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5.110005 - TCHAIKOVSKY: Swan Lake (Highlights)
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Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893)

Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893)

Schwanensee op. 20 – Höhepunkte

 

Zu Tschaikowskys Bühnenwerken gehören drei abendfüllende Ballette, Schwanensee, Dornröschen und Der Nussknacker. Ersteres war ein Auftrag der Direktion der Moskauer zaristischen Bühnen und wurde am 4. März 1877 im Bolschoi-Theater in der Choreographie von Julius Reisinger uraufgeführt. Das Libretto von Wladimir Begitschew und Wassili Geltzer basiert auf einer Vorlage von Karl August Musäus nach deutschen Märchenmotiven. Tschaikowsky hatte bereits einige Jahre zuvor eine Musik zu dieser Geschichte geschrieben, und zwar als eine Art häusliches Ballett für die Kinder seiner Schwester Alexandra, die mit Lew Dawidow verheiratet war und im ukrainischen Kamenka lebte. „Onkel Pjotr“ hatte das gesamte kleine Szenario vorbereitet und seinen drei Nichten und den anderen Mitwirkenden die von ihnen verlangten Pirouetten und Schritte erklärt, während die eigentlichen Schwäne nur aus Holzfiguren bestanden haben dürften. Teile der Musik für diese bescheidene Aufführung übernahm Tschaikowsky in das neue Auftragswerk, ebenso Elemente aus seiner ersten Oper, Der Wojewode, für den Entr’acte zu Akt IV und die Vereinigung von Siegfried und Odette am Ende des Balletts. Aus seiner zweiten Oper, Undine, stammt die Musik für Violine und Cellosolo im Tanz der Schwäne am Ende von Akt II.

 

Die Uraufführung des Schwanensee war nicht mehr als ein mäßiger Erfolg. Das Publikum war an wesentlich substanzlosere Musik gewöhnt, und Tschaikowsky hatte verschiedene Tänze gestrichen, da sie anscheinend nicht tanzbar waren, und sie durch andere Nummern ersetzt. Die Choreographie war unbefriedigend, die Bühnenbilder einfallslos, die Tanzdarbietungen gelangten nicht über ein Mittelmaß hinaus und der Dirigent war überfordert. Tschaikowsky trug sich jahrelang mit der Absicht, das Werk neu zu bearbeiten; für eine choreographische Neugestaltung sorgten nach seinem Tode jedoch erst Marius Petipa und Lew Iwanow. Diese Neufassung wurde 1895 in St. Petersburg erstaufgeführt und dient seitdem als Modell für die meisten Choreographien des Balletts. In dieser Neufassung ist der ursprüngliche tragische Schluss, in dem Siegfried und Odette Oper von Rotbarts Zauber getötet werden, durch ein glückliches Ende ersetzt. Die Revision des Librettos für die Petersburger Aufführung besorgte Tschaikowskys Bruder Modest, dem wir die Erscheinung Odettes im Fenster im dritten Akt sowie die Tilgung der Figuren von Odettes Großvater und der bösen Stiefmutter verdanken, wobei letztere in den Charakter Rotbarts übergegangen ist, dessen Aktionen nun wesentlich verständlicher sind.

 

Das Ballett beginnt nach einer Introduktion [1] mit einer Szene im wunderbaren Garten des Schlossparks. [2] Auf der Terrasse des Schlosses feiert Prinz Siegfried mit Freunden seinen Geburtstag; [3] Gäste haben sich eingefunden, ihm zum Eintritt in das Mannesalter zu gratulieren und ihm mit Tanzdarbietungen zu huldigen. Pagen melden die Ankunft von Siegfrieds Mutter; die Diener versuchen, alles so aussehen zu lassen, als hätte keine Feier stattgefunden. Siegfrieds Mutter erscheint mit ihrem Gefolge, gibt ihrem Unmut über die nur schlecht verheimlichte Feier Ausdruck und weist ihren Sohn darauf hin, dass er am morgigen Festball, zu dem heiratsfähige Mädchen des Landes geladen sind, eine Verlobte wählen müsse. Sie gestattet den jungen Leuten, die Feier fortzusetzen. [4] Während sich die Mutter des Prinzen zurückzieht, tanzt ein Paar einen Walzer in einem Pas de deux. Der Abend bricht an. [5] In diesem Augenblick fliegt eine Schar wilder Schwäne über den Schlosspark (begleitet im Orchester von einer Oboenmelodie mit Harfenarpeggien). Siegfrieds Freund Benno schlägt eine Schwanenjagd vor, und alle – außer Wolfgang, der zu betrunken ist – brechen sofort auf.

 

[6] Der zweite Akt beginnt mit dem wehmütigen Schwanenmotiv. Die Szene ist ein vom Mondlicht beschienener Waldsee, an dessen Ufer sich die Ruine einer einsamen Kapelle befindet. Die Schwäne gleiten über das Wasser, angeführt von der Schwanenkönigin. Die Jagdgesellschaft erscheint. [7] Siegfried gibt Benno und den anderen ein Zeichen, sich zu entfernen, und bleibt dann allein zurück. Er sieht die Schwäne und ist im Begriff zu schießen, als plötzlich die Ruine in einem magischen Licht erglänzt. Während die anderen Schwäne davonschwimmen, erscheint die Schwanenkönigin Odette vor Siegfried in menschlicher Gestalt und fragt ihn nach dem Grund seines Vorhabens. Sie klagt ihm ihr trauriges Los, denn sie und ihre Gefährtinnen stehen unter dem Zauberbann des bösen Ritters Rotbart; nur zwischen Mitternacht und Morgengrauen dürfen sie menschliche Gestalt annehmen, und erlösen kann sie nur die ehrliche Liebe eines edlen Jünglings, der außer ihnen keine andere lieben darf. Siegfried ist von Odettes Schönheit ergriffen und gelobt ihr, sie zu retten. Er lädt sie für den folgenden Tag zum Ball, an dem er eine Braut wählen muss. Obwohl ihr dies nicht möglich ist, fleht Odette ihn an, ihr treu zu sein. Da erscheint der böse Zauberer in Gestalt einer Eule und belauscht das Gespräch der beiden. Odette bittet Rotbart, Siegfried zu verschonen, der selbst seinen Bogen spannt, bevor er ihn fortwirft. Siegfrieds Jagdgesellen erscheinen, ebenso die verzauberten Gefährtinnen Odettes. Der Prinz bittet seine Freunde, die friedlichen Schwäne in Ruhe zu lassen. [8]-[11] Die Schwäne tanzen in Dankbarkeit; [12] Es folgt ein großer Pas de deux Odettes mit dem Prinzen; [13]-[14] danach tanzen alle gemeinsam. [15] Als der Morgen anbricht, nehmen Odette und die Schwanenmädchen unter dem Bann Rotbarts wieder die Gestalt der Schwäne an und verschwinden auf dem See, während der Zauberer unheilvoll über ihnen schwebt.

 

[16] Der dritte Akt spielt im Festsaal des Schlosses, wo alles für die Feier bereit ist, während derer Siegfried seine Braut wählen soll. Der Zeremoniemeister weist die Dienerschaft ein; die Gäste erscheinen, gefolgt vom Prinzen und seiner Mutter samt Gefolge. [17] Er das Zeichen zum Beginn der Tänze. Ein Bläsersignal kündet das Erscheinen weiterer Gäste an; unter ihnen befinden sich sechs Mädchen, von denen Siegfried sich für eine entscheiden soll. Nun tritt ein unbekanntes Paar auf: Rotbart mit seiner Tochter Odile, deren Erscheinung identisch ist mit dem der Schwanenkönigin Odette. Siegfried hat nur Augen für Odile; [18]-[21] im Glauben, Odette sei seiner Einladung gefolgt, tanzt er mit ihr eine Reihe von Variationen. Danach folgen Nationaltänze der Gäste: [22] ein ungarischer Csárdás, [23] ein spanischer Bolero, [24] ein neapolitanischer Tanz und [25] eine polnische Mazurka. [26] Siegfried teilt seiner Mutter zu deren Freude mit, dass er sich für die Tochter des geheimnisvollen Gastes entschieden hat. Die Prinzessin gibt den Gästen die Wahl ihres Sohnes bekannt. Nun führt Rotbart feierlich die Hände der beiden zum Bund zusammen. In diesem Augenblick wird im Fenster des Saals die Erscheinung der Schwanenkönigin Odette sichtbar, die gekommen ist, um ihren Geliebten zu warnen. Als Siegfried Odile die Treue schwört, ertönt ein Donnerschlag. Triumphierend verschwinden Rotbart und Odile, während der Prinz bewusstlos zu Boden sinkt.

 

[27] Der vierte Akt beginnt zu mitternächtlicher Stunde am Schwanensee. [28] Die Schwanenmädchen erwarten die Rückkehr ihrer Königin. [29] Auch die kleinen Schwäne, angeleitet von den älteren, sind voller Ungeduld. [30] Da erscheint die verzweifelte Odette und berichtet den anderen von ihrem großen Kummer. Als Siegfried erscheint, gibt sie ihm zu verstehen, dass sein Verrat ihren Tod bedeute. Rotbart entfacht einen furchtbaren Sturm, damit die zu dieser Stunde noch nicht wieder zurückverwandelten Schwanen-mädchen ertrinken. [31] Siegfried, der bereit ist, sein Leben für Odette im Kampf mit dem Zauberer aufs Spiel zu setzen, gelingt es, Rotbarts Zaubermacht zu brechen. Er wird mit Odette, die nun ihre menschliche Gestalt behalten darf, vereint. Auch die anderen Mädchen sind von ihrem Schwanendasein erlöst.

 

Keith Anderson

Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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