöpfer und sowieso grundsätzlich autonom von ihm. Was Christian Thielemann hier mit dem grandiosen Orchester der Bayreuther Festspiele zustande gebracht hat, ist nicht weniger als ein genialer künstlerischer Wurf.

Weit weniger gelungen ist dagegen der offenkundige Versuch, die besondere Akustik im Bayreuther Festspielhaus einzufangen, wo dieser „Ring“ als Live‐Mitschnitt im Sommer 2008 aufgenommen wurde. Mit einiger Imaginationskraft vermag man sich in die Mitte des hölzernen Hochparketts versetzen und sich erinnert fühlen an das echte Klangerlebnis. Für Sekunden gelingt es auch, ist das Festspielhaus um einen präsent, doch kaum, dass man dem Klang genauer nachhorchen will, ist es auch schon wieder weg, eine bloße Erinnerung. Was bleibt ist eine klingende Kostbarkeit, die nur aus der Ferne, wie durch einen Vorhang ans Ohr dringt, der aber eben nicht gleichzusetzen ist mit der Abdeckelung des Orchestergrabens in Bayreuth. Hier ist der Klang zwar auch nicht so unmittelbar wie in einem Haus mit offenem Graben, aber deswegen doch nicht ein My weniger präsent und prägnant. Auf der vorliegenden Aufnahme leider schon. Oder vielleicht auch Gott sei Dank. Furchtbar, könnte die Technik solche akustischen Rätsel lösen und in ein beliebig reproduzierbares Produkt ummünzen.

Die Sängerbesetzung, auch wenn man sich inzwischen einigermaßen an sie gewöhnt hat, ist und bleibt nichts für echte Stimmenliebhaber. Eva‐Maria Westbroek als Sieglinde, Kwangchul Youn als Hunding, Hans‐Peter König als Hagen sind noch die Besten im Bunde, auch Stephen Gould (Siegfried) hat wunderbare Momente und Töne, doch lässt die Hörfreude mit dem mehr grundsoliden als superben Albert Dohmen als Wotan und der mehrfach sich ordentlich mühen müssenden Linda Watson als Brünnhilde schon deutlich nach.



Stephan Schwarz
Fono Forum, January 2010

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Georg Henkel
www.musikansich.de, January 2010

Auch wenn Christian Thielemanns sehr langsame Tempi nicht den von Richard Wagner gewünschten dramatischen Pulsschlag erreichen (was dem Bayreuther Meister freilich auch bei seinen Dirigenten zu Lebzeiten nicht vergönnt war), gelingt ihm doch ein eindringlicher Ring des Nibelungen. Zwar benötigt er von allen Wagnerdirigenten die meiste Zeit. Doch die Proportionen stimmen und damit die internen Spannungsverläufe. Thielemann schwelgt in der Partitur. Die Klangfarben sind rauschhaft disponiert, der große Apparat klingt organisch und entfaltet einen hypnotischen Sog. Nicht nur das kongenial aufgefasste, suggestiv strömende und wirbelnde Vorspiel zum Rheingold ist ein großer Wurf. Selbst die oft so vulgär dahingalloppierende Walküren-Musik glost in attraktiven Farben; man kann diesen Teil ja auch mit gutem Grund ziemlich schrecklich finden, doch gemacht ist es hier einfach toll.

Ins allgemeine Wagner-Gesangs-Verfall-Lamento kann man natürlich auch bei dieser Produktion einstimmen. Dabei gibt es einige ausgezeichnete größere und kleinere Nebendarsteller zu entdecken: Kwanchul Youn (Hunding), Hans-Peter König (Hagen), Gerhard Siegel (Mime), Christa Meyer (Erda) und Michelle Breedt (Fricka) machen ihre Sache gut und verlieren nicht den Kampf gegen die breiten Tempi. Wichtige Rollen haben dagegen nicht immer das Glück einer befriedigenden Besetzung: Albert Dohmen bringt als Wotan zumindest Solidität mit. Doch Endrik Wottrichs Siegmund artikuliert unsauber, Linda Watsons scharf timbrierter Brünhilde fehlt es an Frische und Stephen Goulds schmalem Siegfried geht das Heldische zu sehr ab. Klanglich ist das ganze ordentlich und weitgehend störungsfrei. Auf der Promopressung war jedoch der zweite Akt der Walküre total verknistert.



M. Wilks
Das Opernglas (Germany), January 2010

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Kurier, November 2009

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2:33:28 AM, 28 April 2015
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