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8.223521 - COATES, E.: Springtime Suite / Four Ways Suite
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Eric Coates (1886-1957) -Orchesterwerke

Eric Coates (1886-1957)

Orchesterwerke

 

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die goldenen Jahre der leichten Musik. Es gab viele Komponisten, die damals für die recht anspruchslose Zuhörerschaft der vielen Salonorchester komponierten - Ensembles, wie sie zum Beispiel in Cafés oder inden Badeorten zu finden waren. Ein Name überragte all die anderen: Eric Coates - ein Meisterkomponist von schönen Melodien und wunderbaren Arrangements; ein Tonschöpfer, dessen Kompositionen sich durch Sensibilität und Gespür für symphonische Wirkungen auszeichnen.

 

Eric Coates wurde 1886 in Nottingham geboren. Er absolvierte ein klassisches Musikstudium an der Royal Academy of Music. Er studierte Komposition bei Frederick Corder und das Bratschenspiel bei Lionel Tertis. Er wurde zunächst Berufsbratschist. 1913 ernannte man ihn zum Solobratscher an Henry Woods Queen's Hall Orchestra. Dort wird er höchst-wahrscheinlich an vielen Britischen Premieren teilgenommen haben. 1919 gab er seine Position auf, um sich der Komposition von Liedern und leichter Musik zu widmen. Sein Schaffen umfaßt 160 Lieder, 13 Suiten, vier Phantasien, ein Ballett, 17 Märsche und 24 weitere kurze Orchesterstücke. Ein Vertrag mit seinem Verleger Chappell verpflichtete ihn, jedes Jahr ein großes Orchesterwerk zu komponieren (z.B. eine Suite oder eine Phantasie), und datüber hinaus noch ein kurzes Stück (z.B. einen Walzer, einen Marsch oder eine Romanze). Die vorliegende CD enthält eine Zusammenstellung dieser langen und kurzen Werke.

 

Die Suite Four Ways war seine fünfte Komposition dieser Art. Eric Coates widmete sie seinem Freund, dem Dirigenten Basil Cameron, der ebenfalls im Queen's Hall Orchester mitgespielt hatte - allerdings als Geiger. Die Uraufführung fand bei den Harrogate Festspielen am 23. September 1927 statt. Die vier Sätze beziehen ihre Namen von geographischen Regionen der Erde. The North ist ein Marsch. Coates benutzt darin die Schottische Melodie Ca' the Yowes. Dieser Satz war übrigens der erste Marsch den Coates komponierte; später sollte er sich auf diese Gattung geradezu spezialisieren. Der zweite Satz ist ein Walzer mit italienischen Untertönen; der dritte (ein Scherzo) besitzt gewisse chinesische Anklänge. Im vierten Satz hatte der Komponist Amerika im Ohr - mit unüberhörbaren Jazzeinflüssen und Tanzrhythmen.

 

In den zwanziger Jahren eroberte die amerikanische Tanzmusik Europa. Rhythmen wie der Charleston und der Black Bottom eroberten das Publikum. Auch Coates war an dieser frühen Form des Jazz mit seinen synkopierten Rhythmen sehr interessiert. Die Musikfachwelt beschloß zunächst. diese Entwicklung zu ignorieren - wahrscheinlich ahnten die konservativen Professoren, daß diese Einflüsse das Ende der Musik, wie sie sie kannten, bedeuten würde. Henry Coward verlangte etwa in einer Rede an die Incorporated Society of Musicians: "Wir müssen den Jazz verbannen". Coates, mittlerweile im ganzen Land bekannt, reagierte, indem er weiter jazzig synkopierte Musik schrieb - allerdings unter dem Pseudonym Jack Arnold. 1925 komponierte er unter eigenem Namen in diesem Stil. Dann folgten weitere Stücke wie etwa der Satz Westway oder die Four Ways Suite. Ein Musikkritiker schrieb über diese Musik: "Wenn der Jazz nur so schön wäre wie Mr. Coates ihn macht, gäbe es nur die Hälfte des jetzigen Protests. Mr. Coates hat zu viel angeborenes Feingefühl, um einen realistischen Eindruck der Vulgarität und der Brutalität des Charleston und Black Bottom zu geben. Er müßte ein paar auffällige und aufreibende Dissonanzen benutzen."

 

In den späten zwanziger Jahren kaufte Coates zusammen mit seiner Frau ein Haus am Meer in Selsey, Sussex, wohin er sich zurückziehen konnte, wenn es ihm in der Londoner Stadtwohnung zu eng wurde. Die neue Umgebung inspirierte ihn zu einer ganzen Reihe kurzer Stücke, darunter Lazy Nights und der später hoch erfolgreiche Sleepy Lagoon - ein Stück, das unter dem Eindruck des weichenden Abendlichts bei ruhigem Meer in der Nähe von Bognor Regis geschrieben wurde. Zunächst war dieses Werk nicht sehr erfolgreich. Aber später wurde es von einem amerikanischem Tanz-orchester in einen langsamen Foxtrott umgewandelt und entwickelte sich in dieser Form zum Hit. Es war Coates' zweiter großer finanzieller Erfolg, und wie mehrere seiner Stücke wurde es zur Erkennungsmelodie des BBC Progranuns Desert Island Discs. Es begann 1948 und läuft heute noch.

 

Coates' erster großer finanzieller Erfolg war der Marsch seiner Londoner Suite Knightsbridge, der zur Erkennungsmelodie des täglichen Abendprogranuns In Town Tonight wurde. Mehr als 100.000 Schallplatten wurden allein imersten Jahr davon verkauft. Es lag am Aufstieg der BBC in den dreißiger Jahren und an der wachsenden Macht des Radios, daß Coates es als erstem gelang, von einem bekannten Komponisten leichter Musik zu einem echten Star zu werden. Je mehr seiner Märsche als Erkennungsmelodie bei der BBC benutzt wurden, desto mehr wurde seine Musik zu einem Teil des Nationalbewußtseins. Eude der vierziger Jahre galt ein Marsch von Coates mit seiner typischen Energie und dem optimistischen Ausdruck für die Britische Nation geradezu als ein vaterländisches Symbol. Sein im Krieg komponierter Marsch Eighth Anny war General Montgomery und dessen 8. Armee gewidmet - in Anerkennung des Sieges in Alamein im Oktober 1942. Die Uraufführung fand ruit dem BBC Northern Orchestra statt. Dann benutzte es die BBC als Leitmelodie für alle ihre Nahost-Sendungen und später wurde es zur Hauptmusik in Michael Balcons Film Nine Men über die Infanterie in Libyen.

 

In den dreißiger Jahren gründete die BBC mehrere Orchester für leichte Musik, darunter das BBC Theatre Orchestra (später hieß es BBC Concert Orchestra). Dieses Ensemble spielte die Uraufführungen vieler Werke von Coates, so die des Konzertwalzers Footlights (1939) und die Romanze Last Love (1939). Springtime war die elfte Suite von Coates, und eine seiner besten (obwohl diese Suite uie so beliebt war wie die anderen). Coates schrieb dieses Stück 1937. Der erste Satz mit seinen unbekümmerten 6/8-Rhythrnen scheint an die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und an den Komponisten Edward German zu erinnern. Der zweite Satz Noon Day mit seinem seelenvollen Geigensolo gleicht ebenfalls einer Erinnerung an eine verlorenen Zeit. Der dritte Satz Dance of the Twilight jedoch ist ein moderner optimistischer Coates-Walzer.

 

Ein Jahr zuvor hatte Coates sein einziges ernstes symphonisches Werk ohne programmatische Vorgabe geschrieben - ein Konzert für Saxophon und Orchester. Zu Coates¬°¬¶ Bekanntenkreis gehörte der virtuose Saxophonist Sigurd Raschèr, der den Komponisten beauftragte, ein Werk für die Folkstone Festspiele des Jahres 1936 zu schreiben. Coates war vom Saxophon fasziniert; er hatte es schon in dem Satz Westward in seiner Four Ways Suite benutzt. Auch in Man about Town und in der Three Men Suite kommt es vor.

 

Coates schrieb die Saxo-Rhapsody, wie sie später genannt wurde, in weniger als einem Monat. Sie ist ein neun Minuten langer Schaukasten voller virtuoser Attraktionen. Formal handelt es sich um einen einzigen Satz, wobei jedoch ein zentrales Allegro Vivace von einem träumerischem Moderato umrahmt wird. Mit Debussys Rhapsodie für Saxophon und Orchester und den Konzerten von Joseph Holbrook und Lars-Erik Larsson ist das Coates-Konzert eines der wichtigsten Saxophonkompositionen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab Coates wegen seiner angeschlagenen Gesundheit das Rauchen auf, und es folgten einige wenig kreative Jahre. Erst in den letzten fünf Jahren seines Lebens kehrte die alte Schaffenskraft zurück - in Form von zehn Komposittionen, darunter der Dambuster March, der Coates' dritter und letzter finanzieller Erfolg wurde.

 

Coates erhielt viele Angebote, Filmmusik zu schreiben, aber er lehnte sie ab, weil er wußte, daß Regisseure oft große Teile der Musik willkürlich wegschneiden. Und so wollte er auch den Dambusters Vorschlag zuerst nicht annehmen. Als sein Verleger ihm jedoch nahelegte, daß der Film von nationaler Wichtigkeit sei, schrieb er wenigstens einen Marsch für den Anfang und das Ende des Films. Der Dambusters March wird heute in England genauso hoch angesehen wie Elgars Pomp and Circumstance March No. 1 - als einer der großen Märsche Großbritanniens. Coates sagte immer, daß der Marsch, den er gerade geschrieben hatte, sein letzter sein würde, aber nach dem großen Erfolg von Dambusters widmete er sich dieser Gattung noch eimnal bei dem Film High Flight (1958). Dieser Marsch wurde nie so beliebt wie Dambusters. Das Stück war seine letzte Komposition. Coates starb im Dezember 1957.

 

Übersetzung: Dietrich Bethge


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