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GP785 - Ekanayaka: Twelve Piano Prisms
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TANYA EKANAYAKA (geb. 1977)
ZWÖLF PRISMEN FÜR KLAVIER

 

Die zwölf Stücke des vorliegenden Albums aus den Jahren 2016 und 2017 korrespondieren mit den zwölf chromatischen Tönen der Klaviatur. Sie wurden nicht nur von der Klassik und der autochthonen Weltmusik, sondern auch von der aktuellen Pop-, Rock- und Filmmusik angeregt und gehen insgesamt zwei unterschiedlichen Konzeptionen nach.

Die erste erweitert den Gedanken meines Debüt-Albums Reinventions: Rhapsodien für Klavier, in dessen Stücken Adaptionen von Volksliedern und tradierten Melodien aus Sri Lanka enthalten sind. Unter anderem wurden in den Reinventions zehn der achtzehn sri-lankischen Vannams adaptiert—eine Reihe alter Tänze von stark perkussivem Charakter, die bis ins 16. und 17. Jahrhundert zurückgehen und an den Königshöfen entstanden. Diese Vannams sind weltlichen Charakters und beschreiben zumeist spezifische Tierbewegungen. Der Begriff »Vannam« ist von dem sanskritischen Wort »Varnam« hergeleitet, was so viel wie »anschauliches Lob« bedeutet.

Das neue Album enthält nun Adaptionen der übrigen acht Vannams sowie die Transkreationen weiterer sri-lankischer Volksmelodien. Einige Stücke enthalten auch Adaptionen tradierter und alter Melodien aus Ländern, in denen ich gespielt habe oder zu denen ich in einer musikalischen Beziehung stehe. Mitunter habe ich nur einen Abschnitt einer sri-lankischen Melodie bearbeitet und mit der Bearbeitung eines fremdländischen Melodieausschnittes zu einer neuen Mischung verbunden. Es war dies der Versuch, eine organische Einheit zu schaffen, die im gegenwärtigen »Augenblick« wurzelt, in der aber zugleich die Melodien verschiedener soziokultureller und historischer Bereiche durch die Bearbeitung zusammenströmen. Neben Sri Lanka sind hier Armenien, Japan, China, Großbritannien und die USA vertreten. Die bearbeiteten Melodien sind eine ganz persönliche Stellungnahme, die die originalen Formen sowie die Kulturen und die Menschen, denen sie angehören, würdigen wollen.

Der zweite Gedanke betrifft die Beziehung zwischen den Werken. Diese bilden völlig selbständige Organismen, und doch ist es möglich, einige oder sämtliche zwölf Stücke durch improvisatorische Motive in jeder beliebigen Kombination miteinander zu etwas Neuem zu verbinden.

Das liegt an gewissen gemeinsamen Merkmalen. Die Stücke enthalten nicht nur allesamt sri-lankische Melodien, sondern es finden sich auch gewisse motivische und technische Querverweise zwischen den verschiedenen Sätzen. Zudem weisen einige der sri-lankischen Vannams ähnliche melodische Figuren auf, wodurch die Verbindungsmöglichkeiten noch verbessert werden.

Der Begriff Prisma soll reflektieren, wie sich die Klänge aus unterschiedlichen Kulturen, Zeiten und dem Innersten meines Wesens durch das Klavier verbinden, verwandeln und brechen, um neue Geschichten zu entfalten.

Es – Juli 2016/17

Das Anfangsmotiv dieses Werkes kreist um die Töne Es, Cis/Des, G, D, Fis und F. Das sind die dominierenden tonalen Zentren meiner sieben Reinventions: Rhapsodies for Piano. Der Schluss der ersten Rhapsodie (Adahas: Of Wings Of Roots) findet seinen Widerhall in der abschließenden Sequenz des neuen Stückes, dessen Mittelteil die Bearbeitung eines sri-lankischen Volksliedes bringt. Das Stück entstand im Juli der Jahre 2016 und 2017.

B – Armenien an eine Perle

Die Transkreation einer traditionellen armenischen Melodie wird mit dem bekannten Lied Lanka, Lanka kombiniert, mit dem der sri-lankische Musiker Sunil Shantha (1915–1981), seine Heimat besang. Das Stück entstand im Februar 2017 und wurde im Mai desselben Jahres im Cafesjian Center for the Arts zu Eriwan uraufgeführt.

C – Smaragd Kiebitz Läufer

Dieses Werk huldigt der phrygischen Tonleiter, die in der armenischen Musik eine dominierende Rolle spielt. Außerdem sind hier zwei Vannams adaptiert und verschmolzen: Vairodi (»Smaragd«) und Kirala (»Kiebitz«). Der erstgenannte Vannam wurde nicht zuletzt deshalb gewählt, weil der Smaragd den Monat Mai repräsentiert, in dem dieses Stück, das zwei Monate zuvor entstanden war, am Cafesjian Center for the Arts uraufgeführt wurde.

Des – Intuition, Auld Lang Syne und ein asiatisches Heiligtum

Dieses Stück bringt zwei deutlich voneinander unterschiedene Melodien: das kultige schottische Volkslied Auld Lang Syne (19. Jh.) und den Vannam Surapathi. Das Stück entstand im August 2017.

G – Mit Paaru Kavi

Zwischen den Motiven dieses Stückes treibt die Transkreation des berühmten srilankischen kaviya paaru umher, mit dem der Beruf und das Leben der traditionellen Fischergemeinschaft besungen wird. Das Werk entstand im Herbst 2016 und wurde im Januar 2017 an St Martin in the Fields in London uraufgeführt.

F – Erneuerung und Goyam Kapuma

Dieses Stück entwickelte sich im Herbst 2016. Es enthält die Adaption des traditionellen sri-lankischen Goyam Kapuma, das gesungen wird, wenn man den Reis, das Hauptnahrungsmittel der Insel, erntet. Die Uraufführung fand im Januar 2017 an St Martin in the Fields statt.

E – Pfeil und

Die Vannams Eeradi und Uranga stellen den Pfeil und das Reptil dar. Sie bilden das Zentrum dieses Stückes, das im August 2017 entstand. Der zarte lyrische Ton soll die trügerische Zärtlichkeit des oftmals missverstandenen, verleumdeten Reptils widerspiegeln.

A – Zuni See

Das Stück beginnt mit zwei melodischen Gestalten, die später nachklingen, und kombiniert eine Adaption des alten Liedes, das die berühmten amerikanischen Zuni-Indianer zum Sonnenuntergang sangen, mit dem historischen Vannam Gahaka, der die Schale der Meeresschnecke repräsentiert. Das Stück entstand im Juni 2017.

As – Fünkchen: Komitas bis zur Kindheit

Hier verbindet sich der Titel Chinar es des armenischen Komponisten und Musikforschers Soghomon Soghomonian alias Komitas (1869–1935) mit dem berühmten Ma Bala Kale, in dem der sri-lankische Musiker Cyril Tudor Fernando (1921–1977) die Kindheit besungen hat. Das Werk entstand im Februar 2017 und wurde im Mai 2017 im Cafesjian Center for the Arts uraufgeführt.

H – Von Vannam und Zhuang Tai Qiu Si

Dieses Werk entstand im September 2017 und kombiniert den sri-lankischen Vannam Asadrusha mit dem chinesischen Lied Zhuang Tai Qiu Si. Es erscheint darin auch eine pentatonische Tonleiter, die man gern mit der chinesischen Musik assoziiert.

Fis – Kitty & Bambaru

In diesem Werk kommt es zu dem Wechselspiel einer lyrischen Episode, die ich der heimatlosen Katze gewidmet habe, die inzwischen bei mir heimisch geworden ist, und der Adaption des berühmten Schlagers Wana Bambaru (»Urwaldbienen«) von C.T. Fernando. Das Stück schließt mit einem kurzen Tribut an Sunil Shanthas berühmtes Lied Handa-pane. Der Mittelteil bringt in der linken Hand eine rasche Skalenfigur, die den Flug und das Summen der Bienen in ihrem natürlichen Lebensraum darstellen soll. Dieses Muster verbindet sich dann mit einer Adaption des Wana Bambaru. Das Stück entstand im Herbst 2016, die Uraufführung fand im Januar 2017 an St Martin in the Fields statt.

D – Hana Hare

Dieses Werk enthält eine Umgestaltung des bekannten japanischen Liedes Hana von Rentarō Taki (1879–1903) sowie eine Adaption des Vannams Musaladi, den man als »Lobpreis des Hasen« übersetzen kann. Es entstand im Juni 2017.

Dr Tanya Ekanayaka
Deutsche Fassung: Dr Cris Posslac


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