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GP879 - Ekanayaka: The Planets & Humanity - Piano Reflections
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TANYA EKANAYAKA (b. 1977)
THE PLANETS & HUMANITY – PIANO REFLECTIONS
(»PLANETEN UND MENSCHHEIT – REFLEXIONEN AM KLAVIER«)

 

Der Grundgedanke zu den Planets & Humanity – Piano Reflections (»Planeten und Menschheit – Reflexionen am Klavier), die das Konzept meiner vorigen Alben erweitern, ist mir Mitte 2018 in einem Traum erschienen. Der größte Teil der Stücke entstand 2020, als ich die ersten acht Monate des Covid-19-Lockdown allein zu Hause im schottischen Edinburgh zubrachte. Eines der Werke sowie Teile von drei anderen Stücken waren allerdings schon 2018 und 2019 entstanden. Am 14. Oktober 2020 war die Gestaltung des gesamten Albums abgeschlossen.

Ich sehe eine einzigartige, kraftvolle und delikate Übereinstimmung zwischen den ältesten musikalischen Schichten, die den vielen heute bekannten und künftigen Gattungen voraufgehen, und der unergründlichen Endlosigkeit des Weltalls, die wohl alles vergangene, gegenwärtige und zukünftige Dasein enthält. Diese allgemeine Kontinuität scheint einer tiefen Verbindung der Elemente zu entsprechen, aus denen dieses Dasein besteht, während dieselbe Kontinuität zugleich die Verschmelzung von Zeit und Raum gewissermaßen in einen organischen »Moment« projiziert. Eine intuitive Reflexion über diese Kongruenz liegt jedem Einzelstück dieses Albums und dem Album insgesamt zugrunde.

Die acht Stücke dieses Albums entsprechen den Reflexionen über die acht Planeten unseres Sonnensystems und über die sieben Kontinente, aus denen unsere Heimat, die Erde, besteht. In sämtlichen Stücken außer Earth-Life (»Erde-Leben«) und Mercury with Antarctica (»Merkur mit Antarktis«) sind die Transkreationen von sechs traditionellen Melodien eingebettet, die von sechs eingeborenen Völkern der sechs Kontinente stammen, auf denen Menschen leben – nämlich Afrika, Asien, Australien/ Ozeanien, Europa, Nordamerika und Südamerika. Bei den Völkern, die diese Werke musikalisch inspirierten, handelt es sich um die Asháninka, Cree, Gond, Hadzabe, Numbulwar und Sámi. Im Falle der mit dem Planeten Merkur verbundenen Antarktis ergab sich eine imaginäre Verbindung durch die Besinnung auf Elemente, denen beide ihre Ähnlichkeit und ihre Unterschiede verdanken könnten. Earth-Life reflektiert Schmerz, Widerstandsfähigkeit, Hoffnung und Heilung und ist jedem einzelnen Menschen gewidmet, der sich der Covid-19-Pandemie gegenüber sieht.

Am Klavier über Musik zu sinnieren, die vor der Geburt dieses Instruments entstand – dieser Vorgang steht auch im Zusammenhang mit meiner persönlichen Reise, in deren Verlauf ich durch kreative Visionen eine Reihe zutiefst autobiographischer Klangteppiche für das Klavier entwickelt habe. Ich bin nicht nur von Geburt an mit den zwei Sprachen meiner Heimat (Singhalesisch und Englisch) aufgewachsen, sondern auch mit dem Klang und der Sprache des Klaviers, mit der Vielfalt der einheimischen Musik und einer Menge musikalischer Gattungen und Stile aus aller Welt, die synergetisch und symbiotisch in mir leben und die ich allmählich verinnerlicht habe. Dass in meinen Werken transkreierte Echos solcher Gemeinschaften und Völker vorkommen, die schon lange vor der Erfindung des Klaviers musiziert haben, geht zum Teil auf meine eigenen Erfahrungen zurück; diese Nachklänge helfen mir bei dem Bestreben, mit meiner Musik eine Vision von der harmonischen Koexistenz aller Individuen und Lebewesen in all ihrer großartigen Vielfalt zu entwerfen und zugleich die Reichweite des Klaviers durch Zeit und Raum zu vergrößern. Entscheidend aber ist, dass ich selbst durch die musikalische Vielfalt inspiriert und zu ganz persönlichen Reflexionen angeregt wurde, nicht aber beabsichtige, die Völker und ihre jeweilige Musik darzustellen.

Jedes Werk schließt so ab, dass es sich mit seinem Anfang verbindet und dadurch eine endlose Wiederholung möglich macht. Entsprechend der Vision, die alle Teile zusammenhält, sind die einzelnen Stücke auch strukturell und stilistisch durch wiederkehrende technische Mittel miteinander verbunden. Die Reihenfolge der Sätze richtet sich in dieser Aufnahme danach, wie fern oder nahe die Planeten der Sonne sind: Der fernste bildet den Anfang, ihm folgt der sonnennächste, dann der zweitfernste und so weiter ... Diese Anordnung soll symbolisch daran erinnern, wie alle in diesem Universum miteinander verbunden sind.

Neptune: Asháninka Kindled (»Neptun: Asháninka entfacht«)

Anklänge an eine Melodie der Asháninka, die in großen Regionen Südamerikas daheim sind, haben mehrere Abschnitte dieses Stückes inspiriert. Einige kontrapunktische Elemente durchziehen den Satz, um verschiedene musikalische Erzählungen zu durchschreiten und ein komplexes Stimmungsgeflecht zu erforschen, indessen die Musik über die Geheimnisse dieses großen, sonnenfernsten Planeten unseres Systems nachdenkt. Im Juli 2018 entstand ein Thema des Stückes, das im März 2020 abgeschlossen wurde.

Mercury with Antarctica (»Merkur mit Antarktis«)

Dieses Werk entstand je zur Hälfte im Oktober 2019 und im April 2020. Es ist eine imaginäre Reflexion über die extrem unwirtlichen »Welten« des Merkur und der Antarktis, die hier gleichwohl so dargestellt werden, als hätten sie einen weichen, zarten Kern in sich. Das Stück soll beruhigend und in gewisser Weise wie ein Gegengift gegen das Chaos unserer Zeit wirken.

Uranus: Numbulwar Sustaining (»Uranus: Numbulwar durchhaltend«)

Die Adaption einer Melodie der eingeborenen Numbulwar im Nördlichen Territorium Australiens steht im Zentrum dieses Werkes. Umgeben ist sie von den fantasievollen Gedanken über die Elemente, die den Planeten Uranus ausmachen. Das Stück entstand im Juni 2020.

Venus: Sámi Traced (»Venus: Sámi aufgespürt«)

Dieser Satz entstand je zur Hälfte an einem Novembernachmittag des Jahres 2019 und im Mai 2020. In die Betrachtungen des Planeten Venus sind die Transkreationen einer Melodie eingestreut, die von dem alten Volk der europäischen Sámi stammt.

Saturn: Gond Inspired (»Saturn: Gond begeistert«)

Dieses im August 2019 entstandene Stück verbindet acht ineinandergreifende Themen. Sieben dieser Themen entsprechen den vier gut sichtbaren Ringgruppen des Saturn sowie den drei schwächeren Ringen, die bislang als dem Planeten zugehörig bekannt sind. Das achte Thema soll alles darstellen, was von diesem Wandelstern noch unbekannt und womöglich noch zu entdecken ist oder der Menschheit womöglich auch für immer verborgen bleiben soll. Ein prominentes Thema, das überdies motivisch in einigen der anderen Themen wiederkehrt, ist die Adaption einer Melodie des altindischen Stammes der Gond.

Das Werk wurde im Oktober 2019 in der Reid Concert Hall der Universität Edinburgh bei einem Solorecital uraufgeführt, das zum 150. Geburtstag von Mahatma Gandhi stattfand. Dieses Konzert bildete einen Teil des Programms, mit dem die Universität ihre Südasienwoche eröffnete. Die Aufführung hatte eine besondere persönliche Bedeutung, weil Mahatma Gandhi und seine Frau Kasturbai 1927 bei ihrem Besuch auf Sri Lanka einige Tage in der Residenz von James Abraham Corea, einem meiner Urgroßonkel mütterlicherseits, zubrachten. Ghandi war ein enger Freund der zwei bekannten srilankischen Freiheitskämpfer Charles Edgar Corea und Charles Edward Victor Seneviratne Corea, die ich gleichfalls zu meinen Großonkeln zähle.

Earth – Life (»Erde – Leben«)

Dieses Werk entstand im Juli und Oktober 2020 und sinniert über die miteinander verbundenen Zustände unseres Erdenlebens und des menschlichen Geistes – über Sein, Hoffnung, Verlust und Erneuerung. Als solches enthält es einen narrativen Strom unterschiedlicher, nicht aber zusammenhangloser Themen. Das Stück ist allen gewidmet, die die Covid- 19-Pandemie in Mitleidenschaft gezogen hat – von den ersten Chinesen, die tragischerweise betroffen waren, bis hin zu den Milliarden auf der ganzen Welt.

Jupiter: Cree Cast (»Jupiter: Cree verwandelt«)

Dieses Stück entstand im August 2020. Es betrachtet die Geheimnisse, von denen die Entstehung und die unermessliche Ausdehnung unseres größten Planeten, des Jupiter, umgeben sind. Darin lebt eine Weise der Cree, die zu den größten »Ersten Völkern« Nordamerikas gehören. Die Adaption hallt im weiteren Verlauf des Werkes nach.

Mars: Hadzabe Touched (»Mars: Hadzabe bewegt«)

Dieses Werk, das im April 2020 entstand, ist eine recht zarte, wenngleich imaginierte Vision des Planeten Mars. Diese ist durchsetzt von einer transkreierten Melodie des alten tansanischen Volkes der Hadzabe.

Dr Tanya Ekanayaka
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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