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8.223452 - KEMPFF: Italian Suite / Piano Sonata / Transcriptions
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Wilhelm Kempff (1895 -1991)

Wilhelm Kempff (1895-1991)

 

Wilhelm Kempff ist dem Konzertliebhaber in erster Linie als Pianist bekannt. Er konzertierte von seinem 6. bis zum 82. Lebensjahr, spielte in Musikmetropolen Asiens, Afrikas, Amerikas, und Europas. Hunderte Schallplatten hat er eingespielt, die erste 1920, allein dreimal Beethovens sämtliche Klaviersonaten und -konzerte, aber auch Werke von Mozart, Schubert, Liszt oder Brahms. Kempff hatte seinen künstlerischen Weg von Potsdam aus genommen. Sein Vater, Wilhelm Kempff sen., war 1899 zum Königlichen Musikdirektor und Kantor der Nikolaikirche von Jüterbog nach Potsdam berufen worden, und Wilhelm jun. war seitdem bis 1945 - mit berufsbedingten Unterbrechungen - in Potsdam ansässig.

 

Ab 1931 brachte er mit Musikfreunden Potsdam als Musikstadt ins internationale Blickfeld. Das Deutsche Musikinstitur für Ausländer veranstaltete im Marmorpalais Meisterkurse für Berufsmusiker. Die Kurse Wilhelm Kempffs waren bis 1944 hoch frequentiert. 1945 verließ er die Stadt, sein Anwesen zurücklassend, und gab zunächst die Hoffnung auf ein geeintes Deutschland und eine Rückübersiedlung nach Potsdam nicht auf, Von 1945 bis 1955 lebte er in Thurnau bei Bayreuth, 1955 bis 1986 in Ammerland am Starnberger See, daneben seit 1956 im italienischen Positano, das zunehmend seine Heimstätte wurde, in die er 1986 ganz übersiedelte. Trotz seiner reichen Konzerttätigkeit im In- und Ausland und zahlreicher Rundfunk- und Schallplattenproduktionen ließ er Konzerte in Potsdam nie aus, auch nicht nach seinem Fortgang. 1956 knüpfte er in Positano an die Potsdamer Traditionen der Meisterkurse an und stiftete internationale Sommerkurse für Beethoven-Interpreten. Idil Biret, war mehrfach bei ihm in Positano. Weniger bekannt ist Wilhelm Kempff als Organist und Komponist geworden. Der Grundstein für die vielseitige musikalische Tätigkeit wurde in seinen frühen Potsdamer Jahren gelegt. Noch vor dem ersten eigenen Klavierabend im Herbst 1907 im Palast Barberini gab er in St. Nikolai sein Orgeldebüt. Er durfte in einem Konzert des "Vereins für geistliche Musik" den Chor begleiten und das h-Moll-Präludium aus dem 2. Teil des Wohltemperierten Klaviers von Bach spielen. Bald wurde er Hilfsorganist und erfüllte das Amt selbständig. Er erarbeitete sich "spielend" ein großes Orgelrepertoire, wie er es beim Vater und Großvater, Kantor Friedrich Kempff, kennengelernt hatte. Später resümierte er, daß die Kunst des Orgelspiels - wie die des Predigens - kaum erlernbar sei, sie werden vom Vater auf den Sohn "vererbt". Orgelspiel war für ihn "lebendige Predigt in Tönen". Mit neun Jahren erhielt Wilhelm Kempff zwei Freistellen an der Königlichen Musikhochschule Berlin, für Klavier bei dem Königlichen Hofpianisten Heinrich Barth und Komposition bei Robert Kahn, einem Brahmsanhänger des konservativen Berliner Akademikerkreises. Daneben besuchte er in Potsdam Schule und Gymnasium, sang im liturgischen Chor der Nikolaikirche und spielte Orgel. Im Klavier- und Orgelspiel sah der Junge - wie z.B. auch Ferruccio Busoni, den er bewunderte - keinen Gegensatz. Mahnungen seines strengen Klavierlehrers, daß die Orgel die pianistischen Fertigkeiten behindere, überhörte er notgedrungen. 1914 legte er am Viktoriagymnasium die Reifeprüfung ab, 1916 in Berlin glanzvoll das Kompositions- und Klavierexamen mit doppeltem Mendelssohn-Preis.

 

Er konzertierte fortan als Organist und Pianist. In Schweden wurde er 1918 immerhin zuerst als Organist gefeiert. Aus der engen Bindung Kempffs zu beiden Instrumenten sind seine Bearbeitungen Bachscher Orgel-Choralvorspiele für Klavier zu verstehen, die Idil Biret in ihre Programme aufgenommen hat. Angedeutet werden außerdem seine - freilich heute angefochtenen - Klavierübertragungen von Werken des 18. Jahrhunderts, die er, seinen Leitbildern d'Albert und Busoni folgend, ab 1931 in der Reihe "Musik des Barock und Rokoko" herausgegeben hat. Auch die kompositiorische Neigung Kempffs zeigte sich früh. Mit sechs Jahren entstand die erste Komposition, die Vater Kempff in das "rote Buch" eingetragen hat - es existiert noch. Verschiedene Jugendkompositionen sind in Potsdam von oder mit ihm aufgeführt worden. Sein kompositorisches Gesamtwerk ist erstaunlich vielfältig, es umfaßt alle Gattungen, Oper, Ballett, Oratorium, Sinfonik, Kammermusik verschiedener Besetzungen, Orgel- und Klavierwerke sowie Lieder. Im Gegensatz zu den meisten Pianisten-Komponisten der Geschichte und Gegenwart verlagert sich bei ihm das Gewicht zugunsten der Interpretation; der Komponist Kempff stand zunehmend hinter dem Pianisten Kempff zurück. In seinen Kompositionen vermied er Vorstöße in musikalisches Neuland. Sie gehen im wesentlichen vom melodischen Gedanken aus, von altdeutschen Weisen wie vom Lied und Tanz anderer Völker, und bewegen sich bei reizvoller farbenreicher Harmonik im tonalen Rahmen. Reich kolorierte Stimmungsstücke stehen neben streng gearbeiteten Sätzen, freie rhapsodische neben festen tradierten Formen.

 

Die Ischia-Suite, Schwedische Hochzeitsmusik und Serenata Argentina deuten schon durch ihre Titel auf bestimmte programmatische Bindungen. Erstere ist auch Bestandteil der Italienischen Klavierstücke op. 68, die Kempff 1953 herausgegeben hat. Seine Sonate g-Moll op. 47 ist die zweite seiner Klaviersonaten, 1947 entstanden.

 

Dr. Vera Grützner

 

Idil Biret

 

Idil Biret, in Ankara geboren, zeigt bereits mit drei Jahren außerordentliche musikalische Begabung und begann früh mit dem Klavierunterricht. Am Pariser Konservatorium schloß sie als Fünfzehnjährige ihr Studium mit drei ersten Preisen ab. Anschließend studierte sie Klavier bei Alfred Cortot und Wilhelm Kempff und Komposition bei Nadia Boulanger. Mit elf Jahren spielte Idil Biret gemeinsam mit Wilhelm Kempff Mozarts Doppelkonzert E-Dur in Paris. Seit ihrem sechzehnten Lebensjahr gibt sie weltweit Konzerte und tritt dabei mit renommierten Orchestern unter Leitung von Dirigenten wie z.B. Monteux, Scherchen, Leinsdorf, Boult, Kempe, Sargent, Roshdestwensky, Keilberth, Frühbeck de Burgos, Pritchard, Groves und Mackerras auf. In ihrem Repertoire bevorzugte sie zunächst weniger bekannte Werke, z.B. die Transkription der Symphonie fantastique von Berlioz durch Liszt sowie Werke der Neuen Musik.

 

Idil Biret nahm an den Festivals von Montreal, Persepolis, Royan, La Rochelle, Montpellier, Athen, Berlin, Gstaad und Istanbul teil und war Jurymitglied verschiedener internationaler Wettbewerbe, u.a. beim Queen Elizabeth Wettbewerb (Belgien) und der Van-Cliburn-Competition (USA).

 

Im Laufe der Jahre 1990/1992 hat Idil Biret die gesamten Klavierwerke Chopins aufgenommen. Insgesamt werden fünfzehn CD erscheinen, die von der Firma Naxos in Deutschland und weltweit vertrieben werden. Desweiteren sind elf CD geplant mit Werken von Brahms und Rachmaninoff.


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