About this Recording
8.553099 - SCHUBERT: Piano Sonatas, D. 845 and D. 568
English  French  German  Spanish 

Franz Schubert (1797-1828)

Franz Schubert (1797-1828)

Klaviersonate in a-Moll, op.42, D.845

Klaviersonate in Es-Dur, op.122, D.568

 

Franz Schubert wurde 1897 in der Wiener Leopoldstadt geboren, wo sein Vater in der kleinen Wohnung der Familie seine eigene Schule unterhielt. Franz war das zwölfte von vierzehn Kindern, von welchen nur fünf überlebten. Mit fünf Jahren erhielt er seinen ersten Klavierunterricht von seinem zwölf Jahre älteren Bruder Ignaz und begann mit acht Geigenstunden bei seinem Vater. Drei Jahre später wurde er Sopranist im Chor der Wiener Hofkapelle, in deren Konvikt er auch eine allgemeine Schulbildung erhielt. Im selben Jahr begann er Kompositionsunterricht bei Antonio Salieri, einem der einflussreichsten Komponisten seiner Zeit. Wie andere Lehrer vor und nach ihm staunte dieser über die ungewöhnliche Begabung des Jungen, über welchen der Musiklehrer im Konvikt bemerkte „der hat’s vom lieben Gott gelernt". In diesen Schuljahren knüpfte Schubert eine Reihe enger Freundschaften, die ein Leben lang andauern sollten.

Nach seinem Stimmbruch trat er aus der Hofkapelle aus, schloss eine Lehrerausbildung ab, und arbeitete anschließend vier Jahre lang als Schulgehilfe bei seinem Vater. Er haßte den Lehrerberuf und flüchtete sich in jeder freien Minute in die Komposition.

Abgesehen von einer kurzen Zeit in Ungarn, in welcher er die zwei Töchter des Grafen Johann Karl Esterházy von Galánta im Klavierspiel unterrichtete, lebte Schubert ausschließlich in Wien. Er hatte meistens keinen Groschen in der Tasche und wohnte von Zeit zu Zeit aus Geldmangel bei Freunden mit. Oft konnte er es sich nicht ein Mal leisten, ein Klavier zu mieten.

Schubert verbrachte viel Zeit im engen Freundeskreis, zu welchem Dichter, Maler und Musiker gehörten, und ihre regelmäßigen geselligen Abende, bei welcher Schuberts Musik gespielt und gesungen wurde, waren bald in ganz Wien als „Schubertiaden" bekannt.

Wenngleich seine Kompositionen im Kreise der Kollegen geschätzt wurden, konnte er mit seinen Singspielen keinen Fuß auf die Wiener Theaterbühne setzen. Die Stadt befand sich in diesen Jahren im Rossini-Taumel, gegen welchen sich der Wiener nicht durchsetzen konnte.

Im Jahre 1817 lernte Schubert den Bariton Johann Vogl kennen, der bedeutend zur Verbreitung seiner Lieder beitrug. Schuberts Ansehen stieg langsam aber sicher, und mit der ersten öffentlichen Aufführung seiner Werke im Jahre 1828 stellte sich nun auch finanzieller Erfolg ein. Dem folgte prompt auch ein reges Interesse von seiten großer Verleger, und Schott war nicht das einzige Verlagshaus, welches nun an ihn herantrat. Leider wurde den Verhandlungen bald ein abruptes Ende gesetzt, da der seit sechs Jahren kranke Schubert bereits in seinem Todesjahr war. Er starb im folgenden November mit 31 Jahren an einer Typhusinfektion. Ein Großteil seiner bedeutenden Werke wurde erst posthum veröffentlicht.

Schubert war zu seiner Zeit der erste Komponist, der nicht auch als Dirigent und Interpret seines Instruments brillierte. Er war kein Virtuose, hat dies auch nie angestrebt, und konnte demzufolge das große Publikum in der Art eines Mozart, Beethoven oder Karl Maria von Weber nicht für sich gewinnen. Er war aber ein unglaublich schneller und produktiver Komponist, der in seinem kurzen Leben ein gewaltiges Gesamtwerk schuf. Zwar komponierte er nie ein Klavierkonzert, die einzige Gattung, welche er nicht antastete. Doch beschäftigte er sich sein Leben lang mit dem Klavier, sei es in der Kammermusik, den neuartig differenzierten Klavierparts seiner Lieder, Werken zu vier Händen, oder seinen Klaviersonaten, gipfelnd in den drei großen Sonaten seiner letzten Lebensmonate.

Stehen die Klaviersonaten bei Schubert unter dem Zeichen der lebenslangen Auseinandersetzung mit seinem Zeitgenossen Beethoven, so sind sie gleichzeitig von den gesanglichen Melodien durchdrungen, welche nur aus der Feder des großen Liedkomponisten stammen können.

Die Sonate in a-Moll, D.845 stammt aus dem Jahr 1825, in welches auch die unvollendet gebliebene Sonate in C-Dur, D.840 fällt. Letztere wurde im Jahre 1861 mit dem zusätzlichen Titel Reliquie veröffentlicht. Schubert hatte eine schwierige Lebensphase durchstanden, die durch Krankheit und Depressionen gezeichnet war. Dazu kamen die Unstimmigkeiten im Freundeskreis, welche die heimliche Verlobung Schobers zur Schwester eines Freundes ausgelöst hatte. Im Februar dieses Jahres mietete Schubert dann ein Zimmer im Frühwirtschen Haus, unmittelbar neben der Wohnung seines guten Freundes, des Malers Moritz von Schwind. Dieser beobachtete fortan einen Aufschwung in der allgemeinen Verfassung und Produktivität des Komponisten. Auch Schuberts Gesundheit sollte sich in den folgenden Monaten stabilisieren und er stellte nun seine Sonate in a-Moll, D.845 fertig. Im darauffolgenden Mai brach er zusammen mit seinem Freund Johann Vogl auf eine Reise nach Oberösterreich auf. Dort besuchte er auch die beiden Klöster St. Florian und Kremsmünster, in welchen seine Musik wohl bekannt war. Dort trug er, einem Brief an seine Eltern zufolge, die Variationen seiner neuen Sonate „nicht ohne Glück" vor, und es wurde ihm angeblich versichert, dass „die Tasten unter meinen Händen zu singenden Stimmen würden, welches, wenn es wahr ist, mich sehr freut, weil ich das vermaledeyte Hacken, welches auch ausgezeichneten Clavierspielern eigen ist, nicht ausstehen kann". Es handelt sich hier um den langsamen, zweiten Satz der viersätzigen Sonate, Andante poco mosso, einem Thema mit fünf Variationen. Dieses folgt dem sanft und geheimnisvoll ansetzenden moderato in der für den Kopfsatz typischen Sonatenhauptsatzform. Auch mit dem dritten Satz, einem Scherzo mit Trio als Mittelteil und dem abschließenden Finalsatz, einem Rondo, hält sich Schubert an die orthodoxe Satzfolge der klassischen Instrumentalsonate. Die 1826 als Opus 42 veröffentlichte Sonate, ist dem Erzherzog Rudolf, Kardinal Erzbischof von Olmütz gewidmet, der Beethovens Schüler und Gönner war.

Die Sonate in a-Moll erhielt bei ihrer Veröffentlichung den Untertitel Première Grande Sonate, gefolgt von der Seconde Grande Sonate in D-Dur, welche im August 1825 entstanden ist und im darauffolgenden Jahr veröffentlicht wurde. Es wird heute angenommen, dass die hier vorliegende Sonate in Es-Dur von Schubert als dritte Grande Sonate geplant war, und folglich auch im selben Jahr umgearbeitet wurde. Als Vierte sollte dann die Sonate in G-Dur, D. 894 folgen. Die Sonate in Es-Dur, D.568, selbst eine revidierte Fassung von Schuberts unvollendeter Des-Dur-Sonate von 1817, wurde 1829 posthum als Opus 122 veröffentlicht. Das aufsteigende Thema im Dreiertakt legt den vorherrschend heiteren Ton des ersten Satzes Allegro moderato fest, dem jedoch im mittleren Durchführungsteil auch ein gebührendes Maß an Dramatik nicht abgeht. Dem langsamen, zweiteilig angelegten Mollsatz folgt ein Menuett mit Trio, bevor die Sonate mit einem Finalsatz in Sonatenhauptsatzform ausklingt, dessen Durchführungsteil Schuberts Nähe zu Beethoven verrät.

Deutsche Fassung E.G.


Close the window