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8.554694 - DANZI: Wind Quintets, Op. 68, Nos. 1-3 / Horn Sonata, Op. 44
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Franz Danzi (1763-1826)

Bläserquintette op. 68, Nr. 1-3

Sonate für Horn und Klavier in e-moll, op. 44

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts war Mannheims Ruhm als hervorragendes musikalisches Zentrum unbestritten, was zahlreiche Lobeshymnen der Zeitgenossen dokumentieren: Der Komponist und Musikschriftsteller Christian Friedrich Daniel Schubart nannte die kurpfälzische Residenz „das musikalische Athen unter den Deutschen". Für Leopold Mozart gehörte der Mannheimer Hof unter Kurfürst Carl Theodor zu den prächtigsten in ganz Europa und das Mannheimer Orchester bezeichnete er als „ohne Widerspruch das beste in Teutschland". Laut Charles Burney befanden sich in der Hofkapelle „wirklich mehr Solospieler und gute Komponisten, als vielleicht in irgend einem Orchester in Europa." Unter der Leitung des Böhmen Johann Stamitz war diese „Armee von Generälen, gleichermaßen geschickt, den Plan einer Schlacht zu entwerfen, als diese zu schlagen" (Charles Burney) für neue Entwicklungen der Satztechnik verantwortlich und prägte den Stil der Vorklassik. Besondere Aufmerksamkeit erregten die Mannheimer durch ihr berühmtes Crescendo und Diminuendo: ersteres verglich Schubart mit einem „Katarakt", letzteres mit einem „in die Ferne hin plätschernden Kristallfluß". Bis zum Ende des Jahrhunderts sollte sich diese stufenlose Dynamik als selbstverständliches Element der sinfonischen Musik durchsetzen.

Einer der „Armeegeneräle" unter Hofkapellmeister Johann Stamitz war der italienische Cellist Innocenzo Danzi, der im Jahr nach seiner Anstellung 1754 die Tochter des Komponisten Carlo Giuseppe Toeschi heiratete. Als ältestes ihrer drei Kinder kam am 15. Mai 1763 Franz Danzi zur Welt, der als Knabe im Chor der kurfürstlichen Kapelle sang und 1778 nach väterlichem Vorbild als Cellist in das Orchester überwechselte. Als Carl Theodor im Spätsommer desselben Jahres seine Residenz nach München verlegte, blieb der junge Danzi zunächst in Mannheim zurück und arbeitete am neu gegründeten Deutschen National-Theater. Erst 1783 folgte er dem Kurfürsten an die Isar, um dort die Stelle seines Vaters als erster Cellist der mittlerweile bayerisch-pfälzischen Hofkapelle zu übernehmen.

Inzwischen war er jedoch immer wieder als Komponist hervorgetreten und spätestens nach dem Münchner Erfolg seiner Oper Die Mitternachtsstunde im Jahre 1788 spielte das Cello nur noch eine Nebenrolle in Danzis Leben. Im Mai 1798 rückte er zwar zum Vizekapellmeister auf, doch stand diese Anstellung unter keinem guten Stern: es kam zu Verstimmungen mit Hofkapellmeister Winter, unter anderem weil Danzi nach dem Tod seiner Frau - der Sängerin Margarethe Marchand - Opern, in denen sie aufgetreten war, nicht mehr dirigieren wollte. 1807 wurde er Kapellmeister in Stuttgart, das sich freilich in musikalischer Hinsicht keineswegs mit der bayerischen Residenzstadt messen konnte. Doch schloß er hier eine herzliche Freundschaft mit dem jungen Carl Maria von Weber, für den er sich in den folgenden Jahren immer wieder einsetzte.

1812 übernahm er die Stelle des Kapellmeisters am badischen Hof in Karlsruhe und begab sich somit noch weiter in die musikalische Provinz, woran die Spielkultur der 26köpfigen Hofkapelle keinen Zweifel ließ. Trotz seiner ständigen Verbesserungsversuche mußte Danzi nach einem zeitgenössischen Bericht noch 1817 den Takt energisch mit stampfen, um seine Musiker zusammen zu halten und sie zu gemeinsamen Einsätzen zu bewegen. Diese Bemühungen gingen nicht spurlos an seiner Gesundheit vorüber und dürften auch seinen Enthusiasmus etwas gedämpft haben, waren jedoch schließlich von Erfolg gekrönt: als Danzi am 13. April 1826 starb, war das Orchester auf 44 Musiker angewachsen und konnte auf ein Repertoire verweisen, das Werke von Mozart, Cherubini, Beethoven, Weber und Danzi selbst umfaßte. Er scheint letztlich mit seinem arbeitsreichen Kapellmeisterschicksal ganz zufrieden gewesen zu sein, denn Louis Spohr lernte ihn in Stuttgart als ausgesprochen liebenswürdigen Künstler kennen und Max Maria von Weber beschrieb den Freund seines Vaters als kleinen dicken Mann mit klugen Augen, die stets gute Laune versprühten.

Trotz seiner künstlerischen Isolation in Karlsruhe gelang es Danzi ganz offensichtlich, aktuelle Trends im Auge zu behalten, denn die Veröffentlichung seiner Quintette op. 56 für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott im Jahre 1821 war zweifellos der Versuch, von der allgemeinen Begeisterung für Anton Reichas bahnbrechende Werke für eben diese Instrumente zu profitieren. Da nun seit einigen Jahren keine derartigen Kompositionen des in Paris lebenden Böhmen mehr erschienen waren, ergriff Danzi die Gelegenheit und schickte seine Quintette nicht an den gewohnten Verleger, sondern an Maurice Schlesinger in Paris. Er hatte auch nichts dagegen, daß sein Name im Vergleich zu dem Reichas, dem er dieses Opus gewidmet hatte, auf der Titelseite eher zum „Kleingedruckten" gehörte. Der Erfolg der Quintette ermutigte Danzi jedenfalls, bereits kurze Zeit später mit op. 67 und op. 68 zwei Werkgruppen aus jeweils sechs Stücken für dieselbe Besetzung folgen zu lassen. Sie erschienen - diesmal ohne Widmung - 1823 und 1824 in Offenbach bei Johann André, der bereits gelegentlich Werke Danzis verlegt hatte, besonders aber für seine wegweisenden Mozart-Ausgaben berühmt wurde. Sämtliche Quintette lassen Danzis Vorliebe für gefällige Melodik und eine leicht chromatische Harmonik erkennen. Von Reichas expansivem und meist virtuosem Ansatz unterscheiden sie sich durch ihren knappen Stil, ihre technische Anspruchslosigkeit und formale Konventionalität.

Die Sonate für Klavier mit obligater Begleitung von Horn oder Violoncello op. 44 wurde im November 1813 vom Leipziger Musikverlag Breitkopf & Härtel erstmals zum Verkauf angeboten. Diese Art der Ankündigung war nicht ungewöhnlich im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, denn das Klavier galt meist als „Hauptinstrument", zu dem man dem potentiellen Käufer eine Auswahl von „begleitenden" Instrumenten anbot, die der jeweiligen Musik nicht immer so gut entsprach wie im Fall von Danzis Sonate. Die hastigen Passagen des Klaviers kontrastieren mit der lyrischen Linie des Horns; um die Absatzmöglichkeiten auf dem großen Markt der Amateurmusiker zu verbessern, fügte der Komponist eine alternative Partie für Violoncello bei. Wir können davon ausgehen, daß sein op. 44 - wie schon die frühere Sonate op. 28 in e-moll - ursprünglich für Horn gedacht war: für Spieler des damals gebräuchlichen Naturhorns ohne Ventile waren Molltonarten etwas unbequem; deshalb ging Danzi in dieser ersten Moll-Sonate für dieses Instrument überhaupt im langsamen Satz und im Finale zu E-dur über.

Im Januar 1814 erschien in der Leipziger >Allgemeinen Musikalischen Zeitung< eine Rezension der neuen Sonate. Danzi war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr so populär wie einst, doch bescheinigte ihm der Kritiker gute Ideen sowie reizvolle Effekte und legte das Stück besonders Spielern mit einem schönen, singenden Ton ans Herz. Da das Blatt das Hausmagazin des Breitkopf-Verlags war, vergaß der Rezensent auch nicht zu bemerken, daß der Klavierpart leicht zu bewältigen sei. Die Begeisterung für die Variationen-Form des Finales schien ihm jedoch aus dem Herzen zu kommen.


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