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8.553744 - CLERAMBAULT: Orphee / Leandre et Hero / Sonata Anonima
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Louis-Nicolas Clérambault (1676-1749)
Kantaten für Sopran • Instrumentalwerke

"In Paris geboren, Organist des Königs, der Königlichen Kirche St. Cyr und von St. Sulpice, starb er in Paris am 26. Oktober 1749 im zweiundsiebzigstern Lebensjahr und wurde in St. Sulpice zu Grabe getragen. Zwei Söhne überlebten ihn, die mit großer Würde sein Organistenamt übernahmen." So äußerte sich der berühmte Musikchronist Evrard Titon du Tillett über den Komponisten Louis-Nicolas Clérambault (aus Vies des Musiciens et autres Joueurs d' Instrument du règne de Louis le Grand, Le Parnasse franqais, Paris 1755).

Der Name Clérambault erscheint bereits unter den "officiers" der Könige von Frankreich des 13. Jahrhundert. Und von Louis-Nicolas' Vater, Dominique Clérambault (1644-1704), ist bekannt, daß er 1670 als Nachfahre von Louis Bruslard in die berühmte "Bande des Vingt-quatre Violons" eintrat und 1674 ein Honorar von 91 Sols vierteljährlich bezog.

Louis-Nicolas frühe musikalische Begabung wurde gefördert von Andre Raison, dem Organisten der Jacobins de la rue Saint-Jacques. Schon 1702 kündigte Clérambault sein erstes und einziges Livre de Pièces de Clavecin an, das aber erst 1704 erschien. Danach folgten einige liebenswürdige Kantaten, die Ludwig XIV. dazu veranlaßten, ihn zum "Surintendant" der Musik der Madame de Maintenon zu ernennen. Zudem erhielt Clérambault irn Jahre 1710 das fünfzehnjährige Privileg für den Verlag aller seiner Werke. Ferner vertrat er den alten Guillaurne-Gabriel Nivers in dessen Funktion als Organist an der Orgel von St Sulpice und der Maison Royale de Saint-Louis in St Cyr. Nach dem Tod des alten Meisters irn Jahre 1714 wurde er Inhaber dieses Postens.

Auch weitere Lebensstationen Clérambaults sind bestens dokumentiert. Als Madame de Maintenon 1719 starb, schloß Clérambault einen neuen Vertrag mit der neuen Oberin Marie-Madeleine de Glapion. Darin versprach er, mit den "Dames" und "Dernoiselles" zu proben, neue Kirchengesänge zu liefern, die Orgel zu stimmen und in gutem Zustand zu halten und auf seine Kosten einen Kalkanten zu nehmen. Als Entgelt erhielt er Kost, Wohnung und eine Equipage. Nach dem Tode Raisons übernahm Clérambault die Orgel der Jakobinerpatres; dort sollte er 1724 sein großes Te Deum zur Besteigung des Papstthrones durch den Kardinal Orsini aufführen.

Zeitgenossen sahen in Clérambault den Meister der Kantate und bewunderten seine Sicherheit der technischen Gestaltung und Reinheit des Stils. In fünf Büchern hat er alle seine Cantates françoises versammelt; jedes Buch enthält fünf oder sechs Stücke nebst etlichen "Simphonien". Die Kantate Orphée von 1710, die aus dem ersten Buch stammt, hielten Zeitgenossen für sein bestes Werk. Die italienischen Vorbilder sind unverkennbar. Die Arie Monarque redouté, Laissez-vous toucher par mes pieurs etwa, deren Text vom Überselzer des Gluckschen Orphée wieder aufgenommen wurde, erinnert an das "lamento" der frühen italienischen Oper, besonders an das der Arianna von Claudio Monteverdi. Trotzdem hat Clérambaults Tonartenwahl und instrnmentale Einkleidung eine dem Wesen nach modeme Haltung. Das Ganze ist reich an Ausdruck, melodisch und harmonisch abwechslungsvoll, ohne daß die Einheit dabei zerstört wird. Ausgesprochen bewegt gibt sich auch die Kantate Léandre et Héro aus dem zweiten Buch von 1713, wo der ständige rhythmische Wechsel eine leidenschaftlich erregende Wirkung hervorruft. Die Verwendung deskriptiver Musik im Dienste der inneren und äußeren Handlung ist häufig zu finden; bestes Beispiel für den Musikpsychologen Cleérambault ist die Gewitterszene in Léandre et Hero, die nach den klassischen Regeln geschildert wird und an die Kunst Vivaldis erinnert.

In seiner Instrumentalmusik, wie etwa dem Livre de pieces de clavecin (1702 bzw. 1704), aus dem auch die Suite in c-Moll stammt, tritt der Melodiker und Psychologe Clérambault zurück. Statt dessen herrschen technische Strenge und wohlüberlegte Klang-kombinationen vor. Und so besitzen die Stücke trotz harmonischer Fülle und Clérambaults Sinn für Modulation doch mehr den Charakter von Etüden.

Clérambault, der geradezu auf Musik versessen war, pflegte nicht nur die "öffentliche" Musik. Gern versammelte er in seinem Hause, der Pfarre von St. Suplice in der rue Dufour, leidenschaftliche Musikfreunde um sich. Regelmäßig alle vierzehn Tage gab er Konzerte, die nicht nur von den Parisern, sondern von den in Paris weilenden Fremden starken Zulauf hatten. Für diese musikalischen Abendgesellschaften schrieb er die Sonates en trio, die niemals veröffentlicht wurden. Zumeist vier-bis sechsteilig angelegt folgte Clérambault in Struktur und Form dem von Corelli (1653-1713) geprägten Modell. Corellis imitierender Stil kommt besonders in den Allegro-Sätzen zum Tragen; in den langsamen Sätzen indes wird die Melodie langsam und luftig entfaltet. Wie einst in den Cantates läßt auch diesmal der Komponist psychologische Absichten erkennen; einige der Sonates (vier an der Zahl) hat Clérambault mit Titel versehen, die Bilder, oder besser Seelenzustände beschreiben: La Felicite, L'Abandance, L'Impramptu, La Magnifique und L' Ananima.

Teresa Pieschacon Raphael


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