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8.223664 - STRAUSS, Josef: Edition - Vol. 25
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Josef Strauß (1827-1870)

Josef Strauß (1827-1870)

Orchesterwerke, Folge 25

[1] Die Windsbraut, Polka (schnell), op. 221

Beim Benefiz-Maskenball am 4. Februar 1867 im überfüllten „Colosseum" des tüchtigen Unternehmers Carl Schwender in Fünfhaus wirbelte Josef Strauß mit seiner neuen Schnellpolka „Die Windsbraut" die Tanzpaare tüchtig durcheinander. Die drastischen Akzente dieser fröhlichen Komposition sorgten für gute Laune und manche zusätzliche Späße im Publikum. Ob sich jeder Besucher des Etablissements draußen in der Vorstadt den Titel zu erklären wusste, ist nicht überliefert. Das Wörterbuch kennt die Windsbraut und schreibt zu dem Namen: „Sturm - in der Dichtersprache". Wer bei Johann Wolfgang von Goethe nachgeschlagen hat, fand im Faust den Vers:

„Wie rast die Windsbraut durch die Luft,

mit welchen Schlägen trifft sie meinen Nacken!"

Nun musste man gewiss nicht Goethes „Faust" mit sich führen, wenn man sich eine Nacht bei Schwender amüsieren wollte. Den Tänzern hat der flotte Rhythmus und die charakteristische Melodieführung genügt, um dem Komponisten zuzujubeln und mehrere spontante Wiederholungen des Werkes durchzusetzen. Berühmt ist die Strauß’sche „Windsbraut" freilich nicht geworden.

[2] Die Tanz-Interpellanten, Walzer, op. 120

Josef Strauß hat den Walzer „Die Tanz-Interpellanten" für die Ballfeste des Karnevals 1862 komponiert. Am

17. Januar 1862 erschien im „Fremden-Blatt" eine Vorschau auf die Ballprogramme. Darin wurden die zu erwartenden Novitäten von Johann und Josef Strauß aufgezählt, darunter als erstes Werk von Josef die Walzerpartie „Die Tanz-Interpellanten". Das Werk war also damals schon fertig. Aber leider wurde in dem Artikel nicht angegeben, für welchen Abend das Werk bestimmt war. Auch der Titel des Werkes hilft nicht weiter. „Interpellanten" sind Anfragende (z.B. im Parlament), aber auch Leute, die einen Einspruch (z.B. bei Gericht) erheben. Wäre aber der Walzer für den Juristenball bestimmt gewesen, wäre er wohl mit einer entsprechenden Widmung versehen worden. (Für den Juristenball 1862 hat Johann Strauß den Walzer „Colonnen", op. 262, komponiert). Vielleicht ist Josefs Werk bei einem der großangelegten Maskenbälle erklungen, die in diesem Fasching im Theater an der Wien abgehalten worden sind. Aber für diese Vermutung gibt es keinen Beleg.

Am 19. Februar 1862 haben die Brüder Johann und Josef Strauß in allen Zeitungen Wiens zu ihrem Benefiz-Ball am 25. Februar in den Sofiensaal eingeladen. Zwei große Orchester würden aufgeboten werden, so wurde versprochen, das eine unter der Leitung von Johann, das andere unter der Leitung von Josef Strauß. Zusammen würden die beiden Musikdirektoren fünfzig Tänze aufspielen, darunter alle Novitäten aus dem Karneval 1862. Von Josef Strauß wurden in Aussicht gestellt: die Walzer „Die Tanz-Interpellanten" und „Hesperus-Ball-Tänze", op. 116. Wieder stand nicht dabei, für welchen Ball die „Tanz-Interpellanten" bestimmt gewesen waren. Man sollte also Karneval 1862 als Zeitpunkt der Uraufführung des Werkes annehmen. Denn dass dieser großangelegte Walzer erst am 25. Februar im Sofiensaal dem Publikum vorgestellt worden ist, scheint nicht recht glaubhaft zu sein. Es gibt in diesem Fall auch keine Angaben in den Aufzeichnungen des Komponisten und des Hornisten Franz Sabay. In den Berichten über den „Strauß-Ball" am 25. Februar wurde ein einziges Werk besonders hervorgehoben, - und das war die „Sturm-Polka", op. 75 von Josef Strauß aus dem Jahre 1859!

 

[3] Margherita-Polka, op. 244

Josef Strauß hat diese zierliche Polka zur Vermählungsfeier des Prinzen Umberto von Italien (1844 - 1900) mit Prinzessin Margherita (1851 - 1926), der Tochter des Herzogs von Genua, komponiert, die am 22. April 1868 stattgefunden hat. Der Komponist hat sich in der Folge mehrfach bemüht, das Werk dem Ehepaar zu präsentieren. Ob es ihm aber gelungen ist, eine Aufführung der Polka in Italien zu erreichen, muss dahingestellt bleiben. Da auch ein möglicherweise geplant gewesener Besuch des späteren Königs von Italien (ab 1878) und seiner Gemahlin in Wien nicht zustande kam, wählte Josef Strauß schließlich das erste Promenade-Konzert seiner Kapelle in den Blumensälen der Gartenbaugesellschaft am 13. Juni und sein Benefiz-Konzert am 19. Juni 1868 im k.k. Volksgarten, um das Werk dem Publikum zu präsentieren. Die Polka verschwand allerdings erstaunlich rasch wieder aus den Programmen der Strauß-Kapelle, und von den Ausgaben des Verlages C.A. Spina, die ohne jede Widmung erschienen sind, ist auch nur der Klavierauszug im Original erhalten geblieben. Orchesterstimmen der Polka sind in späteren Abschriften gefunden worden. Wenn die Originalnoten auch weiterhin verschollen beiben, muss man sich wohl mit Rekonstruktionen behelfen.

[4] Pauline, Polka Mazur, op. 190

Der Ball der „Industriellen Gesellschaften", der am 28. Januar 1866 in den k.k. Redoutensälen abgehalten worden ist, stand unter dem Ehrenschutz Ihrer Durchlaucht, der Frau Fürstin Pauline Metternich-Winneburg, geb. Gräfin Sandor. Der Reinertrag des Balles sollte einem Projekt zufließen, das die unternehmungslustige und in Frankreich überaus einflussreiche Gattin des österreichischen Botschafters am Pariser Hof, Richard Fürst Metternich-Winneburg, in Angriff nehmen wollte, nämlich die Errichtung eines deutschen Spitals in der französischen Metropole. Selbstverständlich war für die Musik beim Industriellenball in der Wiener Hofburg die Strauß-Kapelle aufgeboten worden und Josef Strauß hatte auch den traditionellen Widmungswalzer vorbereitet, der - dem Zweck des Ballfestes angepasst, - den Titel „Deutsche Grüße", op. 191, erhielt. Da aber die Brüder Johann und Josef Strauß größten Wert darauf legten, mit Unterstützung durch die Fürstin Metternich im Jahr der Weltausstellung, 1867, in Paris erfolgreich konzertieren zu können, schrieben Johann Strauß einen weiteren Walzer, „Wiener Bonbons", op. 307 und Josef Strauß zu seinem Walzer „Deutsche Grüße" auch eine Polka Mazur mit dem Titel „Pauline". Alle diese Kompositionen sind der Fürstin gewidmet worden und wurden ebenfalls beim Industriellenball am 28. Januar 1866 im k.k. Redoutensaal vorgetragen. Die „Pauline-Polka Mazur" ist in der Klavierausgabe am 31. Januar 1866 im Verlag C.A. Spina im Druck erschienen.

Aber Josef Strauß hat auch eine zweite „Pauline-Polka Mazur" verfasst. Diese Komposition erschien - mit der Widmung an die Fürstin Pauline auf dem Titelblatt der Klavierausgabe - am 15. Februar 1866. Die Edition der Orchesterstimmen folgte am 7. Juli 1866. (Eine Orchesterausgabe der ersten „Pauline-Polka Mazur" dürfte nicht herausgegeben worden sein.) Da in der Folge der Titel „Pauline-Polka Mazur" nur selten in den Programmen der Strauß-Kapelle zu finden war, kann wohl auch nicht geklärt werden, welche Fassung Josef Strauß schließlich gelten ließ. Es dürfte wohl die zweite gewesen sein. Aber - bei welcher Gelegenheit diese Fassung uraufgeführt worden ist, ist derzeit noch nicht ermittelt.

[5] Soll und Haben, Walzer, op. 68

Die Gewerbetreibenden Wiens hatten unter der Wirtschaftskrise, die etwa ab dem Jahre 1846 die Donaumonarchie heimsuchte, lange Zeit hindurch in besonderem Maße zu leiden. Erst im Jahre 1855 hatte sich der Handelsstand, vom Grossisten bis zum Bedienungspersonal, soweit erholt, dass er im Karneval mit einem eigenen Ball im Etablissement „Zum Sperl" auf die gestiegene Bedeutung der Kaufmannschaft hinweisen wollte. Johann Strauß spielte bei diesem Ball seine übermütige „Handels-Elite-Quadrille", op. 166 zum ersten Male auf. Im Jahre 1859, und zwar am

21. Februar, wurde abermals ein „Handels-Elite-Ball" veranstaltet, diesmal im noblen Sofiensaal. Für die Ballmusik wurde wieder die Strauß-Kapelle aufgeboten, aber Johann Strauß erschien an diesem Abend nicht an der Spitze der Musiker. Er überließ den Ball seinem Bruder Josef. Dieser brachte auch die traditionelle Widmungskomposition mit, den Walzer „Soll und Haben".

Am nächsten Tag übernahm die „Theaterzeitung" einen Ballbericht der „Presse", in dem es u. a. hieß: „Ohne dem Tanzvergnügen durch Überfüllung der Räume Abbruch zu tun, war doch der Besuch ein recht zahlreicher. Die Jugend hatte das ungeheure Übergewicht. Das Fest verlief in ungetrübter, losgebundener Heiterkeit. Der Damenflor war prachtvoll. An dem von Strauß dargebrachten Gelegenheits-Walzer war der Titel ‘Soll und Haben’ das Beste."

Der Verleger Carl Haslinger ließ sich bis zum 21. August 1859 Zeit, um das Werk unter dem Doppeltitel „Soll und Haben" - „Handels-Elite-Ball-Tänze" zu veröffentlichen. Ob auch Orchesternoten gedruckt worden sind, konnte nicht ermittelt werden. Sie waren aber leicht herzustellen, da die Stichvorlage als Quelle zur Verfügung stand.

[6] Faust-Quadrille, op. 112

Josef Strauß hat seine Quadrille nach Motiven aus Charles Gounods Oper „Faust" im Sommer 1861 geschrieben und am 11. August in Carl Schwenders Etablissement „Neue Welt" in Hietzing zum ersten Male aufgespielt. In den Aufzeichnungen des Hornisten der Strauß-Kapelle, Franz Sabay, ist die Uraufführung des Werkes allerdings erst am 17. August 1861 eingetragen.

Da Charles Gounods erfolgreiche Oper „Faust" am 19. März 1859 in Paris ihre Premiere erlebt hatte, dürfte Josef Strauß den in der französischen Metropole erschienenen Klavierauszug zur Zusammenstellung seiner Quadrille verwendet haben. Im Wiener k.k. Hof-Operntheater nächst dem Kärntnerthor wurde das Bühnenwerk Gounods erst am 8. Februar 1862, und zwar unter dem Titel „Margarethe" gespielt. Die Erstaufführung der Oper in deutscher Sprache - dabei wurde aus Rücksicht auf das Drama Johann Wolfgang von Goethes der Titel „Margarethe" festgelegt, was übrigens der Übertragung des Stoffes in die Opernsphäre durchaus angemessen ist - hatte sich am 15. Februar 1861 in Darmstadt ereignet. Josef Strauß folgte also mit der Präsentation seiner Quadrille der Uraufführung der Oper in Paris im Abstand von mehr als zwei Jahren, kam aber der Wiener Erstaufführung um etwa sechs Monate zuvor.

Bei der Zusammenstellung der Themen für seine Quadrille ist Josef Strauß sehr geschickt vorgegangen. Er wählte für den ersten Teil (Pantalon) Szenen und Chor aus Nr. 2 des Klavierauszuges und für den zweiten Teil (Été) den Chor der Studenten aus Nr. 5 (Kirmes) und den Soldatenchor Nr. 22. Im dritten Teil (Poule) zitierte er Orchestervorspiel und Trinklied des Faust, Nr. 29, den vierten Teil (Trénis) bezog er aus der Kirchenszene des Mephisto und der Gefängnisszene Margarethes, den fünften Teil (Pastourelle) wieder aus dem Chor Nr. 5 (Kirmes). Im Finale liess er das Orchestervorspiel des Soldatenchores Nr. 22 und die Cavatine des Titelhelden Faust erklingen.

Da er mit diesem Werk Erfolg hatte und es immer wieder im Verlaufe der Saison 1861 dem Publikum vorführen konnte, ließ er weitere Arrangements nach Motiven aus Gounods Oper „Faust" folgen. Sein Bruder Johann schrieb die Bearbeitung einer Cavatine aus dem weltweit populären Bühnenwerk und verfasste schließlich in Russland für seine Sommerkonzerte in Pawlowsk ebenfalls eine „Faust-Quadrille", die allerdings nur im Verlag Büttner in

St. Petersburg (als op. 277) erschienen und in Wien nie gespielt worden ist.

[7] Hesperus-Ball-Tänze, Walzer, op. 116

Für die Karnevalsfeste der Künstlergesellschaft „Hesperus", der alle drei Brüder Strauß als Mitglieder angehört haben, war alljährlich eine Ballwidmung fällig, die selbstverständlich von einem Mitglied der Strauß-Familie (später von allen drei Brüdern) beigesteuert wurde. Im Jahre 1862 war Josef an der Reihe. Er schrieb für den „Hesperus-Ball" , der am 26. Februar 1862 im Dianasaal stattfand, eine Walzerpartie. Mit dem Namen des Werkes machte er sich keine Mühe. Er schrieb einfach über die Partitur „Hesperus-Ball-Tänze" und fügte die Widmung hinzu: „Der Künstler-Gesellschaft Hesperus". Im März 1862 ist das Werk mit diesem Titel und dieser Widmung im Verlag Carl Haslinger im Druck erschienen.

Ein langes Leben hatten die „Hesperus-Ball-Tänze" in den Programmen der Strauß-Kapelle allerdings nicht. Spätere Meisterwerke, die ebenfalls für die Faschingsfeste der Gesellschaft Hesperus komponiert worden sind, (darunter etwa der Walzer „Künstlerleben", op. 316 von Johann Strauß) haben Josefs liebenswürdige Arbeit ins Archiv abgedrängt. Gedruckte Orchesterstimmen sind bisher nicht aufgefunden worden - sie mussten nach der Original-Stichvorlage neu hergestellt werden.

[8] Mein schönes Wien, Albumblatt.

Im November 1880 hat der Berliner „Erler-Verlag" ein Albumblatt mit dem Titel „Mein schönes Wien" sowohl in einer Klavierausgabe als auch in einer Orchesterfassung herausgegeben. Als Autor wurde „J. Strauß" genannt. Da Johann Strauß als Autor nicht in Frage kam, lag die Vermutung nahe, dass es sich um ein Werk aus dem Nachlass des im Jahre 1870 verstorbenen Josef Strauß handeln könnte, das möglicherweise auf dem Umweg über St. Petersburg nach Berlin gekommen ist. Die russischen Kompositionen Josefs sind ja noch nicht vollständig erfasst. Der Verlag hat darüber keine Angaben gemacht.

Es ist also zweifelhaft, ob es sich tatsächlich um eine Arbeit von Josef Strauß handelt, es ist aber auch nicht auszuschließen. Im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien liegt ja auch eine „Fantasie" von Josef Strauß, die nicht veröffentlicht worden ist, deren Echtheit aber nicht bezweifelt wird. Jedenfalls handelt es sich bei diesem „Albumblatt" um eine interessante Komposition.

[9] Heilmethoden, Walzer, op. 189

Der Walzer „Heilmethoden" von Josef Strauß ist für den Fasching 1866 komponiert und beim Medizinerball am

16. Januar im Sofiensaal zum ersten Male aufgeführt worden. Das Werk wurde „Den Herren Hörern der Medizin an der Wiener Hochschule" gewidmet.

Über dem Fasching 1866 lag die Ahnung, dass die möglicherweise bevorstehende Auseinandersetzung der Donaumonarchie mit dem Königreich Preussen zu einem - von niemandem in Österreich gewollten - Krieg führen werde. Aber zu Beginn der Ballsaison wurde die Angst noch verdrängt. Daher konnte das „Fremden-Blatt" am

18. Januar 1866 in seiner Faschingschronik darauf verweisen, man könne es an allen Ecken Wiens sehen, dass „Prinz Carneval trotz seiner Jugend bereits mit Vollkraft regiert." Natürlich ging der Ballreporter auch auf den Medizinerball am 16. Januar 1866 im Sofiensaal ein und schrieb. „Der Besuch des Festes war im Vergleich zum Vorjahr ein viel besserer. Unter den Gästen befanden sich der Minister des Äußeren, Graf Mensdorf, fast sämtliche Professoren der medizinischen Fakultät sowie die Tänzerinnen Fanny Elssler und Fräulein Couqui. Getanzt wurde mit Seele und Ausdauer bei den schönen Klängen der Strauß’schen Kapelle, welche vor der Raststunde den neuen Walzer von Josef Strauß, ‘Heilmethoden’, brachte, eine charmante Komposition, deren Melodien auf die Tanzlust elektrisierend wirkten. Wie üblich spielte den zu Ehren der Mediziner komponierten Walzer die Kapelle und wiederholte denselben, worauf das zweite Mal bei dessen Klängen die Tanzbefähigung erprobt wurde, welche glänzend ausfiel. Dass dem Vortrag der Pièce der lebhafteste Beifall gespendet wurde, versteht sich wohl von selbst."

Bereits drei Tage später, am 19. Januar 1866, wurde die Klavierausgabe des Werkes an die Musikalienhandlungen ausgeliefert. Dass der Walzer in der Folge nicht nach Gebühr beachtet worden ist, geht wohl darauf zurück, dass Josef Strauß den Medizinern in den folgenden Jahren zwei geniale Kompositionen geliefert hat: im Jahre 1867 den Walzer „Delirien", op. 212 und im Jahre 1868 den Walzer „Sphärenklänge", op. 235. Aber auch die Walzerpartie „Heilmethoden" verdient die Beachtung durch die Nachwelt, weil sie ja die Zeitgenossen durchaus zufrieden gestellt hat.

[10] Euterpe, Polka Mazur, op. 82

Die Polka Mazur „Euterpe" von Josef Strauß ist in der ersten Hälfte des Faschings 1860 entstanden und beim Künstlerball am 22. Januar im Etablissement „Sperl" von ihrem Komponisten zum ersten Male aufgeführt worden. Der Name des Werkes wurde allerdings erst anlässlich der Ankündigung des Benefiz-Balles der Brüder Johann und Josef Strauß zum ersten Male erwähnt, der am 13. Februar 1860 im Sofiensaal stattgefunden hat. Für diesen Ball wurde die Devise ausgegeben: „Karnevals Perpetuum mobile - Tanz ohne Ende". Jeder der beiden Musikdirektoren leitete an diesem Abend ein eigenes Orchester. Die Ensembles wechselten miteinander ab und boten den Tanzlustigen ein Programm von etwa 50 Tänzen.

Selbstverständlich wurden alle vor diesem Termin im Fasching 1860 bereits gespielten Novitäten berücksichtigt. Das waren im Falle Josef Strauß der Walzer „Die Zufälligen", op. 85, die Polkatänze „Adamira", op. 76, „Figaro", op. 83, „Cupido", op. 81, sowie die Polka Mazur „Euterpe". Diese ist allerdings erst im Juni 1860 im Druck erschienen. Der Titel des Werkes, der sich von dem Namen der griechischen Göttin der lyrischen Dichtung und Musik, insbesonders des Flötenspiels, herleitet, erinnert daran, dass sich im Januar 1860 ein Orchester der Künstervereinigung „Euterpe" der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Die Musikerschar hatte unter der Leitung des Kapellmeisters Franz von Suppé im alten Zeughaus Am Hof ein anspruchsvolles Programm geboten. Es gab aber derart vernichtende Kritiken, dass weitere Veranstaltungen offenkundig nicht mehr zustande gekommen sind. Die Polka Mazur „Euterpe" hat mehr Anklang gefunden: das Werk fehlte in keinem Programm der folgenden Monate, es wurde von der Strauß-Kapelle sowohl bei den Bällen als auch bei der Karnevals-Revue im k.k. Volksgarten und bei den Konzerten bis in den Sommer hinein immer wieder vorgetragen. Dann freilich verschwand die Polka Mazur im Archiv.

[11] Die Soubrette, Polka (schnell), op. 109

Unter einer Soubrette verstand man zunächst sowohl in Frankreich als auch in der Donaumonarchie Österreich bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ein raffiniert schlaues, auf seinen persönlichen Vorteil bedachtes Stubenmädchen. Auch das Titelblatt der Klavierausgabe der Polka „Die Soubrette" von Josef Strauß zeigt ganz eindeutig eine kokette Hausangestellte in aufwendiger Toilette, die gerade einen kleinen Blumenstrauß am Rande ihres weit ausgeschnittenen Kleides befestigt. Der Rollentyp der Theatersoubrette entwickelte sich erst in der Blütezeit der Operette. Im Sommer 1861, als Josef Strauß seine flotte Polka komponierte, verwendete man die Bezeichnung Soubrette noch nicht für eine Tanz-Sängerin.

Über Ort und Zeit der Uraufführung dieses Werkes gibt es verschiedene Angaben. Franz Sabay hat notiert: „‘Die Soubrette’, 6. August 1861, bei Dommayer". Das dürfte nicht richtig sein, denn für den 6. August war ein Strauß-Konzert im k. k. Volksgarten annonciert. Josef Strauß hat in seine Aufzeichnungen eingetragen: „‘Die Soubrette’,

8. August 1861, Dommayer". Überdies wurde die Polka auch für das Fest am 15. August 1861 in der „Neuen Welt" als Novität angekündigt.

Wahrscheinlich wurde die Polka „Die Soubrette" am 6. August im k.k. Volksgarten zum ersten Male präsentiert und sowohl am 8. August wie am 15. August wiederholt. An Beifall dürfte es dem flotten, amüsanten Werk nicht gefehlt haben. Es gehört zu der großen Zahl von Sommerkompositionen von Josef Strauß aus dem Jahre 1861, die dem Publikum fast ausnahmslos gefallen konnten, aber trotzdem den nachfolgenden Novitäten im Repertoire der Strauß-Kapelle weichen mussten. Das waren eben die Modalitäten im „Walzergeschäft".

Franz Mailer


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