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8.554313 - GRANADOS, E.: 12 Spanish Dances (Torres-Pardo)
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Enrique Granados (1867-1916)
Klavierwerke

Am 24 März 1916 wurde die Sussex – das Schiff, auf dem Enrique Granados nach dem Erfolg seiner Ballettoper Goyescas an der New Yorker Metrapolitan Oper nach Spanien zurrückkehren wollte – zwischen Folkstone und Dieppe von einem deutschen U-boot torpediert und versenkt. Durch seinen Tod verlor sein Heimatland Spanien einen seiner begabtesten Komponisten. In der Tat waren es Granados und Isaac Albéniz (1860-1909), die als prominente Vertreter nationaler und spätromantischer Strömungen die Geschichte der spanischen Musik auf einen entschieden internationalen Horizont zulenkten. Granados kam am 27 Juni 1867 in Lérida zur Welt und starb vor seinem 49. Geburtstag, auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

Sein Meisterwerk sind die bereits erwähnten Goyescas, wobei hier wohlgemerkt seine unsterblichen Goyescas für Klavier gemeint sind, die erst später zur Oper umgearbeitet wurden. Der Klaviersatz dieses Werks enthält komprimiert Granados' ganzen Kompositionsstil, in dem eine Verschmelzung verschiedenster Aspekte gelang: der reinen Romantik seiner Lieblingskomponisten Chopin und Schumann verlieh er einen Hauch Madrilenischer Stimmung, wie sie uns bei Goya begegnet. Die Malerei was denn auch die zweite große Leidenschaft Enrique Granados' und die besondere Bewunderung für Goya ließ ihn sogar dessen Gemälde – übrigens durchaus gekonnt – kopieren.

Zu seinen berühmten Kompositionen zählt auch die Sammlung der Danzas españolas (Spanische Tänze), die in vier Hefte untergliedert ist. Jedes von ihnen enthält – ganz wie bei Albéniz' Iberia Suite – drei Stücke. Der erste Tanz mit dem Titel Galante ist eine Art Bolero mit einer brillianten und eleganten Eröffnung. Aufgrund seiner Melismen eindeutiger Herkunft ist der zweite Oriental überschrieben. Der dritte Tanz – ein Fandango – wird durch einen wiederholtenmännlichßenergischen Impuls und die Bezeichnung energico (kraftvoll) charakterisiert. Das zweite Heft beginnt mit einer einzartigen pianistischen Kostbarkeit: einer Villanesca ländlichen Ursprungs, die nach Granados' Angabe alla pastorale zu spielen ist. Der berühmteste der ganzen Sammlung ist der fünfte, monothematische und liedhafte Tanz, der sich aus einer Anfangssstimmung matter Traurigkeit allmählich zu immer größerer Dramatik und Brillianz aufschwingt. Statt als Playera wird er oft als Andaluza bezeichnet. Eine echte Jota mit eingeschlossenem Volkslied ist die Rondalla Aragonesca, der sechste Tanz. Die das dritte Heft einleitende Valenciana oder Calesera entfältet wiederum den kraftvollen Schwung spanischer Jotas, in diesem Falle valencianischer Prägung und zeichnet sich durch einen äußerst wirkungsvollen Einsatz sparsamer Mittel aus. Der acht Tanz ist eine Sardana mit ihrer rhythmischen Eigentümlichkeit, die hier wie eine katalonische cobla interpretiert wird. Romantic ist der neunte Tanz überschrieben, der neben einigen Chopin-Anklängen auch Einschübe einer Tonadilla und Anspielungen auf den zapateado, der spanische Form des Schuh-Plattlers, enthält. Die Melancolica leitet als zehnter der Danzas españolas das vierte Heft ein und verflicht in kunstvoller Dreistimmigkeit Melodie und Begleitung zn einem organischen Ganzen. Die folgende Arabesca beschreibt eine zambra, also ein Mohrenfest, während der zwölfte und letzte Tanz eindeutig als urspanischer Bolero zu identifizieren ist.

Estudio ist die Aufzeichnung einer freien Variation über ein geistvolles Thema und erschien postum 1937 im Rahmen eines Andantino espressivo.

Übersetzung: Alexalldra Maria Dielitz


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