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8.552001 - ARNOLD, M.: Symphonies Nos. 7 and 8
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Malcolm Arnold (b.1921): Symphonies Nos. 7 and 8

 

Malcolm Arnold wurde 1921 in Northampton geboren, sein Vater war ein wohlhabender Schuhfabrikant. Als Zwölfjähriger hörte er Louis Armstrong spielen und begann sich für die Trompete und für den Jazz zu interessieren. Er studierte Trompete bei Ernest Hall in London und Komposition bei Gordon Jacob am Royal College of Music. Er wirkte zunächst als Trompeter im London Philharmonic Orchestra, zwischenzeitlich auch im BBC Symphony Orchestra. Seit 1948 lebt er als freischaffender Komponist. Zu seinen Werken gehören Konzerte für eine Vielzahl von Soloinstrumenten, neun numerierte Sinfonien, Sinfonietten, Konzertouvertüren und andere Orchesterwerke, etwa achtzig Filmmusiken, Kammermusik in nahezu allen Formen sowie eine Reihe von Stücken für Soloinstrumente.

Malcolm Arnold ist ein Komponist, der Formen der Unterhaltungsmusik in vollendeter Art und Weise in seine Musik einbezieht. Schnell sind deshalb Etikettierungen wie „leichte Muse" zur Hand, die seinem Format in keinster Weise gerecht werden. Handwerkliche Meisterschaft, Gewandtheit und Vielseitigkeit zeichnen ihn aus. Seine Musik bereitet Vergnügen, kann aber ebenso ernst und lyrisch sein, sogar ätzend und rauh. Donald Mitchell verglich ihn einmal mit Charles Dickens: Beide sind große Unterhaltungskünstler, die sich der Tragödie der Menschheit nur zu bewußt sind. Im Falle von Arnold wird dies, wie Mitchell bemerkt, vor allem in den großartigen Sinfonien deutlich.

Keith Anderson

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Mit zeitlichem Abstand betrachtet offenbaren sich die neun Sinfonien Arnolds als ein in sich geschlossener Zyklus; zum Zeitpunkt der Uraufführung der einzelnen Werke ist dies selbst den treuesten Anhängern seiner Musik nicht voll bewußt geworden. Nach der einigermaßen „schräg" wirkenden Fusion von Klassik und Jazz in der Sechsten Sinfonie folgte im Jahre 1973 die Siebte Sinfonie. Sie entstand größtenteils im Haus von Sir William Walton auf der italienischen Insel Ischia, im Mai 1974 wurde das Werk in London uraufgeführt. Die Widmung „An Katherine, Robert und Edward" (Arnolds Kinder) gibt angesichts der emotionalen Extreme in dieser Sinfonie Rätsel auf.

Schneidende Streicher und Blechbläser manifestieren den unversöhnlichen Charakter des ersten Satzes. Der Eingangsgedanke ist eher eine Reihe von Motiven als ein Thema als solches. Das klagende zweite Thema (tiefe Streicher) wird zunächst vom Wiedereintritt des Beginns verdrängt, bevor es eine tiefergehende Verarbeitung erfährt. Ein bizarrer Ragtime-Marsch drängt in den Vordergrund und verbindet sich bei seiner Wiederholung mit den Blechbläserunisoni des Beginns. Der emotionale Höhepunkt ist mit dem Wiedereintritt des tief empfundenen Streicherthemas erreicht, es unterstreicht die Verletzbarkeit des Menschen, die sich hinter der militaristisch anmutenden Aggressivität verbirgt. Am Schluß kehrt der Satz zu seinem Ausgangspunkt zurück.

Ein grüblerisches Holzbläserthema eröffnet den zweiten Satz und führt zu einem elegisch-kantigen Posaunenthema, das an den zweiten Satz der 15. Sinfonie Schostakowitschs erinnert, die zwei Jahre vor Arnolds Werk entstanden war. Nach einer asketischen Streicherpassage hebt in den Tom-Toms ein Rhythmus an, der bedrohlich anschwillt und den gewaltigen Höhepunkt des Satzes vorbereitet, die Reprise des Holzbläserthemas, das nun im rhythmischen Unisono vom vollen Orchester vorgetragen wird. Ein Monolog des Fagotts führt den Satz in die Tiefe.

Das Finale knüpft zum Teil an die Atmosphäre des Eröffnungssatzes an. Ein entschlossen voranschreitendes Thema der Streicher und Holzbläser wird von einem nachdenklicheren Gedanken in der Flöte und Oboe gefolgt. Nach und nach verliert sich das Geschehen in der Ferne, aus der Stille taucht unvermittelt keltische Volksmusik hervor, zunächst dezent, schließlich im Gewand einer fast authentischen irischen Folkloregruppe. Die Hauptgedanken des Satzes kehren zurück und scheinen die Sinfonie einer tragischen Lösung zuzuführen, wuchtige Akkorde beschließen jedoch das Werk, wenn auch nicht triumphal, eher mit einer Gebärde schwer errungenen Trotzes.

Die Achte Sinfonie entstand 1978 und wurde im Mai des folgenden Jahres durch das Albany Symphony Orchestra uraufgeführt. Das Unstete kommt in dieser Sinfonie nicht so explizit zur Geltung, ist aber vielleicht in noch höherem Maße vorhanden als in ihrem Vorgängerwerk. Der Schlüssel zu ihrem Wesen liegt in dem irischen Marschlied aus dem ersten Satz, einem der seltenen Fälle, daß Arnold auf eine seiner früheren Kompositionen zurückgreift, auf die Filmmusik zu Jack Golds The Reckoning (Die Abrechnung, 1969). Der Komponist lebte seit Mitte der siebziger Jahre in Irland; der seltsam verzerrte Charakter dieser Musik deutet auf eine Parallele zu der unruhigen Geschichte des irischen Volkes hin, und gleichzeitig auf seine damalige persönliche Situation - in nicht ferner Zukunft wird Arnold für sieben Jahre musikalisch verstummen.

Der Beginn des Allegros scheint das Martialische der Siebten Sinfonie noch steigern zu wollen. Wie die Aggressivität nachläßt, erscheint das Marschlied in der Piccoloflöte und der Harfe, begleitet von sanft dissonanten Streichern. Der Beginn des Satzes kehrt zurück, bevor das Marschthema in einer volleren, dunkleren Harmonisation in den Streichern erscheint und anschließend von der Solotrompete übernommen wird. Ein weiteres Mal bricht der Satzanfang erbarmungslos herein und läßt Fagott und Klarinette zurück, die zweifelnd über das Marschthema nachsinnen. Der Charakter einer Auszugshymne wird vollends deutlich, wenn das Marschlied ein letztes Mal in seiner originalen Instrumentation erklingt.

Das Andantino vermeidet die emotionale Intensität seines Vorgängerwerkes zugunsten eines unmittelbar elegischen Ausdrucks. Oboe und hohe Streicher verharren in Selbstbeobachtung, bevor die Melodielinie in den Hörnern und tiefen Streichern weiter entfaltet wird. Das musikalische Geschehen durchläuft mehrere Soloinstrumente, schließlich erzeugen die gedämpften Streicher und das klingende Schlagwerk eine fast surrealistische Atmosphäre, in die die Blechbläser bedrohlich hineinklingen. Nach einem kurzen Höhepunkt endet der Satz in einer Stimmung leisen Bedauerns.

Das Vivace beginnt mit einem überraschend kecken Holzbläsergedanken, der an Arnolds Orchesterstücke unterhaltenden Charakters erinnert. Ein zweites, nachdenkliches Thema stellt aber unverkennbar die Beziehung zum ersten Satz wieder her. Dieses erscheint ein weiteres Mal in Gestalt eines Streicherfugatos, das mehr als nur eine Spur Schostakowitsch erkennen läßt. Die Wiederaufnahme des ersten Themas bildet in seiner „Barmusik"-Färbung einen starken Kontrast. Das zweite Thema wird nun in einem dünn gesetzten Bläserkanon verarbeitet, bevor sich das Fagott mit einer letzten Aufnahme des munteren ersten Themas quasi „hineinstiehlt". Ein plötzlicher Ausbruch des vollen Orchesters führt zu dem kühl-sachlichen Schluß der Sinfonie. Wie so oft in Arnolds späten Werken bleibt es dem Hörer überlassen zu beurteilen, wie gewiß und endgültig dieser Schluß ist, und worin der eigentliche emotionale Charakter dessen besteht, was beschlossen wird.

Richard Whitehouse
Deutsche Fassung: Tilo Kittel


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