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8.550744 - WIENIAWSKI: Violin Showpieces
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Henryk Wienlawski (1835-1880)
Kompositionen für Violine und Klavier

 

Henryk Wieniawski wurde am 10. Juni 1835 als Sohn des Militärarztes Tadeusz Wieniawski in Lublin geboren. Seine Mutter Regina war die Tochter des angesehenen polnischen Pianisten Edward Wolff. Offenbar erkannten die Eltern früh die musikalische Begabung ihres Sohnes, und sie konnten es sich leisten, ihn in die besten pädagogischen Hände zu geben: Sein erster Lehrer war ein Schüler von Louis Spohr gewesen, der zweite unterrichtete unter anderem auch Joseph Joachim.

Henryk wurde schon 1843 vom Pariser Konservatorium angenommen, wo er solche Fortschritte machte, dass ihm der russische Zar eine prächtige Guarneri-Violine schenkte.

1848 begann der Siegeszug des Virtuosen Wieniawski, der innerhalb kürzester Zeit alle europäischen Metropolen für sich einnehmen konnte - und das nicht nur dank seiner außerordentlichen geigerischen Begabungen, sondern auch, weil er über eine erstaunliche physische Kondition verfügte: So gab er bei einer zweijährigen Konzerttournee in Russland sage und schreibe 195 Konzerte.

1872 besuchte er gemeinsam mit dem Komponisten und Pianisten Anton Rubinstein die USA. Man erzählt sich, dass die beiden Künstler zwar mehr als siebzig Mal Beethovens Kreutzer-Sonate aufgeführt, während der Reise aber kein Wort miteinander gewechselt hätten – Wieniawski sei empört gewesen, dass der Name seines Klavierpartners auf den Plakaten größer gedruckt war als sein eigener.

Der musikalische Triumph des Henryk Wieniawski ließ nichts zu wünschen übrig. Schon 1860 wurde er von Zar Alexander II. zum Hof-Violinisten ernannt, außerdem erhielt er eine Professur am Moskauer Konservatorium, wo Eugène Ysaye sein Schüler wurde. Doch er beschränkte sich nicht auf solistische Darbietungen. Als Bratscher spielte er mit Joseph Joachim, Heinrich Wilhelm Ernst und Alfredo Carlo Piatti Kammermusik, darunter die damals noch recht befremdenden Streichquartette von Ludwig van Beethoven.

Der Komponist Wieniawski hat naheliegenderweise wie viele seiner Kollegen sein eigenes Instrument in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt. Die beiden Violinkonzerte bilden einen Höhepunkt seines Werkkatalogs; dazu kommen kammermusikalische Stücke für Violine und Klavier sowie Unterrichts- und Anschauungsmaterial.

Am 11. November 1878 spielte Henryk Wieniawski in Berlin sein zweites Violinkonzert. Wenige Takte nach seinem Soloeinsatz brach er ab und verließ die Bühne. Nach einer kurzen Pause kam er zurück mit der Bitte, sich beim Spiel setzen zu dürfen. Wieder begann er, doch ein zweiter Herzkrampf zwang ihn zur Aufgabe. Nach allen Strapazen der früheren Jahre deutete sich an, dass der bewunderte Geiger nicht mehr lange leben würde. Nachdem er durch den Zusammenbruch seiner Bank sein Vermögen verloren hatte, verfiel er in einen Zustand tiefster Depression, er kehrte nach Russland zurück, wo Tschaikowskys Mäzenin Nadeshda von Meck die besten Ärzte um ihn versammelte. Doch Wieniawski hatte offenbar aufgegeben. Am 2. April 1880, ganze 45 Jahre alt, starb er in Moskau.

Die Kompositionen auf der vorliegenden CD gehören im wesentlichen zu Wieniawskis typischen Virtuosenstücken, die er schrieb, um dem Publikum seine Fähigkeiten vorzuführen. Das frühe, ursprünglich vom Orchester begleitete “Souvenir de Moscou“ variiert zwei russische Volkslieder und kombiniert die schlichten Melodien mit ungeheuren technischen Eskapaden – wie auch die “Variationen über ein “Originalthema“, in denen er eine selbsterfundene Melodie bravourös verändert.

Die “Valse-Caprice“ ist eine schwierige Übung für die Bogenhand, die der Komponist voller Ironie in der Partitur als “einfach“ bezeichnete. “Scherzo-Tarantella“ gehört zu Wieniawskis bekanntesten Werken. Es ist seinem Lehrer Massart gewidmet und eine glänzende Studie über den berühmten italienischen Tanz.

Die Polonaisen, die Mazurka und der Kujawiak zeigen Wieniawski als Meister im Umgang mit den polnischen Nationaltänzen, wohingegen die “Legende“ in eine ganz andere Richtung weist. Sie ist das Zeugnis seiner Liebe zu Isobel Hampton, die er zunächst nach dem Willen ihres Vaters nicht heiraten sollte. Nachdem der Familienvorstand ihn in London hatte “abblitzen“ lassen, zog sich Wieniawski zurück, um einige Stunden Geige zu spielen - danach schrieb er die “Legende“ nieder. Er schickte ein Telegramm an Isobels Mutter, in dem er sie für das nächste Konzert einlud, das am nächsten Tag stattfinden sollte. Auch Vater Hampton kam, und nachdem er die Legende gehört und die Reaktion seiner Tochter darauf beobachtet hatte, gab er dem Paar seinen Segen. Henryk und Isobel heirateten und hatten fünf Kinder.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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