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8.223202 - STRAUSS II, J.: Edition - Vol. 2
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Die Johann Strauß-Edition

Johann Strauß II., der berühmteste und bis in unsere Zeit hinein erfolgreichste Komponist der wienerischen Musik des 19. Jahrhunderts, die zum Vorbild der Unterhaltungsmusik in der gesamten, von der europäischen Kultur geprägten, Welt geworden ist, wurde am 25. Oktober 1825 in Wien geboren. Er ist von der Tradition ausgegangen, die sein, ebenfalls berühmter, Vater, Johann Strauß I. (1804-1849), im Wettstreit mit Joseph Lanner (1801-1843) geschaffen hatte, konnte aber im Zusammenwirken mit seinen Brüdern Joseph (1827-1870) und Eduard (1835-1916) eine derart künstlerische Weiterentwicklung und Vollendung der übernommenen Form des "klassischen Walzers" erreichen, daß seine Werke nicht nur in den Tanzsälen willkommen waren, sondern auch in den Konzertprogrammen einen festen Platz erhielten. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang hat Johann Strauß II. nicht nur seine Heimatstadt Wien, die Reichshaupt- und Residenzstadt der Habsburgermonarchie im Zentrum Europas, sondern eben die ganze Welt mit seinen kunstvoll gestalteten, klangvollen Walzern, Polkatänzen, Quadrillen und Märschen fasziniert. Ab dem Jahre 1871 wendete der dreimal verheiratete "Walzer-König" Johann Strauß II. sein Interesse der Komposition von Operetten und sogar einer komischen Oper zu und vollendete neben seinen mehr als 500 Instrumental-Kompositionen auch sechzehn Bühnenwerke, darunter die "Operette der Operetten", die "Fledermaus". Die Instrumental-Kompositionen erreichten im populärsten populärsten aller Walzer, "An der schönen blauen Donau" (1867), ihren Höhepunkt. Johann Strauß II. ist nach einem Leben voller Triumphe und Ehrungen am 3. Juni 1899 in Wien gestorben.

Die Marco-Polo Edition ist ein Meilenstein in der Chronik der Strauß-Aufnahmen: sie bietet zum allerersten Male die vollständige Produktion aller Orchesterkompositionen von Johann Strauß. Die Arbeiten des "Wiener Walzer-Königs" sind trotz ihrer hohen Qualität und ihrer kulturhistorischen Bedeutung bisher noch niemals systematisch und komplett, unter Verwendung des noch vorhandenen Archiv-Materials in der ganzen Welt, aufgenommen und veröffentlicht worden. In dieser Produktion werden alle Werke so vollständig, wie dies nur möglich war, in der Original-Instrumentierung gespielt, also so, wie es sich Johann Strauß II., der ja auch ein Meister der Orchestrierung gewesen ist, ausgedacht und seinen Verlegern übergeben hat. Jede Aufnahme ist "echter Johann Strauß".

"Czechen-Polka", op. 13
Einige Zeit nach seinem sensationellen Debüt als Musikdirecktor und Kompositeur wurde es recht still um den jungen Strauß. Alle repräsentanten Gruppen der Bevölkerung in der Kaiserstadt nahmen es dem Sohn übel, daß er nicht in der Kapelle seines Vaters, sondern als Kontrahent, ja als Gegner "ihres" berühmten Walzerkönigs zum ersten Male vor die Öffentlichkeit getreten war. Man wußte zwar, daß Strauß-Vater seine Familie verlassen hatte, aber das war eben seine Privatangelegenheit. Als Künstler, so meinten die Wiener, und zwar alle Stände vom Kaiserhof bis zu den Kreisen des Bürgertums, hätte sich der Sohn darüber hinwegsetzen und an der Seite seines Vaters auftreten müssen. Zum jungen Strauß hielten nur:

1. die Jugend,
2. die in der Kaiserstadt lebenden nationalen Minderheiten, vor allem die Slawen (Serben und Tschechen). So kam es, daß der junge Strauß schon im ersten Jahr seines Wirkens eine "Czechen-Polka" komponiert und bei einer Soiree aufgespielt hat, die am 21. Juli 1845 im "Sperl" stattfand.

"Die jungen Wiener", Walzer, op. 7
Obwohl Johann Strauß nach seinem ersten Auftreten als Kapellmeister und als Komponist am 15. Oktober 1844 im Casino Dommayer von ausnahmslos allen Journalisten gelobt und auch vom Publikum begeistert gefeiert worden war, mußte der junge Musiker sehr rasch erkennen, daß er nur einen sehr eng begrenzten Wirkungskreis in seiner Heimatstadt Wien für sich und seine Kapelle werde finden können. Alle großen, repräsentativen Etablissements in der Kaiserstadt hielten die Geschäftsverbindung mit seinem Vater aufrecht, auch ein großer Teil des Publikums stand auf der Seite des "alten" Strauß, der sich nun – recht widerwillig – auf den Plakaten und Programmen als Strauß-Vater bezeichnen ließ. Sein Sohn mußte sich nach Anhängern und Freunden außerhalb der Parteigänger und Geschäftsfreunde seines Vaters umsehen. Zwei Gruppen der Bevölkerung boten sich ihm an: die Jugend, zu der er ja selbst gehörte, und jene nationalen Minderheiten in der Monarchie, die ins Wiener Leben nicht voll eingegliedert waren oder sich inmitten der deutschsprachigen Bevölkerung isoliert fühlten. Bei seinem ersten Benefizball im Jahre 1845, der am 22. Jänner im Casino Dommayer in Hietzing abgehalten wurde, wendete sich Strau ß-Sohn bewu ßt und gezielt an die Jugend und gab seinem Widmungswalzer den Titel "Die jungen Wiener". Sie waren "sein" Publikum, mit ihnen wollte er sich verbünden. In der Folge zeigte sich, daß diese Überlegung richtig gewesen war: schon nach kurzer Zeit war Strauß-Sohn der bevorzugte Kapellmeister der Jugend in der Kaiserstadt. Bei der Gestaltung seines Widmungswalzer für den Ball bei Dommayer hat es sich Strauß nicht leicht gemacht: er weitete die Form des "Wiener Tanzes", die er von seinem Vater übernommen hatte, geschickt aus: gleich dem ersten Walzerteil ist eine Coda angegliedert, die nicht der Tradition entspricht. Aber auch die dramatische Einleitung sorgte für überraschende Wirkung. Dieser Effekt eröffnete dem Komponist die willkommene Möglichkeit, einen Kontrast zwischen der kraftvollen Introduktion und der wiegenden, schmeichelnden Melodie zu schaffen, mit der er zu Beginn des Walzers die jungen Wiener aufs Parkett des Dommayer'schen Casino lockte. Es war dies die erste einer Serie von "Rattenfänger-Melodien", die im Ohr haften bleiben und vordringen können bis ins Herz. Strauß-Sohn ließ erkennen, wie sich sein Talent entfalten werde: in die Richtung immer neuer, fast unerschöpflicher, melodischer Einfälle!

"Satanella-Polka", op. 124
Wie die "Satanella-Quadrille", op. 123, war auch die "Satanella-Polka" dazu bestimmt, den großen Erfolg des Balletts "Satanella oder Die Metamorphosen" am Wiener Kärntnerthortheater für den Tanzsaal auszunützen und der Darstellerin der Titelrolle, der Tänzerin Marie Taglioni, zu huldigen. In seiner "Satanella-Polka" ließ Johann Strauß alles "Satanische" an Stück und Darstellung unbeachtet, sondern drückte in seinen eleganten und schmiegsamen Melodien nur jene Anmut und Grazie aus, mit der die junge Künstlerin das Publikum und auch – Johann Strauß bezaubert hat.

"Cytheren-Quadrille", op. 6
Der 19-jährige Musikdirecktor Johann Strau ß-Sohn hat sein erstes Benefice-Konzert (bei dieser Veranstaltung konnte er den gesamten Reingewinn mit Abzug der Tageskosten kassieren) schon am 19. November 1844 geben können. Der Besitzer des Casinos Dommayer gab dem jungen Mann, der am 15. Oktober in seinem Etablissement debütiert hatte, die Möglichkeit, sich ein Betriebskapital zu schaffen. Der Sohn hatte von seinem Vater gelernt, wie man erfolgreiche Feste in Wien zu arrangieren hatte: man mußte diesen Abenden eine "Devise" geben und den Ort der Veranstaltung mit Dekorationen und aufwendiger Beleuchtung ausstatten.

Strauß-Sohn gab also seinem ersten Festball das Motto: "Ein Abend der Heiterkeit". Und die Dekorationen haben das Publikum wohl in die Gegend der Ägäis und des Bosporus versetzt, denn der junge Strauß spielte an diesem Abend zwei neue Kompositionen unter den Namen "Serailtänze" (Walzer, erschienen als Opus 5) und "Cytheren-Quadrille" auf. Der ungewöhnliche Titel der Quadrille hat manche Biographen zu der Vermutung verleitet, der Komponist könnte darin Motive aus dem Opernballett von Christoph Willibald Gluck, "La Cythère assiégée" verwendet haben. Ein Vergleich der beiden Werke widerlegt diese Ansicht. Die Titelwahlkönnte mit der Devise und der Dekoration des Festes zusammenhängen: sie orientiert sich an dem Namen der Insel Cythera im jonischen Meer, der Heimat der Göttin Cythera (= Aphrodite), der griechischen Göttin der Liebe und der Schönheit.

"Solon-Sprüche", Walzer, op. 128
Während der schweren, rund sechs Wochen dauernden Krankheit des jungen Musikdirektors Johann Strauß an der Jahreswende 1852/1853 hat die Familie beschlossen, daß auch, der zum Ingenieur und Baumeister ausgebildete, Joseph Strauß zur Entlastung seines Bruders die Musikerlaufbahn ergreifen müsse. Aber für den Fasching 1853 war Johann noch allein zuständig und mußte daher auch alle jene Kompositionen schreiben, die von den Ballveranstaltern nach Alt-Wiener Tradition erwartet wurden.

Daher verfaßte Johann Strauß für den Ball der Studenten der Rechtswissenschaft an der Wiener Universität einen Walzer, der den Titel "Solon-Sprüche" erhielt. Die Wahl dieses Namens klang unverfänglich: Solon (638 bis 559 vor Christi Geburt) war einer der "sieben Weisen Griechenlands" gewesen, ein bedeutender Rechtswissenschaftler. Aber Solon war zu seiner Zeit auch ein Staatsmann, der politische und wirtschaftliche Reformen eingeleitet hatte. Und politische Reformen wünschten sich im Kaisertum Österreich im Jahre 1853 die Studenten und breite Schichten des Volkes, vor allem natürlich die Juristen!

"Fantasieblümchen", Polka Mazur, op. 241
Ende Oktober 1860 kehrte Johann Strauß müde und erschöpft nach Wien zurück: die in diesem Jahr besonders anstrengenden Konzerte in Rußland – es war bereits seine fünfte Saison im Zarenreich gewesen und die sechs Monate in Pawlowsk bei St. Petersburg waren besonders turbulent verlaufen – hatten seine Kräfte aufgebraucht. Erst am 25. November erschien er im Volksgarten an der Spitze der Strauß-Kapelle, um bei dem routinemäßigen Nachmittagskonzert seine neuen, für das russische Publikum komponierten Werke vorzuführen, darunter die Polka Mazur "Fantasieblümchen". Die Wiener fanden keinen rechten Gefallen an diesen "russischen Werken", und so verschwanden auch diese Kompositionen vergleichsweise rasch wieder aus dem Repertoire der Kapelle. Aber sie hätte die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen durchaus verdient, die Polka Mazur "Fantasieblümchen", der später, viel später der Wiener Musikwissenschaftler Erich Schenk mit Recht "pikante Klangfarben" nachgerühmt hat, welche dieses kleine Werk so anmutig schmücken.

"Wo die Citronen blüh'n", Walzer, op. 364
Am 1. Mai 1874, nur etwa einen Monat nach der erfolgreichen Uraufführung seiner Operette "Die Fledermaus" hat Johann Strauß Wien verlassen, um an der Spitze des Orchesters des Musikdirektors Julius Langenbach aus Elberfeld (der "Weltausstellungskapelle" des Jahres 1873!) eine Kunstreise nach Italien anzutreten. 21 Konzerte in verschiedenen Städten auf der Apenninenhalbinsel zwischen Mailand, Neapel und Triest waren vorgesehen. Das Unternehmen war etwas riskant, denn im Jahre 1866 waren die Armeen Österreichs und des im Aufbau begriffenen Königreiches Italien einander im Feld gegenübergestanden und die damals erheblichen Spannungen zwischen den Völkern waren noch nicht zur Gänze abgebaut. Aber Johann Strauß triumphierte souverän in allen Städten. Am 9. Mai spielte Johann Strauß im Teatro Regio in Turin bei dem dortigen Konzert jenen Walzer zum ersten Male öffentlich auf, den er für diese Tournee komponiert hatte, "Bella Italia" (= "Schönes Italien"). In Österreich änderte Strauß später diesen Titel allerdings ab: nun hieß das Werk "Wo die Citronen blüh'n" und dieses Zitat war dem berühmten Gedicht entlehnt, das sich in Goethes Roman "Wilhelm Meisters Lehrjahre" findet: "Kennst Du das Land, wo die Citronen blüh'n". Und unter diesem Namen wurde das Werk auch veröffentlicht.

"Indra-Quadrille", op. 122
Während Johann Strauß nach Beendigung seiner Deutschlandtournee im Spätherbst 1852 auf das Krankenlager geworfen wurde, probte das Ensemble der Wiener Hofoper im k. k. Theater nächst dem Kärntnertor eine neue Oper von Friedrich von Flotow. Das Werk hieß "Indra" ("Das Schlangenmädchen"), die Wiener Erstaufführung fand am 18. Dezember 1852 statt. Die hohen Erwartungen, mit denen man auf Grund der sensationellen Erfolge der Früheren Opern Flotow's, vor allem der Oper "Martha", das neue Werk begrüßt hatte, erfüllten sich allerdings nicht so ganz. Immerhin behauptete sich das Werk längere Zeit hindurch im Repertoire. Johann Strauß verwertete die gefälligen Melodien der Oper Flotows, trotz seiner Krankeit, sofort zur Gestaltung einer Quadrille und ließ diese durch den Konzertmeister seiner Kapelle im Volksgarten aufführen. Am 16. Jänner 1853 spielte er sie dann selbst dem Publikum vor.

Allerdings hielt sich die "Indra-Quadrille" von Johann Strauß nicht lange im Repertoire der Kapelle. Auch in diesem Falle ist ein Vergleich mit den populären "Martha-Quadrillen" (vor allem dem Opus 215 von Johann Strauß-Vater) nicht möglich. Es gibt aber Anzeichen dafür, daß Flotow selbst die Absetzung der Quadrille erbeten oder sogar durchgesetzt hat.

"Tik-Tak", Polka schnell, op. 365
Johann Strauß hat es wie kein anderer Operettenkomponist seiner Epoche verstanden, die Melodien seiner Bühnenwerke auch als Konzert- und Tanzmusik zu arrangieren und zu verwerten. Sein Beispiel ist von seinen Kollegen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein eifrig nachgeahmt worden, allerdings nicht mit derselben Effizienz. Strauß war eben der geborene Tanzkomponist.

Die Schnellpolka "Tik-Tak" ist, wie ein geniales Mosaik, aus verschiedenen Melodien der Operette "Die Fledermaus" zusammengesetzt und im Anschluß an die Premiere des Bühnenwerkes (5. April 1874 im Theater an der Wien) in den Strauß-Konzerten aufgespielt worden. (Erste Aufführung im Volksgarten am 11. September 1874; zwischendurch war Strauß in Italien.) Die Schnellpolka erhielt ihren Titel vom "Uhrenduett" zwischen Rosalinde und Eisenstein im 2. Akt der Operette; daraus stammt das Hauptthema "Tik-Tak", aber in der Folge werden auch Splitter aus den Szenen des 3. ("Kein Verzeih'n, der Eisenstein") und des 2. Aktes (Chor: "Wie fliehen schnell die Stunden fort"), ja sogar aus dem Couplet der Adèle "Spiel' ich die Unschuld vom Lande" so kunstvoll eingefügt, daß der hinreißende Fluß der Melodien sich geradezu von selbst ergibt. Ein Meisterwerk nach Motiven des Meisterwerkes "Die Fledermaus"!

"Vermälungs-Toaste", Walzer, op. 136
Am 18. Juni 1853 fand in Dresden mit größter Prachtentfaltung die Hochzeit des Prinzen Albert von Sachsen mit Caroline Prinzessin Wasa, einer Enkelin des Königs Gustav IV Adolf von Schweden, statt. Auch Mitglieder des Hauses Habsburg haben an dieser Feier teilgenommen. Zehn Tage später veranstaltete Johann Strauß im Wiener Volksgarten ein Fest unter dem Motto "Erinnerung an Dresden" und spielte aus diesem Anlaß den Walzer "Vermälungs-Toaste" auf , den er dem Bräutigam, also dem Prinzen Albert von Sachsen, zugeeignet hatte. Das schöne Fest in Wien, das von prächtigem Wetter begünstigt war, erlaubte es Johann Strauß, sowohl die eigenen Erinnerungen an seine Konzerte in Dresden zu erneuern als auch dem Wiener Hof gefällig zu sein; der König von Sachsen war nämlich der beste Freund des jungen Kaisers Franz Joseph.

"Neue Pizzicato-Polka", op. 449
In einem Brief schrieb Johann Strauß am 2. April 1892 seinem Bruder Eduard:
"Ich habe Dir für Deine Concerte in Hamburg eine neue Pizzicato-Polka skizziert. Sie ist dem Zeitgeschmack gemäß diesmal etwas interessanter gehalten (ohne eigentlich concertant in Bezug auf den musikalischen Gehalt). Sie läßt manirirte Vortragsweise zu – dies die Hauptsache einer Pizzicato-Nummer. Dort, wo der Ton nicht singt, kann nur in einer, ich möchte sagen: koketten Vortragsweise ein Erfolg liegen – da weder Piano noch Forte in einer solchen aparten Piece genügend Abwechslung bieten."

Strauß selbst hat diese "Pizzicato-Polka" damit in einen gewissen Gegensatz zur ersten "Pizzicato-Polka" gesetzt, die er gemeinsam mit seinem Bruder Joseph im Sommer 1869 in Pawlowsk (und zwar auf seinen Vorschlag hin) geschrieben hatte. Ob Eduard die "Neue Pizzicato-Polka" tatsächlich während seiner Hamburger Konzerte (3. April bis 5. Mai 1892) aufgeführt hat, ist nicht bekannt: bisher hat sich kein Bericht gefunden, der dies bestätigen könnte. In Wien wurde das Werk zusammen mit der Operette "Fürstin Ninetta" am 10. Jänner 1893 aufgeführt, und zwar zuerst als Kinderballett und dann als Intermezzo. Es wurde stets mit Jubel bedankt und mußte regelmäßig wiederholt werden.

"Kaiser Franz Joseph I. Rettungs-Jubel-Marsch", op. 126
Im Jahre 1848, dem Jahr der "europäischen Revolutionen", erhob sich am 13. März auch die Bevölkerung der Reichshaupt- und Residenzstadt der Habsburger-Monarchie gegen das verhaßte Herrschafts-"System" des Staatskanzlers Clemens Fürsten Metternich. Der Ruf nach Freiheit und Verfassung wurde vor allem von den Studenten vorgebracht: sie waren die "Helden der Revolution" in Wien. Als Johann Strauß im Juni von seiner Balkanreise in die Heimatstadt zurückkehrte, schloß er sich den Studenten an, ohne eigentlich ein "Revolutionär" zu sein. Als dann im Spätherbst 1848 die Revolution blutig niedergeschlagen worden war und der junge Erzherzog Franz als Kaiser Franz Joseph den Thron von seinem kranken, regierungsunfähigen Onkel Ferdinand übernommen hatte, ging auch Johann Strauß sehr rasch ins Lager der Kaisertreuen über und war in der Folge recht eifrig bestrebt, die Gunst des neuen Regenten und seiner Hofgesellschaft zu gewinnen.

Franz Joseph war allerdings in der Monarchie zunächst eher verhaßt als populär: vor allem die Todesurteile für die Führer der ungarischen Revolution, die im Jahre 1849 in Arad vollzogen worden waren, wurden ihm als schweren, politischen Fehler angelastet. Als Franz Joseph am 18. Februar 1853 einer Militärübung zusah, schlich sich der aus Ungarn stammende Schneider Libeny Janos an den Kaiser heran und konnte ihn durch einen Messerstich schwer verwunden, ehe er von Passanten und dem Adjuntante Franz Josephs festgenommen wurde. Die Wunde erwies sich allerdings als nicht lebensgefährlich und nach einer Zeit der Ruhe konnte Franz Joseph wieder in der Öffentlichkeit erscheinen.

Für den jungen Strauß ergab sich die willkommene Gelegenheit, die Rettung des Monarchen auf das großartigste (und auffälligste!) zu feiern. Er veranstaltete am 6. März 1853 ein Fest im "Sperl" und spielte bei diesem Anlaß den flotten Marsch mit dem komplizierten Titel "Kaiser Franz Joseph-Rettungs-Jubel-Marsch" zum ersten Male auf. Darüber berichtete die "Theaterzeitung" am 8. März 1853: "Der Besuch war sehr zahlreich, und als Capellmeister Strauß seinen neu componirten: 'Kaiser-Rettungs-Jubel-Marsch', in welchem die österreichische Volkshymne verwebt ist, anstimmte, da wollte der Jubel kein Ende nehmen, und erst nachdem dieser echt patriotische Marsch fünfmal wiederholt wurde, legte sich die allgemeine Begeisterung."

Auch wenn es am 6. März 1853 nicht ganz so gewesen sein sollte, wie dieser Bericht es dargestellt hat, ein "fescher Marsch" war (und ist) das Opus 126 von Strauß jedenfalls.

– Franz Mailer


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