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8.553796-97 - BACH, J.S.: Well-Tempered Clavier (The), Book 1
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Johann Sebastian Bach (1685-1750) Das Wohltemperierte Klavier, I

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Das Wohltemperierte Klavier, I

 

Johann Sebastian Bach wurde 1685 in eine Familie geboren, die seit Generationen in der Musik tätig war. Diese Tradition sollten seine Söhne fortsetzen, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Grundlage zu einem neuen Stil schufen. Mit seinem kompositorischen Schaffen deck1e J.S. Bach den Anforderungen seiner Zeit und seiner verschiedenen Anstellungen gemäß alle Bereiche der Musik ab. Seiner Organistentätigkeit in Arnstadt, Mühlhausen und Weimar, in der er sich auch als bewanderter Orgelbauer hervortat, entsprangen die zahlreichen Kompositionen für dieses Instrument. Während seiner Anstellung beim Prinzen Leopold von Anhalt-Köthen schuf er einerseits Kammermusik für die Hofkapelle, andererseits widmete er sich der Komposition von Klavierwerken für seine Söhne und seine zweite Frau Anna Magdalena. Aus dieser Zeit stammt auch der erste Band des Wohltemperierten Klaviers, dem 24 Jahre später ein zweiter Band folgen sollte. Der Großteil seiner Kirchenmusik entstand in Leipzig, wo Bach als Kantor der Thomaskirche für die Musik von fünf Leipziger Kirchen verantwortlich war. Darüberhinaus übernahm er den Unterricht an der Thomasschule sowie die Leitung des von Telemann gegründeten Collegium Musicum, für das er weitere Instrumentalwerke schrieb. Bach lebte von 1723 bis zu seinem Lebensende im Jahre 1750 in dieser Stadt.

 

Die Entstehung des Wohltemperierten Klaviers fällt in eine Zeit, in der das Stimmungssystem von Tasteninstrumenten im Wandel begriffen war. In der 'reinen' Stimmung früherer Jahrhunderte konnten auf einem Instrument nur eine Haupttonart und deren nächstverwandte Tonarten gespielt werden. Dagegen ermöglichte die von dem Theoretiker Andreas Werckmeister 1686 neu entwickelte 'temperierte' Stimmung die Benutzung aller Tonarten und schuf damit plötzlich die Möglichkeit, auch in entferntere Tonarten zu modulieren. Welch ungeahnte kompositorische Freiheit! Eine Sammlung von Stücken zu schreiben, die in chromatischer Reihenfolge nach allen 24 dur- und moll- Tonarten geordnet ist, war natürlich nicht nur für den Komponisten Bach verlockend; auch dem Lehrer kam solch eine Sammlung zugute, da sie den Schüler zwangsläufig in die entlegensten Bereiche der Klaviatur führt. In diesem Sinne schrieb Bach über sein Werk: "Zum Nutzen und Gebrauch der Lehr- Begierigen Musicalischen Jugend, als auch derer in diesem Studio schon habil seyenden, (zum) Besonderem Zeitvertreib aufgesetzet und verfertigt von Johann Sebastian Bach". Tatsächlich nahm Bach den schnellen pianistischen Fortschritt seines Sohnes Wilhelm Friedemann zum Anlaß, elf Präludien im Notenheft des begabten Schülers niederzuschreiben, die er 1722 überarbeitete und mit weiteren Präludien und Fugen zu der endgültigen Sammlung erweiterte. Diese sollten nach Wilhelm Friedemann unzählige Klavierschüler nachfolgender Generationen studieren, doch auch große Meister -Chopin etwa konnte es auswendig -sorgen seither dafür, daß das Werk weder aus dem Klavierunterricht noch aus dem Konzertsaal wegzudenken ist.

 

Mit Bachs Schaffen kam die Epoche des Hochbarock zum Ende. In seinem Werk vereinigte er die zeitgenössische Melodik der Italiener mit den modernen Tanzrhythmen der Franzosen und erweckte gleichzeitig die polyphone Kunst vergangener Generationen zu neuer Blüte. Der polyphone Satz, der den Bachschen Fugen als Grundprinzip zugrunde liegt, wurzelt in der imitierenden Vokalpolyphonie der Renaissancemusik. Die vokale Herkunft des Fugensatzes spricht noch heute aus der Namensgebung der Melodielinien, die als 'Stimmen' -und je nach Höhenlage - als 'Sopran', 'Alt', 'Tenor' oder 'Baß' bezeichnet werden. Die Fuge basiert auf einem klar definierten Formschema: Abschnitte, in denen das Thema nacheinander in allen Stimmen erscheint, wechseln ab mit Zwischenspielen, die neues Material verarbeiten. Bach greift in seiner Themenverarbeitung auch auf die Kunstmittel des Mittelalters und der Renaissance zurück: In der Augmentation erscheint das Thema in doppelten -in der Diminution in halbierten Notenwerten; beim Stretto überlappen sich die Stimmen mit ihrem Themeneintritt; das Thema kann in umgekehrten Intervallen, als Umkehrung, oder gar von hinten her aufgerollt, als Krebsgang, erscheinen. Niemals jedoch werden diese Techniken ihrer selbst willen eingesetzt, sie stehen immer im Dienst des musikalischen Ausdrucks. Zwar galt die streng polyphone Satztechnik unter Bachs Zeitgenossen als unmodern und war daher auch als 'alter Stil' bekannt, doch Bach brachte sie mit den modernen Ausdrucksmitteln seiner Zeit zu neuern Leben.

 

Im Gegensatz zur strengen Satztechnik der Fuge ist das ihr vorangestellte Präludium frei von solchen Zwängen. Von rein insrumentaler Herkunft, ist es weder an eine festgelegte Stimmzahl noch} an ein Formschema gebunden und entspringt der spontanen Eingebung des Komponisten oder Interpreten.

 

Eva Grant

 


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