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8.554767 - HAYDN: Symphonies, Vol. 24 (Nos. 43, 46, 47)
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Joseph Haydn (1732-1809)

Sinfonie Nr.43 Es-Dur

Sinfonie Nr.46 H-Dur

Sinfonie Nr.47 G-Dur

Joseph Haydn wurde 1732 im niederösterreichischen Rohrau als Sohn eines Stellmachers geboren. Nach seiner musikalischen Ausbildung in der Kantorei des Wiener Stephansdoms schlug er sich eine Zeitlang mit Unterrichtsstunden und als Musikant durch, bis er dem alternden Komponisten Nicola Porpora begegnete, dessen Assistent er wurde. Seine erste Anstellung erhielt Haydn 1759 als Kapellmeister des böhmischen Grafen Morzin. 1761 erfolgte seine Berufung zum Vize-Kapellmeister bei einem der wohlhabendsten Männer des Reichs, Fürst Paul Anton von Esterházy, dem nach seinem Tod im Jahre 1762 dessen Bruder Nikolaus nachfolgte. Als 1766 der Kapellmeister Gregor Werner starb, Haydns musikalischer Vorgesetzter, der so manches an der Pflichtausübung und Berufsauffassung seines jüngeren Kollegen und Vize zu bemängeln hatte, folgte Haydn ihm auf diesem Posten nach, den er fast dreißig Jahre ausüben sollte und den er — zumindest dem Titel nach — bis zu seinem Tode bekleidete.

Mit der Vollendung des grandiosen Palais zu Esterháza unter Fürst Nikolaus begann für Haydn die Zeit großer Aufgaben und Wirkungsmöglichkeiten. Ihm oblagen sämtliche musikalische Aktivitäten des Hofes, einschließlich der Komposition und Aufführung von Instrumentalmusik, von Opern und Schauspielmusiken sowie von geistlichen Werken. Für seinen Dienstherrn schrieb er eine Fülle von Kammermusik für verschiedenste Besetzungen, vor allem für das Lieblingsinstrument des Fürsten, das Baryton, ein Streichinstrument mit Bordunsaiten, die zur Begleitung der Melodie gezupft wurden.

Als Fürst Nikolaus 1790 starb, war Haydn ein freier Künstler und konnte der Einladung zu einer Reise nach London folgen; dort komponierte er Werke für den vom Violinisten und Impresario Johann Peter Salomon veranstalteten Konzertbetrieb. Einem zweiten erfolgreichen London-Aufenthalt während der Saison 1794-95 folgte die Rückkehr zu seinen höfischen Verpflichtungen bei der Familie Esterházy, deren neues Oberhaupt sich in Eisenstadt niedergelassen hatte. Die meiste Zeit des Jahres verbrachte man jedoch in Wien. Dort starb Haydn 1809 unter dem Kanonendonner der heranstürmenden napoleonischen Armee.

Haydn lebte während einer Periode des 18. Jahrhunderts, in der sich die Entwicklung der Instrumentalmusik aus der Zeit von Bach und Händel zur klassischen drei- bzw. viersätzigen Sonatenform vollzog, die als Grundlage der meisten Instrumentalmusik der kommenden Zeit dienen sollte. Daß die Sinfonie zur bedeutendsten Gattung der Orchestermusik avancierte, war vor allem Haydns Verdienst. Seine sinfonischen Erstlingswerke komponierte er bereits vor 1759, und der abschließende Zyklus der großen Werke für London entstand im letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts.

Die Sinfonie Nr. 43 Es-Dur, die ihren Beinamen "Merkur" möglicherweise der Verwendung als Zwischenaktmusik für eine der zahlreichen Theateraufführungen in Eisenstadt verdankt, entstand 1770 oder 1771, in einer Zeit also, in der Haydn seine Streichquartette op. 17 und viele andere Kompositionen schrieb. Besetzt mit Streichern und jeweils einem Oboen- und Hörnerpaar, beginnt diese Sinfonie mit einer Aufeinanderfolge von dynamischen Kontrasten bei der Vorstellung des Hauptthemas, dem ein lyrischer empfundenes zweites Thema und ein besonders interessanter Schlußabschnitt folgen. Die zentrale Durchführung wartet mit einem vom Hauptthema abgeleiteten Motiv sowie, nach zwei weiteren Vorwegnahmen des Hauptthemas, mit einer Vorahnung der nachfolgenden Reprise auf. Der langsame Satz in As-Dur dieses von dem renommierten Haydn-Forscher H.C. Robbins Landon als Kammersinfonie beschriebenen Werks beginnt mit gedämpften Streichern, während den Bläsern — wie auch in den anderen Sätzen — nur wenig selbständiges Material zugeteilt ist, die hier denn auch lediglich eine unterstützende Funktion erfüllen. Der Satz folgt dem dreiteiligen Schema der Sonatenform, mit zentraler Durchführung und Reprise. Das gleichmäßig schreitende Menuetto besitzt ein kontrastierendes Trio, das flüchtig c-Moll und B-Dur streift, bevor es zur Grundtonart zurückkehrt. Im wiederum dreiteiligen Finalsatz spielt die 1. Violine das Hauptthema der eröffnenden Exposition, worauf eine schnellere Figuration des Sekundärmaterials, eine dramatisch angespannte Durchführung und eine abwechslungsreiche Reprise folgen.

Die Sinfonie Nr. 46 aus dem Jahr 1772, die als einzige von Haydns Werken dieser Gattung in der relativ seltenen Tonart H-Dur steht (eine Wahl, die zu Intonationsproblemen in den verwandten Tonarten, in die moduliert wird, führen muß), ist ebenfalls mit je zwei Oboen und Hörnern sowie mit Streichern besetzt. Der erste Satz beginnt mit einer aus vier Noten bestehenden Figur, die kontrapunktisch eingesetzt wird und die ebenfalls im zweiten Thema eine Rolle spielt. Die Durchführung bringt diese Figur modulierend und kanonisch, und sie kehrt auch in der Reprise in kontrapunktischer Gestalt zurück. Im sanft wiegenden langsamen Satz in h-Moll läßt Haydn die Streicher mit Dämpfern spielen, wobei die Entwicklung des Eingangsmaterials und andere Momente von mozartscher Wirkung sind. Das Menuet bildet den Rahmen für ein kurioses Trio, in dessen zweiter Hälfte die Verdopplung der Violinen durch die Oboen im h-Moll-Abschnitt von besonders schöner Wirkung ist. Der Schlußsatz wartet mit einigen Überraschungen auf, nicht nur durch die plötzlichen Pausen, sondern vor allem aufgrund der überraschenden Wiederkehr der zweiten Hälfte des Menuet, gefolgt von einem Schlußabschnitt, in dem die Bläser, wie auch an anderen Stellen dieser Sinfonie, wirkungsvoll eingesetzt sind.

Ebenfalls aus dem Jahr 1772 stammt die Sinfonie Nr. 47 G-Dur, besetzt mit jeweils zwei Oboen und Hörnern sowie Streichorchester. Sofort zu Beginn unterstreichen die Bläser ihre Selbständigkeit mit einer markanten Figur, die bei ihrer Wiederholung noch an Bedeutung gewinnt. Der englische Musikhistoriker Dr. Charles Burney bewunderte diesen Satz, den er in einem Brief von 1783 an seinen Freund Thomas Twining hervorhebt, in dem er sich mit einer Reihe von Haydn-Sinfonien, ‘leidlich zubereitet für Cembalo oder P.forte’, befaßt (The Letters of Charles Burney, Bd. 1, Hg. Alvaro Ribeiro S.J., S.377f). Das zweite Thema besteht aus Violintriolen mit darüberliegenden , ausgehaltenen Oboennoten. Diese beiden rhythmischen Elemente tauchen auch in der zentralen Durchführung auf, hauptsächlich in Molltonarten. So beginnt denn auch die Reprise überraschend düster in g-Moll, wohingegen das zweite Thema wieder in Dur erscheint. Der langsame Satz in D-Dur, den Burney als ‘auf einem guten alten Orgelpunkt’ beschreibt, ist eine Variationsreihe auf ein Thema, welches in zwei Teilen, jeweils in hohen und tiefen Streichern, im umgekehrten Kontrapunkt vorgestellt wird. Auf die erste Version kann dadurch unmittelbar das Thema in den tiefen Streichern folgen, jetzt mit derselben Begleitung in der Oberstimme — ein Verfahren, das Haydn auch im weiteren Verlauf anwendet. Die erste Variation ist in schnellerer Figuration gehalten, die zweite ist triolisch gestaltet, die dritte in noch kürzeren Noten und die vierte als vollständigere Fassung des Originalthemas. Eine ausgehaltene Note signalisiert den Beginn des Schlußabschnitts, der - jedenfalls für einen Augenblick — noch einmal eine weitere Variation bereitzuhalten scheint. Das Menuet al Roverso ist so komponiert, daß die zweite Hälfte schlichtweg die rückwärts gespielte erste ist. Selbiges gilt für das Trio, in dem die Bläser stärker hervortreten. Die Sinfonie schließt mit einem schnellen Satz, in dem sich das erste und zweite Thema, getrennt durch eine dramatische Brückenpassage, desselben thematischen Materials bedienen. Die Durchführung dieses Materials bringt — vor der abschließenden Reprise — ein weiteres Element mit dramatischem Zuschnitt.

Keith Anderson

Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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