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6.110002 - GROFE: Grand Canyon Suite / Mississippi Suite / Niagara Falls
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Ferde Grofé (1892-1972)

Ferde Grofé (1892-1972)

Mississippi Suite (1926) • Grand Canyon Suite (1931) • Niagara Falls Suite (1961)

 

Ferde Grofé wurde 1892 als Ferdinand Rudolph von Grofé in New York geboren, doch die Familie siedelte kurz darauf nach Los Angeles über. Beide seiner Eltern stammten von französischen Hugenotten ab, und sein Großvater Dr. Rudolph von Grofé war Professor für Chemie an der Heidelberger Universität. Ferde Grofé wurde die Musik in die Wiege gelegt. Unter seinen Vorfahren befanden sich zahlreiche Musiker, etwa der Großvater mütterlicherseits, Bernhardt Bierlich, der erster Cellist beim Philharmonieorchester in Los Angeles war, oder dessen Sohn Julius, Konzertmeister beim selben Orchester. Ferdes Vater war Sänger und Schauspieler, seine Mutter Cellistin und eine namhafte Lehrerin. Grofé selbst studierte Geige, Klavier und Harmonielehre bei seiner Mutter sowie Bratsche bei seinem Großvater. Nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1899 folgte er seiner Mutter nach Leipzig, wo diese am Konservatorium drei Jahre lang studierte. Zurück in Los Angeles eröffnete Frau Grofé ein Musikstudio. In dieser Zeit schrieb Grofé seine ersten Kompositionen, die drei Klavierstücke Harem, Rattlesnake und Persimmon. Nachdem er zuhause ausgezogen war, arbeitete er unter anderem als Lastwagenfahrer, Buchbinder, Stahlarbeiter, Platzanweiser und Zeitungsjunge und übte in seiner Freizeit Geige und Klavier. Im Jahre 1909 lernte er den Tanzlehrer Albert Jerome kennen, mit dem er tagsüber eine Reinigungs- und Bügelfirma betrieb und bei dessen Tanzstunden er abends Klavier spielte. Zu dieser Zeit begann er seine zehnjährige Tätigkeit als Bratscher beim Los Angeles Sinfonieorchester. Als Grofé 1915 im Portola Louvre in San Francisco eigene Arrangements und Jazzimprovisationen spielte, saß Paul Whiteman im Publikum, in dessen berühmtem Orchester er später jahtelung Klavier spielte, aber auch als stellvertretender Dirigent, Arrangeur und Bibliothekar tätig war. Die Jahre 1923 und 1924 brachten eine Europatournee mit dem Whiteman-Orchester, doch Grofés wahrer Durchbruch stellte sich durch die Zusammenarbeit mit George Gershwin ein, dessen Rhapsody in Blue er orchestrierte. Fortan widmete er sich mehr eigenen Kompositionen und produzierte einen seiner ersten Erfolgsschlager, Broadway at Night. In folgenden Werken wie Metropolis, Blue Fantasy in E-Flat, Mississippi Suite und Three Shades of Blue stellte er bereits seinen ausgereiften, sinfonischen Jazz-Stil zur Schau. Die Herausforderung eines Freundes, Musik über eine Luftpumpe zu schreiben, beantwortete er mit zwei ungewöhnlichen Werken: Theme and Variations on Noises from a Garage (Thema mit Variationen über Geräusche aus einer Werkstätte, 1926) und Free Air (Freie Luft, 1929). Grofé, der in den vielseitigen Erfahrungen und Eindrücken seines Lebens reichhaltige Inspirationen für seine Musik fand, schrieb auch Filmmusik, Jazz-Band-Arrangements, aber auch weitere Suiten über Landschaftsbilder, die aus den reichen musikalischen Quellen Amerikas schöpfen. Der Komponist starb 1972 in Santa Monica.

 

Grofé erhielt die Inspiration zu seiner beliebten Grand Canyon Suite in jungen Jahren, die er als wandernder Pianist durch das Wüsten- und Bergland verbrachte. Die Suite, welche am 22. November 1931 durch Paul Whitemans Orchester im Chicagoer Studebaker Theater erfolgreich uraufgeführt wurde, ist in fünf Abschnitte gegliedert, die die überwältigende Schönheit dieses Naturwunders vertonen. Sunrise (Sonnenaufgang) beschwört die geheimnisvolle Morgenstimmung mit einem Paukenwirbel aus weiter Ferne herauf. Vor dem Hintergrund zarter Holzbläserklänge stellt die gedämpfte Trompete das Hauptthema vor. Langsam geht die Sonne auf, und schließlich kündigt das volle Orchester den Anbruch eines neuen Tages über dem Grand Canyon an. The Painted Desert (Wüstenbild), ein ausgesprochen feinsinnig gestaltetes musikalisches Aquarell, illustriert die Eintönigkeit und scheinbare Leblosigkeit dieser Wüstenlandschaft und das brilliante Farbenspiel ihrer Felsformationen. On the Trail (Auf dem Pfad) beginnt mit einer humorvollen Violinkadenz und dem Iah des Esels, der zum Abgang auf den steilen kaktusbewachsenen Pfad angetrieben wird. Vor dem Hintergrund des trabenden burro-Rhythmus’”lah” erklingt eine Cowboy-Melodie in perfektem Kontrapunkt. Aus weiter Ferne kündigt Tiergeschrei vom Rande des Canyons den Sonnenuntergang (Sunset) an. Über den wachsenden Schatten der Schluchten zeichnen sich noch glühende Farben am Himmel ab, doch der Tag neigt sich bereits dem Ende zu. Toscanini beschrieb Cloudburst (Wolkenbruch) einmal als eines der lebhaftesten und erschreckendsten musikalischen Gemälde. Die Entwicklung des Sturmes verzeichnete Grofé in der Partitur folgendermaßen: Der Sturm zieht herauf; Blitz; Donnergrollen in der Ferne; Regen, dann Wolkenbruch; der Sturm verzieht sich ganz plötzlich; hinter den Wolken zieht der Mond auf; die Landschaft erfreut sich wieder ihrer alten Erhabenheit.

 

Die Suite Mississippi - A Tone Journey (Eine Reise in Tönen) von 1926 ist ein malerisches Werk in vier Sätzen. Es vertont den Lauf des Mississippi, der in der Geschichte, in Legenden und der Kunst gefeiert wird und allein durch seinen Namen schon die Erinnerung an die Errungenschaften Paul Bunyans oder die Abenteuer Tom Sawyers und Huckleberry Finns heraufbeschwört. Father of Waters (Vater der Gewässer) stellt den majestätisch und sanft dahinfließenden Oberlauf des Flusses dar. Der Satz enthält Anklänge an die Musik der Indianer, die die Ufer des Flusses bewohnten und ihm seinen heutigen Namen gaben. Dem spitzbübischen Helden von Mark Twains Geschichte ist das folgende Huckleberry Finn gewidmet. Old Creole Days (Alte kreolische Zeiten) breitet eine romantische Stimmung über den Mondnächten Louisianas aus, und dann schließt das Portrait des mächtigen Flusses mit Mardi Gras, dem aufregenden und fröhlichen Karneval in New Orleans ab.

 

Die Niagara Falls Suite ist eines der letzten großen Werke Grofés. Sie war ein Auftragswerk des Staates New York zur Eröffnung des größten Wasserkraftwerks an den Niagarafällen. Zur Eröffnung des Robert-Moses-Kraftwerks am 10. Februar 1961 dirigierte Grofé das Buffalo-Philharmonieorchester, das seine Niagara Falls Suite uraufführte. Die viersätzige Komposition beginnt mit The Thunder of the Waters (Getöse des Wassers), ein Tongemälde, das mit Motiven aus der indianischen Musik eingefärbt ist. Devil’s Hole Massacre (Teufels-Loch-Massaker) erzählt die Geschichte eines Überfalls der Indianer auf einen britischen Zug am 14. Sept 1763, bei dem nur acht von 360 Briten entkamen. Der walzerhafte dritte Satz The Honeymooners ist den vielen Flitterwochenpaaren gewidmet, die in dieser romantischen Zeit die berühmten Niagarafälle bereisen. Das Finale Power of Niagara – 1961 (Niagaras Strom - 1961) stellt ein auf Hochbetrieb laufendes Wasserkraftwerk dar. Dieses Meisterwerk in Grofés Hollywood-Stil suggeriert die Geräusche eines geschäftigen Werks, dessen Arbeiter zum Wohlergehen künftiger Generationen Strom produzieren. Mit dieser Suite schuf Grofé ein gekonnt orchestriertes Gemälde eines der eindrucksvollsten Naturphänomene Amerikas.

 

Victor and Marina A. Ledin

Deutsche Fassung: Eva Grant


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