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8.554288 - BEETHOVEN, L. van: Triple Concerto / Piano Concerto in D Major, Op. 61a (Jando, Dong-Suk Kang, Kliegel, Drahos)
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Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Konzert für Klavier, Violine und Violoncello mit Orchester in C-Dur op. 56
Konzert für Violine in D-Dur op. 61 (Klavierversion op. 61a)

Seit jeher hat das Leben Ludwig van Beethovens ein tiefes Interesse bei den Musikliebhabern aller Welt gefunden.

Sein Weg aus einer bedrückten Kindheit, einer unbefriedigten Jugend in eine glanzvolle Periode des Ruhms und eine kaum je erhoffte soziale Stellung in der damals ersten Musikstadt der Welt, Wien ist ebenso bekannt geworden, wie der zweite Teil seines Lebens, der immer tiefer in die Einsamkeit, die Krankheit, das Rebellentum führte, aber auch in die immer stärker werdenden künstlerischen Visionen.

Am 16 Dezember 1770 in Bonn geboren, wurde Beethoven zunächst von seinem Vater, einem mittelmäßigen Tenoristen an der Hotkapelle, unterrichtet. Die weitere Ausbildung besorgten Verwandte und Freunde. Großen Einlluß übte Christian G. Neefe, Musikdirektor und Hoforganist in Bonn, aus. Erste Kompositionen entstanden um 1783, als Beethoven ihn an der kurfürstlichen Kapelle vertrat, bald darauf wurde der Dreizehnjährige als Gencralbaßspieler angestellt. 1787 ging er nach Wien, um bei Mozart zu studieren, brach aber dcn Aufenthalt ab; die schwere Erkrankung seiner Mutter zwang ihn zurückzukehren. 1792, nach einer Zeit als Bratschist und Organist am Hof, siedelte er endgültig nach Wien über, wo er bei Haydn, Schenk. Albrechtsberger und Salieri seine musikalischen Studien vollendete und als Pianist in adeligen Häusern brillierte. Schon um die Jahrhundertwende zeigten sich erste Anzcichen eines Gehörleidens; ab 1818 konnte er sich mit der Umwelt nur noch schriftlich verständigen. In einer als "Heiligenstädter Testament" bezeichneten Schrift aus dem Jahre 1802 versuchte er die Last seines Schicksals darzulegen, das in der Folge zu völliger Ertaubung führte Am 26 März 1827 verstarb er, in absoluter äußerer und innerer Vereinsamung.

Das rheinische Geistesleben seiner Jugendzeit hatte in Ludwig van Beethoven nachhaltige Spuren hinterlassen. Der in der kurkölnischen Residenz Bonn herrschende Anfklärungskatholizismus bestimmte seine religiösen und kirchlichen Ansichten. Die neuen Ideen der Französischen Revolution beeindruckten den fortschrittsgläubigen Jüngling derart, daß er zum überzeugten Republikaner wurde. Seine geistige Mitte aber fand er auf Dauer in d cm Freiheitsidealismus Schillers und der Ethik Kants. In seiner einzigen Oper Fidelio fand diese höchstpersönliche Denkart ihren Ausdruck.

In erster Linie aber war Beethoven ein Symphoniker und Instrumentalmusiker, er entwickelte den Stil Haydns und Mozarts entscheidend weiter, vergrößerte das Orchester und fand zu einer nie gekannten dramatischen Ausdruckskraft.

Das Konzert für Violine, Violoncello, Klavier und Orchester in C-Dur op. 56, das sogenannte "Tripelkonzert" entstand in den Jahren 1803/4. einer sehr produktiven Phase des Komponisten, die auch die 3. Symphonie hervorbrachte. Der vergleichsweise leichte Klavierpart war für den damals sechzehn­jährigen Erzherzog Rudolph gedacht, einen Klavierschüler Beethovens. Höhere Anforderungen indes stellen der Violinpart, der für Carl August Seidler bestimmt war und vor allem der Cellopart, den Anton Kraft, seinerzeit Solocellist unter Joseph Haydn in der

Esterházyschen Kapelle, ausüben sollte. 1804 bot Beethoven das Werk dem Verlag Breitkopf & Härtel an, mit dem Hinweis Konzertant und der Bemerkung, daß die Besetzung mit solchen konzertierenden Stimmen doch auch etwas Neues sei. Herausgegeben wurde es allerdings erst im Jahre 1807, in Wien im Kunst- und Industrie-Comptoir.

Manche suchten das Tripelkonzert aus der Tradition der Sinfonia concertante zu interpretieren, jener aus dem barocken Concerto grosso gewachsenen Form, die eine Gruppe von Solisten dem Tutti gegenüberstellt. Ein seinerzeit äußerst beliebtes Genre: aus dem Zeitraum zwischen 1760 und 1850 sind etwa fünfhundert solcher Sinfonie concertanti von etwa hundertfünfzig Kom­ponisten überliefert. Besonders im unproblematischen Largo, das an ein Menuett erinnert und dem abschließenden Rondo alla polacca, scheint sich Beethoven dieser Tradition anzuschließen. Hier wird den Solisten Gelegenheit zum virtuosem Ausleben gegeben; der Rhythmus ist bewegt, vorwärtsdrängend, ein wenig äußerlich vielleicht, weshalb man Beethoven die innere Anteilnahme absprach und das Tripelkonzert Wertuug abwertete. Eine Ehrenrettung des Werkes unter-nahm in den vierziger Jahren der englische Musikhistoriker Sir Donald Francis Tovey, der auf die wichtige Rolle des Tripelkonzerts innerhalb der konzertanten Tonsprache Beethovens hingewiesen hat. Auch bei der offiziellen Uraufführung, im Mai 1808 im Augartensaal, fand das Werk wenig Gnade. Es hatte sich, wie ein Chronist festhielt gar keinen Beifalls zu elfreuen. Es wurde dann auch selten gespielt, denn die nächsten Aufführungen datieren von 1820 und 1830.

Beethovens einzigem Violinkonzert in D-Dur op. 61 erging es zunächst nicht anders. Dieses heute von den Geigern der Welt als höchster Ausdruck seines Genres (neben jenem von Brahms und denen von Bach) geschätzte Werk entstand 1806. Der Meister übergab es dem Ersten Geiger des Theaters an der Wien Franz Clement, der es in einem Konzert am 23. Dezember 1806 uraufführte. Die gedruckte Ausgabe wurde dem treuen Freunde Stephan von Breuning gewidmet; dessen Frau erhielt eine Version für Klavier (op. 61a), die vielleicht von Beethoven selbst, womöglich aber unter seiner Leitung adaptiert wurde. Beide Versionen wurden 1808 in Wien veröffentlicht.

Aus heutiger Sicht ist es mehr als erstaunlich, daß dieses heikle und höchst anspruchsvolle Werk, das stets in allen Einzelheiten geprobt zu werden pflegt, dem Geiger Clement und dem Ensemble erst am Konzertmorgen in Manuskriptform übergeben wurde, also nahezu vom Blatt gespielt wurde! So können wir uns auch nicht wundern, daß tags darauf in der Wiener Theaterzeitung zu lesen war: Über Beethovens Konzert ist das Urteil von Kennern ungeteilt; es gesteht demselben manche Schönheit zu, bekennt aber, daß der Zusammenhang oft ganz zerrissen und daß die unendlichen Wiederholungen einiger gemeinen Stellen leicht ermüden könnten. Und an anderer Stelle heißt es: Man fürchtet, wenn Beethoven auf diesem Weg fortwandelt, so werde er und das Publikum übel fortfahren. Erst vierzig Jahre später gelang es dem Geiger Joseph Joachim, das Werk ins Repertoire einzuführen.

Das Violinkonzert eröffnete Beethoven die Möglichkeit, den neuen symphonischen Konzertstil, den er bereits im Tripelkonzert und im 4. Klavierkonzert op. 58 erprobt hatte, weiterzuentwickeln. Fünf Paukenschläge, die motivischen Charakter tragen, leiten den umfangreichen fünfhundertfünfunddreißig Takte(!) umfassenden ersten Satz (Allegro, ma non troppo) ein. Dieser Rhythmus wird zum Grundstein des ganzen ersten Satzes; länger als gewöhnlich währt die Orchesterexposition, die verschiedene Themen bringt, bis schließlich der Solist mit aufsteigenden schwer rein zu intonierenden Oktavengängen einsetzt, um dann das erste Thema zu spielen. Es folgen dramatische Gegenüberstellungen der beiden Hauptthemen. Der Höhepunkt wird in einer Kadenz – sie stammt von Beethoven selbst – erreicht, die an den Interpreten hohe Anforderungen stellt; diese mündet in das zweite Thema, das von berückender lyrischer Schönheit ist. In erschütternder Innerlichkeit endet der erste Satz; eine Stimmung, die im Larghetto fortgesetzt wird. Auch dieser Satz wird von einer Kadenz gekrönt, bevor er ohne Pause in den letzten Satz (Allegro) übergeht. Sein Hauptthema ist spielerisch geradezu fröhlich, die Seitensätze indes von verschiedenem Charakter. Der eine mutet wie ein fröhliches Jagdmotiv an, ein anderer bringt ein wehmütiges Moll-Motiv. Gegen Ende scheinen die Klänge sich zu verflüchtigen… bis zwei starke Schlußakkorde dem Werk ein Ende setzen.

Teresa Pieschacón Raphael


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