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8.225090 - MOYZES: Symphonies Nos. 5 and 6
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Alexander Moyzes (1906-1984)

Sinfonien Nr. 5 und 6

Alexander Moyzes, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der slowakischen Musik im 20. Jahrhundert, wurde im Jahre 1906 in der Nordslowakei geboren. Er entstammte einer musikalischen Familie und wurde früh gefördert. Im Jahre 1925 trat er in das Prager Konservatorium ein und studierte Orgel, Dirigieren und Komposition. Nachdem er sein Studium 1929 abgeschlossen hatte, wurde er in die Meisterklasse von Vítezslav Novák aufgenommen. Ein Jahr später legte Moyzes mit seiner Ouvertüre für Orchester op.10 eine brillante Abschlußarbeit vor. Auf Nováks Anregung hin begann er sich mit der slowakischen Musik näher zu beschäftigen, die zu einer wichtigen Inspirationsquelle für seine Kompositionen werden sollte. Im Jahre 1929 erhielt Moyzes einen Lehrauftrag an der Musikakademie in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, 1941 wurde er zum Professor für Komposition am Konservatorium der Stadt ernannt. Daneben leitete er viele Jahre lang die Musikabteilung des slowakischen Rundfunks, bis er sein Amt 1948 niederlegen mußte. 1949 wurde er Professor für Komposition an der neu gegründeten Musikhochschule Bratislava. Nicht weniger als drei Generationen slowakischer Komponisten sind von ihm ausgebildet worden. Von 1965 bis 1971 stand er der Hochschule als Rektor vor, über Jahrzehnte hat er das Musikleben seines Landes entscheidend mitgestaltet.

Alexander Moyzes zählt, neben Eugen SuchoÀ und Ján Cikker, zu den drei führenden Komponisten seiner Generation in der Slowakei. Ihm gelang es, einen Stil zu schaffen, der durch und durch slowakisch inspiriert war, aber auch neue Tendenzen in der europäischen Musik einbezog. In seinen späteren Jahren verschmolzen diese Einflüsse zu einer untrennbaren Einheit. Die beiden vorliegenden Sinfonien entstanden in einer glücklichen und sorgenfreien Zeit. Sie repräsentieren den schlichten und optimistischen Stil in Moyzes’ Sinfonik, in dem das Düstere und Konflikthafte noch keine Rolle spielt.

Die Sinfonie Nr.5 op.39 mit dem Untertitel „nach dem Erbe meines geliebten Vaters" wurde zwischen Dezember 1947 und April 1948 komponiert, Moyzes widmete sie dem fünften Todestag seines Vaters. Mikulás Moyzes (1872-1944), ein begabter Musiker und Lehrer, unterrichtete seinen Sohn Alexander von früher Kindheit an und ermunterte ihn, Komposition zu studieren. Moyzes’ Vater gehörte, neben Viliam Figus-Bystry und Mikulás Schneider-Trnavsky, zu den frühen Vertretern der slowakischen Nationalmusik, die sich erstmals an die sinfonische Großform heranwagten. Alexander Moyzes war von einigen Orgel- und Orchesterwerken seines Vaters tief berührt und versuchte sie zu modernisieren. Genau das ist der Fall in seiner Sinfonie Nr.5, in der er die Kleine Bergsinfonie seines Vaters verarbeitet und neu instrumentiert hat, um sie musikalisch seiner eigenen Zeit anzupassen.

Der formale, melodische und harmonische Grundriß der Sinfonie ist klar und durchsichtig. Der erste Satz Allegro animato ist vom Aufbau her traditionell. Die beiden Themen verwenden Elemente des slowakischen Volkstanzes, im zweiten Thema übernimmt Moyzes ein Volkslied aus der Ostslowakei. Sie werden in einer rhythmisch betonten Durchführung verarbeitet und kehren in einer veränderten Reprise wieder. Der zweite Satz Adagio molto beweist Moyzes’ vollendete Beherrschung der Instrumentation und des formalen Aufbaus. Der dritte Satz Allegro ma non troppo bringt ein heiter-beschwingtes Thema in der Flöte und in der Oboe, das schon beinahe operettenhafte Züge trägt. Das Allegro fresco e vivace ist ein virtuoser Finalsatz, der von einer fortlaufenden Sechzehntelbewegung vorangetrieben wird. Im Mittelteil zitiert Moyzes ein weiteres ostslowakisches Volkslied, bevor er die Sinfonie zu einem triumphalen Ende bringt.

Die Sinfonie Nr.6 op.45 wurde im Januar 1951 vollendet und im Mai desselben Jahres von der Slowakischen Philharmonie uraufgeführt. In diesem Werk verwendet Moyzes thematisches Material aus seinem 1933 entstandenen Concertino für großes Orchester op.18, das ursprünglich als Klavierkonzert gedacht war. Der erste der fünf Sätze ist eine kurze Einleitung, der zweite ist der eigentliche Hauptsatz in klassischer Form. Der langsame Satz steht an dritter Stelle, gefolgt von einem Scherzo und dem Finalsatz. Der Aufbau und die Verarbeitung des Materials ist in jeder Hinsicht klar und symmetrisch, von der schlichten Themenexposition bis hin zu dem brillanten Fugato im abschließenden Allegro ben ritmico.

Ivan Marton

Deutsche Fassung: Tilo Kittel


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