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8.553862 - DUPRE: Works for Organ, Vol. 1
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Marcel Dupre: Orgelwerke, Vol I

Marcel Dupre: Orgelwerke, Vol I

 

Als Marcel Dupre 1971 imhohenAlter starb, konnte er auf eine lange und von Anerkennung gekrönte Karriere als Organist, Lehrer und Komponist zurückblicken. Daß sich diese drei Tätigkeiten bei ihm organisch ergänzten und gegenseitig befruchteten, läßt sich aus Dupres Werk im allgemeinen und aus den auf dieser CD eingespielten Kompositionen im besonderen sehr schön belegen.

 

Wie nahezualle komponierenden Organistenstand Dupre Zeit seines Lebens unter dem Einfluß von Johann Sebastian Bach. Von ihm lieh er sich die Titel für seine Werke, ihm eiferte er in der Meisterschaft des Kontrapunkt nach, von ihm lernte er, auchaus für den pädagogischen Gebrauch bestimmtem Kompositionen, noch kleine Meisterwerke zu machen. Pädagogischen Charakter haben auf der vorliegenden CD vor allemzwei Werkgruppen: Zum einen die 1930 entstandenen 79 Choräle op. 28, zum anderen die 24 Inventionen op. 50, die Dupre in seiner kurzen Zeit als Direktor des Pariser Konservatoriums schrieb.

 

Die Choräle op. 28 sind Werke, die zum Gebrauch für die Orgelstudenten Dupres gedacht waren. Sie sollten der Ergänzung der Choralvorspiele Johann Sebastian Bachs dienen, die für den noch nicht so fortgeschrittenen Schüler als zu schwierig erachtetwurden. Als besonderen Service an seinen jungenKunden und an deren Lehrerngab Dupredeshalb auch einenach dem Schwierigkeitsgrad geordnete Reihenfolge vor, die dem Studierenden das schrittweise Vorgehen erleichtern sollte.

Am Pariser Konservatorium wandte sich der Komponist erneut den pädagogischen Kompositionen zu. Den Begriff Inventionen für sein Opus 50 entlieh er sich dabei wieder vom Leipziger Thomaskantor. Allgemein wollten Bach und viele seiner Zeitgenossen und Vorläufer mit dieser Bezeichnung auf die besondere Rolle der melodischen Eingebung in diesen Stücken hinweisen. Das allein aber war Bach -und natürlich auch Dupre -nicht genug. Das thematische Material mußtenicht nur guterfundensein, sondern vielmehr, und vielleicht in erster Linie, auch einfallsreich verarbeitet werden. Die Themen werden bei Dupre in den meisten Fällen kontrapunktisch verarbeitet. Der Reiz der Kompositionen liegt aber nicht zuletzt darin, daß sie sowohl was die Abfolge und Verschiedenartigkeit der Stimmungen betrifft, als auch in bezug auf die verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten des Instruments, eine ungewöhnliche Vielfalt aufweisen. Und noch etwas lieh sich Dupre hier von Bach: Wie in dessen Wohltemperierten Klavier schrieb er in allen Dur- und Moll-Monarten.

 

Die beiden anderen hier eingespielten Werkkomplexe waren offenbar nicht in erster Linie zum Gebrauch für Studenten und Lehrer bestimmt. Die Choräle op. 28 sind eindeutigGebrauchsstücke für Dupreselbst, und wurden von ihm im Gottesdienst dargeboten. Die in den sechziger Jahren fertiggestelltenfugen op. 63 dagegen sind ein Alterswerk, in dem der Komponist noch einmal seine Meisterschaft auch unter streng einschränkenden Bedingungen nachweisen wollte. Die vier fugen stehen in den altgriechischen Tonarten. Dupre schrieb sich außerdem selbst vor, daß alle sieben Noten der jeweiligen Tonleiter im Fugenthema vorkommen müssen, und daß das Thema in der Tonika beginnen und enden muß. Nicht zuletzt diese Beschränkungen, die wiederum an Bachs Wohltemperiertes Klavier erinnern, machen die Werke zum letzten Beweis der kompositorischen Meisterschaft ihres Schöpfers.

 

@ 1996 Harry Torun

 


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