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8.553154 - Red Army Choir: Russian Favourites
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Chor Der Roten Armee

 

Die russische Oktober-Revolution fiel mit einem natürlichen Wendepunkt in der russischen Musik zusammen. Viele der großen Komponisten der russischen Musik des 19. Jahrhunderts starben in den Jahren vor 1917: Rimsky-Korssakoff 1908, Balakirew 1910, Cui, der letzte der ‘Gruppe der Fünf’, 1918, Liadow 1914 und Skriabin und Tanejew 1915. Darüber hinaus haben viele Schüler dieser Komponisten-Generation aus Opposition gegen das neue Regime in den ersten Jahren nach der Revolution das sowjetische Rußland verlassen und sich irn Westen angesiedelt: Prokofieff, Koussevitzky, Rachmaninoff, Tscherepnin, Medtner u.v.a. Und mit Ausbruch des ersten Weltkriegs ließ sich Igor Strawinsky in der Schweiz nieder. So war es die urlösbare Aufgabe der Komponisten der jüngeren Generation wie Glière, Mjaskowski oder Shaporin, die musikalische Tradition fortzusetzen. Was immer auch unter dem neuen Regime passierte, konnte kaum eine direkte Weiterführung der Vergangenheit sein. Sowjetische Musik kann schwerlich mit den Begriffen der Musiktradition des 19. Jaluhunderts beschrieben werden.

Ein Großteil der sowjetischen Musik ist fest aneine eigene Ästhetik gebunden, und viele Werke sind eng verknüpft mit einem bestimmten revolutionären Ereignis, einem Helden der Revolution, einem Jahrestag oder in anderer Weise Ausdruck der sowjetischen Ideologie. Die typische Gattung der aktuellen Mùsik der ersten Jahre nach der Revolution ist das revolutionäre Massenlied. Obwohl die meisten der abertausenden Lieder jener Tage sehr kurzlebig waren, bef1ügelten sie doch den Geist und die Imagination der Öffentlichkeit und waren ein fester Bestandteil der Alltagskultur. In der sowjetischen Musik gibtes keine Spaltung in ‘hohe’ und ‘niedere’ Gattungen und keinen Wertunterschied zwischen Kunst, die für einen kleinen Kreis von Kennern bestimmt ist, und einer solchen für die breiten Massen. So wurde auch das MassenIied als vollwertige künstlerische Gattung anerkannt und darf nicht mit dem Schlager verwechselt werden, der nur mit einer leichten und schnell vergänglichen Popularität rechnet. Die ersten sowjetischen Massenlieder entstanden schon in den Jahren des Bürgerkriegs. Von diesen Liedern erlangte der Marsch von Budjonnyj lange Zeit eine besonders große Verbreitung. Die eigentliche Blüte dieser Gattung lag allerdings in den 30er Jahren mit Liedern wie z.B. dem Lied von der Heimat von 1.0. Dunajewski, dessen Anfang yom Sowjetischen Rundfunk als Pausenzeichen übernommen wurde. Eine wichtige Rolle spielte auch Alexander W. Alexandrow, der 1928 das Volkstanz- und Liedensemble der sowjetischen Armee gründete und bis zu seinem Tod 1946 leitete, und u.a. auch die Musik der Nationalhymne der Sowjetunion geschrieben hat. Eine zweite Wellepatriotischer und tagesaktueller Werke entstand während des Zweiten Weltkriegs. Aktuelle Sinfonien wie z.B. Schostakowitschs Leningrader Sinfonie oder patriotische Kantaten wie Schaporins Saga über die Schlacht um das russische Land erlebten in den Kriegsjahren begeisterte Aufführungen.

Die Lieder, die der Chor der Roten Armee für diese Aufnahme zusarnmengestellt hat, fallen in vier Blöcke: alte Soldatenlieder (wie Abschied von Slnvianka, Die tapferen Jungen vom Don, der Char der Soldalen aus der Oper Decembrists); Lieder aus dem Bürgerkrieg (wie Oh Feld, Wir sind die Rote Kavallerie, Dort, weit entfernl, jenseils des Flusses); Lieder aus dem großen Vaterländischen Krieg (wie Der heilige Krieg, Dort marschierten die Soldaten, Im Wald bei den Kampflinien, Die Sonne versinkt hinter den Bergen, Auf der Straße); und populären russischen Volksliedem (wie Das Lied der Wolga-Schlepper, Troika, Das Kliff und Schwarze Augen).

Der Marsch Abschied von Slavianka wurde 1912 von V. Agapkin komponiert, der nicht nur Student am Tambow Musikkonservatorium war, sondem auch Soldat der Kavallerie. Er komponierte diesen Marsch anläßlich der Balkankriege 1912/13, in dem die Balkanvölker ihre Unabhängigkeit von der Türkei erstritten, und widmete ihn den slawischen Frauen. Zahlreiche Dichter haben Texte zu dieser Melodie geschrieben; die Version dieser Aufnahme greift auf den Text von A. Fedotow zurück. Dieses Lied erlangte nicht nur in der UdSSR überwältigende Popularität, sondern wurde auch von den antifaschistischen Widerstandskämpfem in Polen gesungen und war ein lester Bestandteil der Militärparaden im bulgarischen Sofia.

Oh Feld ist eine Chor-Passage aus der Sinfonie Nr 1 von Lew Knipper. Der Autor nannte das Stück “ein Gedicht auf einen Kämpfer des Komsomol”. Der erste Vers des Gedichts wurde vom Komponisten selbst geschrieben, die übrigen fügte 1924 der Dichter Viktor Gusew hinzugefügt. Das Lied wurde sowohl in Rußland als auch über seine Grenzen hinaus sehr populär und der berührnte Dirigent Leopold Stokowsky hielt Knippers Werk für “das Beste Lied des 20. Jahrhunderts”.

Im Jahr 1919 lebten die beiden Autoren des berühmten Marsch von Budjonnyj DJ Pokras und A. d’Actile (Frenkel) in Rostow am Don, das zu jener Zeit von den Truppen der WeiBen Armee besetzt war. lm Januar 1920 wurde die Stadt von der Ersten Kavallerie befreit, und das Lied Wir sind die Rate Kavallerie entstand zu Ehren dieser Ereignisse. Das Lied wurde unverzüglich in das Repertoire der Soldaten aufgenommen und fand schnell weite Verbreitung.

1924 entstanden die ersten lyrischen Lieder des Komsomol, des kommunistischen Jugendverbandes. Die Jugend hatte die Notwendigkeit fürsolche Lieder schon seit längerer Zeit verspürt. Der Text zuDort, weil entfernt, jenseits des Flusses stammt von dem Dichter M. Kool, die melodische Grundlage bildet das beliebte russische Volkslied Gerade ist eine Sonne über Sibirien aufgegangen. Kools neues Lied land begeisterte Aufnahme unter der sowjetischen Jugend und wurde bald im ganzen Land gesungen.

Das Lied Der heilige Krieg entstand in den ersten Tagen des Kampfs gegen Deutschland im Zweiten Weltkrieg und wurde für das sowjetische Volk so etwas wie ein musikalisches Symbol für den Großen Vaterländischen Krieg. Der Text geht auf ein Gedicht von V. Lebedew-Kumach zurück und wurde erstrnals am 24. Juni 1941 in der Zeitung “Izvestiya” veröffentlicht. Noch am selben Tag entstand die Musik von Alexander W. Alexandrow. Bereits am nächsten Tag wurde das Lied vom Chor der Roten Armee gesungen.

Das 1949 komponierte Lied Dort marschieren die Soldaten von B. Alexandrow wurde auf einen Text von A. Dostal geschrieben. Es handelt von Soldaten, die ausziehen, ihr Vaterland zu verteidigen.

Das Lied Im Wald bei den Kampflinien wurde 1943 von dem Komponisten M.I. Blanter und dem Dichter M. Isakavaky geschrieben und enthält Anklänge an den Walzer Der Traum des Herbstes. Die Soldaten lauschen diesem Walzer und erinnern sich an das geliebte Iriedliche Leben vor dem Krieg.

Die Autoren des 1948 entstandenen Liedes Die Sonne versinkt hinter den Bergen sind der Komponist M.I. Blanter und der Dichter A. Kowalenkow. Die Soldaten kehren nach Hause zurück, nachdem sie im Krieg ihre Heimat verteidigt und viele ihr Leben geopfert haben.

Der Chor der Soldaten ist ein Stück aus der Oper Decembrists von V. Shaporin. Die Soldaten, die in den Krieg gegen die Türkei ziehen, singen von den russischen Werten: Mut und Unerschrockenheit.

Das alte russische Volkslied Lied der Wolga-Schlepper wurde von B. Alexandrow arrangiert. Die Schiffsleute müssen die schweren Lastkähne ziehen und singen, damit ihnen die harte Arbeit leichter fällt. Das Lied voller Kraft und innerer Stärke soll die Große Rußlands Symbolisieren.

Die Verse des russischen Volksliedes Troika wurden von F. Glinka geschrieben; die Musik hat V. Agarkow arrangiert. Auf der langen Fahrt klagtein Kutscher seinen Fahrgästen sein Leid, weil er nicht mit seiner Geliebten zusammen sein kann, die einen alten, ungeliebten, aber reichen Mann heiraten mußte.

Das russische Volkslied Das Kliff erzählt von einer majestätischen Klippe am Ufer der Wolga. Es bewahrt das Andenken an Stenka Razin, den Anführer einer bewaffneten Revolte der armen Bevölkerung gegen den Zaren in den 70er J ahren des 17. Jahrhunderts.

He, dort ist das Dorf ist ein Volkslied aus der Ukraine und wurde von A. Alexandrow arrangiert. Es handelt von einem tapferen Kosaken, der nach dem Krieg zuzück in seine Heimat reitet, und auf dem Wege von seiner ukrainischen Geliebten träumt.

Das Lied der Wolga Burlacken wurde von A. Alexandrow und dem Dichter O. Kolichev geschrieben. Sein Inhalt geht auf ein Gemälde I. Repins mit dem Titel Die Woiga Burlacken zurück und spiegelt die Schrnerzen und die Trübsal Rußlands wider.

Die Zigeuner-Weise Schwarze Augen entstand am Ende des 19. Jahrhunderts nach einer Walzer-Melodie von Emil Waldteufel. Der Text basiert auf einem Gedicht von Grobyonka und handelt von den Freuden und Leiden der Liebe.

Das russische Volkslied Die tapferen Jungen vom Don wurde von A. Michailov arrangiert und handelt von den Ereignissen während des Vaterländischen Kriegs 1812. Die tapferen Soldaten vom Don halfen Moskau im Kampf gegen Napoleon Bonaparte. Das Lied soll darauf verweisen, daß die Kraft des sowjetischen Volkes in seiner Einheit besteht.

Die Autoren des Liedes Auf der Straße sind der Komponist A. Nowikow und der Dichter L. Oschanin. Es wurde 1945 geschrieben und handelt von den schrecklichen Schicksalen des Krieges.

Moskauer Abende ist eines der populärsten russischen Volkslieder geworden. Es wurde 1955 von dem begabten Komponisten V. Solowjow-Sedoj auf einen Text des Dichters M. Matogowsky geschrieben. Ein Mann bittet seine Geliebte, die Moskauer Sommerabende nicht zu vergessen, in denen ihre Liebe begann.


© 1995 Peter Noelke


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