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8.554513 - SCHUBERT, F.: Piano Works for Four Hands, Vol. 3 (Jando, Kollar)
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Franz Schubert (1797-1828)

 

Franz Schubert (1797-1828)

Ouvertüre F-Dur op. 34 D. 675 • Fantasie f-Moll op. 103 D. 940 • Deutscher mit Trios und zwei Ländler D. 618 • Variationen über ein Originalthema op. 82 Nr. 2 D. 968a

Trois Marches héroïques op. 27 D. 602

 

Franz Schubert wurde 1797 als Sohn eines Lehrers in Wien geboren, und hier verbrachte er auch den größten Teil seines kurzen Lebens. Sein Vater war 1783 aus Mähren gekommen, um wie sein Bruder in der Wiener Leopoldstadt als Schulmeister sein Brot zu verdienen. 1785 heiratete er eine Frau, deren Wurzeln nach Schlesien reichten und die ihm insgesamt vierzehn Kinder gebären sollte. Als deren zwölftes kam Franz zur Welt, und er war einer von nur vier Sprösslingen, die die ersten Kinderjahre überlebten. Dem Fünfjährigen gab der zwölf Jahre ältere Bruder Ignaz den ersten Klavierunterricht. Drei Jahre später begann er sich auch mit dem Geigenspiel zu beschäftigen, indessen er als Chorist an der Liechtenthaler Kirche tätig war. Eine Empfehlung von Antonio Salieri half ihm dabei, dass er im Oktober 1808 als Chorist der Kaiserlichen Kapelle angenommen wurde. Damit wurde er zugleich Schüler des Akademischen Gymnasiums. Er wurde im Internat des „Stadtkonvikts“ untergebracht und konnte sich seiner weiteren, wenngleich äußerst strengen Ausbildung sicher sein.

Die Freundschaften, die Schubert während seiner Schulzeit schloss, hielten ein Leben lang. Nach seinem Stimmbruch im Jahre 1812 erhielt er ein nicht unerwartetes Stipendium, das ihn in die Lage versetzt hätte, seine allgemeine schulische Ausbildung fortzusetzen. Er aber entschied sich für den beruflichen Weg eines Volksschullehrers, der ihm mehr Zeit für die Musik und vor allem für die Komposition ließ, in der er sich bereits hervorgetan hatte. 1815 wurde er Hilfslehrer seines Vaters, doch zeigte er für die Arbeit weder große Neigung noch Eignung. Statt dessen widmete er sich vor allem dem Kontakt mit den ehemaligen Schulfreunden und der Suche nach neuen Bekannten. 1816 lernte er Franz von Schober kennen, und dieser lud ihn ein, in seiner eigenen Wohnung zu leben. Dieses Arrangement erlöste Schubert von der Notwendigkeit, sein Auskommen im Klassenzimmer zu finden. Im August 1817 kehrte er allerdings nach Hause zurück, da Schober das Zimmer für seinen im Sterben liegenden Bruder brauchte. So stand Franz Schubert wieder am väterlichen Katheder, bevor er einen Teil der nächsten Sommermonate im ungarischen Zseliz verbrachte, wo er die beiden Töchter des Grafen Johann Karl Esterházy von Galánta musikalisch unterrichtete. Anschließend kehrte er nach Wien zurück, um bei einem neuen Freund, dem Dichter Johann Mayrhofer, zu wohnen. Ende 1820 war Schubert dann einige Monate in der Lage, sich aufgrund seines damaligen Einkommens eine eigene Wohnung zu mieten.

Zu dieser Zeit war Franz Schubert nicht mehr weit von größeren Erfolgen als Komponist und Musiker entfernt. Seine Freunde wie Leopold von Sonnleither oder ganz besonders der ältere Sänger Johann Michael Vogl verhalfen seiner Musik zu einem immer größeren Publikum. Zwar wurde eine neue Oper, die er gemeinsam mit Schober verfasste, von der Wiener Hofoper abgelehnt; insgesamt aber begann sich sein Name über den unmittelbaren Freundeskreis hinaus zu verbreiten. 1822 und 1823 lebte er wieder bei den Schobers, und damals verschlechterte sich seine Gesundheit zusehends, da er sich eine unheilbare venerische Infektion zugezogen hatte. Diese Krankheit überschattete seine letzten Lebensjahre und war der Grund für seinen frühen Tod. Man hat darin die unmittelbare Folge des liederlichen Lebenswandels gesehen, zu dem ihn Schober verführt und aufgrund dessen er sich zeitweilig einigen seiner langjährigen Freunde entfremdet hatte. Während der nächsten Jahre kehrte er mehrfach ins Elternhaus zurück. Derweil pflegte er weiterhin seine gesellschaftlichen Kontakte, wobei seine eigenen musikalischen Leistungen und intensiven kompositorischen Aktivitäten oft die Hauptrolle spielten. Im Februar 1828 fand in Wien das erste öffentliche Konzert mit seinen Werken statt. Dem Unternehmen war ein finanzieller Erfolg beschieden, und Schubert konnte den Sommer mit Freunden verbringen – unter anderem mit Schober. Im September übersiedelte er in die Vorstadt Wieden zu seinem Bruder Ferdinand, da er hoffte, dass sich sein gesundheitlicher Zustand hier wieder bessern würde. Die gesellschaftlichen Aktivitäten gingen indessen weiter, woraus man schließen kann, dass er sich des unmittelbar bevorstehenden Todes nicht bewusst war. Ende Oktober erkrankte er bei einem Abendessen, und in den nächsten Tagen verschlechterte sich sein Befinden rapide. Er starb am 19. November desselben Jahres.

Im Sommer 1819 hatten Vogl und Schubert eine Reise nach Steyr und Linz unternommen. Das unmittelbare kompositorische Resultat war das für Freunde aus Steyr geschriebene Forellenquintett gewesen. Wieder in Wien, begann Schubert im November mit der Arbeit an seiner fünften Messe sowie mit Liedern nach Goethe und Schiller. Zu dieser Zeit entstand vermutlich auch die Ouvertüre F-Dur

D. 675, die einzige von vier Ouvertüren für Klavier

zu vier Händen, bei der es sich um eine Originalkomposition und nicht um die Übertragung eines Orchesterwerkes handelt. Das Stück beginnt mit einem markigen und dramatischen Adagio f-Moll, dem sich ein Allegro mit der Exposition des thematischen Hauptmaterials anschließt. Am Ende steht eine furiose Passage im Sechsachtel-Takt. Das Werk wurde 1825 als Opus 34 veröffentlicht.

 

Weitaus gehaltvoller ist die Fantasie f-Moll D. 940, die Franz Schubert in den ersten vier Monaten seines letzten Lebensjahres 1828 verfasste. Im nächsten Jahr wurde die Komposition unter der Opuszahl 103 posthum veröffentlicht. Das Werk ist Comtesse Caroline, der jüngeren von zwei Töchtern des Grafen Johann Karl Esterházy von Galánta, gewidmet. Franz Schubert hatte die beiden Mädchen, zu deren Verwandtschaft auch die einstigen Dienstherrn von Joseph Haydn gehörten, in den Sommermonaten der Jahre 1818 und 1824 in Zseliz unterrichtet, und man traf sich auch, wenn sie sich in Wien aufhielten. Die Fantasie markiert den Höhepunkt seiner Leistungen auf dem Gebiet der vierhändigen Klaviermusik. Das Werk beginnt mit einem scharfen, eindringlichen Teil in f-Moll, dessen melodischer Auftakt sich schon bald nach F-Dur wendet, bevor schließlich wieder die ursprüngliche Tonart erreicht wird. Auch in den zweiten Abschnitt, ein Largo fis-moll, fallen die kurzen Sonnenstrahlen einer kantablen Durmelodie. Die kraftvoll punktierten Rhythmen weichen einem Allegro vivace mit D-Dur-Trio. Der Schlussabschnitt greift die scharfe f-Moll-Melodie des Anfangs wieder auf und führt diese kontrapunktisch weiter.

 

Der Deutsche von 1818 ist typisch für eine Musik, deren gesellschaftlicher Zweck klar definiert war. Der Tanz umrahmt zwei Trios, dessen zweites in kontrastierendem C-Dur steht. Mit der Wiederholung des eigentlichen Tanzes wird die Grundtonart G-Dur wieder aufgegriffen. Die beiden anschließenden Ländler sind zwar nicht als solche bezeichnet, bewegen sich aber dennoch klar in der Form dieses Tanzes. Die Werke wurden erst 1909 veröffentlicht.

Schuberts Variationen über ein Originalthema D. 968a dürften 1818 oder 1824 entstanden sein, vorausgesetzt, sie stammen tatsächlich von Schubert, was mitunter bezweifelt wird. Wenn sie authentisch sind, so gehören sie vermutlich in die Reihe vierhändiger Werke, die Schubert für die Comtessen Esterházy geschrieben hat. Die Veröffentlichung erfolgte erst 1860. Die Partitur besteht aus einer Introduction, die von einer kurzen Kadenz des ersten Spielers beschlossen wird. Darauf folgt ein einfaches Thema, das zunächst in triolischen Rhythmen und dann in rascherem Figurenwerk verändert wird. Die dritte Variation trägt ihre Überschrift brillante völlig zu Recht. Eine langsamere Variation und ein lebhaftes Finale beenden das Werk.

 

Die Trois Marches héroïques D. 602 waren für einen ähnlichen Zweck geschrieben und stammen entweder von 1818 oder aber aus dem Jahr ihrer Erstveröffentlichung (1824). Der erste Marsch in h-Moll benutzt Material aus einer unvollendet gebliebenen Vertonung der Schlacht von Schiller für Singstimmen und Klavier. Alle drei Märsche gehorchen den formalen und rhythmischen Standards und enthalten jeweils den quasi obligatorischen Trioabschnitt.

 

Keith Anderson

Deutsche Fassung: Cris Posslac

 


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