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8.225181 - CIMAROSA: Overtures
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Domenico Cimarosa (1749-1801)

Domenico Cimarosa (1749-1801)

Ouvertüren, Folge 1

Domenico Cimarosa war der berühmteste und populärste italienische Komponist der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. Im Laufe seiner glanzvollen Karriere komponierte er mehr als 65 Opern sowie zahlreiche Instrumentalstücke und geistliche Werke. Seine Opern wurden - im italienischen Original und in anderen Sprachen - in ganz Europa aufgeführt. Einige erlebten auch im 19. Jahrhundert noch gelegentliche Aufführungen; sein berühmtestes Werk, Il matrimonio segreto, gehört zu einer Handvoll Opern aus jener Zeit, die sich bis heute im Repertoire behaupten konnten. Die anderen stammen aus Mozarts Feder.

Geboren 1749 in Averso, gelangte Cimarosa kurz nach seiner Geburt und kurz vor dem Tod seines Vaters, der Maurer war, mit der Familie nach Neapel. Dank seines musikalischen Talents konnte er am Conservatorio di S. Maria di Loreto studieren und begann seine Karriere als Opernkomponist in Neapel. Von dort ging er nach St. Petersburg an den Hof Katharinas der Großen und folgte später einem Ruf an den kaiserlichen Hof in Wien. 1793 nach Neapel zurückgekehrt, mußte er wegen seiner Beteiligung am neapolitanischen Aufstand die Stadt 1799 verlassen, als nach einer kurzen republikanischen Periode die Monarchie wieder eingeführt wurde. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Venedig, wo er 1810 starb.

Cimarosas Opern zeichnen sich durch vorzügliche Charakterzeichnung, melodische Erfindungsgabe und gekonnte Orchesterbehandlung aus. Die Ouvertüren sind in sich selbst von besonderem Interesse. Einige entsprechen dem früheren dreisätzigen neapolitanischen Muster, während in anderen ein einsätziges, dem Sonatenformprinzip der zeitgenössischen Sinfonie ähnliches Schema bevorzugt wird. Letzterem ähneln sie auch in der Instrumentierung, obwohl ein dreistimmiger Streichersatz für sie typisch ist, wobei das thematische Material gewöhnlich von 1. Violinen und Bratschen vorgestellt wird, während die 2. Violinen Begleitfiguren beisteuern. Bei allen Ähnlichkeiten sind diese Ouvertüren jedoch keine Sinfonien; sie dienen eher als Einstimmung auf das folgende Bühnengeschehen und besitzen keine thematischen Bezüge zur eigentlichen Oper, wodurch sie mehr oder weniger austauschbar sind. Die hier eingespielte Auswahl enthält die Ouvertüre zu Cimarosas allererster Oper, Le stravaganze del conte, sowie die zu seiner berühmtesten, Il matrimonio segreto.

Voldomiro war eine Auftragsarbeit für die Karnevalsspielzeit des Turiner Teatro Regio; andere Aufführungen sind nicht belegt. Abschriften der Partitur und des Librettos sind jedoch in Lissabon bzw. Lüttich erhalten, was auf ein breiteres zeitgenössisches Interesse schließen läßt. Für die Turiner Aufführung hatte sich der König, der eine kürzere Aufführungsdauer von Opern durchgesetzt hatte, überreden lassen, Cimarosa fünf zusätzliche Minuten für eine der Arien in Voldomiro zu gestatten; weniger großzügig war jedoch das für eine erfolgreiche Aufführung in Aussicht gestellte Honorar.

Seine zweiaktige opera buffa Il credulo (Der Leichtgläubige) schrieb Cimarosa für die Karnevalssaison 1786 des Teatro Nuovo in Neapel. Als dritter Akt des Abends diente La baronessa Stramba, vermutlich die Bearbeitung eines früheren Stücks, I matrimoni in ballo.

Seinen ersten Auftrag vom Teatro dei Fiorentini in Neapel erhielt Cimarosa für die Karnevalsspielzeit des Jahres 1772. Die Oper mit dem Titel Le stravaganze del conte (Die Extravaganzen des Grafen), auf ein Libretto des bekannten neapolitanischen Dichters Pasquale Mililotti, erlebte ihre Uraufführung am 6. Januar 1772. Möglicherweise stammen Teile dieses Werks aus der Studentenzeit des Komponisten. Da es sich bei dem einzigen erhaltenen Manuskript von Le stravaganze del conte um ein handgeschriebenes Partitur-Autograph handelt, muß man annehmen, das es nie zu weiteren Aufführungen kam.

Il matrimonio segreto (Die heimliche Ehe) ist nicht nur Cimarosas bekanntestes und beliebtestes Bühnenwerk, sondern vielleicht sogar die populärste opera buffa überhaupt. Uraufgeführt in Wien genau zwei Monate nach Mozarts Tod, war sie zu jener Zeit erfolgreicher als irgendeine Oper des Salzburger Meisters und behauptete auch im folgenden Jahrhundert ihren Platz im Opernrepertoire. Sie wurde mit Aufführungen in Leipzig, Dresden, Berlin, Paris, Mailand, Florenz, Neapel, Turin, Madrid und Lissabon auch außerhalb Wiens bekannt und war bis Mitte des 19. Jahrhunderts bereits in deutscher, französischer, spanischer, dänischer, schwedischer, polnischer, niederländischer, russischer, englischer sowie tschechischer Sprache aufgeführt worden; 1870 gelangte sie sogar nach Calcutta. In den vielen zeitgenössischen Partiturabschriften begegnen zwei bekannte Fassungen der Ouvertüre von jeweils unterschiedlicher Länge. Die auf dieser CD vorgestellte Version, eine Ersteinspielung, basiert auf Cimarosas Partitur der Wiener Aufführung und unterscheidet sich wesentlich von anderen Fassungen, vor allem durch die Hinzufügung einer schönen Oboenmelodie als Nebenthema.

Cimarosas commedia per musica L’infedeltà fedele (Treue in der Untreue), seine fünfzehnte Oper, ist einzigartig in ihrer frühen Mischung aus opera buffa und opera seria. Das Werk war für ein neues Theater in Neapel bestimmt, das vom König für die Gattung der opera buffa vorgesehen war, und zwar nicht wie üblich nur zur Belustigung gewöhnlicher Bürger, sondern als Kunstform auch für den Adel. Am 20. Juli 1779 wurde dieses Teatro del Fondo mit Cimarosas neuer Oper eröffnet, die der Hoflibrettist Giambattista Lorenzi als eine Mischform der Unterhaltung beschrieb, wobei die im klassischen Griechenland angesiedelten seria-Elemente mit einer Handlung verschmolzen werden, die reich an „heutzutage so modischen Buffonerien" ist. Die einzige später dokumentierte Aufführung fand am 5. Oktober in deutscher Übertragung im Dresdner Hoftheater statt.

Il ritorno di Don Calendrino (Die Rückkehr des Don Calendrino), ein Intermezzo in zwei Akten, wurde während der Karnevalssaison des Jahres 1778 am Teatro Valle in Rom uraufgeführt. Die Oper hatte beim Publikum Erfolg, und weitere Aufführungen fanden in Florenz, Livorno, Prag, Barcelona und Wien statt. Die Ouvertüre macht Anleihen bei der kurz zuvor entstandenen Oper L’Armida imaginara, wobei Cimarosa zwei vollständig neue Sätze hinzufügte, ein zentrales Andantino und ein abschließendes Allegro con spirito.

Die komische Oper Il Falegname (Der Schreiner) entstand als zweites Werk für die Spielzeit des Jahres 1780 am Teatro dei Fiorentini in Neapel und hatte beträchtlichen Erfolg. Zahlreiche Aufführungen fanden danach an anderen italienischen Häusern sowie 1783 am Wiener Burgtheater statt. Haydn führte die Oper in der Spielzeit 1783-84 in Eszterháza auf. Hinzu kamen Aufführungen auch in anderen Sprachen, z.B. 1783 in russischer Übersetzung in Moskau und zehn Jahre später in einer spanischen Textfassung in Madrid.

Cleopatra, ein zweiaktiges dramma serio, schrieb Cimarosa für Katharina die Große, vermutlich anläßlich des Jahrestags ihrer Krönung einige Tage vor der Uraufführung am 27. September 1789 im Kamennyi-Theater. Die Oper hatte großen Erfolg und wurde in St. Petersburg mehrfach wiederholt. Die Ouvertüre verwendete Cimarosa auch für frühe Aufführungen seiner Oper Penelope, die er fünf Jahre später zur Eröffnung der Karnevalssaison 1794-95 des Teatro del Fondo in Neapel komponierte. Die für Penelope bearbeitete Fassung der Ouvertüre unterscheidet sich in einer Anzahl kleinerer Details.

Il convito (Das Gastmahl) war Cimarosas 28. Oper, geschrieben für das Teatro San Samuele in Venedig und dessen Karnevalssaison des Jahres 1782. Nach dieser Aufführung, die so erfolgreich war, daß man den Komponisten in einem Fackelzug zu seinem Hotel geleitete, wurde die Oper in der folgenden Spielzeit in Prag, Triest, Dresden, Turin (mit dem Titel Il convito di pietra) und Nizza inszeniert; weitere Aufführungen folgten in ganz Europa. Zu Il convito existieren zwei verschiedene Ouvertüren; die hier eingespielte dreisätzige Fassung stammt aus dem handschriftlichen Autograph in der Musikaliensammlung des Conservatorio di Musica S. Pietro a Majella in Neapel. Die zweite - einsätzige - Ouvertüre, deren Manuskript zu den Beständen des Britischen Museums zählt, entstand offenbar für eine Aufführung der Oper am neapolitanischen Hof. Besetzt mit je zwei Flöten, Oboen und Fagotten sowie Pauken und Streichern (mit geteilten Bratschen und getrennten Stimmen für Violoncello und Kontrabaß) ist sie identisch mit der letzten der fünf für L’impresario in angustie komponierten Ouvertüren.

La vergine del sole (Die Sonnenjungfrau) ist ein dramma serio, geschrieben für den russischen Hof, wo 1788 auch die Premiere stattfand. Es folgten weitere Aufführungen sowohl in Rußland als auch in anderen Ländern. Die üppige Besetzung des Petersburger Orchesters nutzte Cimarosa zur musikalischen Wiedergabe der dramatischen, in Peru spielenden Handlung; so ist auch die Ouvertüre mit je zwei Flöten, Oboen, Fagotten und Hörnern zusätzlich zu Pauken und Streichern groß besetzt, wobei laute Ausbrüche in Streichern und Pauken Vulkaneruptionen und Erdbeben schildern. Die ungewöhnliche Verwendung der Pauken dient darüber hinaus vielleicht auch der Andeutung von Opfertrommeln der peruanischen Eingeborenen.

Das Teatro Nuovo in Neapel beauftragte Cimarosa mit der Komposition einer opera buffa für die Karnevalsspielzeit 1786. Il credulo (Der Leichtgläubige), auf ein Libretto von Giuseppe Diodati, mit dem Cimarosa bereits bei Il capriccio drammatico von 1781 zusammengearbeitet hatte, erzählt die Geschichte eines Mannes, der seine Tochter mit einem leichtgläubigen Neapolitaner verheiraten möchte, dem ein eifersüchtiger Liebhaber im Wege steht, der das Gerücht verbreitet, daß die besagte Dame dem Wahnsinn verfallen sei. Angesetzt als dritte Oper der Karnevalssaison 1786 - zusammen mit Cimarosas einaktiger Komödie L’impresario in angustie, wurde sie vom Publikum positiv aufgenommen und noch in derselben Saison als vierte Oper angesetzt, diesmal in einer Kopplung mit La baronessa Stramba.

Die einaktige farcetta per musica L’impresario in angustie (Der Impresario in Not) wurde eine von Cimarosas erfolgreichsten Opern. Innerhalb eines Jahres nach der Uraufführung von 1786 am Teatro Nuovo in Neapel erschien das Werk bereits in Rom auf der Bühne und erlebte weitere Aufführungen in Paris, Barcelona und Eszterháza. Goethe hörte die Oper in Rom, wo sie gemäß einer päpstlichen Anordnung, welche die Mitwirkung von Sängerinnen untersagte, nur von männlichen Darstellern aufgeführt wurde. Beeindruckt von der Qualität der Partitur, brachte er das Werk 1791 in Weimar zur Aufführung, und zwar in eigener deutscher Fassung mit zusätzlichen Gesangsnummern. Bei der Wiederaufnahme im Jahr darauf fügte er Teile aus Mozarts Schauspieldirektor ein. Es existieren mindestens fünf verschiedene Fassungen der Ouvertüre zu L’impresario in angustie; jede ähnelt anderen Opernouvertüren, Oratorien und Kantaten Cimarosas. Die hier eingespielte, bekannteste Fassung basiert auf einem Manuskript aus dem 18. Jahrhundert, das in der Pariser Nationalbibliothek aufbewahrt wird und das als Quelle der Pariser Druckausgabe von 1802 diente.

Nick Rossi und Allan Badley

Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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