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8.223625 - STRAUSS, Josef: Edition - Vol. 23
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Josef Strauß (1827-1870)

Orchesterwerke Folge 23

[1] Cabriole. Schnellpolka, op. 145

Josef Strauss hat die Schnellpolka „Cabriole" im Sommer 1863 komponiert und das Werk am 3. August 1863 bei seinem Benefiz-Konzert in der „Neuen Welt" in Hietzing zum ersten Male aufgeführt. In dem weiträumigen Etablissement in der Nähe des Schlosses Schönbrunn fanden nicht nur Konzerte statt, es produzierten sich an Festtagen auch Volkssänger und Artisten. Vielleicht hat dieser Umstand den Komponisten angeregt, seine flotte Polka mit dem Titel „Cabriole" zu versehen, denn bei den Artisten nennt man den Sprung durch den Reifen eben Cabriole. Der Zeichner des Titelblattes der Klavierausgabe folgte getreulich dieser Vorgabe: er liess einen elegant gekleideten Artisten durch einen von zwei Damen gehaltenen papierbespannten Reifen springen. Das passte genau ins Milieu der Präsentation des Werkes in der „Neuen Welt". Spätere Aufführungen der Schnellpolka „Cabriole" waren selten. Aber als Novität für das Benefiz-Konzert, bei dem das Publikum stets etwas Neues zu hören erwartete, hatte das Werk seinen Zweck erfüllt.

[2] Crispino-Quadrille nach Motiven der

L. u. F. Ricci’schen Oper „Crispino e la Comare". op. 224

Am 10. Mai 1867 wurde im k.k. Hof-Operntheater nächst dem Kärtnerthor die komisch-fantastische Oper „Crispino e la Comare" in italienischer Sprache aufgeführt. Der Première des Melodramma fantastico war in Wien nicht jener anhaltende Erfolg beschieden wie der Uraufführung des Werkes am 28. Februar 1850 in Venedig. Die beiden aus Neapel stammenden Brüder Luigi (1805 - 1859) und Frederico Ricci (1809 - 1877) setzten mit ihren zahlreichen Bühnenwerken, von denen sie etliche gemeinsam produzierten, die Tradition der Opern von Gaetano Donizetti (1797 - 1848) fort. Allerdings haben nur wenige ihrer Werke die Barriere der Alpen nach Norden übersprungen. „Crispino e la Comare" konnte noch im Jahre 1919 in New York auf die Bühne der Metropolitan Opera gelangen. Da war in Wien das Werk aber bereits vergessen.

Unmittelbar nach der Erstaufführung im Kärntnerthor-Theater verfasste Josef Strauss eine Quadrille nach den eingängigsten Motiven der reichhaltigen Partitur. Der Verleger Spina wollte möglicherweise nur die Klavierausgabe dieser Quadrille publizieren, entschloss sich aber dann doch, auch die Orchesterstimmen drucken zu lassen. Diese sind in der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek erhalten geblieben.

Josef Strauss hat die Uraufführung seiner „Crispino-Quadrille" für den 17. Mai 1867 angekündigt. Aber auch für das Konzert am 22. Mai 1867 im k.k. Volksgarten gab es eine Annonce mit dem Vermerk: „Neu, zum ersten Male". Da sich in Josefs Aufzeichnungen und im Verzeichnis des Hornisten Franz Sabay keine Notierung findet, kann man zwischen beiden Angaben wählen, wobei dem 17. Mai der Vorzug zu geben wäre. Das hübsche Werk blieb einige Zeit im Repertoire der Strauss-Kapelle. Dann verschwand die Quadrille ebenso wie die Oper der Brüder Ricci.

[3] Helden-Gedichte. Walzer, op. 87

Kaiser Franz Joseph I. liess in Verbindung mit dem Abbruch der historischen Befestigungen um die Wiener Innenstadt, der Basteien, auch die alte Hofburg durch grossangelegte Zubauten erweitern. Die ursprünglich sehr monströsen Pläne wurden allerdings nur etwa zur Hälfte verwirklicht und kamen so langsam voran, dass der Bau und die Innenausstattung der „neuen Burg" beim Zusammenbruch der Habsburgermonarchie im Jahre 1918 noch nicht abgeschlossen waren.

Zwischen dem äusseren Burgtor, das im Jahre 1824 von Kaiser Franz I. fertiggestellt worden war, und dem historischen Burgkomplex entstand ein freier Platz, der nach dem Willen des Kaisers Franz Joseph den Namen „Heldenplatz" erhielt. Zwei Reiterstandbilder sollten diesen Platz beherrschen. Das Monument des Siegers in der Schlacht bei Aspern im Jahre 1809 gegen die Truppen des Kaisers Napoleon, des Erzherzogs Carl (1771 - 1847), und das Denkmal des Heerführers in den Türkenkriegen des 17. Jahrhunderts, des Prinzen Eugen von Savoyen (1663 - 1736).

Die Errichtung des Erzherzog Carl-Monuments wurde im Jahre 1853 in Angriff genommen; der Sockel entstand nach den Plänen des berühmten Baumeisters Eduard van der Nüll (1812 - 1868), das kühne Reiterstandbild war das Werk des Bildhauers Anton von Fernkorn. Das Denkmal sollte am 50. Jahrestag der Schlacht bei Aspern, also im Jahre 1859, fertiggestellt sein. Die Enthüllung musste jedoch um ein Jahr verschoben werden und wurde schliesslich für den 22. Mai 1860 festgesetzt.

Anlässlich der von Kaiser Franz Joseph vorgenommenen Denkmalenthüllung wurde im k.k. Volksgarten ein Festkonzert der Strauss-Kapelle vorbereitet. Aber die ungünstige Witterung erzwang eine Verlegung des Festes auf den 25. Mai 1860. An diesem Tage präsentierte Josef Strauss die beiden Kompositonen, die er anlässlich der Enthüllung des Erzherzog Carl-Denkmals auf dem Heldenplatz komponiert hatte: den „Erzherzog Carl-Marsch", op. 86 und den Walzer „Helden-Gedichte". In den Berichten über das Fest im k.k. Volksgarten wurde die Uraufführung der beiden Kompositionen mit der üblichen Floskel „welche sich des glänzendsten Erfolges zu erfreuen hatten", bestätigt. In den folgenden Jahren verschwand der Walzer im Archiv der Strauss-Kapelle und galt als verschollen. Es hat sich aber eine Partiturabschrift des Kopisten, also eine Stichvorlage des Werkes für den Verleger Carl Haslinger, erhalten. Sie hat die Rekonstruktion der Orchesterstimmen und deren Neuauflage ermöglicht.

[4] Concordia- Polka francaise, op. 257

Für den Ball der Journalisten- und Schriftsteller-Vereinigung „Concordia", der am 26. Januar 1869 im Sofiensaal abgehalten worden ist, hatten alle drei Brüder Strauss Widmungskompositionen geschrieben. Johann den Walzer „Illustrationen", op. 331, Eduard die Polka Mazur „Vom Tage", op. 46 und Josef die adrette Polka francaise „Concordia", die lt. Ballbericht im „Fremden-Blatt" vom 28. Januar 1869 „beifällig aufgenommen worden ist."

Die Journalisten hatten für die Tanzordnung einen Zeitungsrahmen gewählt, in den ein Ball-Journal unter dem Titel „Concordia" eingefügt worden war. Darin fanden sich amüsante Zitate, die angeblich von berühmten Zeitgenossen stammten. Jacques Offenbach wurde mit dem knappen Satz zitiert: „Diebstahl ist Eigentum"

Josef Strauss hatte eine solche Anspielung nicht zu fürchten. Seine „Concordia"- Polka francaise war ein originelles Original.

[5] Vergissmeinnicht. Polka Mazur, op. 2

Mit der zweiten im Druck erschienenen Komposition begann Josef Strauss im Jahre 1855 die Serie seiner Kompositionen, denen er Blumennamen als Titel gegeben hat. Es ist aber bezeichnend für den zeitlebens scheuen, nicht sehr selbstbewussten Pepi Strauss, dass er an die Spitze dieser Gruppe jene blaublühende Blume stellte, die als Symbol der treuen Liebe gilt und deren Name trotzdem die bange Bitte ausdrückt: „Vergiss mein [mich] nicht!" (Dies ist übrigens auch der Innentitel der Klavierausgabe).

Die Uraufführung der zarten und zärtlichen Polka Mazur „Vergissmeinnicht" fand am 12. August 1855 bei einem Sonntagskonzert in Ungers Casino in Hernals statt. Johann Strauss hielt sich damals zur Kur in Bad Gastein auf. Soeben war die Meldung durch die Wiener Zeitungen gegangen, er habe die Einladung erhalten, ab dem nächsten Sommer die Konzerte im Vauxhall von Pawlowsk bei St. Petersburg zu leiten. Josef wusste damals bereits, dass sein Bruder dieses vorteilhafte Engagement annehmen und dass er, Josef, daher während dieser Zeit die Strauss-Konzerte in Wien werde leiten müssen, und zwar als gleichberechtiger Partner. Nun konnte Josef Strauss auch damit rechnen, dass seine Kompositionen demnächst einmal im Druck erscheinen konnten. Er sorgte also dafür, dass fortan alle Novitäten in den Zeitungen angekündigt wurden. Prompt haben sowohl das „Fremden-Blatt" als auch die „Morgen-Post" auf die erste Aufführung der „Vergissmeinnicht"-Polka Mazur hingewiesen. Im Druck ist die Klavierausgabe des Werkes dann im Januar 1856 im Verlag C. A. Spina erschienen.

[6] Neue Welt-Bürger. Walzer, op. 126

Im Juli 1862 wurde Josef Strauss - für ihn völlig überraschend - von seiner Mutter nach Russland geschickt. Er musste seinen Bruder Johann als Leiter der Konzerte in Pawlowsk bei St. Petersburg ablösen. Jean hatte sich krank gemeldet und wollte so rasch wie möglich nach Wien zurückkehren. Pepi glaubte allerdings nicht an die Krankheit seines Bruders, er wusste aber doch nicht, dass Jean seine Reise in die Heimat vor allem deshalb anstrebte, weil er sich mit Jetty Treffz verheiraten wollte. Immerhin - Josef Strauss war misstrauisch, und so gab ihm die Mutter die Weisung mit auf die Reise: „Streitet nicht!"

Vor seiner überhasteten Abreise leitete Josef Strauss am 27. Juli 1862 die Musik bei einem Parkfest in der „Neuen Welt", dem grossangelegten Vergnügungspark Carl Schwenders in Hietzing. Bei dieser Gelegenheit hat Josef Strauss seinen neuen Walzer „Neue Welt-Bürger" zum ersten Male vorgetragen. Das Werk war gleichsam sein Abschiedsgeschenk für das zahlreiche Publikum. Das Titelblatt der Klavierausgabe zeigt das Revier, in dem sich die Besucher der „Neuen Welt-Bürger" bei festlichen Anlässen in dem Etablissement bewegen konnten. Ein weitläufiger Garten wurde von einer prunkvollen Gebäudegruppe umschlossen. Vom grossen Orchesterpodium her erklang die Musik der Strauss-Kapelle über den Platz, der durch Promenadewege unterteilt war und genügend Raum für Sitzreihen und Tische bot. Der Zeichner des Titelblattes liess sogar einen Ballon und einen seiner Fantasie entstammenden fliegenden Wagen, dampfgetrieben und mit einer Gruppe fröhlicher Passagiere besetzt, über der „Neuen Welt" schweben.

Es ist für den Betrachter dieses Titelblattes gut zu verstehen, dass dem Musikdirektor Josef Strauss der Abschied von diesem Etablissement mitten in der Sommersaison 1862 nicht leicht gefallen ist. Aber davon hat er sich bei der Komposition dieses Abschiedswalzers nicht beeinflussen lassen, denn es ist ein schwungvolles Werk entstanden, das gerade richtig war für die lebenslustigen Besucher der „Neuen Welt."

Von den Gästen, die am 27. Juli 1862 im Hietzinger Vergnügungspark anwesend waren und bei der Uraufführung des Walzers „Neue Welt-Bürger" zugehört haben, wäre wohl keiner auf die Idee gekommen, dass diese reiche Welt des Vergnügens und des Frohsinns aus dem Stadtbild Wiens so vollständig verschwinden werde, dass praktisch kein Stein und kein Baum von ihr übrig geblieben ist. Heute erinnert nur noch eine kleine, schmale Gasse im 13. Wiener Bezirk an die „Neue Welt". Dazu kommen noch einige indessen ebenfalls fast vergessene Kompositionen von Josef und Eduard Strauss sowie von Carl Michael Ziehrer, darunter eben auch der Walzer „Neue Welt-Bürger."

[7] Fest-Marsch. op. 142

Im Herbst 1863 veranstaltete der k.k. landwirtschaftliche Verein der Gemeinde Mödling bei Wien eine Ausstellung für ganz Niederösterreich auf dem Areal der „Neuen Welt" in Hietzing. Bei dieser Leistungsschau wurde der Fortschritt erkennbar, den das Agrarwesen in den Jahren seit der Bauernbefreiung im Jahre 1848 erreichen konnte. Dementsprechend gross war das Interesse der Besucher aus der Residenz, aber auch aus den ländlichen Regionen Niederösterreichs. Die Ausstellung hatte einen Massenbesuch zu verzeichnen.

Bei der festlichen Eröffnung der Ausstellung, die am 6. September 1863 stattgefunden hat, konzertierte die Strauss-Kapelle unter Josefs Leitung. Pepi Strauss hatte eine Widmung mitgebracht, einen schwungvollen Marsch, der unter dem vereinfachten Titel „Fest-Marsch" am Tag der Eröffnung auch im Druck erschienen ist.

NB.: Das Werk ist ein Gegenstück zum „Liechtenstein-Marsch", op. 36, der im Jahre 1857 anlässlich einer kleineren landwirtschaftlichen Ausstellung in Ungers Casino in Hernals komponiert und von Josef Strauss dem Präsidenten der Gesellschaft, die damals ihr 50-jähriges Bestandsjubiläum feierte, dem Prinzen August Liechtenstein gewidmet worden ist.

[8] Die Kokette. Polka française, op. 70

Die kapriziöse Polka „Die Kokette" gehört unbestreitbar in die Reihe jener Werke von Josef Strauss, in denen der Komponist Frauencharaktere skizziert hat. Darauf weist auch das Titelblatt der Erstausgabe hin, auf dem eine weibliche Gestalt in auffallender Kleidung und mit einem Spiegel in der Hand dargestellt worden ist. Die sprunghaft-vitale Melodieführung passt exakt zu diesem Bild.

Die Uraufführung der Polka „Die Kokette" muss im Karneval 1859 erfolgt sein, es gibt aber keinen Hinweis, für welchen Anlass das Werk komponiert worden ist. Der Titel findet sich zum ersten Male in der Ankündigung, die am 27. Februar 1859 in mehreren Wiener Zeitungen erschienen ist. Es handelte sich um Einladungen zum Strauss-Benefiz-Ball am 28. Februar 1859 im Sofiensaal, der unter dem Motto: „Carnevals-Perpetuum mobile - Tanz ohne Ende" stand. Zwei Orchester wurden angekündigt, eines unter der Leitung von Johann und eines von Josef Strauss, die miteinander abwechselten. Für das Tanzprogramm wurden an neuen Werken versprochen: fünf Kompositonen von Johann und vier von Josef Strauss. Unter den Novitäten von Josef stand als letztes Werk mit dem Vermerk (neu) die Polka francaise „Die Kokette".

[9] Aus dem Wienerwald. Polka Mazur, op 104

Im Sommer 1861 gastierte die Strauss-Kapelle unter Josefs Leitung wieder in ihrem Stammhaus, dem Casino Dommayer in Hietzing, in dem Johann Strauss im Oktober 1844 als Musikdirektor und Komponist debutiert hatte. Der Charakter der ehemaligen Vorstadt hatte sich seitdem weitgehend verändert. Neue Stadtviertel waren entstanden, rings um das kaiserliche Schloss Schönbrunn hatte die Zahl der Bewohner stetig zugenommen. Wer, von der Innenstadt her kommend, nunmehr Hietzing besuchte, brauchte keinen Fiaker mehr und konnte auch auf das eigene „Zeugel" verzichten, denn der Unternehmer Karl Schwender hatte einen regelmässigen Zubringerdienst eingerichtet. Hietzing war noch immer Sommerfrische, aber ein neues, vorwiegend bürgerliches Publikum stand dem einstmals exclusiven Casino Dommayer zur Verfügung. Diesem Publikum zuliebe erneuerte Ferdinand Dommayer die Traditon der Rosenfeste, wie sie am Kaiserhof seit vielen Jahren üblich gewesen waren. Ein reicher Blumenschmuck umgab die Tische, die sich unter der Last der köstlichen Speisen und gepflegten Getränke zu biegen schienen. Für die Krönung der Feste war die Strauss-Kapelle aufgeboten: sie hatte für den Ohrenschmaus zu sorgen.

Josef Strauss legte Wert darauf, für die Abende bei Dommayer besonders sorgfältig zusammengestellte Programme in Aussicht zu stellen. Städtisches und Ländliches war bei den Produktionen in bunter Folge vertreten, und eine besonders aparte Mischung dieser Sphären boten die Polka Mazurs von Josef Strauss; immer wieder glitten die ursprünglich polnischen Tänze mit ihren strengen Rhythmen in die Nähe der österreichischen Ländler hinüber. So war es auch bei der Polka Mazur „Aus dem Wienerwald", die Josef Strauss beim Rosenfest am 8. Juli 1861 bei Dommayer zum ersten Male vorgetragen hat. Im Gegensatz zu seinen Brüdern Johann und Eduard, die zeitlebens den Fiaker nicht gern verlassen haben, kannte sich Josef Strauss im Wienerwald, dem herrlichen Grüngürtel im Süden, Westen und Norden der Kaiserstadt an der Donau, recht gut aus. Er hatte ja bis zu seiner schweren Erkrankung zusammen mit seiner Gattin Caroline in seiner kargen Freizeit ausgedehnte Wanderungen unternommen. Aber seine Polka Mazur „Aus dem Wienerwald" ist trotzdem keine Naturschilderung, kein musikalisches Portrait aus dem Umland Wiens, sondern eine aparte Tanzkomposition zwischen Mazur und Ländler. Ein kleine, aber adrette Kostbarleit.

[10] Kadi-Quadrille. op 25

nach Motiven der gleichnamigen Oper von A. Thomas

Am 29. August 1856 wurde im k.k. Hof-Operntheater nächst dem Kärntnerthor die Oper „Der Kadi" von Ambroise Thomas (1811 - 1896) zum ersten Male aufgeführt. Die führende Wiener Bühne nahm damit ein Werk in ihr Repertoire auf, das in Paris bereits am 3. Januar 1847 unter dem Titel „Le Caid" seine Uraufführung erlebt hatte.

Josef Strauss war auf die Wiener Première des französischen Werkes vorbereitet und präsentierte schon am 9. August 1856 im Etablissement „Sperl" seine „Kadi-Quadrille". (So steht es in Josefs Aufzeichungen und auch im Verzeichnis des Hornisten Franz Sabay).

In den Konzertanküdigungen der Strauss-Kapelle erschien das Werk allerdings erst nach der einigermassen erfolgreichen Aufführung der Oper „Der Kadi" im Theater nächst dem Kärntnerthor, also im September 1856. Zuerst wurde es für den 10. September im k.k. Volksgarten angekündigt. Dann erschien am 12. September im „Fremden-Blatt" die Einladung zum Benefiz-Konzert der Strauss-Kapelle, das für den 15. September im k.k. Volksgarten anberaumt war. Dabei war das künstlerische Umfeld wichtig, in das die „Kadi-Quadrille" eingefügt wurde. Josef Strauss liess verlautbaren, er werde „Vorspiel, Hochzeitschor und Marsch aus der Oper ‘Lohengrin’ von Richard Wagner" (die Oper war in Wien damals noch unbekannt) sowie „Zu Ehren der Anwesenheit von Dr. Franz Liszt" dessen (ebenfalls noch nicht aufgeführte) symphonische Dichtung „Mazeppa" vortragen.

Die Zeitung „Der Wanderer" veröffentlichte am 14. September diese Einladung ein zweites Mal und setzte die Sätze hinzu: „Dieses sehr interessante Musikprogramm und die allgemeine Beliebtheit des talentvollen und fleissigen Kapellmeisters Josef Strauss lassen mit Recht einen ungewöhnlichen Zuspruch erwarten."

Wie aus anderen Berichten hervorgeht, hat Franz Liszt dieses Konzert im k.k. Volksgarten tatsächlich besucht und sich anerkennend über die Wiedergabe seiner schwierigen symphonischen Dichtung durch die Strauss-Kapelle ausgesprochen. Da es in dieser Zeit keine Konzerte der „Wiener Philharmoniker" gab und die Zahl der Veranstaltungen der erst im Wiederaufbau befindlichen „Gesellschaft der Musikfreunde in Wien" sehr gering war, nahm Josef Strauss die Gelegenheit wahr, die von ihm geführte Kapelle in den Dienst der Opernkunst und der symphonischen Musik zu stellen. Er erlangte damit eine Sonderstellung unter den damals in der Metropole der Donaumonarchie tätigen Musikkapellen. Da konnten seine unmittelbaren Konkurrenten Josef Gung’l und Kéler Béla mit ihren Konzerten im Sommer 1856 nicht mithalten. Die beiden Musiker konnten dem Wettstreit nicht standhalten und wanderten an die Spitze von Militärkapellen ab.

Die „Kadi-Quadrille" blieb allerdings nur kurze Zeit im Repertoire der Strauß- Kapelle, dann verschwand sie im Archiv. Als etwa 30 Jahre nach dem Tod des tüchtigen Musikdirektors und Komponisten Josef Strauß der geschickte Kapellmeister Ernst Reitterer (1851 - 1923) aus dem Nachlaß Josefs die Musik der von ihm arrangierten Operette „Frühlingsluft" zusammenstellte, erinnerte er sich der „Kadi-Quadrille" und verwandelte den zweiten Teil des Finales durch Abänderung des Rhythmus nach dem Vorbild des ersten nach der Jahrhundertwende nach Wien importierten amerikanischen Modetanzes in einen - Cake-walk!

[11] Zeitbilder. Walzer, op. 51

Josef Strauss hat den Walzer „Zeitbilder" zu Beginn des Jahres 1858 komponiert. Erwähnt wurde das Werk zum ersten Male im „Fremden-Blatt" vom 4. Februar 1858, in dem die Einladung zum Benefiz-Ball der Brüder Johann und Josef Strauss am 8. Februar 1858 im Sofiensaal erschien. Dabei wurden alle neuen Kompositionen von Johann Strauss aus diesem Karneval aufgezählt. Aber es gab auch den Absatz: „ferner von Josef Strauss", der sechs Novitäten enthielt, darunter als letztes Werk den Walzer „Zeitbilder". Die erste Aufführung dieser Walzerpartie dürfte in der zweiten Hälte des Faschings erfolgt sein. Im Ballbericht, der am 12. Februar 1858 in der „Theater-Zeitung" erschienen ist, war ebenfalls ein eigener Abschnitt den neuen Kompositionen von Josef Strauss zugewiesen. Darin hiess es u.a. „Josef Strauss brachte am Benefiz-Abend sechs seiner neuen Tänze zur Aufführung, von welchen die sehr gelungenen ‘Zeitbilder’ ungemein gefielen."

Offenkundig ging es Josef Strauss bei der Komposition dieses Werkes nicht nur darum, den Zeitgenossen beschwingte Unterhaltung zu bieten, er mahnte sie auch, materielle Erfolge im Leben nicht zu überschätzen. In der Coda zitierte er nämlich das Rondo aus der damals sehr populären und daher jedermann bekannten Oper „Robert der Teufel" von Giacomo Meyerbeer mit dem Text; „Ja, das Gold ist nur Chimäre". Auch dem Ballreporter der „Theater-Zeitung" ist dieses Zitat aufgefallen und er nannte die Einflechtung dieses Motivs eine glückliche Idee. Diese Ansicht bekräftigte auch die „Wiener Musikzeitung", indem sie hervorhob, die „Zeitbilder" hätten ungemein gefallen.

Eduard Strauss hat sich später an diesen Walzer seines indessen verstorbenen Bruders erinnert und das Werk gelegentlich in die Programme seiner Konzerte im Musikverein aufgenommen.

Franz Mailer


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