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8.554421 - MOZART: Mass No. 18 in C Minor, K. 427, 'Great' / Kyrie in D Minor, K. 341
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Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Messe in c-Moll, KV 427; Kyrie in d-Moll, KV 341

Wolfgang Amadeus Mozart wurde 1756 in Salzburg geboren. Er war der Sohn des Geigers und Komponisten Leopold Mozart, der in Diensten des Erzbischofs von Salzburg stand. Die musikalische Ausbildung Mozarts lag in den Händen des Vaters. Er plante und organisierte zudem die Konzertreisen des Wunderkindes Wolfgang Amadeus durch die großen europäischen Städte. Als junger Mann trat Mozart in die Dienste des neuen Erzbischofs von Salzburg. Ihm behagte aber die Pflichtbesessenheit des Erzbischofs nicht, er versuchte, eine geeignete Stellung in Paris oder in Mannbeim zu finden. Seine Hoffnungen wurden enttäuscht und er kehrte zu seinem ehemaligen Dienstherrn zurück. 1781 kam es zum endgültigen Bruch. Mozart, der soeben mit seiner Oper Idomeneo in München großen Erfolg hatte, wurde vom Erzbischof nach Wien zitiert; er hatte sich untertänigst seiner Gefolgschaft anzuschließen. Mozart fühlte sich unwürdig behandelt und reichte erneut seine Entlassung ein, die mit dem berühmten Fußtritt quittiert wurde. Er verbrachte seine letzten zehn Lebensjahre größtenteils in Wien, ohne ein festes Einkommen und ohne die Unterstützung seines umsichtigen Vaters, dafür mit einer Frau, die keine Mitgift in die Ehe einbrachte. Der anfängliche Erfolg wich ernsten finanziellen Schwierigkeiten. 1791 schienen sich die Dinge zum besseren zu wenden, allerdings zu spat: Mozart starb im Dezember desselben Jahres.

Mozart versuchte in einem Brief vom 4. Januar 1783, seinen Vater versöhnlich zu stimmen. Ihr Verhältnis war gespannt, seitdem der Sohn ein Jahr vorher Constanze Weber ohne Einverständnis des Vaters geheiratet hatte. Erst im Sommer 1783 stellte er seine Frau dem Vater und der Schwester in Salzburg vor. In demselben Brief spricht Mozart von einem Gelübde, das er bald einlösen werde, und in diesem Zusammenhang von einer halb fertigen Messe. Allem Anschein nach handelte es sich dabei um die Messe in c-Moll KV 427. Welche Art Gelübde Mozart gemeint hat, ist nicht genau geklärt. Man nimmt an, daß diese Komposition zumindest teilweise mit der Krankheit seiner Frau, mit seiner Heirat oder mit der Geburt seines ersten Kindes in Beziehung steht. Möglicherweise hatte Mozart Gott um einen glücklichen Ausgang der Dinge angefleht und gelobt, als Zeichen seiner Dankbarkeit eine Messe zu komponieren.

Mozart hielt sich vom 29. Juli bis zum 27. Oktober 1783 gemeinsam mit seiner Frau in Salzburg auf. Seine Schwester Nannerl notierte in ihrem Tagebuch, daß am 26. Oktober eine Messe des Bruders in der Kloster­kirche St Peter zu Salzburg aufgeführt worden sei, mit seiner Frau als Sopranistin. Das fragliche Werk war höchstwahrscheinlich die vorliegende unvollendete Messe, ergänzt durch Sätze aus anderen Messen oder durch Kirchenlieder. Der Tag der Aufführung war das Fest des heiligen St Amand, des Bischofs von Maastricht und eines der Schutzheiligen des Klosters. Das Credo, das normalerweise Bestandteil der sonutäglichen Messe ist, wurde an diesem Tag generell weggelassen. Mozarts unvollendetes Credo wurde also hier nicht benötigt, er hat diesen Satz aber auch später nie vollendet. Ebenso fehlt in dieser Messe das Agnus Dei. Im Jahre 1785 verwendete er Teile der Messe in c-Moll für seine Kantate Davidde penitente KV 469. Wie es mit so manchen unvollendeten Kompositionen Mozarts geschah, haben in späteren Jahren andere Komponisten den Versuch unternommen, das Werk zu vollenden.

Die Messe in c-Moll ist für Soli, Chor und Orchester komponiert. Der gemischte Chor wird zuweilen doppelchörig eingesetzt, als Gesangssolisten sind zwei Soprane, Tenor und Baß vorgesehen. In Salzburg wurde die Partie des zweiten Solosoprans vermutlich mit einem Kastraten besetzt, der am Hof angestellt war; der erste Sopran wurde von Constanze Mozart übernommen. Das Orchester besteht aus je zwei Oboen, Fagotten, Hörnern, Trompeten und Pauken, hinzu kommen drei Posaunen, Streicher und Orgelcontinuo. Die Messe in c-Moll spiegelt die Aus­einandersetzung Mozarts mit der Musik Händels und Johann Sebastian Bachs wider, mit der er sich auf Anregung seines Gönners Baron von Swieten zu beschäftigen begonnen hatte.

Diese große Tradition klingt bereits durch die Eckteile des Kyrie hindurch, in denen die Chorstimmen kontrapunktisch-imitierend geführt sind. Das Gegen­stück zu diesem monumentalen Stil bildet das Sopransolo des Chrisle eleison, das in seinen reichen Verzierungen italienische Einflüsse erkennen läßt.

Das Gloria in C-Dur entfaltet sich im Wechsel von Solo- und Chorpartien. Die Chöre erinnern an den Stil der Barockmeister, sie sind überwiegend fugenartig aufgebaut. Die drei solistischen Abschnitte schaffen klangliche Kontraste, unterstützt durch eine deutlich abgesetzte Instrumentierung des Orchesters. In jedem dieser Abschnitte tritt ein weiterer Solist hinzu, vom opernartigen Sopransolo über ein Duett für zwei Soprane bis hin zu einem Terzett für zwei Soprane und Tenor.

Das unvollendete Credo beginnt mit einem fünfstimmigen Chor. Nach einem Tonartwechsel von C- nach F-Dur erscheint das Herzstück des Glaubens­bekenntnisses, Et incarnatus est, gesungen vom Solosopran. Der Satz endet mit einer Kadenz für Solosopran und mehrere Soloinstrumente. Die Instrumentation ist im gesamten Satz unvollständig ausgeführt, die vorhandene Baßstimme und die bezeichneten Harmonien geben aber Aufschluß darüber, in welcher Art die Instrumentalstimmen weitergeführt werden sollten.

Das Sanctus in C-Dur ist wieder vollständig komponiert. Es beginnt mit einem Doppelchor, gefolgt von einer fugierten Vertonung des Hosanna, über der der Geist Händels schwebt, gesehen durch ein Mozartsches Prisma. Im Benedictus erscheinen erstmals alle vier Solostimmen. Mit der Wiederaufnahme des Hosanna endet der Satz, und in diesem Fall auch die unvollendet gebliebene Messe.

Mangels einer überlieferten Originalhandschrift wurde früher vermutet, daß Mozart sein Kyrie in d-Moll KV 341 in München komponiert hatte, Ende 1780 oder Anfang 1781. Heute geht man davon aus, daß das Werk in die spätere Wiener Zeit Mozarts einzuordnen ist, zwischen 1787 und 1791. Mozart setzt hier, zum ersten und zum letzten Mal in seiner gesamten Kirchenmusik, Klarinetten im Orchester ein. Einzig ihre Verwandten, die tieferen Bassetthörner, erscheinen in seinem unvollendeten Requiem von 1791. Der vorliegende Einzelsatz ist möglicherweise von Maximilian Stadler oder von dem Komponisten und Verleger Johann Anton André komplettiert oder zumindest bearbeitet worden. Andrés Edition des Werkes, aus der Zeit um 1825, ist die wichtigste Grundlage für spätere Ausgaben. Das Kyrie könnte der erste Satz einer geplanten Meßvertonung gewesen sein. In der Größe seiner Anlage weist es auf das Requiem voraus.

Deutsche Fassung: Tilo Kittel


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