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76044-2 - TIBET Sherab Ling Monks: Sacred Tibetan Chant
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Die Gebets-Zeremonien, die auf der vorliegenden CD zu hören sind, werden seit vielen Jahrhunderten von den buddhistischen Karma Kagyu-Mönchen und -Nonnen aus Tibet als fester Bestandteil ihres täglichen Lebens aufgeführt. Diese Zeremonien stammen aus den großen tibetanischen Klöstern und wurden durch die Tibeter nach Indien gebracht, wo sie Zuflucht vor den Chinesen fanden und weiterhin ihre alten traditionellen Gebete singen.

Am Anfang des Tages steht die Rezitation eines Gebetes, in dem die lange Linie vollendeter Kagyu-Meditationsmeister wie der große Buddhist Mahasiddha Tilopa, der Gelehrte Naropa von der berühmten Nalanda-Universität und Marpa, der große Übersetzer, geehrt wird. Damit wird die seit dem 7. Jahrhundert bestehende, bis zum heutigen Tag und Seiner Heiligkeit XVII. Gyalwa Karmapa, Urgyen Trinley Dorje, nicht unterbrochene Linie gewürdigt.

Am Ende eines jeden Tages wird die Mahakala-Zeremonie abgehalten. Mit dieser Bitte um Reinigung und dem Segen für alle fühlenden Wesen vollendet sich gewissermaßen der Tageslauf.

Außerhalb der Gebetszeiten lernen die Mönche auf ganz praktische Weise das rituelle Leben im Kloster. Dazu gehören das Spiel von Instrumenten, das Lernen von Texten, besondere Gesänge, Torma (Opfergaben) und die Erlernung der Mudras (symbolische Gesten).

Auf zahlreichen Wegen kommen die zukünftigen Mönche nach Sherab Ling. Viele stammen aus Waisenhäusern im Himalaya und finden in Sherab Ling kostenfreie Unterkunft und Ausbildung. Dann gibt es tibetanische Flüchtlinge, die von der tibetanischen Exilregierung im indischen Dharamsala nach Sherab Ling geleitet werden. Weitere kommen aus anderen Klöstern, um in Sherab Ling ihre Kenntnisse zu erweitern, um dem klösterlichen Kollegium Shedra beizutreten oder ihre dreijährige Zeit als Eremit zu absolvieren. Einige werden dem Kloster schon im Kindesalter anvertraut - dann nämlich, wenn die Eltern fest an Seine Eminenz Tai Situ Rinpoche glauben und ihr Kind als ihren kostbarsten Besitz opfern möchten. Sobald die Kinder in die Schule kommen, werden sie vom Kloster unentgeltlich eingekleidet, beköstigt und (unter anderem in Schreiben und Lesen) ausgebildet.

Als Gebetsmönche fungieren Mönche mit abgeschlossenen Studien sowie Lamas, die ihr dreijähriges Eremitendasein absolviert haben. Sie sind verantwortlich für die regelmäßigen Tempelgebete des Tages, des Monats und des Jahres sowie für alle speziellen Gebete, die verlangt werden.

In Tibet, dem Sitz Seiner Eminenz Tai Situ Rinpoche liegt das große Palpung-Kloster. Sherab Ling (Land der Weisheit) ist sein Exil. Es schmiegt sich in das bewaldete Vorgebirge des Kangra-Tals. Die Gebete der Mönche hallen durch die klare Bergluft. Das Kloster ist der ideale Ort für religiöse Studien und Übungen.

Die 30 Morgen Land, die das Kloster umgeben, werden von drei nach Süden hin abfallenden Bergzügen begrenzt. Durch das Tal führt eine einzige Straße zum Kloster; außerdem gibt es natürliche Fußwege und Pfade, die sich durch den Wald winden. Die Klosteranlage ist so gestaltet, dass sie sich mit der natürlichen Umgebung verträgt, mithin, dass das Wachstum der heimischen Bäume und Pflanzen nicht beeinträchtigt wird.

Die Linie Seiner Eminenz Tai Situ Rinpoche lässt sich bis ins 6. und 7. Jahrhundert zurückverfolgen - bis zum indischen Mahasiddha Dronpe Heruka und 1012 zum tibetanischen Marpa Lotsawa. Der erste Tai Situpa war 1110 Drogon Rongchenpa. Diese direkte Linie führt bis in die Gegenwart. Seine Eminenz Tai Situ Rinpoche ist ein führender Lehrer der tibetanischen Buddhisten, aktiver Friedensbotschafter sowie Künstler, Dichter, Schriftsteller, Architekt und Geomantiker. Er wird der 5. Buddha, Maitreya, sein, wie er von Buddha Shakyamuni in der Samadha-ya Raja Sutra prophezeit wurde.

Die Instrumente

In dieser Aufnahme sind viele jener traditionellen Instrumente zu hören, deren Spiel die tibetanischen Mönche während ihrer Ausbildung im Kloster erlernen.

Die Nga Chin ist die große Tempeltrommel, die mit zwei gepolsterten Stöcken geschlagen wird und einen eindrucksvollen Klang erzeugt, der im ganzen Gompa (Tempel) widerhallt.

Der Gyaling ist ein der Oboe vergleichbares Rohrblatt-Instrument, das gleichermaßen zirkulären Atem erfordert. Das heißt, dass durch den Druck der Wangen ausgeatmet und gleichzeitig durch die Nase eingeatmet wird. Die Spieltechnik dieses Instruments ist außerordentlich schwierig.

Radung sind ventillose, den Alphörnern vergleichbare Langtrompeten. Üblicherweise sind sie etwa 1.80m lang; es gibt allerdings auch Varianten von bis zu 3m. Mit der Länge des Instruments nehmen die spieltechnischen Schwierigkeiten zu, da immer mehr Luft vonnöten ist. Die Musiker müssen lernen, zirkulär zu atmen, um die Töne so lange halten zu können wie es die Zeremonien erfordern.

Die Kungling ist eine ventillose Trompete, mit der auch Gyaling-Spieler umgehen können.

Sil-Nyen und Rol-Mo sind das flache bzw. das gewölbte Becken, mit denen die Gebete begleitet werden. Sie erklingen vor allem während der Gesangspausen und steigern sich zu einem Crescendo, bevor der Gesang fortgesetzt wird.

Deutsche Fassung: Cris Posslac


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