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8.553755 - BACH, J.S.: Flute Sonatas, Vol. 2
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Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Sonate für Flöte und Cembalo in h-Moll BWV 1030

Sonate für Flöte und Basso continuo in E-Dur BWV 1035

Sonate für Flöte (Geige) und Cembalo in g-Moll BWV 1020

Sonate für Flöte und Basso continuo in C-Dur BWV 1033

Triosonate für zwei Flöten und Basso continuo in G-Dur BWV 1039

 

Als Johann Sebastian Bach am 28. Juli 1750 in Leipzig verschied, filnd seine zweite Frau Anna Magdalena die schönsten Worte, die jemals einem Musiker zuteil wurden: "Solche Musik war nicht in der Welt, bevor er sie schur'. Bachs Genie war unermeßlich, aber nicht maßlos: Sein Wesen und Werk ruhten in der Sicherheit eines unerschütterlichen Glaubens. Sein unstillbarer Musikhunger ließ ihn aufhorchen bei allem, was ihm an Stilen und Formen aus den vier Himmelsrichtungen zufloß. Auf dem Notenpapier fand es dann lebendige Gestalt, ohne daß Bach sich je einem Stil verschrieben hätte.

 

Die Kammermusik nimmt in Bachs Schaffen großen Raum ein. Die meisten der hier aufgezeichneten Werke dürften aus seiner Köthener Zeit stammen (1717-1723). Fürst Leopold von Anhalt-Köthen war ein ebenso kunstverständiger wie leidenschaftlicher Liebhaber der Instrumentalmusik - und Bach sehr wohlgesonnen. Er übergab Bach das Amt des Kapellmeisters und Direktors der Kammermusik, das heißt die Leitung über die gesamte Hofmusik -bei idealen Arbeitsbedingungen: Bachs Gehalt war mit vierhundert Talern jährlich gewiß nicht geringer als das des zweithöchsten Hofbeamten, und auch die Kapelle war wesentlich größer als die seiner vorherigen Verpflichtung in Weimar .So entstanden eine Reihe von Kammermusikwerken, deren Echtheit und Entstehungszeiten nur in Einzelfällen genau feststellbar sind. Doch selbst wenn es bei einigen Werken Echtheitsprobleme gibt, stellen auch die, gegen die begründete Vorbehalte bestehen, geschätzte und lohnende Kompositionen dar, die ihren festen Platz im Repertoire haben.

 

Die Sonate für Flöte und Cembalo in h-Moll BWV 1030 blickt auf eine lange Entstehungszeit zurück. Sie beginnt mit einer gegen 1720 in Köthen konzipierten Fassung in g-Moll, doch der Autograph der endgültigen Fassung ist auf Mitte 1730 datiert, eine Zeit, in der Bach schon lange in Leipzig lebte. Die Sonate ist dreisätzig, nach der Concerto-Ordnung schnell-langsam-schnell angelegt. Ein eher feierliches Andante eröffnet den Satz, dessen gemessenes Tempo unerläßlich erscheint angesichts seines komplizierten Satzaufbaus und der höchst farbigen Kontrapunktik. Dieses Andante zählt nicht nur zu den längste~ sondern auch zu den bedeutendsten Bachschen Sonatensätzen. Das kontrapunktische Bild verändert sich ständig -irn Wechselspiel zwischen den Polen Diatonik und Chromatik. Der Baß verharrt, mit Ausnahme einiger Momente, auf seiner Stützfunktion. Bachs künstlerische Ökonomie, seine großartige Fähigkeit, in keinern Augenblick den Eindruck kalkulierter Konstruktion entstehen zu lassen, lassen den Satz trotz seiner zahlreichen polyphonen Verflechtungen dennoch nicht überladen oder kopflastig erscheinen.

 

Entspannung von diesern Höhenflug bietet der beschauliche zweite Satz, ein stark mit Flöten-Figurationen durchsetztes 6/8-Siciliano, das mit Largo e dolce überschrieben ist. Der rasch vorstoßende Finalsatz schließlich ist zweiteilig angelegt: einer Presto-Fuge irn Allabreve, schließt sich "eine italiänische Gigue irn 12/16-Takt" an, wie der große Bachbiograph Philipp Spitta schrieb. Als "ganz neu und doch bekannt" ernpfand er sie, "da sie aus dem Fugenthema in Buxtehudes Weise auf das schönste entwickelt ist."

 

Die Sonate für Flöte und Basso continuo in E-Dur BWV 1035 wird von vielen

Forschern in Zusammenhang mit Bachs Zeit in Köthen gesehen; aller Wahrscheinlichkeit aber nach stammt sie aus Bachs letztem Lebensjahrzehnt in Leipzig. Bach hat Leipzig nur selten verlassen. Die ergiebigste Reise seiner späteren Jahre war die nach Potsdarn irn Frühjahr 1747, wo sein Sohn Carl Philipp Ernanuel als Cembalist bei König Friedrich II. wirkte. Es ist wahrscheinlich, daß Bach die Sonate für Flöte und Basso continuo in E-Dur BWV

 


1035 für den Kammerherrn Michael Gabriel Fredersdorf schrieb, der ebenso wie sein hoher Herr die Flöte blies.

 

Auffällig ist hier, wie Bach den strengen, enggesteckten Rahmen, den die generalbaßbegleitete Sonate vorschreibt, mit schöpferischer Weisheit aufzufüllen verrnag. Am Anfang des viersätzigen Werkes steht das Adagio ma non tanto, dessen zartes Flöten-Figurenwerk wie eine Ehrerbietung an das Zeitalter der Empfindsamkeit anmutet. Doch niemals scheint eine Linie auszuufern; stets behält Bach seinen Sinn für Maß und Proportion. Ein unbeschwertes Allegro schließt sich als zweiter Sat~ an. Von eher herber Schönheit gibt sich das folgende Siciliano in cis-Moll. Außerst virtuos schließt das Werk im Allegro assai ab.

 

Bei der Sonate für Flöte (Geige) und Cembalo in g-Moll BWV 1020 ist nicht eindeutig feststellbar, ob es sich um eine Sonate für Flöte oder für Geige handelt. In der Praxis hat man sich für die Flöte entschieden, zumal die Melodielinie auf diesem Instrument überzeugender klingt. Der erste Satz ist durch reiches Figurenwerk bestimmt; er trägt keine Tempoangabe, dürfte aber vom Charakter her ein Allegro sein. Es folgt ein lyrisches, feingliedriges Adagio im 9/8-Takt; abgerundet wird das Werk durch ein energisches Allegro. Die Wissenschaft hat das Werk Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel zugeschrieben, wenngleich man noch nicht zu einem endgültigen Forschungsergebnis gelangt ist.

 

Ebenso unklar verhält es sich mit der Sonate für Flöte und Basso continuo in C- Dur BWV 1033. Auch hier zweifeln die Forscher an der Autorenschaft Johann Sebastian Bachs und halten dieses Werk aufgrund seiner schlichten harrnonischen Entwicklung und fehlenden stilistischen Geschlossenheit eines Mannes wie Bach nicht würdig.

 

Nachweislich authentisch ist die Triosonate für zwei Flöten und Basso continuo in G-Dur BWV 1039, die in Köthen um 1720 entstand. Sie ist in einer Parallelfassung in gleicher Tonart überliefert (BWV 1027); allerdings nur für zwei Instrumente: Viola da gamba und Cembalo. Womöglich ist die hier eingespielte Triosonatenversion die ältere. Ob Bach mit ihr unzufrieden war oder sie aufgrund ihrer "Sanftmut" besonders geeignet für die Gambe hielt, können wir nicht mehr nachprüfen. Ihr pastoraler Einleitungssatz Adagio scheint jedoch ganz aus dem Wesen der Gambe heraus empfunden zu sein.

 

Der Beginn dieses Satzes läßt ansatzweise erkennen, wie Bach vorgegangen ist, um genügend musikalisches Material für eine Duo- bzw. Triobesetzung zur Verfügung zu haben: Die erste Flöte übernimmt Melodielinien, die in der Parallelversion für Gambe der r~chten Hand im Cembalo vorbehalten sind, während der zweiten Flöte stellenweise der Gambenpart anvertraut ist. Volkstümlich und munter gibt sich der zweite Satz, der mit Allegro ma non presto bezeichnet ist. Eigenartiger mutet der harmonisch in entlegenste Gefilde wandernde dritte Satz Adagio e piano an. Die beiden Oberstimmen sind ähnlich gearbeitet und innig miteinander verbunden, ein Umstand, der es in der Bearbeitung für Gambe -hier trägt der Satz die Vortragsbezeichnung Andante - äußerst schwierig macht, eine Einheit mit zwei verschiedenen Klangquellen (Gambe/Cembalo) herzustellen. Solche Klangmißverhältnisse fallen in der Bearbeitung für zwei Flöten und b.c. weg. Ein eher naiv volkstümliches Presto {in der Gambensonate wird der Satz mit Allegro moderato überschrieben) rundet die Triosonate ab.

 

@ 1996 Teresa Pieschacon Raphael

 


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