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8.553991 - OBOE (THE ART OF THE) - Famous Oboe Concertos (Camden)
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Die Kunst der Oboe
Berühmte Oboenkonzerte

Die Oboe, ein Holzblasinstrument mit doppeltem Rohrblatt, wurde gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Frankreich entwickelt und fand noch irn seiben Jahrhundert Aufnahme in der venezianischen Oper. Auch Venedigs San Marco Basilica stellte 1698 ihren ersten dauerhaften Oboisten an, und namhafte Oboisten ließen sich bald in der Stadt nieder. Angesichts der führenden Rolle Italiens und insbesondere Venedigs bei der Entwicklung des Concertos konnte es nicht lange dauern, bis in Italien auch Concerti mit Oboenparts geschrieben wurden. Allerdings wurde dem Instrument von den italienischen Komponisten, insbesondere von Vivaldi, zunächst vielmehr die Rolle einer Ersatzvioline beigemessen. Eine individuellere Behandlung verdankte die Oboe dann Tomaso Albinoni, dem Zeitgenossen Vivaldis, der auch Gesangslehrer und mit einer Operndiva verheiratet war. Dieser setzte das Holzblasinstrument der Gesangsstimme gleich und ließ sich bei den Oboenparts seiner Concerti von der Opernarie inspirieren. Das Konzert op. 9, Nr. 5 ist ein typisches Beispiel für Albinonis Spätstil, dessen Kontrapunktik niemals auf Kosten schöner Melodien geht. Wenn die Tonart C-Dur oft mit Triumph, Glanz und einer Spur von Prunk assoziiert wird, so trifft das auch auf das Konzert op. 7, Nr. 12 zu. Den nötigen Kontrast dazu liefern die langsamen Sätze des Konzerts, die in anderen Tonarten stehen.

Georg Friedrich Händel wurde 1685, im selben Jahr wie J.S. Bach geboren, verbrachte aber den Großteil seines Lebens als berühmter Komponist im Ausland. Nach einer kurzen Tätigkeit an der kalvinistischen Domkirche in seiner Heimatstadt Halle zog ihn schon früh die Opernbühne an, und folglich ging er nach Harnburg, einem der führenden Opernzentren Europas der Zeit. Dort wäre er beinahe bei einem Duell mit dem Komponisten Johann Mattheson um's Leben gekommen. Über Italien, wo er sich mit dem Cembalisten Domenico Scarlatti „duellierte“, diesmal allerdings auf dem Cembalo und auf der Orgel, zog er nach London, wo zu jener Zeit die italienische Oper als höchste Form der Unterhaltung gefeiert wurde. Dort dominierte Händel mehr als zwei Jahrzehnte lang die Opernkultur des Landes. Als das Unternehmen, das er leitete, wegen zunehmender Konkurrenz Verluste machte, wandte er sich einem neuen Genre, dem Englischen Oratorium zu. Händel starb 1759, war aber weit über seinen Tod hinaus Londons einflußreichster Musiker.

Auf der heutigen Konzertbühne ist seine Instrumentalmusik stärker vertreten als sein Opernschaffen. Sein drittes und letztes Oboenkonzert in g-Moll scheint zum ersten Mal 1863 in Leipzig gedruckt worden zu sein und stammt vermutlich aus dem Jahre 1703. Das viersätzige Werk beginnt mit einer feierlichen, langsamen Einleitung im Stil der französischen Ouvertüre, der seinerzeit in Rom so umstritten war.

Das sogenannte Idomeneus-Konzert verdankt seinen Namen der Tatsache, daß es 1806 als Ergänzungsmusik für eine Aufführung von Mozarts Oper Idomeneo, Rè di Creta am Berliner Königlichen Nationaltheater geschrieben wurde. Für diesen Anlaß wurden Stücke von Ferdinando Paer, Bernhard Anselm Weber und Vincenzo Righini eingeschoben. Letzterer war seit 1793 Kapellmeister des Berliner Theaters. Die Berliner Italienische Oper wurde im Jahre 1806 aufgrund des Krieges geschlossen, aber unter Righini 1811 wieder eröffnet. Righinis Konzert wurde dem Chorstück Idomeneo, Godiam la pace angehängt, das den Frieden besingt und daher so bedeutungsvoll für diese Zeit war. Das Werk überlebte in Form einer Partitur jener Berliner Aufführung von Idomeneo, bei der der seinerzeit vielbewunderte Oboist Friedrich Westenholz den Solopart spielte.

Der Geiger und Komponist Arcangelo Corelli trug mehr als andere Komponisten seiner Zeit zur Entwicklung der barocken Formen des Concerto Grosso, der Soloviolinsonate sowie der Triosonate bei, die zum Modell für spätere Komponisten wurden. Das vorliegende, von Sir John Barbirolli arrangierte Werk steht in der Form eines Concerto da Camera. Dabei handelt es sich um eine Folge von Tanzsätzen, denen ein Preludio vorausgeht. Das Concerto schließt mit einer Giga ab.

Der 1749 geborene Domenico Cimarosa war zu Lebzeiten insbesondere als Komponist italienischer Buffa-Opern bekannt. Auf Cimarosas Klaviersonaten jedoch geht das hübsche Oboenkonzert zurück, das der in Australien geborene Arthur Benjamin im Jahre 1942 komponierte. Das Konzert steht eher unter dem Zeichen spätbarocker als klassischer Musik, wenngleich Cimarosa gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf der Höhe seiner Karriere angelangt war. Der rührenden Introduzione folgt ein lebhaftes Allegro und dann eine Siciliana, der für die Barockmusik typische, zarte und langsame Tanz. Das Werk schließt mit dem heiteren Allegro giusto ab.

Auch der italienische Komponist Vincenzo Bellini ist mehr für seine Opern als für seine Instrumentalmusik bekannt. Er erzielte seinen ersten Erfolg auf der Opernbühne mit seiner dritten Oper, Il pirata. Dieser folgten noch sieben weitere Opern. Als Belcanto-Komponist begründete sich seine Kunst auf den Gesang und den Fluß schöner Melodien. Der Komponist starb 1835 als gefeierter Mann in Paris mit nur 33 Jahren. Sein charmantes Oboenkonzert in Es-Dur entstand wie sein gesamtes Instrumentalschaffen vor dem Jahre 1825, während seiner Studienzeit am Konservatorium von Neapel. Nach einer kurzen aber dramatischen Einleitung betritt das Soloinstrument die Szene mit einer Melodie, deren opernhaftes Gepräge das zukünftige lyrische Schaffen dieses Meisters ankündigt. Die Aria leitet direkt zu einem spritzigen schluB über.

Sowohl das Air als auch das Rondo wurden von der englischen Oboistin Evelyn Rothwell für Oboe arrangiert und von Anthony Camden für Orchester gesetzt. Die fallenden Arpeggiofiguren des Air weisen auf Händels Instrumentalmusik hin. Das folgende Rondo stellt seiner Form entsprechend ein lebhaftes Thema vor, das dann nach kontrastreichen Zwischenspielen stets wiederkehrt.

Die Herkunft der Suite in g-Moll ist nicht bekannt, wird im allgemeinen aber Händel zugeschrieben. Das Manuskript stammt aus der Bibliothek der Fürstenberg-Familie und wurde für diese Aufnahme von Anthony Camden bearbeitet. Eine feierliche Einleitung, die zweifellos Händels Handschrift trägt, umrahmt den schnelleren Tanzteil und leitet dann zu einer Gavotte und zwei Bourées über, die abwechselnd gespielt werden. In der langsamen Sarabande kann sich die Oboe mit einer solistischen Arie entfalten, die ganz im Kontrast zum folgenden Rigaudon steht. Die Passacaille haIt sich an das barocke Variationsmuster, und dann schließt die Suite mit einem flotten Passepied ab.


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