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8.554380 - PACHELBEL: Organ Works
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Johann Pachelbel (1653-1706)
Orgelwerke, Folge 1

Der im Jahre 1653 in Nürnberg geborene Johann Pachelbel war der Hauptvertreter der sogenannten Süddeutschen Orgelschule der Generation vor J.S. Bach. Sein umfangreiches Schaffen für die Orgel wirkte auf nachfolgende Orgelmeister und Komponisten ein und ist heute noch ein unverzichtbarer Teil des gängigen Orgelrepertoires. Sein bekanntestes Werk, Kanon und Gigue für drei Violinen und Generalbaß, hat nichts von seinem ursprünglichen Reiz eingebüßt und erscheint immer wieder in neuen Arrangements.

Pachelbel genoß eine fundierte Schulbildung. Sein Studium an der Altdorfer Universität mußte er wegen einer finanziellen Notlage seines Vaters abbrechen, jedoch wurde er wegen seiner Begabung als Alumnus in das protestantische Regensburger Gymnasium Poeticum aufgenommen. Gleichzeitig nahm er Privatstunden im Orgelspiel bei einem Schüler Johann Kaspar Kerns, der selbst ein Schüler des italienischen Komponisten Carissimi war.

Im Jahre 1763 wurde Pachelbel Aushilfsorganist am Wiener Stefansdom, wo Kerll erster Organist war. Ob Pachelbel von Kerll unterrichtet wurde, steht nicht

Fest. Zweifellos stand er aber unter dem Einfluß des Meisters, der so vertraut mit dem italienischen Stil war.

Vier Jabre später wurde Pachelbel als Hoforganist nach Eisenach berufen, wo er für den Gottesdienst des Hofes in der Georgenkirche zuständig war und in der Kapelle Johann Georgs von Sachsen-Eisenach diente. Pachelbel verließ den Hof aber schon ein Jahr später, während einer Trauerzeit nach dem Tod des Herzogs Bernhard, der ein Bruder Johann Georgs war. Bei seinem Weggang wurde ihm eine Universal Recommendation ausgestellt, die ihn als einen perfecten und raren Virtuosen rühmte.

Sein nächstes Amt brachte ihn nach Erfurt als Organist der protestantischen Predigerkirche. Dort verband ihn eine enge Freundschaft mit der Familie Bach. Er wurde Taufpate von Johann Sebastians Schwester Johanna Juditha und unterrichtete drei Jahre lang den ältesten Bruder der Familie, Johann Christoph aus.

Mit 28 Jahren heiratete Pachelbel die Tochter eines Stadtmajors. Doch bereits zwei Jahre später starben sowohl seine Frau als auch ihr Säugling an der in Erfurt wütenden Pest, wovon die Musikalischen Sterbens­-gedanken offenbar ein Widerhall sind. Aus seiner zweiten Ehe mit der Tochter eines Erfurter Kupferschmieds gingen zwei Töchter und fünf Söhne hervor.

Im Jahre 1690, nach zwölf Jahren in Erfurt, zog Pachelbel nach Stuttgart, um am dortigen Hof als Organist zu dienen. Doch schon im Herbst 1692 floh er vor der französischen Invasion aus der Stadt. Daraufhin ging er nach Gotha.

Im Jahre 1695, nach dem Ableben des Organisten an der Nürnberger Sebalduskirche, kehrte Pachelbel in seine Geburtsstadt zurück. Er war nun ein anerkannter Organist und Komponist. Die Nürnberger Stelle mußte er sich nicht mehr durch das gängige Probespiel verdienen, sie wurde ihm angeboten. Pachelbel starb 1706 in Nürnberg.

Pachelbels Präludium in d-Moll wird von einem Thema im Pedal eröffnet, welches in den Manualen imitiert wird. Darauf folgen eindrucksvolle Akkorde und Arpeggien. Auch der feierliche Schluß wird durch gewaltige Akkorde angekündigt.

Der erste der fünf folgenden Choräle, Komm Schöpfer, heiliger Geist, basiert auf Martin Luthers Übersetzung von Veni, Creator Spiritus. Pachelbel wurde in Erfurt angewiesen, für diesen Choral ein sorgfältig ausgearbeitetes Präludium zu schreiben, das von der Kirchengemeinde gesungen werden sollte. Das so entstandene Choralvorspiel Komm Schöpfer, heiliger Geist ist vierstimmig angelegt und führt die Melodie der Hymne als Cantus firmus.

Die modale Fantasie in g-Moll ist vornehmlich akkordisch angelegt und zeichnet sich durch eine Kette von Vorhalten sowie durch unerwartete Modulationen aus.

Die Toccata in C-Dur wird von lang ausgehaltenen Pedaltönen eingeleitet, über welchen sich die Eröffnungsfigur des Stückes entfaltet.

Pachelbel greift mit Gott der Vater wohn uns bei auf Luthers Version einer beliebten deutschen Hymne zurück. Dem Cantus firmus der Hymnenmelodie fügt der Komponist in seinem groß angelegten Werk drei Stimmen hinzu.

Pachelbel schrieb insgesamt sechzehn Toccaten. Er drückte sich mit den Toccaten in g-Moll, e-Moll, c-Moll und C-Dur in einem Genre aus, das durch eine ungebundene Form und den Wechsel von akkordischen und figurierten Passagen charakterisiert wird. Die Toccata in e-Moll besticht durch ihre dramatischen Untertöne und durch ihre ungewöhnlichen Modu-­lationen, während die Toccaten in c-Moll und C-Dur über dem Fundament des Pedals ein einheitliches Geflecht in den Oberstimmen ausbreiten.

Pachelbel hinterließ drei Ricercars. Das Ricercar ist ein altes Genre, das auf der polyphonen Schreibweise beruht und als Vorform der Bachschen Fuge gilt. Das Ricercar in c-Moll stellt ein aufsteigendes, chromatisches Thema vor, das von den anderen Stimmen imitiert wird. Das Thema wird mit allen Kunstgriffen der Polyphonie verwandelt. Im letzten Abschnitt erscheint es in lebhaften Umspielungen und am Schluß in seiner Umkehrung in Kombination mit dem späteren Thema.

Das Ricercar in fis-Moll, eine seltene Tonart für Pachelbels Zeit, folgt dem Vorbild des vorhergehenden Stückes mit den Imitationen und Umkehrungen der beiden Themen. Auch hier werden die beiden Themen am Schluß kunstvoll miteinander verflochten.

Aus Pachelbels Gesamtwerk sind 26 Fugen erhalten, von denen drei hier eingespielt sind. Die erste stellt ein heiteres Thema vor, das im Verlauf des Werkes von den anderen Stimmen imitiert wird. Dem chromatisch abfallenden Thema der Fuge in d-Moll wird eine kontrastierende Stimme gegenübergestellt. Die Fuge in D-Dur basiert auf einem heiteren Thema und bringt die Einheitlichkeit dieser Gattung auf eindrucksvolle Weise zum Ausdruck.

Die Chaconne war ein in der Barockzeit beliebtes Variationsstück, das sich über einer stets wiederkehrenden und meist fallenden Baßlinie, genannt Ostinato, entfaltet. Die Ciacona in f-Moll bietet einfallsreiche Variationen mit kontrastreichen Um­spielungen über den vier abfallenden Baßtönen. Die zweite von Pachelbels sechs Chaconnes, die Ciacona in d-Moll, folgt demselben Modell, wenngleich ihr ein anderes Ostinato zugrunde liegt.

Die drei abschließenden Stücke basieren auf Weihnachtschorälen. Das erste, Gelobet seist du, Jesu Christ, ist wiederum ein Choralvorspiel. Der cantus firmus des dreistimmigen Stückes stammt von Luthers Version einer deutschen Hymne. Der Tag, der ist so freudenreich veranschaulicht die sogenannte Kombi­nationsform. Hier gehen dem Choralteil ein Präludium und eine Fuge voraus. Vom Himmel hoch, da komm ich her beruht wiederum auf Luthers Version eines biblischen Ereignisses.

Übersetzung: Eva Grant


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