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6.110082 - CHEN, Gang / HE, Zhanhao: Butterfly Lovers Violin Concerto (The) / BREINER, P.: Songs and Dances from the Silk Road (Nishizaki, Judd)
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Chen Gang (geb

Chen Gang (geb.1935) und He Zhanhao (geb.1933)

The Butterfly Lovers Violin Concerto

 

Das Butterfly Lovers Violin Concerto entstand 1959 als Gemeinschaftsarbeit von Chen Gang, einem der führenden Komponisten des modernen China, und seinem Kommilitonen He Zhanhao, dessen Werke gleichermaßen berühmt wurden. Die beiden studierten noch am Konservatorium von Schanghai, als ihnen mit diesem Konzert eine der bekanntesten zeitgenössischen Kompositionen Chinas gelang. Diese Synthese östlicher und westlicher Elemente folgt einer alten Legende, auf der auch verschiedene chinesische Opern basieren. Besetzt mit Solovioline und westlichem Orchester, benutzten die Komponisten Themen der traditionellen Shaoxing-Oper, die in den fünfziger Jahren durch einen Film allgemein bekannt wurde. Der Solopart erinnert ein wenig an die Technik der zweisaitigen chinesischen Geige er-hu. Das Werk ist einsätzig, besteht aber aus drei Teilen und entspricht damit sowohl der Erzählung als auch der westlichen Sonatenform.

 

Die Geschichte selbst ist in China wohlbekannt, wird allerdings in verschiedenen Varianten erzählt. Zhu Yingtai, ein intelligentes und ehrgeiziges Mädchen, geht in Männerkleidern zum Studium nach Hangzhou. Unterwegs begegnet sie dem armen Studenten Liang Shanbo, der gleichfalls nach Hangzhou will. Sie entdecken viele Gemeinsamkeiten und schließen Blutsbrüderschaft. Während ihrer dreijährigen Studien entsteht zwischen ihnen eine tiefe Freundschaft, doch dann muss Zhu Yingtai auf Geheiß ihres Vaters nach Hause kommen. Sie hat sich in den drei Jahren in Liang Shanbo verliebt, sich aber nicht getraut, ihm das zu gestehen. Auch Liang Shanbo mag nicht Abschied nehmen: Er begleitet den „Freund“ noch 18 Meilen. Erst dann trennt man sich an einem Pavillon, und noch immer weiß Liang Shanbo nichts von Zhu Yingtais wahrer Identität – trotz immer neuer Andeutungen, die dem Jungen allerdings unverständlich bleiben.

 

Hier endet der erste Teil des Konzerts. In der zentralen Durchführung widersetzt sich das Mädchen dem Vater, der für sie die Ehe mit dem Sohn eines reichen Nachbarn arrangiert hat. Indessen hat Liang Shanbo beschlossen, den „Freund“ zu besuchen, in dem er jetzt zu seiner großen Überraschung und Freude ein Mädchen erkennt. Doch Zhu muss ihm voller Kummer von den Plänen des Vaters erzählen. Liang scheidet von ihr in größter Trauer. Bald schon stirbt er an gebrochenem Herzen. Als dann an Zhu Yingtais Hochzeitstag der Brautzug auf dem Weg zum Hause des Gemahls ist, passiert man Liangs letzte Ruhestätte. Die Braut besteht darauf, ihre Sänfte zu verlassen, um das Grab zu besuchen. In diesem Moment bricht ein Gewitter los. Der Wolkenbruch öffnet plötzlich Liang Shanbos Grab. Im Nu stürzt sich Zhu Yingtai hinein, bevor die Erde sich wieder schließen kann. Nach dem Sturm erscheint ein Regenbogen. Aus den Blumen erheben sich zwei Schmetterlinge, von denen man sagt, es seien die Seelen der unsterblichen Liebenden, die verwandelt und für immer vereint wurden.

 

Songs and Dances of the Silk Road (Lieder und Tänze von der Seidenstraße) ist eine Suite für Solovioline und westliches Orchester nach traditionellen Melodien, die man im Westen Chinas zu hören bekommt – dort, wo die berühmte Seidenstraße beginnt und dann durch Zentralasien bis zum Okzident führt. Aus diesen Themen gestaltete der slowakische Komponist Peter Breiner eine Suite, die gleichfalls eine west-östliche Synthese darstellt. Der durch zahlreiche Aufnahmen, Rundfunk- und Fernsehsendungen und Konzertauftritte bekannte Künstler erhielt seine musikalische Ausbildung am Konservatorium von Ko‰ice und an der Hochschule für Darstellende Kunst in Bratislava, wo er bei Alexander Moyzes Komposition studierte. 1992 ging er nach Kanada, wo er nach wie vor als Komponist, Dirigent und Pianist Karriere macht.

 

In seiner Suite benutzt er die chinesischen Melodien zu einer attraktiven, kunstvoll gearbeiteten Ergänzung des Violinrepertoires. Das Volkslied A Beloved Rose (Eine geliebte Rose), das auch als Dao Da’er und Ma Liya bekannt ist, stammt aus Kasachstan und besingt die knospende Rosenblüte. The Half Moon Climbs ist ein Volkslied der Uyguren, das in den 1940er Jahren sehr beliebt wurde. Wenn der Halbmond am Himmel aufgeht und auf den Ankleidetisch des Mädchens scheint, vermag der junge Mann nicht länger zu verbergen, was er für sie empfindet, und er singt vor ihrem Fenster eine Serenade. Spinning ist ein Volkslied aus der Provinz Gansu. Die Spinnerinnen setzen ihre Hoffnung auf das Spinnrad, an dem sie Tag und Nacht arbeiten. Work All Out (Arbeitet nur fleißig) ist ein bekanntes Arbeitslied aus Nordwestchina, bei dem man an gemeinschaftliche Anstrengungen wird denken müssen. Sa li hong ba ist ein Volkslied, das man früher auch als Where do the camel caravans come from? (Woher kommen die Kamelkarawanen) kannte, das dann aber in den vierziger und fünfziger Jahren neu arrangiert wurde. Dieses uygurische Lied beschreibt den Reiseweg der Kaufleute von Xinjiang. Die Karawane nähert sich von fern, dann erhebt sich das Hauptthema, und die Solovioline führt die Karawane in die gewaltige Wüste. Das Lied Lan Hua Hua ist in Shanxi und dem Norden Chinas sehr bekannt. In einem Dorf von Shanxi musste die schöne Lan Hua Hua einen reichen Mann heiraten. Sie widersetzt sich aber dieser Ehe und trifft sich heimlich mit ihrem Geliebten, und die Musik ist ein Echo ihrer Trauer.

 

Nach moslemischen Gepflogenheiten verschleiern sich einige Frauen, die zu den ethnischen Minderheiten von Xinjiang gehören. Das uygurische Volkslied Lift Your Veil (Lüfte deinen Schleier) beschreibt eine Hochzeit. Nachdem der Bräutigam den Schleier seiner Braut aufgehoben hat, singt er voller Glück; die Musik reflektiert die Freude des Mannes und die Bescheidenheit des Mädchens. Tulufan basiert auf Volksliedthemen aus Xinjiang, die man singt, wenn die Trauben geerntet und Liebende miteinander vereint werden.

 

Keith Anderson

Deutsche Fassung: Cris Posslac


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