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8.225263 - LUMBYE: Orchestral Works, Vol. 8
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Sämtliche Orchesterwerke, Folge 8

[1] Velkomsthilsen, Marsch [Willkommensmarsch] (En avant, Marche) (1851)
Der Willkommensmarsch, der in den frühesten Fassungen den Untertitel ‚Willkommensgruß für die dänischen Soldaten’ trug, entstand für den Empfang der aus dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1849-50 heimkehrenden Truppen. Der Marsch erklang erstmals am 4. Februar 1851 im Casino-Theater und erlangte innerhalb kürzester Zeit eine so große Popularität, dass Lumbye ihn in sein ständiges Tivoli-Repertoire aufnahm. Unter dem neuen Titel En avant, Marche wurde er erstmals am 29. Juli 1851 in dem berühmten Kopenhagener Vergnügungspark aufgeführt. Das Stück ist ein gekonnter Beitrag zum Militärmusik-Genre und hat sich in Arrangements für Blechbläser einen festen Platz in der dänischen Militärmusik erobert.

[2] Döbler’s Zauber Galop (1841)
Inspiriert von den so genannten ‚Abendunterhaltungen’ des Zauberers Louis Döbler auf der Bühne des Kgl. Hoftheaters im Frühjahr 1841 komponierte Lumbye diesen Zaubergalopp, der bei einem Konzert in den Rosenborg-Gärten am 31. August desselben Jahres uraufgeführt wurde. Der Taschenspieler und Gaukler Döbler war einer der berühmtesten Zauberer seiner Zeit und trat in ganz Europa in Königspalästen und Adelshäusern sowie bei öffentlichen Veranstaltungen auf. Sein Gastspiel in Kopenhagen im Jahr 1841 leitete eine ganze Serie von Auftritten reisender Zauberer ein. Lumbyes zündender Galopp, einer seiner besten, reflektiert die

[3] Alhambra, Romantisk Vals [Alhambra, Romantischer Walzer] (1847)
Für ein arabisches Festival im Tivoli komponierte Lumbye seine romantische Walzersuite Alhambra, die bei einem dortigen Konzert am 8. August 1847 zum ersten Mal erklang. Die Suite beginnt mit einem Andante, dem fünf Walzer und ein Finale folgen, in dem u.a. mehrere Motive des zweiten Walzers wiederkehren. Die Suite besticht durch eine äußerst lyrische, nahezu mystische Einleitung und durch die große Verschiedenartigeit der einzelnen Walzerpartien, die dem Ganzen den Charakter einer Miniatur-Tondichtung verleihen. Mit ihrem ständigen Stimmungswechsel ist diese Walzerfolge eine von Lumbyes charakteristischsten Tanzsuiten.

[4] Tivoli Bazar Tsching-Tching Polka (1843)
Eine der Hauptattraktionen des im Sommer 1843 eröffneten Tivoli-Parks war der ‚Bazar’ mit seinen zahlreichen fernöstlichen Ständen, in denen Händler ihre exotischen Waren zum Verkauf feilboten. Der chinesiche Stand, der angeblich nach einer Zeichnung entstanden war, die der Kaiser von China dem Direktor geschickt haben soll, gehörte zu den beliebtesten Attraktionen des Parks. Lumbye komponierte seine Tsching-Tching Polka als eine Art Werbung für diesen exotischen Stand; er beendete die Arbeit am 8. September 1843 und führte das Stück erstmals am 15. September bei einem Konzert im Tivoli auf.

[5] Les Zouaves, Galop (1859)
Les Zouaves war der Name eines nach der Eroberung Algeriens im Jahr 1830 gebildeten Eliteregiments der französischen Infanterie. Dieses Regiment wurde 1831 auf drei Bataillone erweitert; 1852 ließ Napoleon III. aus jedem Bataillon ein zusätzliches Regiment bilden, während die kaiserliche Garde dieses Jahres ein eigenes, aus zwei Bataillonen bestehendes Regiment bildete. Seitdem bestanden die Zouave-Regimenter hauptsächlich aus eigens selektierten Pariser Soldaten, die sich im Krieg ausgezeichnet hatten. Lumbye komponierte seinen spritzigen Militärgalopp Les Zouaves am 8. Mai 1859 als Verbeugung vor diesem französischen Eliteregiment. Inspiriert wurde er dazu von einem Zouave-Corps, das Ende 1858 in einer Reihe von nachgestellten Szenen, sog. tableaux vivants, im Kopenhagener Folketeater zu großem Beifall des Publikums auftrat. Das Stück, das bei einer öffentlichen Veranstaltung im Konzertsaal des Tivoli am 28. Mai 1859 erstmals gespielt wurde, zählt zu Lumbyes besten und am brillantesten instrumentierten Galopps.

[6] Kong Georg den 1.s Honneur Marsch [Ehrenmarsch für König Georg I.] (1863)
Lumbye komponierte diese Hommage an Griechenlands König Georg I. anlässlich des Kopenhagen-Besuchs einer vom Freiheitshelden Kanaris entsandten griechischen Delegation. Der dänische Prinz war am 6. Juni 1863 von der griechischen Nationalversammlung zum König ernannt worden und begann seine Regentschaft in Athen als Georg I. am 31. Oktober desselben Jahres. Lumbyes Marsch zu Ehren des ersten griechischen Monarchen aus dem Hause Glücksborg erschien zuerst in einer Klavierbearbeitung im September 1863.

[7] Rosenborg Polka-mazurka (1849)
Für eine öffentliche Benefizveranstaltung in den Rosenborg-Gärten „für die bedürftigen Jütländer“ in Dänemarks Krieg gegen Deutschland choreographierte der Ballettmeister August Bournonville eine Reihe von Tänzen, die von seinen jüngsten Elevinnen und Eleven zu eigens für diesen Anlass von Lumbye komponierter Musik aufgeführt wurden. Als Intermezzo zwischen diesen Tänzen schrieb Lumbye seine charmante Rosenborg Polka-mazurka, die er Bournonville anlässlich von dessen Ernennung zum Ritter von Dannebrog widmete. Der Tanz, der am 16. August 1849 uraufgeführt wurde, ist Ausdruck der engen und fruchtbaren Freundschaft, die beide Künstler miteinander verband, und die um die Jahrhundertmitte in einer ganzen Serie herrlicher Tänze und Ballett- Divertissements ihren Niederschlag fand.

[8] Ole Lukøje, Galop phantastique (1851)
Diesen ungewöhnlichsten und ausgedehntesten seiner Galopps komponierte Lumbye als Orchesterfantasie zur Illustration von Hans Christian Andersens Märchen Ole Lukøje. Eine dramatisierte Fassung dieser Geschichte wurde am 1. März 1850 im Casino-Theater uraufgeführt, und Lumbye wollte sich die Chance nicht entgehen lassen, für diese Aufführung die passenden Intermezzi zu komponieren. Er schrieb den Galopp, der die vielen unterschiedlichen Schauplätze und Stimmungen des Märchens beschreibt, im selben Jahr und widmete ihn Hans Christian Andersen. Das Stück wurde im März und April 1851 vollendet und am 21. Mai im Casino-Theater zum ersten Mal gespielt. Der Galopp besteht aus drei Abschnitten, wobei jeder Teil ursprünglich als Einleitung der drei Akte der Bühnenfassung gedacht war. Zu Lumbyes großem Leidwesen wurde seine Musik jedoch nie für eine Bühnenaufführung von Ole Lukøje verwendet und nur als Konzertstück gespielt.

[9] Tivolis Damp-Carouselbane Galop [Tivolis Dampfkarussell-Galopp] (1843)
Nach dem Signal der Startglocke beginnt sich in diesem Galopp das nach neuester Technik dampfbetriebene, faszinierende Karussell zu drehen. Es gehörte im Eröffnungsjahr zu den Hauptattraktionen des Tivoli-Parks. In Lumbyes Stück erhalten sowohl die Musiker als auch das Publikum mit Ausrufen und Fußstampfen zum Takt der Musik Gelegenheit, ihre Begeisterung für dieses neuartige technische Wunderwerk zu bekunden. Der Galopp war einer von vielen ähnlichen Stücken, mit denen Lumbye die verschiedenen Amüsements der Tivoli-Eröffnung musikalisch würdigte. Am 13. September 1843 erschien eine Ausgabe für Klavier mit einer lithographischen Illustration des Karussells auf dem Titelblatt.

[10] Agnes Polka (1850)
Seine Agnes Polka widmete Lumbye der damals erst neunjährigen Agnes Lange, die viele Jahre danach als berühmte Schauspielerin am Kgl. Theater auftrat und später den Opernsänger Jens Larsen Nyrop heiratete. Lumbye gab seiner musikalischen Hommage die Form einer liebenswürdigen und energischen Polka, in der sich sowohl die Lebhaftigeit als auch der mädchenhafte Charme der Widmungsträgerin widerspiegelt. Die Polka erklang erstmals am 22. März 1850 bei einem Konzert im Casino-Theater.

[11] Alexandra Polka (La Lithuanienne, Pas seul) (1844)
Die Arbeit an seiner charmanten Alexandra Polka mit ihren zahlreichen triolischen Figuren und Synkopierungen beendete Lumbye am 8. Januar 1844. Die Uraufführung fand am 7. Juni desselben Jahres bei einem öffentlichen Konzert im Tivoli unter dem Titel Alexandra Polka statt; bekannt wurde das Stück jedoch unter einem anderen Namen, nämlich als das Ballett-Divertissement La Lithuanienne. Am 5. November 1844 führte die Solotänzerin Augusta Nielsen einen Tanz dieses Typus zu Lumbyes Alexandra Polka am Kgl. Theater auf. Der Choreograph dieses im litauischen Nationalkostüm aufgeführten Stücks war der französische Tänzer François Lefèbvre. Der Tanz gehörte zu einer langen Reihe von nationalen Miniaturen, die sich in den Jahren des romantischen Balletts großer Beliebtheit erfreuten. Lumbyes Alexandra Polka, erweitert zu einem Divertissement mit ausgedehnter

[12] Den lille trompet, Galop (La petite trompette) [Die kleine Trompete] (1847)
Der Kleine Trompetengalopp ist eine spritzige Komposition mit Soloeinlagen für hohe Trompete. Das Werk wurde vermutlich für einen talentierten jungen Trompeter komponiert. Lumbye, der selbst ausgebildeter Trompeter war und in seiner Jugend im Orchester der Kgl. Reitergarde gespielt hatte, schöpft in diesem Galopp, der deutlich seine Vorliebe für Blechblasinstrumente unter Beweis stellt, aus dem Vollen. Uraufgeführt bei einem Tivoli-Konzert am 13. August 1848 wurde das Stück aufgrund seiner Popularität sowohl in Dänemark als auch in Deutschland in den folgenden Jahren in vielen Klavierbearbeitungen veröffentlicht.

[13] Alberta Vals [Alberta-Walzer] (1855)
Als einer von wenigen Lumbye-Walzern beginnt Alberta beinahe im slawischen Stil mit einer con-moto-Einleitung im Moll. Es folgen fünf lyrische Walzer in Durtonarten, alternierend mit lebhafteren Passagen, und ein kurzes Finale, in dem Teile des ersten Walzers wiederholt werden. Diese Walzersuite, erstmals erklungen am 15. September 1855 im Tivoli, ist eine von vielen Kompositionen Lumbyes, die nach Damen benannt sind, deren Identität heute nicht mehr festzustellen ist. Der Alberta-Walzer erschien in einem Klavierarrangement im Leipziger Verlag Breitkopf & Härtel als eines von mehreren Stücken Lumbyes, die nur außerhalb Dänemarks veröffentlicht wurden.

[14] Tivolis Rutschbane Galop [Tivolis Achterbahn-Galopp] (1843)
Die beliebteste Attraktion des Tivoli-Vergnügungsparks war im Eröffnungsjahr 1843 die Achterbahn. Neben vielen anderen Stücken, mit denen Lumbye die verschiedenen anderen Attraktionen in Noten beschrieb, komponierte er auch diesen eindrucksvollen Rutschbane Galop. Mit den vielen Glissandi und Oktavpassagen folgt die Musik der halsbrecherischen Berg- und Talfahrt der Achterbahn. Der am 11. August 1843 komponierte Galopp wurde vier Tage später erstmals im Tivoli gespielt und gehörte lange zu Lumbyes beliebtesten Stücken. Wenig später erschien er in einer Fassung für Klavier mit einer lithographischen Illustration der Achterbahn auf dem Titelblatt.

Knud Arne Jürgensen
Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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