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8.223538 - HILL: Symphonies Nos. 5 and 10
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Alfred Hill (1870-1960) Orchesterwerke

 

Alfred Hill (1870-1960)

Orchesterwerke

Sinfonie Nr. 5 in a-moll, "Der Karneval"

Einbruch der Nacht, Orchestergedicht

A Rêverie

Kurze Sinfonie (Nr. 10) in C-dur

Bedauern

Tribut an einen Musiker

 

Der australische Komponist Alfred Francis Hill wurde 1870 in Melbourne geboren. Sein Vater war ein Hutmacher, der aus England stammte und als Goldsucher nach Australien ausgewandert war. Hill entstammte einer musikalischen Familie und spielte in deren Hausmusikensemble Kornett, zeigte aber auch auf der Geige großes Talent. In Neuseeland, wo die Familie seit 1872 lebte, lernte er den durchreisenden Geigenvirtuosen Ede Reményi kennen, der seinerzeit schon mit Johannes Brahms konzertiert hatte. Auf dessen Rat hin wurde Hill schon als Fünfzehnjähriger zum Musikstudium nach Leipzig gesandt, das er mit dem Helbig-Preis abschloß. In Leipzig spielte er auch im von Mendelssohn gegründeten Gewandhaus-orchester unter Reinecke, Brahms, Tschaikowsky, Bruch und Grieg, die allesamt einen nachhaltigen Einfluß auf den jungen Musiker ausübten. Seine Rückkehr nach Neuseeland feierte Hill mit einem Konzert in der Hauptstadt Wellington, wo er sich auch als Lehrer und als Dirigent der Wellington-Orchestral-Society niederließ. In dieser Zeit befaßte er sich ausgiebig mit der Musik der Maori, die viele seiner Werke, etwa die erste seiner dreizehn Sinfonien, Maori, das Chorwerk Hinemoa nach einem Maori-Mädchen oder die Kantate Tawhaki inspirierte. Mit der Wel1ington-Orchestral-Society zerwarf sich Hill allerdings im Jahre 1896, als das Orchester ein Konzert mit dem Pianisten Chevalier de Kontski plante, der sich fälschlicherweise als Beethovens Schüler ausgab und eines von dessen Klavierkonzerten mit einer Decke über der Tastatur spielen wollte. Tatsächlich war de Kontski ein Schüler von lohn Field, hatte aber auch bei Thatherg studiert und komponierte vornehmlich Salonmusik. Hill weigerte sich, an diesem Konzert mitzuwirken und kündigte seine Stelle. Befreit von diesem Dienst schloß er sich nun dem belgischen Geiger Ovide Musin auf eine Tournee durch Neuseeland und anschließend Australien an. Als Musin nach Europa weiterreiste, ließ sich Hill in Sydney nieder, wo er einige Jahre lang als Dirigent wirkte und auch eigene Werke zur Aufführung brachte. Im Jahre 1902 reiste er abermals nach Neuseeland, um seine Maori-Oper Tapu zu inszenieren, mit der er sich auf Tournee durch Neuseeland begab. Nach einigen Jahren kehrte Hill nach Sydney zurück, wo er als Lehrer, Dirigent, Komponist und Interpret tätig wurde. Er unterrichtete Harmonielehre und Komposition an der Austral School of Music und spielte zeitweise im Austral-Quartett mit. Für die Australian Opera League schrieb er die einaktige Oper Giovanni the Sculptor, die 1914 während der Eröffnungssaison der League auf dem Spielplan stand. Derartigen Unternehmungen setzte der Ausbruch des Krieges allerdings bald ein Ende. Hill, der seit 1913 als Ausschußmitglied an der Gründung des New-South-Wales-Konservatoriums beteiligt gewesen war, wurde dort im Jahre 1916 Professor für Harmonielehre und Komposition. Diese Stelle kündigte er 1934, da er bei der Ernennung von Edgar Bainton zum neuen Direktor übergangen worden war. Dennoch übte Bill bis zu seinem Tode im Jahre 1960 einen bedeutenden Einfluß auf die australische und neuseeländische Musikwelt aus.

 

Hill hinterließ ein umfangreiches Gesamtwerk. Es schließt neben zahlreichen Klavierwerken, Liedern und Chorkompositionen auch mehrere Bühnenwerke ein, etwa die im Jahre 1900 uraufgeführte Oper Lady Dolly oder The Ship of Heaven aus dem Jahre 1923. Von 1933 an ließ er seinen sechs frühen Streichquartetten noch elf weitere folgen. Der Komponist wandte sich vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens größeren Besetzungen zu und instrumentierte einige frühere Kammermusikwerke für großes Sinfonieorchester.

 

Die Sinfonie in a-moll, Nr. 5, 'Karneval', entstand im Jahre 1955. Sie basiert auf einem Streichquartett in derselben Tonart, das der Komponist im Jahre 1912 schrieb, nachdem er in Cyril Monks Austral-Quartett als zweiter Geiger aufgenommen worden war. Hill wandelte das Quattett jedoch nicht in eine Bearbeitung, sondern in ein künstlerisch eigenständiges Werk um. Ein lebhafter erster Satz eröffnet das Werk, gefolgt von einem ebenso spritzigen Scherzo. Den langsamen Satz leitet eine sanfte, weit gespannte Melodie ein, die auf den Stil der Leipziger 1890-er Jahre zurückzuftihren ist. Daß diese Tradition in Hill fortlebte, beruht zum einen auf der konservativen Neigung des Komponisten aber auch auf seiner relativen Isolation von den radikalen Neuerungen, die bereits ab 1912, ganz deutlich jedoch ab 1955 von der westlichen Musikwelt Besitz ergriffen. Dem an vergangene Zeiten anklingenden Adagio folgt ein Allegro risoluto. Dieser Tanz weist vielseitige Strukturen auf, etwa ein Geigensolo sowie einen feierlichen Choral, der von einem emphatischen Tanz im spanischen Stil, dem prägnantesten Thema des Satzes, eingerahmt wird.

 

As Night Falls, (Einbruch der Nacht) das ursprünglich für Klavier geschrieben war, trägt den Unterütel 'Ein Orchestergedicht' und wird diesem Titel mit seiner evokativen Lyrik durchaus gerecht. A Rêverie ist ein zartes und wehmütiges, typisch romantisches Orchesterstück. Die Short Symphony (Nr. 10) in C-dur entstand im Jahre 1958. Auch sie geht auf ein Streichquartett zurück. welches Hill zwanzig Jahre zuvor, nach seinem Bruch mit dem New South Wales Konservatorium komponiert hatte. Eine feierliche Einleitung geht dem lebhaften Allegro voraus, das von einer wahrhaft romantischen Lyrik beseelt ist und kurz vor Ende noch einmal zur getragenen Ausgangs-stimmung des Satzes zurückkehrt. Der langsame Satz gleitet in geheimnisvoll düstere Tiefen hinab und schließt einen Mittelteil ein. der von abwechselnden Bläsersolos gekennzeichnet ist. Das kraftvolle Allegretto bestätigt die solide Handwerkskunst der vorhergehenden Sätze. die aus Hills fundierter Ausbildung in Leipzig resultiert. Beide Sinfonien spiegeln aber auch seine Nähe zu den Komponisten des späten 19. Jahrhunderts, insbesondere Edward Grieg und Anton Dvořák wieder. Diese Einspielung klingt mit zwei kurzen Orchesterstücken aus. Regrets (Bedauern). eine passende Vertonung seines Titels, und Tribute to a Musician, ein Tribut an die Kunst seines eigenen Handwerks.

 

Deutsche Fassung: Eva Grant


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