About this Recording
8.554542 - DUPRE: Works for Organ, Vol. 13
English  German 

Marcel Dupré (1886-1971)

Marcel Dupré (1886-1971)

Orgelwerke, Folge 13

 

Marcel Dupré wurde 1886 im französischen Rouen als neues Mitglied einer Familie von Organisten und Musikern geboren. Er wurde von seinem Vater unterrichtet und erhielt bereits mit zwölf Jahren seine erste Anstellung als Organist. 1898 wurde er Schüler von Alexandre Guilmant am Pariser Conservatoire. Außerdem studierte er bei Louis Vierne und Charles-Marie Widor (letzterer wurde auch sein Kompositionslehrer). Im Jahre 1914 erhielt er den begehrten Prix de Rome des Konservatoriums. Da er für den Militärdienst untauglich war, konnte er seinen Lehrer Vierne von 1916 bis 1922 an Notre-Dame vertreten. Jetzt fand er auch die Zeit, sich mit sämtlichen Orgelwerken von Johann Sebastian Bach auseinander zu setzen, die er 1920 in öffentlichen Konzerten vorstellte und mit denen er sich eine große Reputation erwarb. Bald gab er Konzerte in aller Welt. Daneben war er seit 1926 Professor für Orgel am Conservatoire und Nachfolger von Widor an der Orgel der Pariser Kirche Saint Sulpice. Von 1954 bis 1956 war er Direktor des Konservatoriums. Er starb 1971. Marcel Dupré war nicht nur ein großer Musiker und Komponist, sondern auch ein Meister der Improvisation – vor allem auf dem prächtigen Instrument von Saint Sulpice.

 

Das Stück Zephyrs hat der amerikanische Organist und Autor Rollin Smith nach einem Mitschnitt transkribiert, der eine Improvisation von Marcel Dupré über ein Thema von Leopold Stokowski festgehalten hat. Dieses Stück ist repräsentativ für die Kunst des Extemporierens, in der Dupré ein Meister war: Immer wieder hat er in seinen Konzerten improvisiert, oft auch über Themen, die ihm vom Publikum gegeben wurden und die mitunter, wenn auch nicht im vorliegenden Falle, in einer kunstvollen Fugenkonstruktion ihren Höhepunkt fanden.

 

Die Six Antiennes pour le Temps de Noël op. 48 (Sechs Antiphonen für die Weihnachtszeit) entstanden 1952. Ecce Dominus veniet, et omnes sancti ejus cum eo: et erit in die illa lux magna, alleluia (Siehe, der Herr wird kommen, und all seine Heiligen mit ihm: und es wird an diesem Tag großes Licht sein, Alleluja) ist für die Vesper des ersten Advent gedacht; Grundlage des Stückes ist der Choral der gleichnamigen Antiphon, der zunächst in der Oberstimme erklingt. Omnipotens sermo tuus, Domine, a regalibus sedibus veniet, alleluia (Dein allmächtiges Wort, o Herr, wird von den Wohnstätten der Könige kommen, Alleluja) ist die Vesper-Antiphon für den vierten Advent und bedient sich wiederum des zugehörigen Chorals. Tecum principium, in die virtutis tuae in splendoribus sanctorum, ex utero ante luciferum genui te (Dein ist der Anfang in den Tagen deiner Macht im Glanz der Heiligen; aus dem Leib habe ich dich vor der Morgendämmerung erschaffen) ist die Antiphon für die zweite Vesper des Weihnachtstages. Den leicht veränderten Choral verwendet der Komponist als Grundlage einer ruhigen Meditation. Germinavit radix Jesse: orta est stella ex Jacob: Virgo peperit Salvatorem: te laudamus, Deus noster (Die Wurzel Jesse hat getrieben: der Stern Jakobs ist aufgegangen: die Jungfrau hat den Heiland geboren: wir preisen dich, unsern Herrn) ist eine Antiphon zur zweiten Vesper des Festes der Beschneidung Christi. Der Choral wird hier in einer lebhafteren Stimmung ausgeführt. Es folgt die Antiphon zur zweiten Epiphanias-Vesper: Stella ista sicut flamma coruscat, et Regem Regum Deum demonstrat: Magi eam viderunt et magno Regi munera obtulerunt (Dieser Stern leuchtet wie eine Flamme und zeigt Gott, den König der Könige: Weise Männer sahen sie und brachten Gaben dem großen König). Die Choralmelodie liegt in der Oberstimme und liefert das Material zu einer heiteren Meditation. Die zweite Vesper-Antiphon zum Fest der Reinigung ist auch bei der Segnung der Kerzen zu hören: Bei dem jubilierenden Lumen ad revelationem gentium, et gloriam plebis tuae Israel (Ein Licht, das alle Welt erleuchtet, und die Glorie deines Volkes Israel) liegt der Choral im Pedal der Orgel.

 

Die Neunundsiebzig Choräle op. 28 waren zur Einleitung der Choralvorspiele von Johann Sebastian Bach gedacht. Sie enthalten einfachere Fassungen derselben Choralmelodien, die anschließend in kunstvolleren Ausführungen zu hören sind. Durch Adam’s Fall ist ganz verderbt präsentiert eine zweistimmige Fassung des Themas in den Manualen. Voller klingt dann Ein’ feste Burg ist unser Gott, die bekannte lutherische Version des Psalms 46. Erbarm’ dich mein, o Herre Gott ist ein Kanon zwischen Diskant und Tenor in der Oktave. Bei Ich hab’ mein’ Sach’ Gott heimgestellt liegt die Choralmelodie im Tenor. Es folgt Ich ruf’ zu dir, Herr Jesu Christ, in dem die Diskantstimme die kunstvoll ausgeführte Choralmelodie vorstellt.

 

Die synfonische Dichtung Vision op. 44 wurde 1948 mit dem erläuternden Untertitel Et la lumière luit dans les ténèbres (Und das Licht leuchtet in der Finsternis) veröffentlicht. Das Stück beginnt mit Düsternis und Dunkelheit und steigert sich bis zu einer als Grave bezeichneten Passage, in der ausgehaltene Akkordwechsel ein Trompette-Thema begleiten. Das Register der Flöte wird zu einem zweistimmigen Spiel benutzt; von hier aus führt die Entwicklung zu einem Andante cantabile, das die charakteristischen Klänge der voix céleste einbringt. Langsam entwickelt sich die Musik: Das Tempo steigert sich bis zu einem toccaten-artigen Vivo; es kommt zu einer dynamischen Klimax, und eine klar umrissene Melodie bezeichnet in einem massiven Largamente das Licht, das in der Finsternis leuchtet. Das Werk endet mit einer kurzen Wiederholung des Anfangsmotivs.

 

Der zweite Teil der Choralauswahl aus Duprés Opus 28 beginnt mit zwei Versionen des In dich hab’ich gehoffet, Herr. Das erste Stück steht in e-Moll, das zweite in A-Dur. (Die zweite Fassung erscheint so auch in Bachs Weihnachtsoratorium.) Der Neujahrs-Choral In dir ist Freude ist für volle Orgel geschrieben, das bekannte Weihnachtslied In dulci jubilo wird hier mit den „himmlischen Stimmen“ der voix céleste ausgeführt. Am Ende der Auswahl steht das triumphale Valet will ich dir geben für volle Orgel. Das Choralthema hat Dupré in diesem Satz ins Pedal gelegt.

 

Die Sinfonie Nr. 2 op. 26 cis-Moll wurde 1929 veröffentlicht. Sie beginnt mit einem Preludio, in dem eine toccaten-artige Passage den grandioseren Figurationen des Anfangs und anderen akkordischen Teilen gegenübergestellt wird. Auf diese Weise entstehen die beiden Themengruppen der üblichen Sonatenhauptsatzform. Vor der Reprise gibt es einen machtvoll orchestrierten Höhepunkt. Der Satz endet in Cis-Dur. Das Intermezzo h-Moll ist nach der Form

A-B-A’ komponiert, das heisst, dass der dritte Teil eine veränderte Wiederholung des ersten darstellt. Die beiden A-Teile umrahmen einen komplexeren Mittelteil, dessen Registrierung – wie bei Dupré üblich – genau vorgeschrieben ist. Die marschartigen Akkorde der Toccata Cis-dur weichen einer recht entspannten Musik. Dann wird der Toccatenabschnitt wiederholt, wobei das inzwischen vertraute Motiv im Pedal auch im Schlussteil zu hören ist.

 

Keith Anderson

Deutsche Fassung: Cris Posslac


Close the window